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Homosexualität "todeswürdig"

Prozess wegen Volksverhetzung: Anklage hält queerfeindlichen Pastor für schuldig

Am Freitag soll das Urteil im Fall Latzel vor dem Bremer Landgericht fallen. Die Auffassung einer evangelischen Theologin, wonach Homosexualität keine Sünde sei, wird das Gericht aber nicht berücksichtigen.


Pastor Olaf Latzel hatte CSD-Besucherin einem Youtube-Video als "Verbrecher" gebrandmarkt und Homosexualität als "todeswürdig" beschrieben

In einem Berufungsprozess wegen Volksverhetzung hat die Staatsanwaltschaft erneut einen Schuldspruch gegen den Bremer Pastor Olaf Latzel von der evangelischen St.-Martini-Gemeinde gefordert. Zwei Verteidiger des Geistlichen plädierten dagegen am Montag vor dem Bremer Landgericht auf Freispruch (AZ 51 Ns 225 Js 26577/20).

Der konservative Theologe hatte 2019 bei einem Eheseminar, das später auf Youtube veröffentlicht worden war, abwertende Äußerungen über queere Menschen gemacht, die das Amtsgericht im November 2020 als Volksverhetzung einstufte. Es hatte den 54-Jährigen zu 8.100 Euro Geldstrafe verurteilt (queer.de berichtete).

"Ich wollte niemanden und werde niemanden als Mensch diskreditieren", sagte Latzel in seinem Schlusswort. Die Vertreterin des Staatsanwaltschaft hielt ihm dagegen seine Äußerungen vor wie: "Überall laufen diese Verbrecher rum, von diesem Christopher Street Day". Damit werde zu Hass aufgestachelt und "unmittelbar in die Menschenwürde einzelner Menschen eingegriffen". In dem Seminar hatte er Homosexualität außerdem als "todeswürdig" beschrieben.

Das Urteil der ersten Instanz sei fehlerfrei, so die Staatsanwaltschaft. Die von Latzel geäußerte Reue nehme sie ihm nicht ab. Latzel hatte unter anderem behauptet, er bedaure den Begriff "Verbrecher". Konkret sagte er: "Ich wollte und werde niemanden als Menschen angreifen und diskreditieren – egal, welche sexuelle Einstellung er hat." Gleichzeitig beharrte er darauf, dass sexuell aktive Homosexuelle grundsätzlich als Sünderinnen und Sünder angesehen werden müssten.

Die Verteidigung forderte Freispruch für den Pastor und argumentierte, dass Latzels theologische Einstellung zu Homosexualität bibelkonform sei. Zwar gestand sie ein, dass Latzel mit seiner Bibelauffassung heutzutage in der Minderheit sei. Doch man müsse Menschen noch sagen können, was im biblischen Sinne Sünde sei. "Wenn man darauf nicht mehr hinweisen darf, ist die Glaubensfreiheit in Deutschland gestorben", so Anwalt Sascha Böttner. Die Äußerungen seien zudem erst ein halbes Jahr später im Internet öffentlich gemacht worden und nach Bekanntwerden von Kritik auch sofort wieder zurückgezogen worden. Ein Urteil des Landgerichts ist für kommenden Freitag angesetzt.

Befangenheitsantrag der Verteidigung angenommen

Der konservative Universitätsprofessor Ludger Schwienhorst-Schönberger hatte während des Verfahrens Latzel als Gutachter attestiert, dass seine Äußerungen bibelkonform seien (queer.de berichtete). Die Bochumer Professorin Isolde Karle hatte als zweite Gutachterin allerdings eine andere Auffassung: Demnach sei es weitgehender Konsens in der evangelischen Theologie, dass Homosexualität keine Sünde sei (queer.de berichtete).

Ihre Expertise wird allerdings im Prozess nicht berücksichtigt: Das Gericht gab am Montag einem Befangenheitsantrag der Verteidigung Recht, die der Sachverständigen vorgeworfen hatte, parteiisch zu sein. Demnach habe Karle ihre theologischen Gutachterauftrag mit Aussagen zu rechtlichen Fragen überschritten und damit Latzel vorverurteilt.

In der als liberal geltenden Bremischen Evangelischen Kirche gibt es seit längerem Konflikte mit der Gemeinde St. Martini, in der sich konservative Christen um Latzel versammelt haben. Eine Abspaltung der Gemeinde will die Landeskirche aber möglichst vermeiden. Wegen der Äußerungen läuft ein Disziplinarverfahren gegen den Pastor, das aber ruht, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. (dpa/dk)



#1 Lucas3898Anonym
#2 Hirn vom HimmelAnonym
  • 16.05.2022, 14:22h
  • "Die Auffassung einer evangelischen Theologin, wonach Homosexualität keine Sünde sei, wird das Gericht aber nicht berücksichtigen."

    Natürlich nicht . Das weltliche deutsche Gericht hatte sich ja bereits darauf verständigt, einen religiösen Wächterrat anzurufen.
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#3 DQ24Anonym
  • 16.05.2022, 16:17h
  • Was sind das für Richter, die einem Gutachter glauben, weil der behauptet, Latzels Aussagen seien "bibelkonform", andererseits aber eine sachlich argumentierte Gutachterin nicht berücksichtigt, weil diese angeblich "parteiisch" sei, weil sie über besagte Bibelstellen anders als Latzel denkt.
    Da wird schon jetzt deutlich, dass Latzel freigesprochen werden wird, was dieser als Aufforderung für weitere ungestrafte Hetze sehen wird.
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#4 AlexAnonym
  • 16.05.2022, 16:29h
  • Moment mal. Der erste Gutachter:

    "Er könne aber in den Äußerungen keinen Aufruf zum Handeln gegen Homosexuelle sehen und auch keine Anstachelung zum Hass, sagte der Theologe mit Blick auf die Eheseminar-Äußerungen Latzels im Oktober 2019."

    Und jetzt erklärt das Gericht aber die zweite Gutachterin für "befangen", weil sie Aussagen zu Rechtsfragen trifft, die nicht ihrem Auftrag entsprechen?

    Das klingt für mich nicht nach einem ausgewogenen Verfahren.
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#5 remixbeb
  • 16.05.2022, 17:14h
  • es ist eine Blamage für die deutsche Justiz und für Deutschland, dass da nicht unterscheiden wird. Meinetwegen gesteht man einer Glaubensgemeinschaft noch ihre abstrusen Thesen zu, aber auch sie sind Teil des Staates und können und müssen entsprechend nach staatlichem echt be- bzw. verurteilt werden. Denn es sind zwei paar Schuhe. Religion ist nichts anderes als eine Philosophie, hat aber keine anderen Rechte als die weltliche Gesellschaft haben. Oder ist es dann auch ok, wenn ich jemanden steinige, weil "meine Religion" etwas als todeswürdige Sünde sieht?! Ja, ich weiß..ein Mord ist ne andere Hausnummer, aber der Gute wird ja auch nicht wegen (versuchtem) Mord, sondern wegen Volksverhetzung angeklagt. Und die besteht definitiv. Da gibt es meiner Meinung nach kein wenn und aber. (Sofern man sich nicht aus Angst vor den Kirchen weg duckt)
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#6 PrideProfil
  • 16.05.2022, 18:27h...
  • Wie Alex zurecht feststellt, müssen dann die rechtlichen Äusserungen des "konservativen" Gutachters ebenfalls als befangen gelten und schon so keine Berücksichtigung finden. Berücksichtigt wiederum im Gegensatz zur Meinung des Landgerichts muss hingegen schon der Begriff der Sünde, der zwar "nur" ein religiöser ist, Latzel jedoch darauf weiter eben sein weltliches und so wohl volksverhetzerisches Konstrukt mit den Begriffen "Verbrechertum", "todeswürdig" etc. aufbaut. Wenn das Gericht fälschlicherweise meint, theologische Gutachten heranziehen zu können, so muss das Gericht dann schon die Aussage der Gutachterin ernst nehmen, dass der Begriff "Homosexualität" in der universitären, evangelischen Wissenschaft einhellig nicht als Sünde gesehen wird. Damit u.a. wird den von Latzel verwendeten Begriffen eine biblische Kriminalisierung in einem Zusammenhang mit Homosexualität entzogen. Die Begriffe haben eben auch nach einhelliger evangelischer, universitärer Wissenschaft nichts mit Homosexualität zu tun. Latzel geht im Gegensatz dazu jedoch darüber hinaus und will seine falschen, religiösen Behauptungen eben wohl sogar einen allgemeinen weltlichen Anspruch geben. Und das macht sie eben bis hin zum Extrem des Begriffs "todeswürdig" jede auch für sich zur Volksverhetzung. Im Gegensatz zur Urteilsbegründung des Amtsgerichts in seiner vollkommenen Schlüssigkeit, kann ich in den Äusserungen von der Verteidigung und des Landgerichts nicht auch nur den Ansatz dergleichen erkennen. Und wie wohl die Staatsanwaltschaft kann ich auch keinen Rückzug Latzels von seinen gerichtsrelevanten Äusserungen sehen. Das Landgericht sollte einfach das so gut begründete Urteil des Amtsgerichts bestätigen, will es sein Urteil auch nach dem bisherigen Verfahrensgang nicht derart leicht angreifbar machen.
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#7 SchonProfil
  • 16.05.2022, 20:25hFürth
  • Ich glaube, die Verteidigung hat das Prinzip der Religionsfreiheit nicht verstanden. Es ist in Deutschland erlaubt, wahlfrei an einen oder mehrere Götter zu glauben. Es ist weiterhin frei gestellt, als Gläubiger sich vermeintlichen Vorgaben der gewählten Götter zu unterwerfen und nach dessen vermeintlichen Regeln zu leben, solange dies dem gesetzlichen Rahmen der Gesetze Deutschlands nicht widerspricht.

    Ein Krimineller bleibt ein Krimineller, auch wenn er sich wegen seines Verbrechens auf seinen Gott beruft.
    Das mag nach dem Tod dieses Hasspredigers im Himmel anders sein, aber hier in unserem Land gilt das deutsche Gesetz.
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#8 QueerboyProfil
  • 17.05.2022, 14:28hKöln
  • Die Aussage das Homosexualität Sünde ist, ist meiner Meinung nach vertretbar, aber uns pauschal als Verbrecher und als todeswürdig darzustellen finde ich strafbar (auch nach der aktuellen Rechtslage). Aus der Bibel kann man das rauslesen was man will, und dabei viele verachtende Handlungen und Straftaten herausnehmen. Religion wird meiner Meinung nach zu sehr geschützt. Man Stelle sich mal vor ein Queere Mensch würde sagen: Alle Christen sind todeswürdig (oder ein moderneres Wort; Christen haben kein Recht zu leben und wenn die sterben würden, wäre es egal). Dies könnte dann der Qieere Mensch dann aus irgendeinem alten Buch nehmen (wird bestimmt in irgendeinem älteren Buch stehen). Das Geschrei der Christen wäre riesig und man würde diese Person richtiger Weise vor Gericht bringen. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie gefährlich diese Sprache sein kein. Denn die die solche Worte hören und in solchen Kreisen unterwegs sind verstehen genau das damit die Ablehnung und Anfeindungen gegen Homos gemeint ist.
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#9 SchonProfil
  • 17.05.2022, 17:08hFürth
  • Antwort auf #8 von Queerboy
  • Nicht einmal die Aussage der Sünde ist aus meiner Sicht in Ordnung. Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn Gläubige innerhalb der geltenden Gesetze nach ihren Regeln leben.
    Anderen Menschen die eigenen Regeln aufdoktrinieren zu wollen ist falsch und nicht erlaubt.
    Wir könnten am Sonntag Kirchgänger Spießruten laufen lassen und sie darauf hin weisen, dass sie zu einer Veranstaltung gehen, die in der Vergangenheit Massenmord begangen hat, geraubt, geplündert, betrogen hat.
    Moslems könnten sie Beschimpfen, dass sie als gebürtige Moslems keinem Christengott huldigen dürfen, weil das eine todeswürdige Handlung ist.

    Zusammengefasst: Es ist für mich in Ordnung, dass der Pastor keine sexuellen Handlungen mit Männern aus Glaubensgründen vor nimmt. Ich finde es in Ordnung, wenn der Pastor sich öffentlich zum Christentum und zum CIS-sein bekennt. Mehr nicht.
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