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Erstes Coming-out seit über 30 Jahren

England: Profi-Fußballer outet sich

Der 17-jährige Jake Daniels spielt beim Zweitligisten Blackpool – und will die beginnende Karriere nicht mit einer Lüge leben.


Daniels im Gespräch mit Sky Sports News

In England hat sich am Montag in einem Interview mit Sky Sports News ein Profi-Fußballer als schwul geoutet – der erste seit Justin Fashanu im Jahr 1990. In dem Interview sagte Jake Daniels, er fühle sich bereit, er selbst zu sein, nachdem er "so lange versteckt" habe, wer er sei.

Der 17-jährige Stürmer beim Zweitligisten Blackpool steht erst am Beginn seiner Karriere: Erst vor wenigen Tagen, am 7. Mai, hatte er sein Debüt in der Profimannschaft des Vereins beim Spiel gegen Peterborough United gegeben – als Einwechslung in der 81. Minute am letzten Spieltag der Saison. In dem Verein spielt er bereits seit dem siebten Lebensjahr. In der Saison 2020/21 wurde er zum Spieler der Saison der Jugendmannschaft ernannt und erzielte 30 Tore für die U18. Den Profivertrag bei Blackpool hatte er erst im Februar unterschrieben und seitdem zunächst als Leihgabe beim Drittligisten Bamber Bridge in vier Spielen ein Tor erzielt.

Twitter / SkyNews

Der Stürmer sagte, er habe ursprünglich das Bedürfnis verspürt, sein Schwulsein zu verbergen, um Profifußballer zu werden, und mit seinem Coming-out zu warten, bis er im Ruhestand sei. "Aber ich wusste, dass das eine so lange Zeit wäre, in der ich nur lügen würde und nicht in der Lage bin, ich selbst zu sein, und das Leben zu führen, das ich will."

"Glücklich, endlich ich selbst zu sein"

In dem Interview sagte Daniels, er habe mit fünf oder sechs Jahren erahnt, dass er schwul sei, und zunächst geglaubt, dass das nicht mit Fußball zusammenpasse. "Also dachte ich mein ganzes Leben lang: 'Es ist in Ordnung, du wirst eine Freundin bekommen, wenn du älter bist, und du wirst dich ändern und es wird in Ordnung sein'."

Aber mit der Zeit habe er bemerkt, dass man das nicht könne und dass das Verstecken belastend sei. "Ich hatte in der Vergangenheit Freundinnen, die versuchten, allen meine Kumpels glauben zu machen, ich sei hetero, und es war nur eine massive Vertuschung. Es war also ein Kampf." Dieser habe auch seine mentale Gesundheit berührt.

Das gehöre jetzt alles der Vergangenheit an – "und ich bin zuversichtlich und glücklich, endlich ich selbst zu sein", so Daniels. "Seit ich mich gegenüber meiner Familie, meinem Verein und meinen Teamkollegen geoutet habe, ist diese Zeit des Nachgrübelns und des Stresses, der dadurch entstand, vorbei." Am Tag nach seinem Coming-out bei der Schwester und der Mutter habe er vier Tore geschossen. "Das zeigt, was für ein Gewicht ich von meinen Schultern losgeworden bin und was für eine gewaltige Erleichterung das war."

Auch in einer Stellungnahme auf der Club-Webseite schrieb Daniels über sein Coming-out und Vorbilder wie den australischen Fußballer Josh Cavallo, der sich im letzten Herbst geoutet hatte, den Trainer Matt Morton oder Wasserspringer Tom Daley. Mit seinem Coming-out wolle er ebenfalls ein Vorbild sein: "Es gibt Menschen da draußen im selben Bereich wie ich, die sich vielleicht nicht wohl dabei fühlen, ihre Sexualität zu offenbaren. Ich möchte ihnen nur sagen, dass sie nicht ändern müssen, wer sie sind oder wie sie sein sollten, nur um sich anzupassen. Es ist das Wichtigste, dass du du selbst und glücklich bist."

Der Verein verbreitete diese Botschaft auch in sozialen Medien. Bei Twitter reagierten bereits mehrere Vereine und Verbände. "Stolz auf dich, Jake", schrieb Manchester City, "Dein Mut und deine Tapferkeit sind inspirierend, Jake", ergänzte Leicester, "Die Fußballwelt unterstützt dich", schrieb die Premier League. Selbst die FIFA teilte den Tweet innerhalb weniger Minuten.

Blackpool habe eng mit Stonewall und Fußballverbänden zusammengearbeitet, um Jake zu unterstützen, schrieb der Verein unter Daniels' Botschaft. Man sei "unglaublich stolz darauf, dass er ein Stadium erreicht hat, in dem er sich sowohl auf als auch neben dem Platz entfalten kann. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir alle ein Umfeld fördern, in dem sich die Menschen wohl fühlen, sie selbst zu sein, und dass der Fußball eine Vorreiterrolle bei der Beseitigung jeglicher Form von Diskriminierung und Vorurteilen einnimmt."

Nur wenige Vorbilder

Daniels ist der derzeit einzige aktiv in einer Profiliga der Männer spielende offen schwule Fußballer. In Deutschland outete sich als bisher einziger Profi der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger nach dem Ende seiner Karriere. 2013 tat es der frühere US-Nationalspieler und Ex-Major-League-Soccer-Profi Robbie Rogers.

Das erste Coming-out eines schwulen Fußballprofis im Jahr 1990 endete in einer Katastrophe: Der Engländer Justin Fashanu wurde mit homophoben Sprechchören in Stadien bedacht, musste sich homophobe "Witze" der Mitspieler anhören und war einer aggressiven Kampagne der nicht zimperlichen englischen Boulevardmedien ausgesetzt. 1998 nahm sich Fashanu nach nie bewiesenen Missbrauchsvorwürfen das Leben. Im Februar wäre der Spieler 61 Jahre alt geworden (queer.de berichtete). (nb)



#1 AtreusProfil
  • 16.05.2022, 19:12hSÜW
  • Sensationell. Glückwunsch und alles Gute! Mögen andere seinem Beispiel folgen, auch in Deutschland und den europäischen Nachbarländern und Ligen.
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#2 friendlyUnicornAnonym
  • 17.05.2022, 07:53h
  • Gute Entscheidung. Wäre es natürlich selbst dann gewesen, wenn es -was natürlich immer noch passieren kann- ihm die Karriere wegen der pathologischen Heterofixiertheit gerade im Fußball auf Seiten der Fans, damit einhergehend aber auch auf Seiten der Sponsoren und letztlich der Vereine verbaut hätte (oder dies vllt. noch tun wird).

    Der Preis, insbesondere an vergeudeter Lebenszeit und mental health, den er sonst bezahlt hätte, hätte die sportlichen Erfolge kaum aufgewogen. 17 ist noch völlig ok, um sein Leben tatsächlich leben zu können. Mit knapp über 40 hätte es schon anders ausgehen, mit der Aussicht auf Depressionen, auf jeden Fall aber internalisierter Selbstablehnung bis hin zum Selbsthass, dazu die bekanntlich sehr hohe Möglichkeit, Problemlösungen recht endgültiger Art in Betracht zu ziehen und ggf. umzusetzen.

    Daher: Alles richtig gemacht und -nicht sarkastisch gemeint- alles Gute für die Zukunft; privat wie beruflich und im Spiel.

    Die Probleme und Befürchtungen, die er benennt, sind dabei natürlich international - und auch bei uns *die* Probleme, die leider selbst mit "jüngeren Leitfiguren" wie Herrn Lahm, der dem Weiterbestand dieser Probleme und der toxischen Atmosphäre Vorschub leistet:
    - Selbstverleugnung, weil "schwul und Fußball nicht zusammenpassen.
    - Man stellt Verein und übergriffige Forderungen einer Branche über sein eigenes Leben
    - Man tröstet sich mit Lebenslügen
    - Man belügt sich selbst und andere, nur um die heteronormative Rolle einer Gesellschaft zu erfüllen, die keinerlei Interesse an dir als Mensch hat und dir beim ersten "Nicht-Funktionieren" ohnehin in den Rücken fällt, ganz egal wie sehr du dich aufgibst um sie "gnädig" zu stimmen.
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#3 stephan
  • 17.05.2022, 11:01h
  • An diesem mutigen Siebzehnjährigen können sich viele Klemmschwestern - nicht nur Fussballer - wirklich ein Beispiel nehmen!
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#4 LorenProfil
#5 LothiAnonym