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AfD-Leak

"Radikal böse Afteröffnung": So widerlich hetzen AfD-Abgeordnete gegen schwule Politiker

Geleakte Chat-Nachrichten aus der letzten AfD-Bundestagsfraktion offenbaren jede Menge rechtsextremes Gedankengut und Queerfeindlichkeit. Attackiert wurden u.a. Jens Spahn, Michael Roth und Johannes Kahrs.


Ein Feindbild der AfD: Johannes Kahrs saß von 1998 bis 2020 für die SPD im Bundestag., von 2008 bis 2019 war er Fraktionssprecher für die Belange von Schwulen und Lesben (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Mehr als 40.000 interne Chat-Nachrichten, die NDR und WDR exklusiv vorliegen, enthüllen ein desolates Selbstbild und rechtsextremes Gedankengut der ersten AfD-Bundestagsfraktion. Demnach stellen sich Teile der Fraktion selbst ein schlechtes Zeugnis aus und sehen sich als strategielosen "Chaosladen". Einige der Abgeordneten bezeichnen Deutschland als "Unrechtsstaat", Angela Merkel als "Volksverräterin" und sie erwarten in Deutschland bürgerkriegsähnliche Zustände.

Regelmäßig werden Politiker*innen anderer Parteien in der "Quasselgruppe" mit üblen Beschimpfungen bedacht. Als der schwule CDU-Politiker Jens Spahn kurzzeitig in den Medien als möglicher neuer Verteidigungsminister gehandelt wird, heißt es: "Oh gut, wieder eine Verteidigungsministerin". Und kurz darauf: "Bei Spahn hätte die Bundeswehr wieder auf Hinterlader umgestellt ...". Der damalige SPD-Staatsminister Michael Roth, Mitglied der Bundesregierung, sei ein "ekelhafter Wicht", oder SPD-Politiker Johannes Kahrs eine "radikal böse Afteröffnung".

Die Chats wurden NDR und WDR zugespielt

Die Chats, die NDR und WDR von einem Whistleblower zugespielt wurden, stammen aus der streng vertraulichen internen Chatgruppe der ersten AfD-Bundestagsfraktion. Mindestens 76 der 92 AfD-Abgeordneten schreiben in der Gruppe bis nach der Bundestagswahl 2021 regelmäßig.

Zwei Jahre, nachdem die AfD mit 12,6 Prozent der Wählerstimmen in den Bundestag eingezogen ist, mehren sich in der Chatgruppe Stimmen wie diese: "Uns fliegt langsam die Partei unterm Arsch weg, die gegründet wurde, um unser Land zu schützen!" oder: "Was fremdschämen angeht, bin ich durch die Partei extrem belastbar geworden."

Interne Kritik an lesbischer Fraktionschefin

Etwa neun Monate vor der Bundestagswahl 2021 postet Parteivorstand Joana Cotar, die damals gegen Alice Weidel um die Spitzenkandidatur für die Wahl ringt: "EINMAL in die gleiche Richtung ziehen. Das wärs. Die Wähler haben keine Ahnung, was sie erwartet, wenn sie AfD wählen..." Ihre harte Kritik an der auch heute amtierenden Fraktionsführung unterstreicht Cotar jetzt im Interview mit NDR/WDR: "Es ist generell die fehlende Führung in der Fraktion, der Mut, auch mal durchzugreifen und sich unbeliebt zu machen."

Auch andere greifen in der Chatgruppe die Fraktionsführung heftig an: Es handele sich um einen "Schlafwagenvorstand", der nichts hinbekomme. Die lesbische Fraktionsvorsitzende Alice Weidel wird von Fraktionskollegen auch namentlich angegriffen: "Frau Weidel kann offenbar Prioritäten setzen, aber nur wenn es um ihren eigenen Kopf geht.". Weidel war kein Mitglied der Chatgruppe.

Im Interview mit NDR und WDR sagt Weidel: "Wenn Sie in der AfD in der ersten Reihe stehen, ist das völlig normal. Das berührt mich nicht." Unzufriedene gebe es immer. "Da müssen die sich überlegen, ob sie sich vielleicht ein anderes Hobby suchen, anstatt ihre Zeit zu vergeuden, permanent in Chats reinzuschreiben. Da würde ich mir mehr Einsatz in der parlamentarischen Arbeit wünschen."

Bundeskanzlerin als "Ratte" bezeichnet

Die vertraulichen Posts der Bundestagsabgeordneten enthalten auch zahlreiche radikale, rassistische und verächtlich machende Äußerungen: "Die Ratte Merkel an der Spitze! Diese Volksverräterin gehört lebenslang in den Knast!" Auch deutliche Umsturzrhetorik findet sich in der Gruppe: "Wir müssen wohl warten, bis das alte Regime wirtschaftlich ans Ende kommt und der Funke aus Österreich, Italien, Frankreich usw. überspringt. Das wird kommen und für die dann ebenfalls kommenden gnadenlosen Kämpfe müssen wir uns rüsten (…)." Auf Nachfrage sagt Alice Weidel, dass solche Äußerungen für sie inakzeptabel seien. Hätte sie davon Kenntnis gehabt, wäre sie dagegen vorgegangen.

Auch die jahrelangen parteiinternen Lagerkämpfe zwischen dem rechtsextremen Flügel und den Gemäßigteren ziehen sich durch die Chatgruppe. Ein Abgeordneter fragt: "Wir brauchen eine Richtungsentscheidung. Wollen wir eine national-sozialistische oder eine freiheitlich-konservative Partei sein..." Und ein anderer: "Da müssen wir uns SELBST die Frage stellen, ob wir erwiesene Nazis in der Partei und dann auch noch in führenden Positionen haben wollen. Ich will das nicht. Die Ideologie und den Führerkult, die Höcke und Kalbitz vertreten, lehne ich zutiefst ab."

Als im Frühjahr 2020 der Verfassungsschutz den damaligen "Flügel" als erwiesen extremistische Bestrebung einordnet, schreibt Joana Cotar: "Es wundert mich nicht, dass das jetzt so kommt. Wir haben zu spät den Stecker gezogen. (…) der Flügel hat es dem VS viel zu einfach gemacht." Damit konfrontiert, sagt Cotar gegenüber NDR und WDR, dass sie sich von der Parteispitze "eine klare Ansage" gewünscht hätte "das geht so nicht, ihr schadet damit allen". (cw/ots)



#1 1HornAnonym
  • 20.05.2022, 10:29h
  • Demnach stellen sich Teile der Fraktion selbst ein schlechtes Zeugnis aus und sehen sich als strategielosen "Chaosladen"

    Mit dem Teil haben sie sogar recht. "Wir stören die Arbeit anderer Abgeordneter durch sinnlose Anträge und Zwischenrufe und machen es ihnen möglichst schwer, sich mit wichtigen Dingen zu befassen" ist keine politische Strategie, jedenfalls keine langfristige.

    Ansonsten die erwartbar homophoben und sonstigen beleidigenden Inhalte. Wird Zeit, dass diese Partei endlich verboten wird.
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#2 Lucas3898Anonym
  • 20.05.2022, 11:39h
  • Antwort auf #1 von 1Horn
  • Entscheidend ist aktuell vor allem, dass keine AfD Mitglieder mit Stimmen (oder Enthaltungen) demokratischer Parteien in Ausschüsse und Posten
    gewählt werden.
    Auch auf kommunaler Ebene.

    Hier ein negatives Beispiel aus Berlin.

    "Nachdem Geschanowski zuvor in drei Wahlgängen durchgefallen war, erhielt er im vierten Wahlgang 14 Stimmen bei elf Gegenstimmen und 14 Enthaltungen. Die AfD selbst verfügt über sieben Mandate."

    taz.de/AfD-Stadtrat-in-Treptow-Koepenick/!5833186/
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#3 FennekAnonym
  • 20.05.2022, 13:55h
  • Das zeigt wieder mal, wie wichtig es ist, bei jeder Wahl seine Stimme abzugeben.

    Selbst wenn man von den größeren Parteien keine wählen möchte, ist es immer noch besser, eine Kleinpartei zu wählen, selbst wenn sie an der 5%-Hürde scheitert. Aus vielen Gründen, aber gerade auch, damit die AfD auch unter der 5%-Hürde bleibt, was nur gelingt, wenn so viele Menschen wie möglich andere Parteien wählen.

    Diese Kleinparteien haben keinen Einfluss auf die Sitzverteilung, aber auf die Prozentzahlen und wenn die AfD dann rausfliegt, kommen sie erst gar nicht mehr bis zur Sitzverteilung.
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#4 AtreusProfil
  • 20.05.2022, 14:02hSÜW
  • Wer hätte auch gedacht, dass Abgeordnete, die rechtskräftig verurteilte, rechtsradikale Straftäter in ihrem Büro beschäftigen und mit AfD-Ausweis in den Bundestag schleusen, keine lieben Worte für Repräsentant*innen der demokratischen Republik übrig haben, wenn sie sich in einem geschlossenen, sicher geglaubten Kommunikationsraum austauschen...
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#5 LorenProfil
  • 20.05.2022, 14:19hGreifswald
  • Keine unerwarteten Neuigkeiten aus dem bekannterweise hart rechtsradikalen bis rechtsextremistischen Personenkonglomerat namens AfD.
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#6 Petrillo
  • 20.05.2022, 14:51h
  • Aus einer "streng vertraulichen internen Chatgruppe"...

    Was wohl alles ans Licht käme, würden mit diesen Geheimdienstmethoden bzw. entsprechenden Whistleblowern die Interna der etablierten Parteien veröffentlichen?
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#7 AFD-WatscherAnonym
#8 AFD-WatscherAnonym
#9 daVinci6667