Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?42084

Prozess um Magazin "Theologisches"

Köln: Verfahren zu homofeindlicher Hetze gegen Geldzahlungen eingestellt

"Krebsmetastasen" und "Parasiten" – so hatte ein polnischer Priester Homosexuelle in einer deutschsprachigen Zeitschrift bezeichnet.


Darisuz Oko ist auch ein gern gesehener Gast im staatlichen polnischen Fernsehen (Bild: Albigowa / wikipedia)

Ein mit Spannung erwarteter Volksverhetzungsprozess gegen einen polnischen Priester und Theologieprofessor vor dem Amtsgericht Köln ist am Freitag gegen Zahlung einer Geldauflage von 3.000 Euro eingestellt worden. Der Theologe Dariusz Oko aus Krakau hatte Homosexuelle unter anderem als "Krebsmetastasen" und "Parasiten" bezeichnet. Er war dafür zu einem Strafbefehl über 4.800 Euro verurteilt worden, nachdem ihn der katholische Priester Wolfgang Rothe aus München angezeigt hatte. Weil Oko dagegen Einspruch einlegte, kam es zu der Verhandlung (Aktenzeichen 535 Cs 127/21).

Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn warf dem Angeklagten vor, "zum Hass aufgestachelt" und "Teile der Bevölkerung beschimpft und verächtlich gemacht" zu haben. Oko betonte, dass er mit seinem Text nicht alle Homosexuellen angegriffen habe. Vielmehr habe er damit homosexuelle Missbrauchstäter in der katholischen Kirche gemeint. "Ich bereue, dass ich so stark ausgegrenzt habe", sagte er. "Ich entschuldige mich."

Twitter / WolfgangFRothe | Der Priester Wolfgang Rothe, der Strafanzeigen gestellt hatte, begleitete die Verhandlung bei Twitter
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Der verantwortliche Redakteur der in Köln ansässigen Zeitschrift "Theologisches", in der Okos Artikel erschienen war, muss 4.000 Euro bezahlen, weil seine Verdienste wesentlich höher sind als die von Oko. Der 91-jährige deutsche Priester versicherte, künftig besser auf die Wortwahl der Artikel zu achten. Sein ursprünglicher Strafbefehl lautete auf 9.100 Euro. Die nun beschlossenen Geldauflagen der beiden Männer sind an den "Weißen Ring" zu zahlen.

Oko ist Inhaber des Lehrstuhls für "Kognitive Philosophie" an der Päpstlichen Universität Johannes Paul II. in Krakau. Der Artikel – Überschrift: "Über die Notwendigkeit, homosexuelle Cliquen in der Kirche zu begrenzen" – wurde in der Verhandlung in voller Länge von der Richterin Sophie Schwartz verlesen, was drei Stunden in Anspruch nahm. In dem Text vertritt Oko die These, dass sich die katholische Kirche im Griff einer homosexuellen "Lavendel-Mafia" befindet. Es fallen Begriffe wie "Homo-Häresie". Jesus habe die Kirche nicht als "Schwulenclub" und "homo-orgiastischen Ort" gegründet, wettert Oko, der einen "homosexuellen Verfall" in der Kirche beklagt.

Mehrmals applaudierten im Saal Unterstützer*innen Okos, die das Verfahren verfolgten. Solche Bekundungen sind vor Gericht ungewöhnlich, doch die Richterin schritt dagegen nicht ein. In einem später in "Theologisches" veröffentlichten zweiten Teil hatte Oko über homosexuelle Priester unter anderem geschrieben: "Man sollte nicht versuchen, solche Menschen zu bekehren, dafür sind sie schon zu verdorben und degeneriert, man sollte nur für sie beten und überlegen und planen, wie man Jungen, junge Geistliche, sich selbst und die ganze Kirche vor ihnen schützen kann."

Die polnische Regierung hatte nach Bekanntwerden des Strafbefehls Vorwürfe gegen die deutsche Justiz erhoben. Vize-Justizminister Marcin Romanowski sah "freiheitsfeindliche Tendenzen im deutschen Rechtsschutzsystem". Polen steht innerhalb der Europäischen Union selbst wegen Defiziten bei der Rechtsstaatlichkeit in der Kritik.

Auch Oko hatte in Interviews vor allem in Polen immer wieder mit homofeindlichen Äußerungen nachgelegt. Vor dem Prozess hatte er gegenüber Medien seine Position verteidigt: "Ich spreche nicht über alle Homosexuellen, das ist der springende Punkt. Ich spreche allein über homosexuelle Priester, die schwere Verbrechen begehen", behauptete der 61-Jährige (queer.de berichtete).

In einem anderen viel beachteten Volksverhetzungsprozess hatte das Landgericht Bremen am Freitagmorgen den evangelikalen Prediger Olaf Latzel in zweiter Instanz freigesprochen (queer.de berichtete). Er hatte unter anderem Homosexualität als "todeswürdig" und CSD-Besucher*innen als "Verbrecher" bezeichnet. (cw/dpa)



#1 AtreusProfil
  • 20.05.2022, 17:35hSÜW
  • Dass es das deutsche Gesetz erlaubt, sich aus einem Gerichtsprozess freikaufen zu können, indem es um die Entwürdigung einer Opfergruppe des Nationalsozialismus und Volksverhetzung geht, unter Hilfenahme einschlägiger Nazivokabeln wie "Parasiten", gehört mit zum Widerlichsten und Verachtenswertestem, was ich jemals auf dieser Seite gelesen über deutsche Rechtsprechung gelesen habe. Falls man letzteres im vorliegenden Fall überhaupt noch als Begriff gebrauchen kann.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 AtreusProfil
  • 20.05.2022, 17:58hSÜW
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • Ergänzung zu den genannten Nazivokabeln:

    »Als Ungeziefer, Parasiten oder Schädlinge bezeichnen vor allem totalitäre Ideologien und Regime vermeintliche oder wirkliche Gegner. Diese Form der verbalen Diffamierung bereitete sowohl in den stalinistischen Säuberungsprozessen als auch in der nationalsozialistischen Judenverfolgung die physische Vernichtung vor.«

    »Die Entmenschlichung von Verfolgten, indem man sie zu Ungeziefer erklärt, ist in totalitären Regimen stets der erste Schritt zur Vernichtung. Wer Ungeziefer ausrottet, begeht keinen Mord an Menschen. So dient die aggressive Rhetorik auch zur Schuldentlastung der Täter.«

    »In Mein Kampf beschrieb Adolf Hitler 1925/27 den Juden nicht als Menschen, sondern als Krankheitserreger: Er ist und bleibt der typische Parasit...«

    www.gra.ch/bildung/glossar/ungeziefer/

    Das Polen seit Jahren eine menschenfeindliche Politik ggü. der queeren Bevölkerung betreibt, steht auch außer Frage.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 dellbronx51069Anonym
#4 tchantchesProfil
  • 20.05.2022, 20:48hSonstwo
  • Bei der Strafe hilft Woelki mit seiner Handkasse für alle vernebelten Brüder doch sicher gern aus. Auf die paar Kröten kommt es jetzt auch nicht mehr an.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 stephan
  • 20.05.2022, 22:29h
  • Nun bin ich ziemlich sicher, dass es sich bei Deutschland wohl nicht um einen Rechtsstaat handelt kann! Hier gelten die Spinnereien der vernebelten Brüder mehr als die Menschenrechte von Minderheiten und deshalb dürfen Minderheiten dann aus religiösem Wahnsinn beleidigt und herabgesetzt werden nach Belieben! Was für ein elendes Land! ... Nur Katholiban-Polska ist eben noch schlimmer dran!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 LorenProfil
  • 20.05.2022, 23:41hGreifswald
  • So erspart die als unabhängig geltende Justiz der der deutschen Regierung eine unfreundliche Begegnung mit den polnischen Nachbarn und Partnern in EU und NATO. Wohl bekomms.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 stephan
#8 FennekAnonym
  • 21.05.2022, 10:17h
  • Innerhalb einer Woche schon der zweite Fall, wo religiöse Hetze durchgelassen wird.

    Offenbar funktionieren die Beziehungen zwischen Staat und Kirche immer noch bestens. Wie Reinhard Mey mal sang:

    "Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm,
    halt Du sie dumm, ich halt sie arm."

    Diesen Sumpf voller Seilschaften kann man nur austrocknen, wenn man folgende zwei Dinge tut:

    1. Aus der Kirche austreten. Egal welche. Wenn man denn unbedingt will, kann man seinen Glauben auch privat leben. Dafür braucht man aber nicht solche Strukturen auch noch finanziell zu fördern.

    Jedes Mitglied solcher Organisationen muss sich darüber im klaren sein, dass man (selbst wenn die eigene Gemeinde liberaler ist) mit seiner Mitgliedschaft letztlich deren weltweite Machenschaften nicht nur moralisch, sondern auch finanziell fördert und erst ermöglicht.

    2. Nur solche Parteien wählen, die eine echte Trennung von Staat und Kirche wollen,

    inkl.
    - Ende der Kirchensteuer (wie alle anderen sollen auch die ihre Mitgliedsbeiträge selbst eintreiben, ist ja keine staatliche Stelle und deshalb auch nicht steuerberechtigt)

    - Ende der Staatsleistungen, die zusätzlich zu den Kirchensteuern fließen, selbst von Bürgern, die nicht mal Mitglied in der Kirche sind

    - Ende der Trägerschaft von Kirchen bei Schulen, Kindergärten, Kinderheimen, Krankenhäusern, etc., die vom Staat (also vom Steuerzahler) finanziert werden und wo die Kirche nur ihren Namen gibt, aber dann mitbestimmen will

    - Ende des kirchlichen Arbeitsrechts und anderen eigenen Gesetzen, die sich die Kirche als Ersatz für staatliche, demokratisch beschlossene Gesetze selbst gibt

    - AGG ohne Ausnahmen für Kirchen und Glaubensgemeinschaften

    - die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut und jeder soll gerne glauben (oder auch nicht glauben) was er will. Aber das darf niemals über anderen Grundrechten stehen und niemals zur Beleidigung, zum Mobbing, zur Hetze, etc. missbraucht werden. Denn wie alle anderen Freiheitsrechte auch, sollte auch dies enden, wo die Freiheit anderer eingeschränkt wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 KopfschüttelAnonym
  • 21.05.2022, 10:40h
  • Antwort auf #8 von Fennek
  • Man sollte den Spieß umdrehen, um vorzuführen, wie weit, bzw. ob Hetze unter dem Deckmantel der "Religionsfreiheit" durchgewunken wird, wenn man die Vorzeichen ändert.
    a) Man halte dieselbe Rede wie Latzel und setze eine andere Minderheit ein, die man als todeswürdig deklariert. Natürlich mit Verweis auf Bibelstellen.
    b) Man halte eine solche Rede oder Plakate mit diesen Inhalten vor seiner Kirche.
    c) Man halte dieselbe Rede mit Verweis auf andere religiöse Bücher.

    Müsste doch alles von Religions- und Meinungsfreiheit gedeckt sein, oder? Wie wollen Richter denn da argumentieren, dass dies Volksverhetzung sein, aber im Falle von Latzel nicht?
  • Antworten » | Direktlink »
#10 FennekAnonym
  • 21.05.2022, 10:50h
  • Antwort auf #9 von Kopfschüttel
  • Da würdest Du aber den vollen Zorn des Gottesstaats Deutschland zu spüren bekommen.

    Schließlich gelten in Deutschland Sonderregeln nur für die Kirche. Siehe die Ausnahmen im AGG, dass die ihr eigenes Arbeitsrecht und andere Gesetze haben. Dass die sogar eigene Kirchengerichte haben. Dass der Staat deren Mitgliedsbeiträge eintreibt und zur Steuer erhebt. Und zusätzlich auch noch Geld aus den Steuern von Nichtmitgliedern an die fließen (sog. Staatsleistungen). Etc. etc. etc.
  • Antworten » | Direktlink »