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Emir-Besuch in Berlin

Katar zu homosexuellen WM-Gästen: Alle willkommen, aber bitte Respekt für Kultur

Bei der Pressekonferenz mit Katars Emir wich der deutsche Bundeskanzler einer Frage zu Homosexuellenrechten in dem Golfstaat aus.


Deutschland und Katar wollen die Zusammenarbeit verstärken – Menschenrechte scheinen da eher lästig (Bild: Screenshot Phoenix)

Zur Fußball-Weltmeisterschaft Ende des Jahres will Katar nach den Worten seines Emirs Tamim Bin Hamad Al Thani alle Gäste willkommen heißen – unabhängig ihrer sexuellen Orientierung. "Wir hindern niemanden daran, nach Doha zu kommen", sagte der Emir am Freitag nach einem Treffen mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) in Berlin auf eine Frage des Journalisten Tilo Jung, ob homosexuelle WM-Gäste zu Hause bleiben müssten.

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Katar sei ein Land, das Menschen willkommen heiße, so der Emir weiter. "Aber wir erwarten und wollen, dass die Menschen unsere Kultur respektieren." Man lebe auf einem Planeten, aber jeder habe unterschiedliche Kulturen. Auf Homosexualität steht bei dem WM-Gastgeber eine bis zu siebenjährige Gefängnisstrafe, nach islamischem Recht ist sogar die Verhängung der Todesstrafe möglich. Geschlechtsangleichungen werden nicht anerkannt.

Scholz erwähnt wie Emir Homosexuelle nicht direkt

Die deutsche Mannschaft werde an der WM teilnehmen, erklärte Scholz auf die vom gleichen Journalisten gestellte Frage, ob das in einem Land opportun sei, "in dem die Rechte von Homosexuellen mit Füßen getreten werden". Auch viele Menschen aus Deutschland würden nach Katar reisen.

"Gleichwohl ist es auch so, dass wir natürlich auch Fragen, die Menschen und Bürgerrechte betreffen, miteinander diskutiert haben und diskutieren", so Scholz. Das habe man nun "ganz intensiv" getan mit Bezug auf die Frage von Arbeitnehmendenrechten. Katar war Ausbeutung ausländischer Arbeiter*innen beim Bau von Anlagen für die WM vorgeworfen worden, was die Regierung zurückweist. Scholz sagte, es habe Veränderungen wie die Einführung eines Mindestlohns gegeben und neue rechtliche Regelungen, die die Bedingungen für Arbeitnehmer*innen verbessert hätten.

"Als jemand, der vom Beruf her Arbeitsrechtsanwalt ist, kann ich sagen: Da ist immer Raum für Verbesserung", fügte Scholz an. Er werde nicht vergessen, dass der eigentliche Antrieb seines politischen und sozialen Engagements der Einsatz für Arbeitnehmer*innen gewesen sei. "Und das gilt umso mehr für alle anderen Fragen, die Bürger- und Menschenrechte betreffen."

Scholz ging in seiner Antwort allerdings trotz der entsprechenden Frage nicht auf die Lage Homosexueller in Katar ein. In seinem Einführungsmonolog bei der Pressekonferenz hatte er zunächst auch nicht zur allgemeine prekäre Menschenrechtslage in dem Staat mit 2,7 Millionen Einwohner*innen Stellung genommen. Bei dem Besuch war es um eine geplante Energiepartnerschaft gegangen, Deutschland will verflüssigtes Erdgas (LNG) aus Katar beziehen und die Zusammenarbeit bei grünem Wasserstoff vorantreiben. Nach Angaben des Kanzlers wollten beide Länder insgesamt ihre Beziehungen vertiefen.

Hotelzimmer für schwule Paare abgelehnt

Die WM findet vom 21. November bis 18. Dezember statt. Seit der Vergabe 2010 hatte der Weltfußballverband immer wieder versucht, die Staatshomophobie in Katar herunterzuspielen. Fifa-Präsident Gianni Infantino sagte etwa erst kürzlich: "Jeder wird sehen, dass jeder hier in Katar willkommen ist, auch wenn wir über LGBTQ+ sprechen" (queer.de berichtete). Die Fifa hatte auch wiederholt betont, dass Regenbogenfahnen im Stadion erlaubt seien. Die katarischen WM-Organisatoren hatten daraufhin behauptet, dass sie Richtlinien des Weltverbands diesbezüglich respektieren würden. Ein hochrangiger Offizieller sagte im April hingegen, dass man Fans entsprechende Flaggen wegnehmen werde (queer.de berichtete).

Vor kurzem hatten mehrere Journalist*innen in Stichproben herausgefunden, dass mehrere katarische Hotels nicht an Schwule vermieten wollten (queer.de berichtete). Das WM-Organisationskomitee des Staates erklärte darauf: "Wir bitten die Menschen, unsere kulturellen Normen zu respektieren." Gleichzeitig gebe es im Land auch "Respekt für die Privatsphäre". Cheforganisator Hassan Al Thawadi hatte 2020 auf eine Journalistenfrage, ob homosexuelle Paare ihre Zuneigung auf den Straßen zeigen könnten, geantwortet: "Es gehört nicht zu unserer Kultur, öffentlich Zuneigung zu zeigen, unabhängig von der sexuellen Orientierung. Und wir bitten die Menschen, das zu respektieren." (queer.de berichtete). (dpa/cw)



#1 dellbronx51069Anonym
#2 MarlonAnonym
  • 20.05.2022, 19:02h
  • Was haben wir nur für einen Bundeskanzler? Scholz hat doch keine Meinung zu gar nichts! Und mit solchen, aus seiner Sicht, Fremdworten, wie Homosexuelle und Katar, kann er eh nichts anfangen.

    Meiner Meinung nach ist er der unfähigste Bundeskanzler in der Geschichte der BRD.
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#3 MesonightAnonym
  • 20.05.2022, 19:07h
  • ...als ob unser Olaf überhaupt auf Fragen antworten würde, jetzt wo Deutschland auch noch Ei ab Deal bezüglich Gas mit Katar gemacht hat, bin ich mal gespannt, ob es überhaupt noch Kritik an diesem Land geben wird.
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#4 LorenProfil
  • 20.05.2022, 19:59hGreifswald
  • Der Bundeskanzler gefällt sich in seinen ellenlangen, an wichtigen Themen vorbeigehenden Ausführungen, nach denen oft m.E. weniger klar ist, als ich in Zeiten eines Krieges mitten in Europa mit furchtbarsten Auswirkungen beispielsweise auf Länder, in denen heute schon Hundertausende hungern und den Hungertod erleiden (ich wähle dieses Beispiel, weil es aus meiner Sicht noch nicht bei allen angekommen ist), einer tiefgreifenden Transformation Deutschlands und eben auch konkreten Menschenrechtsverletzungen von einem Regierungschef erwarte. Olaf Scholz "merkelt sich" durch Interviews und Debatten in einer Art und Weise, die auf mich überheblich und selbstzufrieden wirkt, obwohl zur Selbstzufriedenheit für ihn m.E. kein Grund besteht. Mit vielen Worten weicht er immer wieder Fragen aus. Dass er mit dem Tod bedrohte und verfolgte Homosexuelle nicht beim Namen nennt, passt in die Agenda derer, die wie der frühere SPD-Bundeskanzler Schmidt konsequent den Handel zum eigenen Vorteil über das Wohl der Menschen in den Ländern stellen, mit denen Handel betrieben wird. Ich erwarte von den Scholz-Sozis bezüglich der Menschenrechte von Homosexuellen in Verfolgerstaaten nicht mal sowas wie Sonntagsreden. Ich erwarte von denen diesbezüglich gar nichts.

    Zu Katar: "Kultursensibilität" gegenüber Verbrechern wie den katarischen Eliten ist so fehl am Platze wie die Beschwichtigungspolitik gegenüber dem kriminellen russischen Präsidenten, die auch lange Zeit Markenkern der Sozialdemokraten war.
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#5 AtreusProfil
  • 20.05.2022, 20:00hSÜW
  • Wenn es ums große Geld und die Wirtschaft geht, sind Menschenrechte für Deutschland irrelevant und waren es schon immer. Ich erinnere beispielhaft an die VW-Delegation im Regierungsflieger nach Peking und den Werksbau kurz danach, inmitten eines Netzes aus Konzentrationslagern für Uiguren. Warum man das genau dort baut und weshalb die niedrigen Produktionskosten damit zusammenhängen, ist unübersehbar. Natürlich hatte Herr Kaeser nie auch nur ein Lager oder Zwangsarbeiter*in gesehen, so wie Beckenbauer keinen einzigen Sklaven sah, als er Katar bereiste.
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#6 DestroyaAnonym
  • 20.05.2022, 20:49h
  • Antwort auf #2 von Marlon
  • Stimme dir zu. Er ist eine noch farblosere und richtiungslosere Pappatrappe als Merkel.

    Gerade wenn es um schnelles und zielgerichtetes Handeln geht, versteckt sich Scholz in seinem geistigen Bunker, tief unter mehreren Tonnen verwirrten Schweigens.

    Wie konnte ein Mann der zum Kerzenständer geboren ist, nur Bundeskanzler werden?
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#7 LothiAnonym
  • 20.05.2022, 20:54h
  • Antwort auf #4 von Loren
  • O. Scholz merkelt sich. Das trifft es genau. An anderer Stelle schreibt jemand, er sei der schlechteste Bundeskanzler den Deutschland bisher hatte. Soweit würde ich zwar nun nicht gehen, doch kommt es dem schon sehr nahe. Bisher kenne ich von ihm nur die Weichspühl Methode.
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#8 Lucas3898Anonym
  • 20.05.2022, 21:01h
  • "Wir hindern niemanden daran, nach Doha zu kommen"

    Entscheidend wäre eher, dass "jeder gesund und sicher wieder aus dem Land kommt".
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#9 AtreusProfil
  • 20.05.2022, 21:45hSÜW
  • Antwort auf #2 von Marlon
  • Ich stimme nicht zu.

    Ich erinnere daran, dass Adenauer den Nazikriegsverbrecher und Endlösungsarchitekten Globke 14 Jahre lang beschäftigte, zum Staatssekretär und Chef des Kanzleramtes machte und ihn konsequent vor der Staatsanwaltschaft und jüdischen Justiz schützte.

    Ich glaube nicht, dass es jemals ein*e Bundeskanzler*in schaffen wird, das zu toppen.
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#10 LorenProfil
  • 20.05.2022, 23:37hGreifswald
  • Antwort auf #9 von Atreus
  • Bitte erinere mich nicht an das traute Gespann Adenauer-Globke, sonsz kommt mir noch das Essen des heutigen Tages hoch. Obwohl man immer wieder erinnern muss. Das ist mir schon klar. Und dann das "Konrad-Adenauer-Haus". Schamlos und widerwärtig.
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