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Deine sexuelle Orientierung hat am Arbeitsplatz nichts zu suchen!

Heteros outen sich am Arbeitsplatz ständig – fällt nur nicht so auf, als wenn LGBTIQ+ das machen.


Stuart Bruce Cameron ist Initiator von Europas größter LGBTIQ+ Job- und Karrieremesse STICKS & STONES (Bild: LinkedIn)

Die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität seien Privatsache. Und hätten deswegen am Arbeitsplatz nichts verloren. Solche oder ähnliche Aussagen hört man immer wieder, wenn man das Thema LGBTIQ+ und die Belange von LGBTIQ+ Menschen im Job anspricht. Hier lest ihr, warum sich Personen, die sich so äußern, meist im nächsten Satz selbst widersprechen. Und warum die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität unbedingt an den Arbeitsplatz gehören.

Ich hab' ja nichts gegen LGBTIQ+ Personen, aber...

So klingt er meistens, der Auftakt zu einer Aussage, wie wir sie alle schon tausendfach gehört haben. Gegen die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität einer Person habe man ja nichts einzuwenden. Nur sollen sie doch bitte im Privaten stattfinden, versteckt vor den Augen Dritter und doch bitte schon gar nicht am Arbeitsplatz. Dort handele es sich immerhin um ein professionelles Umfeld, in dem ausschließlich Leistung und Qualifikation zähle.

Soweit, so gut. Nur, dass die Personen, die sich so äußern, das Gesagte meist im nächsten Satz ins Gegenteil verkehren. Nach einer kurzen Pause fahren sie dann oft damit fort, von ihrem Wochenende zu erzählen. Von gemeinsamen Ausflügen mit Partner:innen, von Erlebnissen in der Familie, einem Streit in der Beziehung vielleicht, oder einer anstehenden Hochzeit.

Der Arbeitsplatz – ein Ort heterosexueller und cis-geschlechtlicher Präsenz

Dieser Widerspruch zeigt auf eindrückliche Art die Realität am Arbeitsplatz. Und die sieht nämlich so aus: heterosexuelle und cis-geschlechtliche Menschen outen sich fortlaufend, bringen ihre sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität ganz selbstverständlich in Gespräche ein. Dabei kommt niemand auf die Idee, daran Anstoß zu nehmen oder hier auf die vermeintliche Trennung zwischen Privatem und Arbeit zu pochen.

Auf den Schreibtischen stehen Bilder einer:s Kolleg:in samt Partner:in, im Vordergrund spielen vielleicht die Kinder des Paares. In der Kaffeeküche, auf dem Flur oder während der Frühstückspause im Aufenthaltsraum wird sich über den oder die neue:n Kolleg:in oder Mitarbeiter:in im Café gegenüber ausgetauscht, weil ein:e Mitarbeiter:in die Person attraktiv findet. Urlaubspläne? Aber sicher doch. Nach Italien soll es gehen – mit dem:der Partner:in.

Ihr seht, worauf es an dieser Stelle hinausläuft: heterosexuelle und cis-geschlechtliche Lebensrealitäten, und eben auch das Privatleben der Einzelperson, sind am Arbeitsplatz allgegenwärtig. Ganz selbstverständlich sind sie Teil des Alltags und des Small-Talks – keine Person nimmt daran Anstoß.

@stuart.bruce.cameron

original sound – Stuart Bruce Cameron
TikTok / Stuart Bruce Cameron | Stuart Bruce Cameron, Initiator der STICKS & STONES, zur (Un-)Sichtbarkeit von LGBTIQ+ Menschen am Arbeitsplatz
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Folgen der unsichtbaren Realität von LGBTIQ+ Menschen im Job

Ganz anders sieht die Situation aber aus, wenn Jenny von ihrer Partnerin und der gemeinsamen Wanderung im Harz am Wochenende spricht. Oder Kim darauf hinweist, dass nicht she/her sondern they/them die korrekten Pronomen zur Anrede sind. Sobald es queer wird, wird auf die Professionalität am Arbeitsplatz verwiesen. Privates solle doch bitte auch privat bleiben!

Das hat ganz dramatische Folgen für LGBTIQ+ Menschen im Job. Das ständige Versteckspiel ist kräftezehrend, ein aufgezwungenes Doppelleben, das Ausreden zu Freizeitbeschäftigungen und Privatleben abverlangen. Das löst Stress und Unwohlsein aus. Ganz zu schweigen von den negativen Auswirkungen auf die Performance im Job und auf die Loyalität gegenüber arbeitgebender Unternehmen und Organisationen. Kurzum: das Verdrängen queerer Menschen in die Unsichtbarkeit ist mit hohen Kosten und einer großen Belastung für Betroffene und uns als Teile der Community verbunden.

Schluss mit zweierlei Maß – Raus mit uns Queers!

Deswegen hier ein Aufruf: es muss Schluss sein mit zweierlei Maß. Die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität von LGBTIQ+ Personen gehört ganz dringend und unbedingt an den Arbeitsplatz. Und zwar deswegen, weil die eigenen Identität einen entscheidenden Teil einer jeden Person ausmacht. Sie lässt sich nicht einfach abspalten, stummschalten oder verstecken. Denjenigen Personen, die finden, die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität seien Privatsache und keine Themen für den Arbeitsplatz, sollten wir dringend den Spiegel vorhalten und sie auf ihr eigenes, permanentes "Outing" und ihre Doppelstandards hinweisen.

Besonders wichtig ist in jedem Fall, ein wertschätzendes Umfeld im Job. Eines, in welchem jede:r Mitarbeiter:in so sein kann, wie er:sie ist. Wo die Motivation und das Engagement in die eigene Arbeit und Aufgaben fließen können, und nicht von Versteckspielen aufgesaugt werden. Das erkennen auch immer mehr Arbeitgebende. Und deswegen setzen sich zunehmend für gelebte Wertschätzung und echte Chancengerechtigkeit ein. Über 120 von ihnen stellen sich am 11. Juni 2022 in der Verti Music Hall in Berlin auf der STICKS & STONES, Europas größter LGBTIQ+ Job- und Karrieremesse, vor. Ein Besuch auf der Messe lohnt sich aus verschiedenen Gründen unbedingt! Die kostenlosen Tickets findet ihr hier.



#1 Mmusic9999Anonym
  • 23.05.2022, 05:33h
  • Man muss aber auch erwähnen, dass das nicht überall so ist. Bei meinen bisherigen Arbeitgebern war es immer so, dass es für jeden normal war, dass ich schwul bin und man hat ganz normal über meinen Ehemann gesprochen.
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#2 nichtbinärePersonAnonym
#3 elimAnonym
  • 23.05.2022, 08:26h
  • Antwort auf #1 von Mmusic9999
  • Wie so oft gibt es hier jede menge Gefälle in jede mögliche Richtung - große Firmen, gern mit eigenem LGBT*IQ-Netzwerk, im Bürobereich sind oft recht unproblematisch, Fertigung ist aber gleich ne ganz andere Welt. Und je kleiner die Firma, um so mehr kommt es drauf an, was Chef*in vorlebt
  • Antworten » | Direktlink »
#4 LothiAnonym
  • 23.05.2022, 08:48h
  • Antwort auf #1 von Mmusic9999
  • Als ich 1991 bei der Deutschen Post anfing zu arbeiten, habe ich mich auch sogleich geoutet. Was schon mal für Verwirrung unter den Kollegen und Kolleginnen geführt hat. Hinzu kam noch, dass gerade 2 schwulen Kollegen die sich mit HIV angesteckt hatten mit Abfindung aus dem Betrieb geschieden wurden.
    Schon kurze Zeit darauf wurde auch bei mir der Versuch unternommen mich als Postuntauglich erklären zu lassen um mich ja schnell wieder loszuwerden. Was aber durch den Betriebsarzt verhindert worden ist. Somit blieb ich bei der Post und ließ mir nichts gefallen. Machte meine Arbeit gut. Es gab im laufe der Zeit von Oben immer wieder den Versuch mich rauszugraulen. Was aber immer wieder durch die Betriebsärzte verhindert wurde. Das ganze zog sich 25 Jahre lang so hin. Ständig war ich Mobbing besonders durch Vorgesetzte ausgesetzt. Aber ich blieb weiterhin standhaft. Wurde sogar als Vertrauensmann gewählt.
    Erst 2009 bekam ich ein herbes Burnout und eine Arbeitsplatzdepression. Danach war nichts mehr wie vorher. Durch mein Hausarzt geschützt quälte ich mich durch bis zu mein Renteneintritt. Mein Ziel war es schon immer bei der Post gewesen durchzuhalten bis ich in Rente gehe. Denn die Post AG muß mir nun monatlich eine gute Betriebsrente zahlen. Schon dafür hat sich dieser ganze Aufwand gelohnt.
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#5 nichtbinärePersonAnonym
#6 JetztzeitAnonym
#7 nichtbinärePersonAnonym
  • 23.05.2022, 12:47h
  • Antwort auf #6 von Jetztzeit
  • Es gibt genügend Berichte, Studien etc., die belegen, dass das auch in Deiner "Jetztzeit" durchaus noch eine massive Problematik ist. Ganz spontan habe ich z.B. dies hier gefunden:

    www.queer.de/detail.php?article_id=32838

    Ansonsten bin ich keine Person, die Freude daran hat, eine Quelle nach der anderen für Andere herauszusuchen und zu verlinken.

    Aber zu glauben, in der "Jetztzeit" sei alles paletti, ist schlicht Realitätsleugnung.

    Übrigens bin ich durchaus dazu in der Lage, Texte aus einer Anzeige ins Verhältnis zu redaktionellen Texten zu setzen. Man sollte seine Mitdiskutant_innen hier nicht für allzu dumm verkaufen wollen.
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#8 JetztzeitAnonym
  • 23.05.2022, 13:12h
  • Antwort auf #7 von nichtbinärePerson
  • Puh, das ist aber eine empfindlich persönliche reaktion von dir auf einen allgemein gehaltenen kommentar. ein etwas größeres ego wäre wohl hilfreich.

    der artikel, den du verlinkst, ist über drei jahre alt und gibt seinerseits die info, dass in den damals zwei zurückliegenden jahren bereits fortschritte erzielt worden waren.
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#9 nichtbinärePersonAnonym
  • 23.05.2022, 13:30h
  • Antwort auf #8 von Jetztzeit
  • Du hast mir geantwortet. Nicht allgemein geschrieben. Und danke für den Tip, aber hier gibt es schon genügend Leute mit "etwas größerem Ego". Ich fühle mich eigentlich ganz wohl damit, mich nicht permanent über Andere stellen zu müssen, um ein solches Ego aufrechtzuerhalten.

    Tja nun, sorry, dass der verlinkte Artikel schon 3 Jahre und somit uralt ist. Sicher findest Du selbst neuere. Dort heißt es u.a., dass sich nur 37% der queeren Menschen am Arbeitsplatz geoutet haben - aus Angst vor Diskriminierung, Benachteiligungen und Mobbing etc.

    Sicher kannst Du anhand geeigneter viel neuerer Berichte und/oder Studien nachweisen, dass sich ausgerechnet in den letzten 3 Jahren alles fundamental geändert hat? Es bleibt spannend.
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#10 Ith_Anonym
  • 24.05.2022, 07:44h
  • Tja, was soll ich sagen. Ich bin out am Arbeitsplatz, und während ein Kollege in seinem ganzen Leben immerhin schon eine Lesbe kennengelernt hatte, hat eine Kollegin in ihrem Leben sogar schonmal eine geoutete nonbinäre Person gesehen.

    Sind beides Leute deutlich über 30.

    Kommt mir für die Annahme, dass Out sein so furchtbar selbstverständlich sei, irgendwie ein bisschen wenig vor. Aber um das mitzukriegen, muss man sich das halt antun.

    Waren bei mir auch schon 5 Jahre Mobbing und negative berufliche Konsequenzen. Aber das ist ja wieder nicht gute-Laune-stiftend genug und hab ich eh schon mehr als einmal erzählt, von daher spar ich es mir.
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