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Missbrauchsvorwürfe

Walter Homolka gibt Anteile am Rabbiner-Kolleg ab

Am Abraham Geiger Kolleg soll der früher als Dozent tätige Ehemann des Rektors Penisbilder an einen Studenten geschickt haben. Nach wachsenden Vorwürfen zieht sich der liberale Gründer nun weiter zurück.


Rektor Walter Homolka zieht sich als Gesellschafter des von ihm selbst gegründeten Kollegs zurück (Bild: Ellenson1 / wikipedia)
  • 22. Mai 2022, 06:23h, noch kein Kommentar

Der Gründer des bisher renommierten Abraham Geiger Kollegs, Walter Homolka, hat sich nach wachsenden Vorwürfen gegen das Institut zur Rabbinerausbildung als Gesellschafter zurückgezogen. Die Leo Baeck Foundation, die bisher nur einen Teil der Anteile hielt, habe unentgeltlich alle Anteile an der gemeinnützigen Gesellschaft von Homolka übernommen, teilte das Kolleg in Potsdam mit. Die Stiftung sei seit Freitag alleinige Trägerin des Geiger Kollegs. Das Brandenburger Wissenschaftsministerium bekräftigte am Samstag, Ministerin Manja Schüle (SPD) gehe davon aus, dass die Universität Potsdam die Vorwürfe umfassend und unabhängig aufkläre.

Die Zeitung "Welt" hatte vor rund zwei Wochen über Vorwürfe sexueller Belästigung eines Studenten durch den Ehemann des Rabbiners, der selbst als Dozent am Kolleg tätig war, berichtet. Dieser soll 2019 Bilder seines erigierten Penis verschickt haben (queer.de berichtete). Die Geschäftsführung räumte danach weitere Vorkommnisse ein: Gegen einen Mitarbeiter wurden demnach schon im Dezember 2020 und im Februar 2022 Vorwürfe wegen sexueller Belästigung erhoben, das Arbeitsverhältnis endete Ende Februar. Es geht auch um den Vorwurf des Machtmissbrauchs.

Uni setzte Untersuchungskommission ein

Am Abraham Geiger Kolleg werden seit 1999 Rabbiner für jüdische Gemeinden ausgebildet. Die renommierte liberale Institution ist Teil der Universität Potsdam. Die Uni setzte nach eigenen Angaben im Frühjahr eine Untersuchungskommission ein, die verschiedene Vorwürfe gegen Homolka und einen wissenschaftlichen Mitarbeiter prüfen soll.

Rektor Homolka ließ seine Ämter nach Bekanntwerden der Vorwürfe vorerst ruhen, darunter auch als Vize-Direktor der School of Jewish Theology. Dessen geschäftsführender Direktor Daniel Krochmalnik erklärte inzwischen seinen Rücktritt. Bis vor etwa zwei Wochen stand er auch an der Spitze der Leo Baeck Foundation, seitdem ist Kanzlerin Anne-Margarete Brenker amtierende Vorsitzende der Stiftung. Damit ruht Homolkas Amt zunächst.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Vorwürfe als tiefgreifend bezeichnet und eine Anwaltskanzlei damit beauftragt, ein Gutachten samt Handlungsempfehlungen zu erstellen. Präsident Josef Schuster will damit nach Angaben des Zentralrats eine unabhängige und lückenlose Aufklärung der Vorwürfe erreichen, aber auch Betroffene schützen und Schaden von der jüdischen Gemeinschaft abwenden.

Homolka war Mitorganisator beim CSD-Gottesdienst

Zu Förderern und Unterstützern des Kollegs gehören unter anderen das Bundesbildungsministerium, die Kultusministerkonferenz, das Land Brandenburg und der Zentralrat der Juden in Deutschland. Homolka erhielt 2015 für seine Verdienste um die Ausbildung von Rabbinern in Deutschland das Bundesverdienstkreuz, 2020 für außerordentliche Verdienste um Brandenburg den Verdienstorden des Landes. In der queeren Community hat sich Homolka als Mitorganisator des jüdisch-christlichen Gottesdienstes zum Berliner CSD einen Namen gemacht (queer.de berichtete).

Am Donnerstag nahm die frühere Berliner Finanzstaatssekretärin Gabriele Thöne ihre Arbeit als Interimsdirektorin des Abraham Geiger Kollegs auf. "Höchste Priorität hat für uns, zügig alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Abraham Geiger Kolleg in die Zukunft zu führen und so auch weiterhin das liberale Judentum in Deutschland zu stärken", sagte Thöne am Freitag.

Im Brandenburger Wissenschaftsministerium waren einige Vorwürfe aus einem 24-seitigen Report bereits im Januar bekannt, über den das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Freitag berichtete. Darin ging es um Vorwürfe des Machtmissbrauchs und sexueller Belästigung. Die Schule erfuhr laut ihrem Sprecher erst aus der "Welt" von den Vorwürfen.

Das Kolleg ist als gemeinnützige GmbH selbstständig. Im Europäischen Zentrums für Jüdische Gelehrsamkeit in Potsdam sind das Institut für Jüdische Theologie (School of Jewish Theology) sowie die Rabbinerseminare Abraham Geiger Kolleg und Zacharias Frankel College unter einem Dach in der Uni vereint. Homolka war auch Geschäftsführer des Frankel College, bis er den Posten ruhen ließ. (cw/dpa)