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Seltene Krankheit
UNAIDS kritisiert einige Affenpocken-Berichte als homophob und rassistisch
Eine Stigmatisierung der Virusinfektion könne den "Kampf gegen die Epidemie schnell untergraben", warnt die UN-Organisation. Die Union fordert Präventionsmaßnahmen für besonders gefährdete Personengruppen.
- 23. Mai 2022, 02:29h 2 Min.
Die UN-Organisation UNAIDS hat einige Berichte und Kommentare über Affenpocken-Fälle als homophob und rassistisch kritisiert. Eine Stigmatisierung der Virusinfektion könne den "Kampf gegen die Epidemie schnell untergraben", warnte die Organisation deshalb am Sonntag. Zwar betreffe ein großer Teil der bislang bestätigten Fälle von Affenpocken schwule und bisexuelle Männer, doch die Krankheit könne durch engen Kontakt mit einer infizierten Person übertragen werden und "somit jeden treffen".
Die UN-Organisation fürchtet, dass Stigmata und Vorwürfe schnell die auf Wissenschaft und Fakten basierenden Bemühungen zur Bekämpfung der Krankheit beeinflussen können. Rassistische oder homophobe Angriffe "schaffen einen Kreislauf der Angst". Dieser bringe Menschen dazu, Gesundheitszentren zu meiden, womit sich die Ausbreitung schlechter einschränken lasse, erklärte UNAIDS.
Drei Infektionsfälle in Deutschland

Berlins Gesundheitssenatorin Ulrike Gote: "Kein Grund zur Panik, aber Grund zur Vorsicht" (Bild: Sandro Halank, Wikimedia Commons / wikipedia)
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bis Samstag über 90 Infektionen in Ländern bestätigt, in denen das in West- und Zentralafrika heimische Virus normalerweise nicht auftritt.
Drei Infektionsfälle wurden in Deutschland nachgewiesen – nach dem ersten in Bayern folgten am Samstag zwei weitere in Berlin. In Österreich bestätigte sich der erste Verdachtsfall.
Die Berliner Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) erklärte nach dem Nachweis von zwei Fällen in ihrer Stadt, es bestehe "kein Grund zur Panik, aber Grund zur Vorsicht, da viele wissenschaftliche Erkenntnisse über die Krankheit noch vorläufig sind, weil sie so selten ist". Expert*innen gingen davon aus, "dass wir keine neue Pandemie fürchten müssen". Es müsse aber jetzt "schnell und konsequent" gehandelt werden.
Bayerns Gesundheitsminister fordert Impfkampagne
Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sprach sich dafür aus, nach dem Vorbild Londons umfangreiche Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. "Ich glaube, es ist schon wichtig, dass wir Impfstoff jetzt auch ordern", sagte Holetschek Bild-TV. Es gehe dabei um die Frage, ob präventiv im Bereich der Kontaktpersonen Impfungen möglich und richtig seien, und wenn ja, mit welchen Impfstoffen.
Die Union forderte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf, kurzfristig Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen für besonders gefährdete Personengruppen zu verstärken. "Sollte sich bestätigen, dass besonders viele Infektionen auf ungeschützte sexuelle Kontakte zurückgehen, muss gerade in exponierten Milieus auf das neue Risiko hingewiesen werden", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Tino Sorge, dem Redaktions-Netzwerk Deutschland. (cw/AFP)















