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Texas

Games-Unternehmen: Hilfe gegen Anti-Trans- und Abtreibungsgesetze

Die Videospiel-Entwickler*innen von Certain Affinity greifen ihren Mitarbeiter*innen finanzkräftig unter die Arme, sollten die in Konflikt mit neuen transphoben und misogynen Gesetzen geraten.


Certain Affinity geht auf den Erfolg der Spielreihe Halo zurück (Bild: commorancy / wikipedia)

Texas gehört zu denjenigen US-Bundesstaaten, in denen die Verfolgung und Unterdrückung transgeschlechtlicher Menschen besonders perfide ist. Vergangene Woche etwa begannen die Jugendämter nach einem entsprechenden Urteil wieder mit Untersuchungen gegen Familien, die ihre transgeschlechtlichen Kinder akzeptieren, statt ihnen ein falsches Geschlecht aufzuzwingen (queer.de berichtete).

Hinzu kommt der durchgestochene Urteilsentwurf des Supreme Court, wonach die USA kurz davor sein könnten, dass das Recht auf Schwangerschaftsabbruch gekippt wird – was einige Bundesstaaten umsetzen wollen. Das historische "Roe vs. Wade"-Urteil könnte mit einer Begründung rückgängig gemacht werden, die prinzipiell auf weitere Rechte von Minderheiten Anwendung finden dürfte (queer.de berichtete).

Umzüge sollen finanziert werden

Doch aus Texas kommt auch Widerstand gegen den Versuch, die Zeit zurück zu drehen. Der CEO des Videospiel-Unternehmens Certain Affinity mit Sitz in dem Südstaat, Max Hoberman, kündigte in einem Brief an seine Angestellten Unterstützung gegen die Einschränkung der Gesetzgebung an.

Wenn der Staat oder die Provinz, in dem oder der die Angestellten lebten, den Zugang dazu begrenzten, was "eine Mehrheit der medizinischen Expert*innen als grundlegende Versorgung betrachtet", und es dadurch unhaltbar würde, zu bleiben, finanziere das Unternehmen den Umzug. Damit bringt sich das Unternehmen allerdings potentiell selber in Konflikt mit dem Gesetz. Es würde sich nämlich im Fall von geschlechtsaffirmierender Behandlung transgeschlechtlicher Kinder und Jugendlicher außerhalb von Texas theoretisch der Kindesmisshandlung mitschuldig machen.

Voraussetzung für die Untersützung ist, dass am Zielort ebenfalls ein Standort der Videospielschmiede angesiedelt ist. Das ist gegenwärtig im kanadischen Toronto der Fall. Einige Mitarbeiter*innen des Unternehmens arbeiteten bisher jedoch auch von anderen Orten als Texas von zuhause aus an den Projekten von Certain Affinity mit.

Hoberman entstammt dem Team beim Entwickler Bungie, das für den Videospieleklassiker "Halo" verantwortlich zeichnete, gründete dann jedoch sein eigenes Unternehmen. Das war beteiligt an Titeln wie "Halo Infinite", "Doom" (2016) und "Left 4 Dead" sowie einigen Spielen der "Call of Duty"-Reihe.

Die Ankündigung gegenüber den Mitarbeiter*innen sei eine Demonstration der Werte des Unternehmens, heißt es. Auch andere Unternehmen in den USA haben das durchgestochene Urteil bereits öffentlich kritisiert, darunter auch Bungie. Bei Bungie glaube man, wie der Entwickler in einem Blogbeitrag schrieb, dass jede*r das Recht habe, den eigenen Weg zu wählen, und dass sich Freiheit über alle Facetten des Lebens ausdrücke. Das Vorhaben des Supreme Court sei ein Schlag gegen die Freiheit in Amerika und ein direkter Angriff auf Menschenrechte.

Im Februar hatten in Texas anlässlich einer Neuinterpretation des Begriffs der Kindesmisshandlung ("child abuse") durch die Regierung Untersuchungen gegen die Eltern transgeschlechtlicher Kinder und Jugendlicher begonnen (queer.de berichtete). Eine Gerichtsentscheidung hatte die Untersuchungen zunächst gestoppt (queer.de berichtete), eine weitere kürzlich deren Fortführung erlaubt. Darin teilte das Gericht jedoch nicht die Auffassung, dass die Jugendämter gegenüber der Regierung oder ihren Gesetzesinterpretationen weisungsgebunden seien. (jk)