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Reaktionen auf Ausbruch

WHO zu Affenpocken: "Das ist keine Krankheit von Schwulen"

Gesundheitsexpert*innen rufen zu einer umsichtigen Reaktion auf die Affenpocken-Ausbruch auf.


Die Weltgesundheitsorganisation schaut sich die Situation derzeit genauer an (Bild: Guilhem Vellut / flickr)

Bei der Verbreitung der Affenpocken sind wichtige Fragen laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch ungeklärt. So sei noch offen, ob sich das seit mehr als 40 Jahren bekannte Virus verändert habe, sagten WHO-Fachleute am Montag in Genf. Die Art des Virus spreche momentan allerdings dagegen. "Sie tendieren dazu, sehr stabil zu sein", sagte die WHO-Expertin Rosamund Lewis.

Sie wies darauf hin, dass die Impfung gegen Pocken, mit der diese Krankheit vor Jahrzehnten ausgerottet worden sei, zu 85 Prozent auch gegen die Affenpocken helfe. Außerdem sei der Impfstoff seitdem weiterentwickelt worden. Das Problem sei, dass er nicht in größeren Mengen verfügbar sei. Daher werde es darum gehen, welche Personengruppen so einen Schutz benötigten, hieß es.

Die WHO wandte sich gegen eine Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen. "Das ist keine Krankheit von Schwulen", sagte WHO-Experte Andy Seale. Sexueller Kontakt sei eine Übertragungsmöglichkeit, aber es reiche auch Hautkontakt. Während in der Vergangenheit die Affenpocken nur sehr begrenzt durch Reisende verbreitet worden seien, sei diesmal ein anderes Muster zu erkennen. Wichtig sei, dass die internationale Gemeinschaft die Beobachtung von Fällen intensiviere. Weltweit seien bisher erst weniger als 200 Fälle mit oft eher weniger schweren Verläufen verzeichnet worden, sagte WHO-Expertin Maria Van Kerkhove. "Das ist eine beherrschbare Situation." Allerdings sei mit steigenden Zahlen zu rechnen.

Münchner Aids-Hilfe: "Erhöhte Aufmerksamkeit ja, Panik, Schuldzuweisungen nein"

Die Münchner Aids-Hilfe warnt unterdessen vor einer möglichen Diskriminierung schwuler Männer aufgrund der Affenpocken: "Erhöhte Aufmerksamkeit ja, Panik, Simplifizierungen und vor allem Schuldzuweisungen nein", erklärte Tobias Oliveira Weismantel. Die Anfragen an die Aids-Hilfe häuften sich, wenn es darum gehe, Stellung zu nehmen zur aktuellen Verbreitung der Krankheit. Auch die Frage, ob die Krankheit ähnlich des HI-Virus in der Achtzigerjahren zu einer Stigmatisierung und Ausgrenzung schwuler und bisexueller Männer führen könne, werde dabei immer wieder gestellt.

"Wir konnten in den vergangenen Tagen sehen, dass die Presse auf die Frage des gehäuften Vorkommens der Krankheit bei Männern, die Sex mit Männern haben, anspricht", so Weismantel. "Was wir bisher wissen ist, dass die Krankheit wohl durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen wird. Schuldzuweisungen oder Zuschreibungen an eine bestimmte Gruppe sind fehl am Platz." Wichtig sei, nicht in die Falle der Simplifizierung zu tappen. "Affenpocken gibt es bereits seit längerer Zeit und alles, was wir heute wissen, sind sie behandelbar."

Bereits zuvor hatte UNAIDS einige Presseberichte über Affenpocken als rassistisch und homophob kritisiert (queer.de berichtete). Auch deutsche Gesundheitspolitiker*innen rufen dazu auf, nicht in Panik zu verfallen.

Hintergrund ist, dass ein Großteil der bislang bekannt gewordenen Fälle Männer betrafen, die Sex mit Männern haben (MSM). Der im Gesundheitswesen häufig verwendete Begriff beschreibt nicht unbedingt eine sexuelle Übertragung, sondern auch eine engere und zugleich internationale Community. Behörden vermuten, das unter anderem eine Sauna in Madrid und der Maspalomas Pride eine Rolle bei der Verbreitung gespielt haben könnten (queer.de berichtete). Zugleich ist das Gesundheitsmonitoring in der Community höher, so dass ein Ausbruch hier schnell registriert wird, während Fälle in der Allgemeinbevölkerung später oder gar nicht auffallen. (dpa/cw)

Wöchentliche Umfrage

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    Ergebnis der Umfrage vom 23.05.2022 bis 30.05.2022


#1 AtreusProfil
  • 23.05.2022, 17:52hSÜW
  • Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass unser SPD-Gesundheitsminister heute vor der Pressewand der WHO ein TV-Interview gab und den Inhalt auch in schriftlicher Form via Tweet abgesetzt hat:

    "Ohne jede Stigmatisierung müssen insbesondere Männer mit anonymen Sex vor Affenpocken gewarnt werden. ..."

    Indem er das sagt und keine einzige, andere Personengruppe in seinen Tweet einbezieht, tut er genau das, was er ja (scheinbar) verhindern will: Er stigmatisiert und exponiert schwule Männer und überantwortet sie eben jener Meute, der er selbst ganz gerne Kampagnen unterstellt.
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#2 friendlyUnicornAnonym
  • 23.05.2022, 19:21h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • Genau das - und das Gehetze aus den obligatorischen Kreisen geht in diversen Kommentarspalten natürlich schon los, zuzüglich das, sorry fürs Wort, dumme Nachgeplapper irgendwelcher Figuren, die bei Vereinsstammtischen keinen eigenen Gedanken geradeaus rausbekommen, aber umso frenetischer "genauso ist es, GENAU SO IST ES!!!" klatschend den größten Populismus als einleuchtende Lösung/Erklärung ansehen.

    Lauterbach fand ich mal gut und hatte mich zunächst auch gefreut, dass er Bundesgesundheitsminister wurde. Von der Freude ist nichts, aber auch wirklich *gar* nichts mehr übrig geblieben.
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#3 NikiAnonym
  • 26.05.2022, 19:49h
  • Selbstverständlich sind Affenpocken KEINE Krankheit die auf Homosexualität oder andere bestimmte Personen fixiert ist.
    Affenpocken sind hier nur zufällig zuerst bei ihnen aufgetreten, und darum sollen diese Gruppen besonders auf sich aufpassen. Das ist ,meiner Meinung nach, auch schon alles.
    In Afrika sind es meistens Kinder, bzw. ARME MENSCHEN die auf Bushmeat angewiesen sind, die es erwischt.
    Schade dass so etwas wieder einmal zu einer Stigmatisierung einer Gruppe benutzt wird.
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