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  • 20. Januar 2006 21 3 Min.

"Brokeback Mountain" soll nicht nur ein unterhaltsamer Film sein, sondern ein Umerziehungsprojekt, vermuten US-Kommentatoren.

Von Dennis Klein

Die Liebesgeschichte zweier Cowboys ist ein Hit in Amerika: Gerade hat "Brokeback Mountain" vier Golden Globes abgeräumt und ist Favorit für die Oscar-Verleihung im März. 87 Prozent der der Kritiker finden den Film gut, so "Rotten Tomatoes". Kritiker-Guru Roger Ebert - seit über 40 Jahren im Geschäft - lobte die Ang-Lee-Produktion enthusiastisch. Am Dienstag und Mittwoch kletterte der Film sogar auf den ersten Platz der Kinohitparade. Die Gesamteinnahmen belaufen sich bisher auf 33,5 Millionen Dollar (rund 28 Millionen Euro).

Eigentlich nicht schlecht für eine kleine Nischenproduktion. Nach Meinung vieler religiöser und konservativer Kommentatoren ist "Brokeback Mountain" allerdings nicht einfach ein guter Film mit einem unverbrauchten Thema - er ist ein Umerziehungsprojekt, das von einer schwulen Mafia vorangetrieben wird. Deren Manifest ist die so genannte "Gay Agenda", ein Plan die normalen Familienverhältnisse wegzuwischen und Sodom und Gomorrha nach Amerika zu bringen.

An vorderster Front im von den fundamentalistischen Gruppen ausgerufenen "Culture War" sind immer die selben Organisationen. Zuerst haben sich die "Concerned Women For America" zu Wort gemeldet, ein nach eigenen Angaben 500.000 Mitglieder zählender Bibelkreis mit vorsintflutlichen Idealen. "'Brokeback' hat gerade einmal 25 Millionen Dollar eingenommen. Wenn Amerika diesen Film nicht sehen will, warum gewinnt er dann so viele Preise?", so Sprecherin Janice Shaw Crouse.

Dahinter steckt System, erklärt der Journalist David Kupelian: "Sogar das ländliche, christliche Amerika sagt: 'Jeder behauptet, der Film ist so toll. Dann muss ich ihn auch sehen'", befürchtet der Autor von Texten wie "Warum die Christen Amerika verlieren" im Fundi-Sender Christian Broadcasting Network (CBN). "Die werben ja gerade in den Bush-treuen Staaten." Auf CBN wird eine solche Taktik "Gehirnwäsche mit den Methoden Mao Tse-Tungs" genannt. Und ein gewisser Benjamin Bull von der Grupp Alliance Defense Fund kann die Welt nicht mehr verstehen: "Plötzlich sind die, die aggressiv unsere Gesellschaft angreifen, die Opfer. Das ist verrückt!".

Besonders derb geht John Gibson von "Fox News Channel" vor. Gibson schimpft sonst immer gegen Ausländer, am liebsten gegen die Franzosen, denen er in seiner Sendung schon mal Bombenanschläge an den Hals wünscht. Tagtäglich schenken ihm rund zwei Millionen meist ältere Amerikaner ihre Aufmerksamkeit. Neben der "French Agenda" ist natürlich auch die "Gay Agenda" für Herrn Gibson gefährlich, aus rein geschmacklichen Gründen: "Ich wüsste nicht, was härter wäre: Wenn ich mir ansehen muss, wie zwei Typen in 'Brokeback' knutschen oder wenn ich sehe, wie jemandem die Fingernägel herausgezogen werden in 'Syriana' (ein neuer Film mit George Clooney, die Red.)", so der Kommentator in seiner Sendung. "Ich denke, es ist ein Gay-Agenda-Film. Ich bezweifle, dass Amerika es zu einem Hitfilm machen wird."

Amerika wollte den Film aber sehen. Das Geschrei der Fundis konnte das nicht verhindern. Ein CBN-Moderator warnt: "Mögen sie es oder auch nicht - die schwulen Cowboys von 'Brokeback Mountain' werden vor Massen von Leuten in einem Kino ganz in Ihrer Nähe gezeigt." Sodom und Gomorrha sind schon da.

20. Januar 2006

-w-

#1 HyronimoAnonym
  • 20.01.2006, 19:40h
  • Nun ja, das überrascht nicht wirklich, je erfolgreicher dieser Film wird, um so lauter und rabiater wird auch das Gezeter und Geschrei der Fundis.
    Dann braucht dieser Film im März nur noch ein paar Oskars abzuräumen und die Damen und Herren der Hardcore-Bibel-Fraktion werden wohl Schaum vor den Mündern haben.
    Bleibt nur zu hoffen das ihr "Einfluss" nicht so weit reicht um da irgend etwas zu "verhindern". Unterschätzen sollte man diese Typen auch nicht, leider.
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#2 mvsAnonym
  • 21.01.2006, 05:06h
  • Bedenkt man, dass Annie Proux eine Pulizerpreis-Gewinnerin ist, kann man über solche Kommentare nur lachen.

    Allerdings hat auch Tony Kushner den Pulizerpreis für "Angels in America" bekommen ... hat sich da jemand über eine Gay Agenda aufgeregt?
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#3 AngelAnonym
  • 21.01.2006, 14:52h
  • Hm, also schon erstaunlich, wieviel Macht und globale Hinterhältigkeit man uns so zutraut !
    Ich wußte gar net, wie gefährlich und mafios wir miteinander verstrickt sind. wow, da bekomm ich ja Angst vor mir selber !

    cu eine unheimlich auf den Film gespannte Angel
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