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Affenpocken

Lauterbach: "Wir müssen Risikogruppen ehrlich ansprechen"

Zur Eindämmung der Affenpocken bereitet Gesundheitsminister Karl Lauterbach mehrere Maßnahmen vor, darunter eventuell Impfangebote. Empfehlungen für schwule und bisexuelle Männer seien keine Stigmatisierung, sondern dienten deren Schutz.


Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) denkt über Impfempfehlungen für schwule und bisexuelle Männer nach (Bild: BMG / Thomas Ecke)

Nach dem Auftreten erster Fälle von Affenpocken in Deutschland werden nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Eindämmungsmaßnahmen vorbereitet. Für die Bundesrepublik würden aktuell Empfehlungen zu Isolation und Quarantäne erarbeitet, sagte der Minister am Montag am Rande der Weltgesundheitsversammlung in Genf. Er gehe davon aus, dass sie bereits an diesem Dienstag vorgelegt werden könnten. Zudem werde über Impfempfehlungen für besonders gefährdete Personen nachgedacht. Er habe schon Kontakt mit einem Hersteller aufgenommen, der Impfstoffe spezifisch für Affenpocken herstellt, so Lauterbach. Er betonte, dass eine Impfung der allgemeinen Bevölkerung hier nicht im Gespräch sei.

Bei der Pressekonferenz in Genf ging Lauterbach auch darauf ein, dass sich nach bisherigen Erkenntnissen in erster Linie schwule und bisexuelle Männer infiziert hätten. Dieser Fakt sei "wichtig, um auch in die derzeitige Risikogemeinde einzuwirken", erklärte der Gesundheitsminister. "Ich appelliere tatsächlich an all diejenigen, die insbesondere anonymen Sex mit Männern gehabt haben, dass man hier vorsichtig ist, auf entsprechende Hautveränderungen achtet, Fieber ernst nimmt und sich im Falle eines Verdachts sehr schnell in entsprechende medizinische Behandlung begibt."

Direktlink | Lauterbachs Pressekoferenz in Genf
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Risikogruppen müssten ehrlich angesprochen werden, so der SPD-Politiker. "Das ist zum Schluss auch zum Schutze dieser Risikogruppen und darf nicht falsch verstanden werden als eine Stigmatisierung von Männern, die Sex mit Männern haben", sagte Lauterbach. "Aber trotzdem muss ehrlich gesagt werden, dass das zum jetzigen Zeitpunkt die Gruppe ist, wo es sich am stärksten ausbreitet. Das kann sich jederzeit ändern. Und um dies zu verhindern, muss schnell und ehrlich reagiert werden."

Lauterbach will "schnell und hart reagieren"

Der Gesundheitsminister sprach sich für eine entschiedene internationale Eindämmung aus. Der weltweite Ausbruch sei so ungewöhnlich, dass man sich Sorgen machen müsse, ob er so ablaufe wie frühere Affenpocken-Ausbrüche. Es sei eher damit zu rechnen, dass sich Art und Weise der Verbreitung geändert haben könnten, "so dass wir jetzt schnell und hart reagieren müssen, um einen globalen Ausbruch wieder einzudämmen".

Auf seiner Homepage warnt das Bundesgesundheitsministerium im Zusammenhang mit Affenpocken seit Montag vor "ungeschütztem Sexualverkehr", ohne die angeblichen Schutzmaßnahmen genauer zu benennen. Lauterbach wird mit den Worten zitiert: "Egal, welche sexuelle Orientierung man habe, sei es wichtig, ungeschützten Sexualverkehr zu vermeiden." Affenpocken können bereits bei engen körperlichen Kontakten übertragen werden.


Merkwürdige Warnung und falsche Zusammenfassung von Lauterbachs Pressekonferenz auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums

Pressekonferenz mit dem RKI am Dienstagmittag

Am Dienstagmittag wollen Lauterbach, RKI-Präsident Lothar Wieler und der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, bei einer Pressekonferenz am Rande des 126. Deutschen Ärztetages in Bremen über den Affenpocken-Ausbruch informieren. Unterdessen meldeten mit Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg zwei weitere Bundesländer Nachweise der Infektion. Zuvor waren bereits Fälle in Berlin und Bayern bekannt. Proben zahlreicher weiterer Menschen werden analysiert, zudem suchen Behörden nach Kontaktpersonen nachweislich Infizierter.

"Aufgrund der vielfältigen Kontakte der derzeit Infizierten ist in Europa und auch in Deutschland mit weiteren Erkrankungen zu rechnen", heißt es in einem Bericht des Bundesgesundheitsministeriums für den Gesundheitsausschuss des Bundestages. Weltweit sind inzwischen weit über 100 Fälle nachgewiesen, wegen der langen Inkubationszeit von bis zu drei Wochen gehen Expert*innen von einer Vielzahl weiterer Meldungen in nächster Zeit aus. (mize/dpa)

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#1 EnttäuschterAnonym
  • 24.05.2022, 06:44h
  • Das darf nicht falsch verstanden werden als eine Stigmatisierung von Männern, die Sex mit Männern haben, aber - Keine Sorge, Hert Lauterbach, die Besorgten und zugehörige Kreise haben das ABER schon entsprechend verstanden und hetzen rum. Schönen

    Danke dafür, ist echt eine wunderbare Woche, die Rechtsprechung znd Bundespolitik uns da bereitet haben. Mit dem Hintern mal eben die mühsam erkämpften paar Millimeter (im Nachhinein trügerische) Sicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz umgestoßen. Man kommt aus dem Rückwärtsessen einfach nicht mehr raus
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#2 PiakAnonym
#3 Wombat07Anonym
#4 SchonProfil
  • 24.05.2022, 07:35hFürth
  • In einem Modellbauforum habe ich gestern den Satz "Affen poppen verursacht Affenpocken" gelesen. Der Satz fiel total Zusammenhangslos zum Treadthema Energiepreise. Deshalb vermute ich, dass der Autor hier nur seine geistige Notdurft verrichten wollte.
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#5 MarkoAnonym
  • 24.05.2022, 07:50h
  • Antwort auf #3 von Wombat07
  • Die Affenpocken sind keine Krankheit von Schwulen, aber dieser Ausbruch betrifft hauptsächlich die Schwulen. Genauso, HIV ist in Afrika und der ehemaligen Sowjetunion hauptsächlich eine Krankheit von Heteros, hat aber im Westen die Schwulen schwer betroffen. Ich sehe bei einer Informationscampagne und gezieltem Infangebot keine Stigmatisierung. Die Stigmatisierung kommt aber mit Sicherheit, wenn die Regierung jetzt nichts macht und nur dabei zuschaut, wie sich das Virus weiter verbreitet, wie es in den 80en die Reagan-Regierung in den USA gemacht hatte. Lauterbachs Kurs finde ich für angemessen und gar nicht stigmatisierend.
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#6 Leser SAnonym
  • 24.05.2022, 08:25h
  • Also das erinnert mich an die 90er Jahre, als man in Bayern in der Schule noch gelernt hat, bei welchen Menschen man sich ansteckt. Risikogruppen hieß das.

    Wie man sich schützt hingegen wurde nur unzureichend erklärt.

    Wichtig wäre zu kommunzieren, welche Menschen durch bestehende Impfungen geschützt sind, und wie man sich durch Impfung und andere Maßnahmen schützen kann.

    -Enger Kontakt ist ziemlich unpräzise.

    Dem Virus dürfte übrigens die sexuelle Orientierung ziemlich egal sein.

    Es besteht meiner Meinung nach kein Recht der Behörden bei einer derartiken Infektion nach der sexuellen Orientierung zu fragen.
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#7 MoKiAnonym
  • 24.05.2022, 08:29h
  • Ich möchte als schwuler Mann schon darüber informiert werden, wenn es eine besondere Infektionskrankheit gibt, die sich in unserer Community ausbreitet. Ich kann dann gut entscheiden, wie ich mit dem Thema umgehe und was ich ggf. mache, um Risiken für mich zu vermeiden oder zu reduzieren.
    Ich hielte es für falsch, wenn aus Gründen der politischen Korrektheit Sozialepidemiologie unter den Tisch gekehrt wird. Damit ist uns auch nicht nicht geholfen.
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#8 ElfolfProfil
  • 24.05.2022, 08:33hHamburg
  • Persönlich mache ich mir keine Sorgen. Ich bin noch gegen Pocken geimpft und damit auch in einem Alter, in dem schon die Gelegenheit zur Ansteckung fehlt. Ich habe aber schon im Spiegel Forum gegen eine Vielzahl Kommentatoren angeschrieben, die promiskuitives Verhalten ausschließlich Schwulen zuschreiben und dann gleich allen. Interessierte Kreise nutzen es natürlich wieder, ihre Homophobie unter das Volk zu bringen.
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#9 AtreusProfil
  • 24.05.2022, 08:41hSÜW
  • Es ist doch ganz einfach: Wer medienwirksam eine einzige Personengruppe in den öffentlichen Fokus rückt, obwohl durch die bekannten Übertragungswege jedes soziale Wesen unserer Gesellschaft potentiell ansteckend und ansteckbar ist, stigmatisiert, auch wenn er zehnmal sagt, dass er es nicht will und tut.

    Die sachliche Benennung der Inkubationszeit, Übertragungswege und Schutzmaßnamen hätte vollkommen ausgereicht, kein:e Büger:in hätte eine mediale Lichterkette über dem Rumpf liegen und jede:r hätte die notwendigen Informationen gehabt, um sie mit der nahen Vergangenheit abzugleichen zu können und in die Planung der nahen Zukunft einfließen zu lassen.

    Stattdessen erwähnt man mehrmals das Wort Stigmatisierung und verknüpft es seltsam verschwurbelt mit Schwulsein, erweckt den Eindruck man wolle es nicht wirklich aussprechen, was man letztenendes doch tut: ein augenzwinkerndes, schüchternes "ihr wisst schon, wen ich meine". Wenn es den Streisandeffekt noch nicht gäbe, würde er nun Lauterbacheffekt heißen.
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#10 PiakAnonym
  • 24.05.2022, 08:50h
  • Antwort auf #5 von Marko
  • Lauterbachs Kurs WÄRE angemessen, wenn er nicht Reizworte verwenden würde wie anonymer Sex und ungeschützter Sex, ohne dass dafür besonderer Anlass bestünde. Es ist nicht angemessen, weil völlig unklar ist, was in diesem Zusammenhang ("enger Kontakt" "Tröpcheninfektion") geschützter Sex bedeuten soll, und weil Anonymität für sich allein hier wohl weniger der Grund für beschleunigte Ausbreitung sein wird als konzentrierte Begegnungen bei superspreader-Events (Clubs, Saunen, Pride-Veranstaltungen). So kommuniziert er gerade nicht sinnvoll mit Risikogruppen, sondern ruft bloß Vorurteile auf. Die Resonanz in diesen ist ob der kontraproduktiven Ausdrucksweise ja auch verheerend.
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