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Los Angeles

Bisexueller Chappelle-Angreifer fühlte sich durch Queerfeindlichkeit des Komikers "getriggert"

Der Mann, der kürzlich Hass-Komiker Dave Chappelle auf offener Bühne attackierte, outet sich als bisexuell und erklärt die Hintergründe seiner Tat.


US-Komiker Dave Chappelle wird schon länger wegen seiner abwertenden "Witze" über queere Menschen kritisiert

Anfang des Monats hatte der 23-jährige Isaiah Lee den queerfeindlichen Komiker Dave Chappelle bei einer Aufzeichnung für Netflix auf einer Bühne in Los Angeles attackiert (queer.de berichtete). In einem Interview mit dem Boulevardblatt "New York Post" erklärte der Rapper nun erstmals die Hintergründe seiner Attacke. Demnach hätten ihn unter anderem abwertende Witze über die queere Community und Obdachlosigkeit zu der Attacke veranlasst.

"Ich identifiziere mich als bisexuell", erklärte der Kalifornier aus dem Gefängnis. "Ich wollte ihn wissen lassen, dass er etwas gesagt hat, was andere triggert." Chappelle solle sein Material zunächst an Menschen testen, die von den Themen betroffen sein könnten, forderte er. Lee erklärte außerdem, er sei ein alleinerziehender Vater eines fünfjährigen Sohnes und sei an einem Punkt in seinem Leben auch von Obdachlosigkeit betroffen gewesen. "Das ist ein Kampf und ich wollte Dave Chappelle wissen lassen, dass das kein Witz ist", erklärte Lee. Auslöser sei ein grober Witz über Pädophilie gewesen, erklärte Lee, der als Teenager selbst sexuell misshandelt worden sei.

Abwertende Witze über Homosexuelle und trans Menschen

Chappelle, der zu den beliebtesten Comedians der USA gehört, löste immer wieder Kontroversen mit abwertenden "Witzen" über Homosexuelle und trans Menschen aus. Bereits 2017 veröffentlichte das angesehene Politikmagazin "The New Republic" deshalb einen Artikel mit der Überschrift "Was ist Dave Chappelles Problem mit homosexuellen Menschen?". Vergangenen Herbst kam es zu weiteren Protesten, als Chappelle in einem Netflix-Special insbesondere trans Menschen beschimpfte (queer.de berichtete).

Nach der Kritik erklärte der Komiker, er werde sich der LGBTI-Community nicht beugen, und stilisierte sich zum Opfer von Cancel Culture (queer.de berichtete). Das Narrativ, dass ihm derzeit das Wort verboten werden würde, verbreitete er in vielen öffentlichen Statements in den vergangenen Monaten. Die Attacke Lees, bei der Chappelle nicht verletzt wurde, kommentierte der Komiker auf der Bühne sofort mit einem transphoben "Witz": "Es war ein trans Mann!"

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In dem Interview mit der "New York Post" gab Lee zu, dass er beim Angriff eine Pistolen-Attrappe und ein Messer mit einziehbarer Klinge mit sich geführt habe. Er habe diese Waffen aber nicht außen sichtbar getragen, als er auf die Bühne gestürmt sei.

Zwar gilt die Chappelle-Attacke nur als Vergehen, das anders als ein Verbrechen nur eine geringe Strafe mit sich bringt. Lee droht aber eine weitere Bestrafung: Nach der Festnahme meldete sich sein früherer Mitbewohner und behauptete, Lee habe ihn mit einem Messer attackiert. Letzte Woche erhob die Staatsanwaltschaft deswegen Anklage. (dk)



#1 Pic_Anonym
  • 25.05.2022, 08:48h
  • "triggern" mausert sich wirklich zur Ausrede der Wahl, wenn man Mist gebaut hat. Als ob man keine andere Wahl hatte, als dem anderen unbedingt die Fresse polieren zu wollen.

    Ursprünglich für psychische Ausnahmesituationen stehend, ist "triggern" inzwischen nahezu synonym für "Ich wurde provoziert". Provozieren lassen hat aber etwas "unberechtigtes" anheften, während der Kontext der Psychopathologie eher die Verletzung aufruft.
    Auf den ersten Blick sehr praktisch also, diese Bedeutungsverschiebung.

    Nur schlägt das direkt zurück, wenn einem mit dem Wortgrbrauch auch die Zurechnungsfähigkeit aberkannt wird, die nunmal ebenso mitschwingt. (Und das trifft dann alle, die diesem Urteil ausgesetzt sind.)
    Ganz im Stil des Schulhofs: "Triggered much?" auf das klassische "i'm not touching you!" hin.

    Und während es also zur neuen Wortwahl des politischen Diskurses avanciert ist, stehen Getriggerte in der ursprünglichen Bedeutung plötzlich sprachlos da. Denn Schulhofrhetorik ist dort völlig fehl am Platz, geht es dort doch eher um Symptombeschreibung und Selbstreflexion.
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