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Britischer Komiker

Kritik an transfeindlicher Tirade im Netflix-Special von Ricky Gervais

Nach Dave Chappelle nutzt auch der britische Komiker Ricky Gervais seine Plattform auf Netflix, um gegen trans Menschen zu polemisieren und sich als Opfer der "Cancel Culture" darzustellen. Auch Äußerungen des britischen Komikers über HIV ernten Kritik.


In dem Special scherzte Ricky Gervais auch, dass er als weißer, heterosexueller Millionär auch einer Minderheit angehöre

Das am Dienstag veröffentlichte Netflix-Special "SuperNature" von Ricky Gervais wird wegen transphober "Witze" sowie "falscher Informationen" über HIV scharf kritisiert. Queere Aktivist*innen warfen dem Streamingdienst Netflix vor, seine eigenen Regeln gegen Hassrede zu missachten.

In der gut einstündigen Stand-up-Show startete Gervais seine Attacke gegen trans Frauen schon nach wenigen Minuten: "Ach, Frauen", so der 60-jährige Erfinder der Erfolgsserie "The Office" in dem in Los Angeles aufgezeichneten Monolog. "Nicht alle Frauen, ich meine die altmodischen. Die altmodischen Frauen, die mit einer Gebärmutter. Diese verfickten Dinosaurier. Ich liebe neue Frauen. Die sind toll, oder? Diejenigen, die man seit kurzem sieht. Die mit Bärten und Schwänzen. Die sind goldig, ich liebe sie. Und die altmodischen Frauen sagen: 'Ach, die wollen in unsere Toiletten'", so Gervais in hoher Stimme. Daraufhin ahmte er ein Gespräch zwischen zwei Frauen nach: 'Warum sollten die nicht unsere Toiletten benutzen?' 'Die sind für Frauen!' 'Das sind doch Frauen – schaut auf ihre Personalpronomen! Was ist bei ihnen keine Dame?' 'Naja, sein Penis.' 'Ihr Penis, du verfickte Frömmlerin!' 'Was, wenn er mich vergewaltigt?' 'Was, wenn sie dich vergewaltigt, du verfickte Terf!'" Terf ist eine Abkürzung für "trans-exclusionary radical feminist", also für transfeindliche Feminist*innen.

Gervais machte sich daraufhin zum Opfer der "Cancel Culture", während er weiter über die Genitalien von trans Frauen sprach: "Man kann nicht voraussagen, was in der Zukunft nicht mehr akzeptabel sein wird", so der britische Komiker. "Man weiß nicht, wer der dominante Pöbel sein wird." Schließlich könne heutzutage auf Twitter gecancelt werden, wenn man schreibe: "Frauen haben keinen Penis." Ferner erklärte Gervais: "Man wird heute keine zehn Jahre alten Tweets mehr finden, in denen es hieß: 'Frauen haben keinen Penis.' Wisst ihr warum? Weil wir verdammt noch mal nicht dachten, dass wir so was erwähnen mussten."

Das Special enthält auch Äußerungen über HIV. "Das ist nicht mehr das, was es mal war, dieses Aids?", so Gervais. "Auf dem Höhepunkt war es doch supertoll, dieses Aids." Danach spielte er die Rolle eines Schwulen vor, der in den Achtzigerjahren wegen HIV auf Sex verzichtet habe. "Jetzt heißt es nur: 'Gib's mir. Ich nehme dann Pillen für den Rest meines Lebens ein."

"Gefährliche, transfeindliche Tiraden"

Die amerikanische LGBTI-Organisation GLAAD kritisierte die Äußerungen scharf: "Wir haben uns das 'Comedy'-Special von Ricky Gervais auf Netflix angeschaut, damit Sie es nicht tun müssen. Es ist voll von heftigen, gefährlichen, transfeindlichen Tiraden, die als Witze getarnt sind. Er verbreitet auch schwulenfeindliche Rhetorik und falsche Informationen über HIV". Netflix missachte damit eine selbst auferlegte Richtlinie, die besage, dass man in dem Streamingportal nicht zu Hass oder Gewalt aufstacheln dürfe. Komiker wie Gervais und die Plattformen, die ihre Tiraden verbreiteten, würden zur Rechenschaft gezogen werden, so die Organisation.

Twitter / glaad
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Gervais hatte sich in der Vergangenheit für Homosexuellenrechte ausgesprochen. 2014, als England und Wales die Ehe für Schwule und Lesben öffneten, tweetete er etwa: "Die gleichgeschlechtliche Ehe ist nicht nur ein Sieg für Schwule und Lesben. Das ist ein Sieg für uns alle. ALLES, was Gleichbehandlung fördert, fördert Fortschritt."

Twitter / rickygervais
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Gleichzeitig wurden bereits in der Vergangenheit transfeindliche "Witze" des Komikers kritisiert. So machte er 2016 als Moderator der Golden Globes einen Witz über trans Realitystar Caitlyn Jenner, bei der er auch ihren abgelegten Deadname benutzte.

Am Ende seines neuen Stand-up-Specials versuchte er auch noch, seine vorherigen Äußerungen über trans Menschen einzufangen. Er sei nämlich in Wirklichkeit ein Verbündeter der Trans-Community: "Um ganz ehrlich zu sein: Im echten Leben unterstütze ich natürlich Trans-Rechte. Ich unterstütze alle Menschenrechte und Trans-Rechte sind Menschenrechte. Lebt euer bestes Leben. Nutzt eure bevorzugten Personalpronomen. Seid das Geschlecht, als das ihr euch fühlt." Dann schränkte er aber ein: "Aber trefft mich bitte auf halbem Weg, meine Damen: Werdet euren Schwanz los! Das ist alles, was ich zu sagen habe."

In den letzten Monaten hatte auch ein Netflix-Special des US-Komikers Dave Chappelle für Kritik in der queeren Community geführt. Er machte sich darin mehrfach über queere Menschen lustig und erklärte: "Ich bin Team Terf" (queer.de berichtete).

Trans Menschen sind in den USA und in Großbritannien zuletzt immer aggressiverer Rhetorik ausgesetzt. Zuletzt behauptete ein republikanischer Kongressabgeordneter sogar, dass am Dienstag eine trans Frau das Schulmassaker in Texas verübt habe – das war eine Lüge (queer.de berichtete). (dk)



#1 HexeAnonym
  • 25.05.2022, 12:37h
  • Ich verstehe nicht wie man nach all diesen Sachen noch ein Netflix Abo haben kann.
    Ist ungefähr so sympatisch wie Nestlé Wasserflaschen kaufen.
    Oder Harry Potter Produkte zu kaufen.
    Aber machen wir uns nix vor, die Diskussion gabs hier ja schon oft genug.
    Es ist ja so unglaublich schwer auf etwas zu verzichten.
    Die ganzen Queers die sowas unterstützen haben es gar nicht anders verdient sich dann beleidigen zu lassen.
    Denn sie fördern es mit jedem Euro oder Dollar den sie in diesen Mistverein reinstecken.
    Aber hey, konsumiert mal brav weiter. Denn das seid ihr: Brave Konsumenten Schafe die zur eigenen Schlachtbank laufen.
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#2 Nicht verwunderlichAnonym
  • 25.05.2022, 12:47h
  • Der Vogel hat natürlich noch gefehlt. Und das sind dann immer genau, die rumjaulen von wegen "niChTs dArF maN meHr sAgEn!!!1eins!".

    Meinungsfreiheit bei diesen Personen bedeutet: ICH hetze gegen alles und jeden, der/die mir nicht passt, und ALLE müssen mir applaudieren".
    Wieder eine der Meldungen, bei denen ich froh bin, diesem Unternehmen kein Geld mehr in den Rachen zu werfen.

    Allerdings ist das keineswegs verwunderlich und passt sehr "gut" zu Netflix' Neuausrichtung, die deutlich macht, in welche Richtung es mit "Diversity" geht: Aufs Abstellgleis:

    »Following the Chapelle episode, Netflix responded by changing its corporate culture memo in order to clarify that employees may have to work on projects they consider to be harmful.

    We program for a diversity of audiences and tastes; and we let viewers decide whats appropriate for them, versus having Netflix censor specific artists or voices, the memo now reads.«

    Wer mag, kann sich mal das Ganze geben, da geht es auch um gefeuerte Mitarbeiter*innen aus marginalisierten Gruppen etc. - und vorsichtshalber einen großen Eimer zum Reinrückwärtsessen daneben stellen:

    www.pinknews.co.uk/2022/05/18/netflix-job-cuts-most-lgbtq/
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#3 LorenProfil
  • 25.05.2022, 12:48hGreifswald
  • Antwort auf #1 von Hexe
  • Ich nenne das Land, das mal als das "der Dichter und Denker" bezeichnet wurde, schon länger "das Land der Krämer und Konsumenten". Und wer will schon auf den Konsum seines Suchtmittels verzichten, nur weil auf diese Weise auch ein paar Hassmenschen die Taschen vollgestopft wird, die einen selbst niedermachen und andere Konsumenten in ihren Ressentiments bestätigen und anstacheln?
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#4 AtreusProfil
  • 25.05.2022, 13:04hSÜW
  • Aus Sicht von Netflix ist das clevere Marktstrategie. Indem man einerseits Eigenproduktionen wie Young Royals und Co. auf der Plattform anbietet, versichert man sich einer treuen, queeren Seherschaft, mit Gervais, Chappelle und Co. des Gegenparts. Winwin. Wenn die Kritik zu laut wird, spendet man von 1 Milliarde Gewinn 100K Dollar an eine Unterkunft für queere Jugendliche und färbt das Firmenlogo zum Pride-Month in Regenbogenfarben. Das Gros der westlichen Gesellschaft will weder auf Liebgewonnenes verzichten, noch über Gebühr mit Solidaritätsforderungen und unangenehmen Fakten konfrontiert werden.

    Wäre es anders, wäre auch Abercrombie und Fitch nur noch der Rest einer mumifizierten Unternehmensleiche, stattdessen hat man herzförmige Regenbögen auf Tshirts gedruckt und zwei PoC in die Homepage integriert und schon war alles vergeben und vergessen.
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#5 HexeAnonym
  • 25.05.2022, 13:24h
  • Antwort auf #3 von Loren
  • Ist ja auch bald wieder CSD. Das C steht für Capitalism.
    Dann dürfen sich all diese schmutzigen Geschäftemacher wieder nen Wagen kaufen und fröhlich mitfahren.
    Nicht zu vergessen das ganze tolle Merch mit Regenbogenfarben das man bei MCDoof und Co konsumieren darf.

    "Aber es schmeckt ja so gut!" (=

    Pinkwashing funktioniert wunderbar. Immerhin sind queere Menschen keinen deut besser oder schlechter als alle anderen.
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#6 LothiAnonym
  • 25.05.2022, 13:31h
  • Antwort auf #1 von Hexe
  • Ich habe weder ein Nettflix Abo, noch kaufe ich überhaupt keine Nestle Produkte. Lese jetzt zum ersten Mal über diesen Komiker. Fazit, lieber auf einige Neuerungen im Internet verzichten und gar auf ein Smartphone. Denn das ist das Übel der Neuzeit.
    Deshalb gebe ich Dir völlig recht.
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#7 PetterAnonym
  • 25.05.2022, 13:46h
  • Komisch, solche Möchtegern-Komiker, die (im Gegensatz zu wahrhaft großen Komikern) nur auf Kosten anderer Lacher bekommen können, bezeichnen sich immer als Opfer einer angeblichen Cancel Culture.

    Aber die können ihre peinlichen Auftritte über riesige Streaming-Dienste wie Netflix verbreiten, die können weiterhin auftreten, die werden weder zensiert noch verklagt. Was ist daran also Cancel Culture?
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#8 HexenhammerAnonym
  • 25.05.2022, 13:49h
  • Antwort auf #5 von Hexe
  • Kannste mal einen Link posten, der LGBT*IQ-Feindlichkeit bei McDoof belegt? Danke.

    Deren "Essen" mag ich auch nicht, aber meines Wissens sind die als Arbeitgeber für LGBT*IQ in Ordnung.
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#9 ClemensAnonym
  • 25.05.2022, 13:55h
  • So machte er 2016 als Moderator der Golden Globes einen Witz über trans Realitystar Caitlyn Jenner, bei der er auch ihren abgelegten Deadname benutzte.

    Ganz allgemein seine Moderationen bei den Gilden Globes sind legendär, gerade weil er über jeden Witze macht - auch persönliche. Soll die neue Normalität nun sein, dass man über jeden und alles Witze machen darf nur nicht über Trans? Eine amerikanische Fernsehserie wurde zum Welthit gerade weil sie vor nichts aber sich gar nichts Respekt hatte (TBBT). Wenn man nicht mehr über sich und seine Eigenheiten, Entwicklungen lachen kann dann endet man dort wo man gefährdete Gruppen der Bevölkerung nicht mehr warnen kann, weil man es als Diskriminierung verstehen könnte.
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#10 AtreusProfil
  • 25.05.2022, 14:13hSÜW
  • Antwort auf #9 von Clemens
  • Falls du gerade Deadnaming als Witz bezeichnet hast, würde ich dich bitten, ins Gespräch mit Transpersonen zu gehen, statt über sie zu sprechen. Du wirst sehr klar, präzise und schlüssig dargelegt bekommen, weshalb selbiges in diametralem Widerspruch zu Spaß steht.
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