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RTL-Soap

"Unter uns": Jo Weils Figur als trans geoutet

Der schwule Schauspieler gehört seit Anfang April zu den Stars bei "Unter uns". Seine Figur Dominic muss einiges durchmachen – und wird jetzt auf einer Pressekonferenz als trans geoutet.


Dominic (Jo Weil) starrt Journalistin Nadja Hana (Alexandra Suhr, M.) ganz entgeistert an, als sie ihn outet – Eva (Claudelle Deckert) sitzt daneben (Bild: RTL)

Die Daily Soap "Unter uns" behandelt derzeit das Thema Transidentität: Star-Architekt Dominic (Jo Weil), der seit 1. April in der Serie dabei ist, ist in den neuesten Folgen der RTL-Serie gegen seinen Willen als trans geoutet worden.

Bereits in der Anfang Mai ausgestrahlten Folge 6.863 erfahren die Serienfans von Dominics Trans-Identität: Seine Kollegin und Flamme Eva (Claudelle Deckert) schöpft Verdacht, dass er ihr irgendetwas verschweigt – sie vermutet, dass er heimlich mit einer Valerie aus New York verheiratet ist. Deshalb setzt sie Privatdetektiv Jakob auf Dominic an. Doch dann kommen ihr Skrupel – und sie setzt darauf, ihrem Freund zu vertrauen, ohne die Ergebnisse des Detektivs anzusehen. Dominic erklärt am Ende der Folge, dass er Angst um die Beziehung habe – und verrät dem Publikum ein wichtiges Detail: "Klar habe ich Angst. Wenn Eva erfährt, dass ich Valerie Adams war, dann habe ich sie doch endgültig verloren!"

In Folge 6.869 und 6.870 wagt er dann – unter viel Druck – sein Coming-out gegenüber seiner großen Liebe Eva: "Valeria Adams – das bin ich selber. War ich, bevor ich ein Mann wurde." Weiter sagt er zu Eva: "Ich wurde im Körper einer Frau geboren. Das hat sich dann irgendwann falsch angefühlt. Immer deutlicher. Weil ich im Innern ein Mann bin. Deshalb hab ich meine Identität gewechselt." Eva antwortet abweisend: "Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll."

Später reden die beiden aber am Kölner Rheinufer weiter – doch kurz vor einem Kuss schreckt Eva zurück. Daraufhin sagt Dominic: "Du willst lieber in deiner Welt leben wollen, in der ein Mann ein Mann ist und eine Frau eine Frau. Da pass ich natürlich nicht rein. Okay, dann geh ich jetzt mal lieber. Dann lassen wir das Ganze bleiben." Später sagt er gegenüber einem Freund: "Sowas wie mit Eva will ich nie wieder erleben."

In Folge 6.877, die bereits im Streamingportal RTL+ verfügbar ist und im RTL-Hauptprogramm am Dienstagnachmittag ausgestrahlt wird, kommt das Geheimnis schließlich raus: Bei einer Pressekonferenz, bei der es eigentlich nur um ein großes Bauprojekt gehen soll, fragt eine Reporterin den völlig verdutzten Dominic: "Stimmt es, dass Sie im Körper einer Frau geboren worden sind und ein trans Mann sind?" In Folge 6.878 bejaht Dominic die Frage. Seine Firma versucht dann, PR-technisch auf Diversität zu setzen – was der Chefetage gerade Recht ist, da es Probleme mit einem Projekt gibt. Dominik ist sauer. Seiner Ex-Freundin Eva wirft er an den Kopf: "Du warst das. Du hast mich verraten!"

RTL setzt auf Vielfalt

Die Storyline ist Teil der RTL-Initiative "Vielfalt verbindet", mit der RTL den Pride-Monat Juni einläuten will (queer.de berichtete). Auch in den beiden anderen Soaps des Senders, "Alles was zählt" und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", sollen daher queere Themen vorkommen. Vom 20. bis 26. Juni soll Diversität in den Sendern der RTL-Gruppe ein besonderer Themenschwerpunkt sein – mit Shows wie "Viva la Diva – Wer ist die Queen?" im RTL-Hauptprogramm oder einem queeren Special des "perfekten Promi-Dinners" auf Vox.

Freilich wurde in den letzten Jahren stets kontrovers diskutiert, ob cisgeschlechtliche Schauspieler*innen wie Jo Weil überhaupt Trans-Rollen spielen sollten oder diese nicht eher von trans Darsteller*innen verkörpert werden sollen. 2020 gab es etwa Kritik an der spanischen Netflix-Miniserie "Haus des Geldes", weil eine Figur als trans Frau geoutet wurde, aber von einer cisgeschlechtlichen Schauspielerin dargestellt wird (queer.de berichtete). Wie bei "Unter uns" wurde die Transidentität erst im Laufe der Serie deutlich und kam als überraschende Enthüllung daher. Bereits 2018 hatten amerikanische trans Schauspieler*innen gefordert, Geschichten um trans Menschen authentischer und ehrlicher zu erzählen (queer.de berichtete).

Instagram / unteruns | Jo Weil erklärte, er habe vor seiner Rolle mit trans Menschen gesprochen, um seine Figur authentisch spielen zu können
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Jo Weil hatte bereits kurz nach der Jahrtausendwende für Aufmerksamkeit in der Szene gesorgt, als er eine schwule Figur in der Soap "Verbotene Liebe" spielte. Der Schauspieler outete sich aber erst 2020 im Alter von 42 Jahren selbst als schwul (queer.de berichtete). (dk)



#1 Paula RoydAnonym
  • 27.05.2022, 18:39h
  • Erinnert sich noch jemand an den genialen "Soapdish" (auf deutsch "Lieblingsfeinde") mit Sally Field, Kevin Kline und Robert Downey Jr.?

    Ich fühle mich gerade an "The Sun also sets" erinnert...
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#2 SchönheitsfehlerAnonym
  • 27.05.2022, 23:03h
  • Schade nur, dass er mehrfach "zum Mann wurde" oder "als ich noch eine Frau war" gesagt hat.
    Würde mir nie einfallen, das über mich zu sagen. Ich war immer ein Mann. Völlig egal, wie andere Menschen meinen Körper interpretieren.
    Hatten die Drehbuchschreiber keine Beratung?
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#3 ElfolfProfil
#4 nichtbinärePersonAnonym
  • 28.05.2022, 16:17h
  • Antwort auf #3 von Elfolf
  • Ich kann diese "Es-ist-wie-es-ist"- "Argumentation" einfach nicht mehr hören. Wenn die Leute etwas nicht kennen, sollen sie halt mal dazulernen.

    Mir ist das, was @Schönheitsfehler in #2 festgestellt hat, auch extrem sauer aufgestoßen.

    Wenn wir an all der Ignoranz nichts ändern wollen, können wir gleich alle Aktivitäten einstellen. Denn dann ist ja alles sinnlos, weil es halt immer so bleiben wird, wie es nun mal ist.
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#5 MoorrheadAnonym
#6 SchönheitsfehlerAnonym
  • 29.05.2022, 09:41h
  • Antwort auf #4 von nichtbinärePerson
  • Richtig.
    Nicht falsch verstehen - ich finde es grundsätzlich gut, dass so eine harmlose, belanglose Nachmittagssoap das Thema aufgreift und sich auch als eine der wenigen für einen Transmann entschieden hat (meistens kommen, wenn, Transfrauen vor). Doch ich hadere schon sehr mit der Umsetzung.
    Er ist zu verschämt, zu vorsichtig dargestellt. Nun gibt es solche Menschen tatsächlich, insofern ist das noch okay. Aber dass er solche Sätze sagt, bei denen die meisten Transpersonen zusammenzucken, finde ich nicht so cool.
    Gerade solche harmlosen Soaps tragen viel dazu bei, Darstellungen und Begriffe in die Gesellschaft zu bringen. Das sollte man nicht unterschätzen, weder im positiven noch im negativen Sinn.
    Daher wäre es umso wichtiger, dass da keine Rücksicht auf die Zielgruppe genommen wird. Es wäre absolut kein Problem gewesen, ihn sagen zu lassen: "Ich war schon immer ein Mann, musste meinen Körper aber anpassen lassen."
    Die fiktive Partnerin (Zielgruppe) hätte dumm fragen können: "Wie meinst du das?"
    Und dann hätte man da super ein bisschen Aufklärung unterbringen können.
    *seufz*
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#7 FarbkastenAnonym
  • 29.05.2022, 10:51h
  • Das mit Cis-Darstellern in Trans-Rollen wurde bereits 2015 im Kontext von The Danish Girl kontrovers diskutiert, und Eddie M. bedauerte im Nachhinein, die Rolle angenommen zu haben.
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#8 SchönheitsfehlerAnonym
  • 29.05.2022, 13:29h
  • Antwort auf #7 von Farbkasten
  • Das ist nicht der Punkt. Er ist Schauspieler, er kann sich da einfühlen, wenn er will.
    Es geht ums Drehbuch. Das schreibt ja nicht der Darsteller. Und da gewinnt man schnell den Eindruck, dass die Autoren maximal ein bisschen recherchiert haben. Sie hätten lieber ein paar Transmänner suchen und die als Berater dazu holen sollen. Ein paar, denn es gibt nie die eine Person, die für alle sprechen kann. So, wie man als Autor sein Buch nie einem Testleser gibt, sondern mindestens drei.
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