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"Too much information"

CDU-Politikerinnen attackieren Sven Lehmann nach Soli-Tweet zu Anastasia Biefang

Über das Privatleben darf man nur reden, wenn man hetero und monogam ist. Das finden zumindest Ex-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Bundestagsabgeordnete Katja Leikert.


CDU-Schatzmeisterin Julia Klöckner outet sich als hetero und monogam – aber das ist natürlich keine "Privatsache" (Bild: BMEL / Thomas Trutschel / photothek.net)

Nach seiner Kritik an dem muffig-prüden Skandal-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Disziplinarmaßnahme gegen die Bundeswehr-Kommandeurin Anastasia Biefang wird der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann (Grüne), aus der CDU scharf angegriffen. Lehmann hatte sich am Freitag in einem Tweet hinter die trans Soldatin gestellt, die aufgrund ihres privaten Tinder-Profils einen Verweis bekommen hatte. Biefangs Formulierung "Spontan, lustvoll, trans*, offene Beziehung auf der Suche nach Sex. All genders welcome" in der Dating-App weckten "Zweifel an der charakterlichen Integrität", befand auch der Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts.

Er werde das Gespräch mit Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht und der Wehrbeauftragten Eva Högl (beide SPD) suchen, um zu beraten, wie sich disziplinarische Urteile wie das gegen Anastasia Biefang künftig "verhindern lassen" , schrieb Lehmann auf Twitter.

/ svenlehmann
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Außerdem merkte der Grüner-Politiker an: "Ich bin schwul, habe eine offene Beziehung und ein Profil auf Dating-Apps. Wäre ich bei der Bundeswehr, würde mir die 'charakterliche Integrität' abgesprochen. Ich bin aber Staatssekretär. In einer Bundesregierung, für die wichtig ist, wie man arbeitet – nicht wie man datet."

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Julia Klöckner: "Das ist Privatsache"

Über den Hinweis des Queer-Beauftragten auf seine eigene offene Beziehung empörte sich am Samstag die CDU-Bundestagsabgeordnete Katja Leikert. "Ernsthaft? Too much information, Herr Kollege", schrieb die Obfrau der Unionsfraktion im Familienausschuss auf Twitter. "Will ich das wirklich wissen, wozu?"

/ KLeikert
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Ex-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner legte noch einen drauf: "Ich bin nicht schwul, habe keine offene Beziehung + kein Profil auf Dating-Apps. Daraus leite ich keine polit. Forderung ab", tweetete die CDU-Schatzmeisterin ebenfalls am Samstag. "Wer schwul in offener Beziehung mit Dating-Profil lebt: seine Entscheidung, anders, nicht besser. Aber: Das ist Privatsache, keine PSt-Berufsbeschreibung."

/ JuliaKloeckner
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Twitter-User kritisieren "Zelebrieren von Heteronormativität"

Zahlreiche Twitter-User wiesen die beiden CDU-Politikerinnen darauf hin, dass sie selbst ihr eigenes Privatleben ständig öffentlich ausbreiten. Die Grünen-Politikerin Nadine Milde nahm sich etwa die Homepage von Katja Leikert vor und schrieb: "Wenn 'bin schwul & lebe in offener Beziehung' too much information ist, nicht aber sämtliche Familiendetails incl Puppenmuseumsbesuch von Großkrotzenburg bis Bruchköbel, wäre mal interessant, was außer dem Zelebrieren von Heteronormativität Ihre Kriterien für 'too much' sind."

/ nadine_milde
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Marc Dietzschkau, Pressesprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, teilte auf Twitter ein CDU-Pressefoto von Julia Klöckners Hochzeit sowie ein Screenshot von der Website der Unionsfraktion, auf der Klöckner als "verheiratet" bezeichnet wird.

/ MDietzschkau
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"Ist der Beziehungsstatus bzw. die Beziehungsform nun 'Privatsache' oder nicht?", fragte Dietzschkau rhetorisch. (mize)

Wöchentliche Umfrage

» Wie wichtig ist dir sexuelle Treue in einer Beziehung?
    Ergebnis der Umfrage vom 30.05.2022 bis 06.06.2022
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#1 AtreusEhemaliges Profil
  • 30.05.2022, 06:15h
  • Wer sich als Bundesministerin in aller Öffentlichkeit und vor der Kamera für Nestle und die Gammelfleischmafia prostituiert, sollte sich nicht via Tweet über die Berufsbezeichnung von anderen Politikern auslassen, Frau Klöckner. Liebe Grüße aus ihrer Heimat.
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#2 ErwartbarWiderlichAnonym
  • 30.05.2022, 06:28h
  • Wollte bei CDU-Politerinnen aufhören zu lesen, weil ich schon ahnte, was für ein reaktionärer Mist folgt. Hätte ich mal auf meine Ahnung gehört, dann wäre mein sprichwörtliches Frühstück nicht wieder hochgekommen. Aber gut, was erwarte ich aus diesem Kreis auch sonst (ja, ok, LSU-Jünger*innen sehen in der Union nach wie vor die progressivste Kraft insbesondere für LGBTQIA* in Deutschland, ach was, weltweit).
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#3 Hetero-PropagandaAnonym
  • 30.05.2022, 07:42h
  • Ich habe mir nach ihren Einlassungen die redliche Heimseite von Frau Klöckner angeschaut. Ich bin entsetzt: Mann möchte sachliche Informationen zu ihrer Kompetenz und was macht diese Frau? Reibt einem ihre Sexualität und ihre Veranlagung ungefragt unter die Nase!!!

    "Heute wohne ich in Bad Kreuznach, bin verheiratet mit Ralph."
    Frau Klöckner, es interesiert mich nicht, mit wem sie es machen oder mit wem Sie verheiratet sind. Ersparen Sie uns doch bitte diese Informationen - über sowas können Sie gern unter ihresgleichen sprechen, wenn es denn unbedingt sein muss, aber hören sie doch bitte auf, ihre Hetero-Propaganda ungefragt und so lautstark anderen Menschen aufzuzwingen!!!

    Stellen Sie sich mal vor, das lesen Kinder!!!
    Ich bin diese Hyper- und Frühsexualisierung so leid, ehrlich.

    (Muss erwähnt werden, dass ich hier lediglich das, was wir tagtäglich zu hören/lesen bekommen und was auch Frau Klöckners Denke zu sein scheint, gespiegelt habe?)
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