https://queer.de/?42161
"Too much information"
CDU-Politikerinnen attackieren Sven Lehmann nach Soli-Tweet zu Anastasia Biefang
Über das Privatleben darf man nur reden, wenn man hetero und monogam ist. Das finden zumindest Ex-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Bundestagsabgeordnete Katja Leikert.

CDU-Schatzmeisterin Julia Klöckner outet sich als hetero und monogam – aber das ist natürlich keine "Privatsache" (Bild: BMEL / Thomas Trutschel / photothek.net)
- 30. Mai 2022, 03:31h 2 Min.
Nach seiner Kritik an dem muffig-prüden Skandal-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Disziplinarmaßnahme gegen die Bundeswehr-Kommandeurin Anastasia Biefang wird der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann (Grüne), aus der CDU scharf angegriffen. Lehmann hatte sich am Freitag in einem Tweet hinter die trans Soldatin gestellt, die aufgrund ihres privaten Tinder-Profils einen Verweis bekommen hatte. Biefangs Formulierung "Spontan, lustvoll, trans*, offene Beziehung auf der Suche nach Sex. All genders welcome" in der Dating-App weckten "Zweifel an der charakterlichen Integrität", befand auch der Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts.
Er werde das Gespräch mit Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht und der Wehrbeauftragten Eva Högl (beide SPD) suchen, um zu beraten, wie sich disziplinarische Urteile wie das gegen Anastasia Biefang künftig "verhindern lassen" , schrieb Lehmann auf Twitter.
/ svenlehmannIch werde das Gespräch mit Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht und der Wehrbeauftragten @EvaHoegl suchen um zu beraten, wie sich künftig disziplinarische Urteile wie das gegen @AnaBiefang verhindern lassen.
Sven Lehmann (@svenlehmann) May 27, 2022
|
Außerdem merkte der Grüner-Politiker an: "Ich bin schwul, habe eine offene Beziehung und ein Profil auf Dating-Apps. Wäre ich bei der Bundeswehr, würde mir die 'charakterliche Integrität' abgesprochen. Ich bin aber Staatssekretär. In einer Bundesregierung, für die wichtig ist, wie man arbeitet – nicht wie man datet."
Julia Klöckner: "Das ist Privatsache"
Über den Hinweis des Queer-Beauftragten auf seine eigene offene Beziehung empörte sich am Samstag die CDU-Bundestagsabgeordnete Katja Leikert. "Ernsthaft? Too much information, Herr Kollege", schrieb die Obfrau der Unionsfraktion im Familienausschuss auf Twitter. "Will ich das wirklich wissen, wozu?"
/ KLeikertErnsthaft? Too much information, Herr Kollege. Will ich das wirklich wissen, wozu?
Katja Leikert (@KLeikert) May 28, 2022
|
Ex-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner legte noch einen drauf: "Ich bin nicht schwul, habe keine offene Beziehung + kein Profil auf Dating-Apps. Daraus leite ich keine polit. Forderung ab", tweetete die CDU-Schatzmeisterin ebenfalls am Samstag. "Wer schwul in offener Beziehung mit Dating-Profil lebt: seine Entscheidung, anders, nicht besser. Aber: Das ist Privatsache, keine PSt-Berufsbeschreibung."
/ JuliaKloecknerIch bin nicht schwul, habe keine offene Beziehung + kein Profil auf Dating-Apps. Daraus leite ich keine polit. Forderung ab. Wer schwul in offener Beziehung mit Dating-Profil lebt: seine Entscheidung, anders, nicht besser. Aber: Das ist Privatsache, keine PSt-Berufsbeschreibung
Julia Klöckner (@JuliaKloeckner) May 28, 2022
|
Twitter-User kritisieren "Zelebrieren von Heteronormativität"
Zahlreiche Twitter-User wiesen die beiden CDU-Politikerinnen darauf hin, dass sie selbst ihr eigenes Privatleben ständig öffentlich ausbreiten. Die Grünen-Politikerin Nadine Milde nahm sich etwa die Homepage von Katja Leikert vor und schrieb: "Wenn 'bin schwul & lebe in offener Beziehung' too much information ist, nicht aber sämtliche Familiendetails incl Puppenmuseumsbesuch von Großkrotzenburg bis Bruchköbel, wäre mal interessant, was außer dem Zelebrieren von Heteronormativität Ihre Kriterien für 'too much' sind."
/ nadine_mildeWenn "bin schwul &lebe in offener Beziehung" too much information ist, nicht aber sämtliche Familiendetails incl Puppenmuseumsbesuch von Großkrotzenburg bis Bruchköbel,
Nadine Milde (@nadine_milde) May 28, 2022
wäre mal interessant, was außer dem Zelebrieren von Heteronormativität Ihre Kriterien für "too much" sind. pic.twitter.com/VqRRsy4x6Y
|
Marc Dietzschkau, Pressesprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, teilte auf Twitter ein CDU-Pressefoto von Julia Klöckners Hochzeit sowie ein Screenshot von der Website der Unionsfraktion, auf der Klöckner als "verheiratet" bezeichnet wird.
/ MDietzschkauIst der Beziehungsstatus bzw. die Beziehungsform nun Privatsache oder nicht? pic.twitter.com/7pFl6T6oZP
Marc Dietzschkau (@MDietzschkau) May 28, 2022
|
"Ist der Beziehungsstatus bzw. die Beziehungsform nun 'Privatsache' oder nicht?", fragte Dietzschkau rhetorisch. (mize)














