https://queer.de/?42163
#Metoo
Liefern die USA Kevin Spacey nach Großbritannien aus?
Die englische Staatsanwaltschaft fordert einem Medienbericht zufolge die Rückkehr von Kevin Spacey aus den USA.

Kevin Spacey im neuen Thriller "Peter Five Eight" (Bild: Mad Honey Productions)
- 30. Mai 2022, 08:31h 3 Min.
Britische Behörden fordern laut der britischen Tageszeitung "Guardian" die Rückkehr von Kevin Spacey (62) aus den USA. In Großbritannien wurde wegen des Verdachts sexueller Übergriffe in vier Fällen eine Anklage gegen den Schauspieler erhoben, wie in der vergangenen Woche bekannt wurde (queer.de berichtete). Offiziell angeklagt werden kann Spacey, der stets alle Vorwürfe gegen ihn bestritten hat, allerdings erst, wenn er vor Ort ist.
Ein Insider sagte dem "Guardian" dem Bericht zufolge, Großbritannien werde die Auslieferung des US-Schauspielers beantragen, es sei denn, er entscheide sich, freiwillig zurückzukommen. Auslieferungsexpert*innen erklärten demnach, dass die Polizei in den USA Spacey im Auftrag der britischen Behörden festnehmen könnte. Eine Auslieferung könnte sich aber viele Monate hinziehen.
In der Vergangenheit hatten die USA aber auch Auslieferungen ihrer Bürger*innen verweigert, etwa im Fall der US-Bürgerin Anne Sacoolas: Die Frau eines in Großbritannien stationierten CIA-Agenten floh 2019 aus Großbritannien, nachdem sie mit ihrem Auto auf der falschen Straßenseite gefahren war und mit einem 19-jährigen Motorradfahrer zusammenstieß, der daraufhin starb.
Darum geht es in der Anklage
Die Anklage gegen den Schauspieler erfolgte durch den Crown Prosecution Service (CPS), wie auf der offiziellen Homepage der Strafverfolgungsbehörde nachzulesen ist. Rosemary Ainslie, Chefin der Special Crime Division der CPS, wird mit den Worten zitiert: "Die CPS hat die Anklage gegen Kevin Spacey, 62, in vier Fällen des sexuellen Angriffs gegenüber drei Männern autorisiert."
Drei dieser Vorfälle hätten sich den Angaben nach in den Jahren 2005 und 2008 in London zugetragen, einer 2013 in Gloucestershire. "Er wurde außerdem angeklagt, eine Person ohne deren Zustimmung zu penetrierenden sexuellen Aktivitäten genötigt zu haben. Die Anklage erfolgte nach der Überprüfung der Beweise, die die Metropolitan Police in ihren Ermittlungen gesammelt hat."
Es sei jedoch sehr wichtig, heißt es in der Pressemittelung weiter, dass es sich dabei um "ein laufendes Verfahren gegen Herrn Spacey handelt und dass er das Recht auf einen fairen Prozess" habe. Eine Vorverurteilung des Schauspielers gelte es daher unbedingt zu vermeiden.
Anschuldigungen seit 2017
Spacey war von 2004 bis 2015 künstlerischer Leiter des Old Vic Theatre in London. Zahlreiche Männer hatten den Schauspieler ab 2017 im Zuge der #MeToo-Debatte beschuldigt, sexuell übergriffig geworden zu sein. Daraufhin outete sich der zweifache Oscar-Preisträger als schwul, was allerdings als "Ablenkungs"-Coming-out kritisiert wurde (queer.de berichtete). In Hollywood wurde er zur Persona non grata: Netflix kündigte den Vertrag des "House of Cards"-Stars, und er wurde aus dem Kinohit "Alles Geld der Welt" (2017) herausgeschnitten und durch Christopher Plummer (1929-2021) ersetzt.
Zwar wurde gegen Spacey auch in seiner US-Heimat schon mehrfach geklagt, bislang kam er dort aber um einen Gerichtsprozess herum. Die Macher*innen seines neuen Films, "Peter Five Eight", stehen laut eines aktuellen Statements trotz der Anklage in Großbritannien hinter dem Oscarpreisträger, wie "The Hollywood Reporter" berichtete.
Mit dem Film will Spacey seine Karriere wiederbeleben. Der Streifen, in dem er einen mörderischen Stalker spielt, ist angeblich in Cannes von einer Produktionsfirma gekauft worden. Der Thriller ist bereits abgedreht, ein erster Trailer schon veröffentlicht. (spot/cw)















Aber alle bislang bekanntgewordenen Schmutzeleien des Herren konnte man noch unter übergriffig, unappetitlich, unangemessen und eklig verbuchnen - aber es ging eben immer nur um Grapschereien.
"Er wurde außerdem angeklagt, eine Person ohne deren Zustimmung zu penetrierenden sexuellen Aktivitäten genötigt zu haben. "
Sollte das gerichtlich bestätigt werden, wäre er ein Vergewaltiger - und da ist dann Schluss mit lustig und die Karriere wohl endgültig beendet.
Eine ganz andere Frage stellt sich mir noch: Warum dauert es teilweise deutlich über zehn Jahre, bis die mutmaßlichen Übergriffe vor Gericht landen?