Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?42172

Katholische Kirche

Queere Organisationen kritisieren Entwurf zum katholischen Arbeitsrecht

Die katholische Kirche in Deutschland behauptet, ihr neues Arbeitsrecht queerfreundlicher gestalten zu wollen. Das sei ihr nur teilweise gelungen, so das Katholische LSBT+ Komitee und #OutInChurch.


Ausgerechnet der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der wohl queerfeindlichste Bischof in Deutschland, leitet die "Bischöfliche Arbeitsgruppe Arbeitsrecht" (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)

Der Entwurf zum neuen Arbeitsrecht in der katholischen Kirche ist bei queeren Organisationen auf Kritik gestoßen. Die Dachorganisation Katholisches LSBT+ Komitee und die Initiative #OutInChurch bemängelten, dass schwammige Äußerungen den Schutz von Homosexuellen untergraben könnten und trans Menschen in dem Entwurf gar nicht erwähnt werden.

Die Bischofskonferenz hatte am Montag einen Entwurf für ihr Arbeitsrecht vorgestellt (queer.de berichtete). Darin wird "sexuelle Orientierung" als Gleichbehandlungsmerkmal erwähnt, allerdings wird eingeschränkt, dass "kirchenfeindliches Verhalten", etwa öffentliches Handeln "gegen die Kirche oder deren Werteordnung", zur Kündigung führen könnte. Als "kirchenfeindlich" wurde in der Vergangenheit etwa eine gleichgeschlechtliche Eheschließung definiert.

"Der Entwurf wirft einige Fragezeichen auf, weil die genannten christlichen Werte nicht präzise definiert sind", erklärte Jens Ehebrecht-Zumsande von der Initiative #OutInChurch. "Wenn jemand sich auf einer Dating-Plattform outet, ist das schon öffentlich und damit zu sanktionieren oder noch privat? Ist z.B. die Forderung nach Frauenordination schon kirchenschädliches Verhalten, das eine Kündigung nach sich ziehen kann? Ist eine Transition von transgeschlechtlichen Menschen mit dem geforderten christlichen Menschenbild vereinbar? Hier gibt es noch einen erheblichen Klärungsbedarf."

Posted by Out In Church – Für eine Kirche ohne Angst on Sunday, January 23, 2022
Facebook / Out In Church – Für eine Kirche ohne Angst | Die Forderung von #OutinChurch, dass queere Menschen ohne Angst in kirchlichen Krankenhäusern oder Kindergärten arbeiten können, erfüllt der Entwurf des neuen Arbeitsrechts nicht
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Insbesondere die Nichterwähnung von geschlechtlichen Minderheiten bereitet Veronika Gräwe vom Katholischen LSBT+ Komitee Sorge: "Der Entwurf muss dringend nachgebessert und konkretisiert werden, damit auch für trans- und intergeschlechtliche sowie nichtbinäre Mitarbeitende der kirchliche Arbeitsplatz zu einem Arbeitsplatz ohne Angst wird. Gleichstellungsmaßnahmen müssen die Gleichstellung von Mitarbeitenden aller geschlechtlichen Identitäten im Blick haben."

"Enorme psychische Belastungen" für queere Mitarbeitende

Gräwe machte auch auf eine Konsequenz der neuen Regelungen aufmerksam: "Zahlreiche Berichte von LSBTIQ*-Mitarbeitenden im kirchlichen Dienst belegen die enormen psychischen Belastungen, die für sie mit einer Tätigkeit im kirchlichen Dienst verbunden sind. Wo Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, wie in dem Entwurf vorgesehen, die Gesundheit in den Blick nehmen, müssen im Hinblick auf LSBTIQ* auch Minderheitenstress und internalisierte Homonegativität und Transfeindlichkeit als Risikofaktoren in Gefährdungsbeurteilungen miteinfließen."

Unzufrieden zeigten sich die Aktivist*innen auch mit den Möglichkeiten der Partizipation und der Transparenz des Verfahrens: "Bis heute wurde die Expertise von queeren katholischen Organisationen nicht in die Beratung einbezogen", erklärte Ehebrecht-Zumsande. "Wir sehen auch jetzt keine Einladung zum Dialog. Wollen Bischöfe und Arbeitsgruppe hinter verschlossenen Türen beraten?

Kirchen müssen sich wegen ihres Selbstbestimmungsrechts nicht an deutsches Arbeitsrecht halten – auch nicht an das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Sie dürfen daher Minderheiten, die sie in ihrer religiösen Bewertung als minderwertig betrachten, nach Gutdünken diskriminieren.

Die "Bischöfliche Arbeitsgruppe Arbeitsrecht" steht ausgerechnet unter dem Vorsitz von Kardinal Rainer Maria Woelki, dem wohl queerfeindlichsten deutschen Bischof. Er lobte etwa das gegen gleichgeschlechtliche Paare gerichtete vatikanische Segnungsverbot (queer.de berichtete). (dk)



#1 KirchenaustrittAnonym
  • 31.05.2022, 10:50h
  • Statt immer wieder um Reformen zu betteln, die eh nicht kommen, sollten die einfach die Fakten erkennen und aus diesem menschenverachtenden, scheinheiligen und übrigens auch unchristlichen Verein austreten.

    Damit hätten sie Menschenrechten und christlichen Werten einen viel größeren Gefallen getan, als weiter rumzubetteln in der Hoffnung, dass es vielleicht irgendwann Mini-Fortschritte geben könnte, während 99% der Diskriminierung weitergehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 PrideProfil
#3 RechtsstaatAnonym
  • 31.05.2022, 10:57h
  • Antwort auf #2 von Pride
  • Volle Zustimmung.

    Solange die Kirche weiterhin über dem Gesetz steht und sich ihre eigenen Gesetze nach gusto schreibt, ist es völlig irrelevant, ob in diesen Sondergesetzen vielleicht irgendwelche Mini-Fortschritte sind oder nicht.

    Die sollen sich wie alle anderen auch an das Recht und Gesetz halten, woran sich ALLE ANDEREN auch zu halten haben. Nicht mehr und nicht weniger.

    Und wenn dann der Staat noch aufhören würde, deren Mitgliedsbeiträge zur Steuer zu erheben und für die einzutreiben und auch nicht mehr zusätzlich die Staatsleistungen zahlen würde (selbst von Bürgern, die dort nicht mal Mitglied sind), dann hätten wir tatsächlich eine Trennung von Staat und Kirche. Was eigentlich die Voraussetzung für einen demokratischen Rechtsstaat wäre.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 TrekieAnonym
  • 31.05.2022, 11:06h
  • Was, das kirchliche Arbeitsunrecht ist nicht besser geworden? Wer hätte das denn ahnen können, ich dachte der Wölkie is seit gestern ein ally der garnicht mehr gegen Menschenrecht geht. Oder verwechsel ich ihn da mit unserm freund Putin?
  • Antworten » | Direktlink »
#5 AtreusProfil
  • 31.05.2022, 11:43hSÜW
  • Liest sich wie eine Neuerscheinung von Remarque: In der Kirche nichts neues. Wie recht Albert doch mit seinem Kommentar über die menschliche Dummheit hatte. Anders lässt sich nicht erklären, wie Mensch nach der 1.000.000nsten Nachricht über systemische Diskriminierung und systemischen Rechtsbruch durch die Kirche, auch nach OutInChurch, auf den ernsthaften Gedanken kommt, es würde jemals anders. Pathologische Gründe, die das Denken einschränken oder unmöglich machen, nehme ich selbstredend davon aus.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 LorenProfil
  • 31.05.2022, 12:42hGreifswald
  • Da sind wohl einige aus allen Woelk(l)i gefallen, weil Diskriminierung Diskriminierung bleibt. Sowas aber auch.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 UnverständnisAnonym
  • 31.05.2022, 13:32h
  • "Zahlreiche Berichte von LSBTIQ*-Mitarbeitenden im kirchlichen Dienst belegen die enormen psychischen Belastungen, die für sie mit einer Tätigkeit im kirchlichen Dienst verbunden sind."
    Ich verstehe es einfach nicht.
    Weshalb muss ich mich für einen Arbeitgeber psychisch selbst zerstören, freiwillig zudem, wenn es andere nur einen Schritt außerhalb der Sekten auch erfüllende Stellen mit echtem, nämlich weltlichem Arbeitsrecht und -schutz gibt.
    Wieviele Jahrhunderte müssen denn noch vergehen, wie viele Belege und Taten noch ans Licht kommen, bis ihr endlich begreift, dass die Kirche(n) nie unsere Verbündeten waren, sind und nie sein werden?
  • Antworten » | Direktlink »
#8 LorenProfil
  • 31.05.2022, 13:49hGreifswald
  • Antwort auf #7 von Unverständnis
  • Es handelt sich hier wohl um die Folgen religiöser Erziehung und/oder den Glauben, dass Christsein außerhalb der römisch-katholischen Kirche nicht möglich ist. Beides ist bei vielen schwer aus dem Kopf herauszubekommen, wie am vorliegenden Geschehen zu besichtigen ist. Dass da innere Zerrissenheit u.ä. verspürt wird, ist geradezu zwangsläufig. Hinzu kommt ggf noch bei einigen, dass sie Gleichgesinnte (im Glauben wie im Leiden) gefunden haben und diese soziale Gruppe nicht missen möchten. Der Mensch, das unbekannte, komplexe Wesen!
  • Antworten » | Direktlink »
#9 DenkenDenkenAnonym
#10 LächerlichAnonym
  • 31.05.2022, 18:36h
  • Mal ganz abgesehen davon, dass die Kirche nur deshalb aktuell Kreide frisst, weil ihnen nach immer neuen Missbrauchs-Skandalen die Mitglieder in Scharen wegrennen und damit die Einnahmen wegbrechen.

    Anderswo hetzt die Kirche munter weiter und baut auch keine Diskriminierung ab.

    Aber ein bisschen weniger Diskriminierung ist eben immer noch Diskriminierung. Alles was nicht 100% Gleichstellung ist, ist per definition Diskriminierung.

    Und selbst wenn das irgendwann käme, wäre das viel zu spät und würde niemals das vergangene und immer noch anhaltende Leid, das die über die Welt brachten und bringen, ungeschehen machen.
  • Antworten » | Direktlink »