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  • 23. Januar 2006 21 5 Min.

Didi Knoblauch, stimmgewaltiger Kandidat bei "DSDS", ist transsexuell und will die "Komplett-OP". Wie sieht diese aus?

Von Carsten Weidemann

Mit dem legendären 80er-Jahre-Rockhit "Final Countdown" ist Didi Knoblauch (25) am vergangenen Samstag stimmgewaltig in die Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" zurückgekehrt (siehe queer.de-News).Selbst Dieter Bohlen war begeistert, drückte sich aber weniger glücklich aus: "Du hast echt Eier gezeigt!" Nun rückt auch Knoblauchs Transsexualität wieder in das Zentrum der Öffentlichkeit. Unlängst stand in der "Bild am Sonntag" zu lesen, dass sich Knoblauch vor zwei Jahren die Brüste für 4.500 Euro entfernen ließ – eine komplette Geschlechtsanpassung inklusive "kleinem Didi" ("Bild"), also einem richtigen Penis, würde über 50.000 Euro kosten. Nun rätselt die Nation, wie eine solche Operation überhaupt von statten geht. Woher kommt der Penis, woher das Gewebe für die noch fehlenden Geschlechtsorgane? Sind die Schmerzen sehr groß und kann man(n) danach auch sexuell aktiv sein?

Mit plastisch-chirurgischen Operationsverfahren (Phalloplastie) gelingt es heute in vielen Fällen, aus körpereigenem Gewebe einen funktionsfähigen, neuen Penis zu rekonstruieren, der auch als Penoid ("penisähnlich") bezeichnet wird. Transsexualität, aber auch der Verlust des Penisses, etwa durch einen Unfall oder eine Tumorerkrankung, können Gründe für einen solchen Eingriff sein. Chirurgische Rekonstruktionen des männlichen Gliedes sind aufgrund der komplexen kosmetischen und funktionalen Anforderungen (unter anderem Sexualfunktion, Blasenentleerung) eine große Herausforderung. Im Jahr 1993 wurde von dem Israeli Professor Richard Sadove erstmals eine totale Penisrekonstruktion mit einem freien, vom Wadenbein stammenden Haut-Knochen-Lappen durchgeführt.

Doch vor dem "Penis-Bau" werden zunächst die inneren weiblichen Organe entfernt: Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter werden bei der so genannten Hysterektomie entnommen. Diese ist vor allem wegen eines stark erhöhten Krebsrisikos durch die Hormonbehandlung notwendig; außerdem ist sie Voraussetzung für die Personenstandsänderung nach dem Transsexuellengesetz. Sie erfolgt entweder durch Bauchschnitt oder durch die Vagina. Dies ist ein Standard-Eingriff und daher relativ risikolos. Die Liegedauer beträgt zwischen 3 und 7 Tagen. Diesen Eingriff lassen die meisten Transmänner durchführen.

Danach beginnt der Aufbau der männlichen Genitalien – ein sehr komplizierter und risikoreicher Eingriff. Schon alleine aus diesem Grunde verzichten viele Transmänner auf diesen Eingriff. Es gibt verschiedene Techniken wie zum Beispiel die Metaidoioplastik: Die durch eine Hormontherapie vergrößerte Klitoris wird teilweise aus ihrem Hautmantel freigeschnitten, eine Harnröhre wird aus den kleinen Schamlippen geformt. Das Ergebnis ist überzeugend – der Penisersatz aber auch sehr klein. Die Sensibilität bleibt weitestgehend erhalten, die Größe liegt zwischen zwei und dreieinhalb Zentimeter – Geschlechtsverkehr ist mit der richtigen Technik möglich. Hierbei handelt es sich um eine relativ komplikationslose Methode, und es wird kein Gewebe von anderen Körperstellen transplantiert. Die Liegedauer im Krankenhaus beträgt rund zwei Wochen.

Weitaus komplizierter ist die Methode der Unterarm-Plastik: Aus dem nicht-dominanten Unterarm (meist links), seltener aus dem Oberarm oder dem Unterschenkel, wird ein Hautlappen mit darunter liegendem Gewebe, eine Blutbahn und Nervenstrang entnommen. Aus diesem wird dann der Penoid geformt. Gelegentlich wird diese Technik mit der Metaidoioplastik kombiniert, dann wird der Eingriff in zwei Schritten ausgeführt. Die Blutbahn und der Nervenstrang wird in der Leiste verbunden, so dass der Penoid eine eigene Blutversorgung und Gefühlsfähigkeit erlangt. Bei dieser Methode wird die Harnröhre normalerweise bis zur Spitze des Penoids geführt. Das Ergebnis ist sehr stark vom Können des Operateurs abhängig, und in manchen Fällen nicht zufriedenstellend. An der Entnahmestelle entsteht eine große und meist sehr auffällige Narbe. Die Sensibilität bleibt normalerweise weitestgehend erhalten (dies ist auch abhängig von der Operationsmethode). Die Größe beträgt üblicherweise zwischen zehn und zwölf Zentimeter, gelegentlich auch mehr. Der Umfang ist, abhängig von der Armdicke, relativ klein. Bei einer zweiten Operation werden Silikonimplantate als Hoden und ein Versteifungsimplantat (welche für Männer mit Erektionsproblemen entwickelt wurden, und daher wenig zum Umfang beitragen) eingebaut, damit Geschlechtsverkehr möglich wird. Die Liegedauer beträgt zwischen 14 Tagen und sechs Wochen.

Daneben ist auch eine Bauchmuskel-Plastik möglich: Einer der beiden längs liegenden Bauchmuskeln wird vom Rippenbogen gelöst, aufgerollt, nach unten geklappt, und mit Leistenhautlappen zu einem penisähnlichen Gebilde geformt. Die Harnröhre wird dabei nur selten bis an die Spitze des Penoids geführt, meist endet sie an der Basis desselben. Dies ist eine äußerst komplikationsträchtige Methode, oftmals kommt es zu einem teilweisen oder gänzlichen Absterben der Penisplastik. Das Ergebnis ist optisch und funktional häufig nicht oder nur nach mehreren Korrektureingriffen zufriedenstellend. Die Sensibilität kann nach einigen Jahren teilweise wiederhergestellt sein. Die Größe beträgt üblicherweise bis zwölf cm, gelegentlich auch mehr. Mit einem Versteifungsimplantat ist Geschlechtsverkehr möglich. Die Liegedauer beträgt bis zu zehn Wochen für den ersten Eingriff.

Neben den Schmerzen sind es auch die immensen Kosten von rund 50.000 Euro, die den Patienten zu schaffen machen: Ein transsexueller Patient hat das Recht auf eine Operation und diese wird im Regelfall von den Krankenkassen auch nicht verweigert. Allerdings besteht für die Krankenkassen keine Verpflichtung, die Kosten für eine private Spezialklinik wie der Klinik Sanssouci in Berlin zu übernehmen. Die überwiegende Mehrzahl der transsexuellen Patienten dieser Einrichtung, die sich auf orthopädische und plastische Chirurgie spezialisiert hat, sind gesetzlich versicherte Patienten und haben dennoch auf dem Wege der Einzelfallentscheidung eine Kostenübernahme für eine Operation in der Klinik bekommen.

23. Januar 2006

-w-

#1 B.Anonym
  • 23.01.2006, 21:25h
  • Tjaja, wie habe ich doch mal von einer Chirurgin (!) im Fernsehen gehört: Es ist eben einfacher, einen Eiffelturm abzureißen als einen zu bauen.
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#2 ACopAnonym
  • 23.01.2006, 23:59h
  • Frage: was haben BILD, RTL, Dieter Bohlen und Queer.de
    gemeinsam?

    Ihnen ist keine Story zu fies um eine billige Schlagzeile
    daraus zu machen.

    Niveau ist keine Handcreme und Menschenwürde kein
    billiges Schlagwort.

    Einen jungen, unerfahrenen Menschen so durch die Medien
    zu ziehen ist einfach unverantwortlich und widerlich.
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#3 PeterAnonym
  • 24.01.2006, 01:13h
  • aber nen Eiffelturm umzuwerfen ist definitiv leichter als einen aufzurichten. LOL.
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