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Österreich

Vor Dragqueen-Lesung: Rechtsextreme errichten Mauer vor Bücherei-Eingang in Wien

Rechte Kreise hatten seit Tagen gegen die Veranstaltung im Rahmen des Vienna Pride mobilisiert. Für Freitagnachmittag wurde auch zu einem Protest vor Ort aufgerufen.


Screenshot Telegram

  • 3. Juni 2022, 06:51h 8 3 Min.

Zu Update springen: Lesung fand unter Polizeischutz statt (21:00h)

Rechtsextreme haben in der Nacht zum Freitag den Eingang einer Bücherei in Wien mit einer Mauer unzugänglich gemacht, auf dem die Flagge Österreichs und der Spruch "#NOPRIDEMONTH" angebracht wurde. In der städtischen Bücherei Mariahilf soll am Freitag eine Kinderbuch-Lesung mit der Drag-Queen Candy Licious stattfinden. Gegen die Veranstaltung mobilisierte die rechte Szene schon seit Tagen und rief für Freitagnachmittag auch zu einem Protest vor Ort auf.

Über die "Blockade der 'Drag Queen Story'" berichtet die Extremisten-Seite "Patrioten in Bewegung", "eine handvoll Aktivisten" habe den Eingang zur Bücherei mit "einer mehr als 2 Meter hohen Mauer" blockiert. Dazu wurden Fotos und der Text eines Flugblattes veröffentlicht.

/ msulzbacher
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Laut Tweets des "Standard"-Journalisten Markus Sulzbacher wurde die Mauer am späteren Morgen zügig durch eine Abbruchfirma entfernt – diese freue sich, "weil solche Platten gerade schwer zu bekommen sind". Zuvor sei die Spurensicherung vor Ort gewesen. Hinter der Aktion stecke die "Identitäre Bewegung".

"Eure Zeit ist bald vorbei"

"Niemals werden wir akzeptieren, dass in diesem Land Kinder mit sexueller Propaganda indoktriniert werden", heißt es in vor Ort hinterlassenen und online veröffentlichten Flugblatt. "Wir wehren uns gegen die staatsfinanzierte Globohomo-Ideologie und bekämpfen sie, überall wo sie sich zeigt. Die Mehrheit des Volks ist dagegen. Sie will keine Frühsexualisierung ihrer Kinder & lehnt diese Propaganda ab. Angeblich wollen sie Gleichberechtigung und Toleranz. In Wahrheit wollen sie unsere Kinder..."

Neben Volksverhetzung ist das Flugblatt auch eine Bedrohung: "Was morgen hier stattfinden soll, ist eine Schande für das ganze Land. Diese Mauer ist ein Symbol für unseren Widerstand. Sie ist die rote Linie, die wir verteidigen: Heimat, Freiheit, Familie und die natürliche sexuelle Identität. Dekadenz hat keine Zukunft. Eure Zeit ist bald vorbei. Kein Meter für Globohomo".

Mehr zu den Hintergründen der verschiedenen rechten Akteure und der Hetze der letzten Tage im Vorbericht. Der Vienna Pride hatte am Donnerstag bekräftigt, dass die "wunderbare" Lesung stattfinden werde und Behörden für die Sicherheit sorgen werden – "und dass den Kindern die Freude nicht zerstört wird". Die Lesung aus "Julian ist eine Meerjungfrau" und anderen Büchern "soll den Regenbogenfamilien und auch allen anderen Familien Spaß machen".

"Wenn eine kleine Gruppe ihr ewiggestriges Weltbild mit Störaktionen durchsetzen will, dann muss sie die volle Härte des Rechtsstaates erfahren", kommentierte Mario Lindner, SPÖ-Abgeordneter im Nationalrat und Gleichbehandlungssprecher seiner Partei. "Eine Störaktion vor einer Veranstaltung mit Kindern ist kein Kavaliersdelikt und darf auch nicht so behandelt werden."

Der FPÖ-Bezirksvorsitzende Leo Kohlbauer forderte hingegen am späteren Freitagmorgen eine Absage der Lesung von "sexuellen Coming-Out Geschichten". Ganz im Duktus der Rechtsextremen meinte er: "Diese Form der Sexualisierungspropaganda für kleine Kinder ist klar abzulehnen. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Kinder mit öffentlich finanzierter Globohomo-Ideologie indoktriniert werden." Die "frühzeitige Erziehung von Kindern in bestimmte sexuelle Richtungen" sei "das Gegenteil von Freiheit", niemand solle "zu einer sexuellen Orientierung gedrängt und erzogen werden". (nb)

mehrfach aktualisiert


 Update  21h: Lesung fand unter Polizeischutz statt

Medienberichten zufolge sicherte ein gutes dutzend Polizeibeamte die Lesung. Die Beamten nahmen eine Person fest, offenbar aus den Reihen der Unterstützer*innen der Lesung. Die Polizei sprach in diesem Zusammenhang von einem "tätlichen Angriff gegen eine*n Beamt*in".

/ msulzbacher
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Mehrere Aktivist*innen aus der rechtsextremen Identitären-Szene und aus dem Coronaleugner-Lager tauchten auf. Der umtriebige Aktivist Martin Rutter, der als Pressesprecher einer Coronaleugner-Kundgebung, bei der eine Regenbogenflagge zerrissen worden war, wegen homofeindlicher Volksverhetzung angeklagt und freigesprochen wurde (s. Vorbericht), schrieb in Telegram: "Wer gegen Frühsexualisierung ist, ist 'RECHTS"?' Erinnert an die Lügenpresse-Artikel, als alle Teilnehmer der Coronademos rechts, Nazis usw. waren." Er stehe zu dem Lesungsprotest und zu einem "nein zur Frühsexualisierung".

/ MarioLindner82
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#1 Pride
  • 03.06.2022, 09:03h...
  • Gegen Rechtsextreme muss mit der Staatsgewalt vorgegangen werden.
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#2 AnnaAnonym
  • 03.06.2022, 09:13h
  • Leider nichts neues im braunen Österreich, wo die mehr als nur gefährliche Entwicklung in Deutschland länger existiert und die FPÖ seit Jahrzehnten potenziell Wahlen gewinnen können.
    Ich hoffe die Bücherei lässt sich nicht beirren und die Buchvorlesung kann trotz diesen rechtsextremen Hetzer*innen stattfinden.
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#3 DestroyaAnonym
  • 03.06.2022, 10:25h
  • In erster Linei wollen rechtsextreme unsere Kinder. Und zwar schlagen und misshandeln, wie es in so vielen Rechten Familien gang und gebe ist.

    Klassische Erziehung halt.
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