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Fußball
Bierhoff zu Katar-Protesten: Besser "koordinierte Aktionen" vor der WM
Der DFB-Direktor spricht sich im "Spiegel" gegen ein "Wettrennen der guten Aktionen" aus. Besser seien "mit der europäischen Fußballfamilie" koordinierte Aktionen.

Oliver Bierhoff, der Fußball-Europameister von 1996, ist seit 2004 DFB-Funktionär (Bild: Olaf Kosinsky / wikipedia / kosinsky.eu)
- 3. Juni 2022, 09:19h 3 Min.
DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat die Position des Verbands zu Aktionen wegen der Menschenrechtslage im WM-Gastgeberland Katar bekräftigt. "Wir müssen eine Haltung haben, Position beziehen", sagte Bierhoff in einem "Spiegel"-Interview (Paywall). Es solle über "mit der europäischen Fußballfamilie" koordinierte Aktionen nachgedacht werden. Ähnlich hatte sich der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Bernd Neuendorf, geäußert.
Es gehe ihm nicht darum, mögliche individuelle Aktionen der Spieler einzuschränken, sagte Bierhoff: "Aber es sollte nicht zu einem Wettrennen der guten Aktionen kommen. Dann bleibt die Wirkung aus. Besser wäre eine große, konzertierte Aktion, die zeigt: Wir alle haben uns mit den kritischen Themen auseinandergesetzt und zeigen jetzt Flagge." Die Nationalmannschaft bereitet sich aktuell auf das Spiel in der Nations League am Samstag (20.45 Uhr/RTL) in Bologna gegen Italien vor. Für die WM im November und Dezember in dem Golfstaat ist die Nationalmannschaft bereits qualifiziert.
Eine konkrete Idee für Aktionen habe er noch nicht, sagte Bierhoff. "Vieles ist denkbar, wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir am effektivsten Zeichen setzen können. Fest steht: Wir werden für unsere Werte einstehen." Die Nationalmannschaft hatte im vergangenen Jahr mit einer T-Shirt-Aktion für Menschenrechte demonstriert. Bei der EM im letzten Jahr hatte unter anderem Torwart Manuel Neuer mit einer Regenbogen-Kapitänsbinde ein Zeichen gegen das gerade verabschiedete Gesetz gegen Homo- und Trans-"Propaganda" in Ungarn gesetzt (queer.de berichtete).
Im März tauschte sich die DFB-Auswahl mit Menschenrechtsorganisationen aus, am Mittwoch organisierte der Verband ein Dialogforum mit Vertretern verschiedener Interessengruppen. Dabei war auch der Ex-Fußballnationalspieler Thomas Hitzlsperger zugeschaltet (queer.de berichtete). "Uns ist es wichtig, dass alle einen Eindruck gewinnen, wie die Verhältnisse vor Ort sind und welche Themen bei dieser WM eine Rolle spielen: die Rechte von Frauen und von Homosexuellen, die Bedingungen für Arbeiter", sagte Bierhoff dem "Spiegel". "Vieles kann man sich ja kaum vorstellen und ist nicht akzeptabel. Dass dort Menschen in 50 Grad Hitze auf Baustellen ohne Pause schuften und am Ende ihr Lohn mitunter nicht ausgezahlt wird."
Am Gastgeberland Katar entzündet sich seit längerem Kritik. So steht dort auf Homosexualität eine siebenjährige Gefängnisstrafe, nach islamischem Recht ist sogar die Verhängung der Todesstrafe möglich. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland forderte im vergangenen Herbst einen WM-Boykott (queer.de berichtete). Bierhoff nannte im Januar einen Boykott "für uns keine Option" (queer.de berichtete).
Katars Emir Tamim Bin Hamad Al Thani hatte bei einem Besuch in Berlin vor wenigen Tagen bekräftigt, dass "alle Gäste willkommen" seien – sie sollten aber "unsere Kultur respektieren" (queer.de berichtete). Kurz zuvor hatten mehrere Journalist*innen in Stichproben herausgefunden, dass mehrere katarische Hotels nicht an Schwule vermieten wollten (queer.de berichtete). Seit der WM-Vergabe 2010 hatte der Weltfußballverband immer wieder versucht, die Staatshomophobie in Katar herunterzuspielen. Fifa-Präsident Gianni Infantino sagte etwa im März: "Jeder wird sehen, dass jeder hier in Katar willkommen ist, auch wenn wir über LGBTQ+ sprechen" (queer.de berichtete). Regenbogenfahnen seien im Stadion erlaubt, hatten FIFA und die katarischen WM-Organisatoren mehrfach betont. Ein hochrangiger Offizieller sagte im April hingegen, dass man Fans entsprechende Flaggen wegnehmen werde (queer.de berichtete). (dpa/cw)
















Also einerseits soll es individuelle Aktionen geben dürfen - aber andererseits sollte es davon doch lieber nicht zu viele geben? Mir erschließt sich diese Logik nicht.
"Dann bleibt die Wirkung aus."
Aha. Also je mehr pro-queere Aktionen es gibt, desto geringer ist deren Wirkung? Sorry, aber das klingt für mich nach nichts anderem als einer faulen Ausrede.
Und das Ganze nach einem verklausulierten Maulkorb. So nach dem Motto "Haltet ihr mal alle still und wartet die offiziellen Aktionen ab".
"Besser wäre eine große, konzertierte Aktion, die zeigt: Wir alle haben uns mit den kritischen Themen auseinandergesetzt und zeigen jetzt Flagge."
Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.
"Fest steht: Wir werden für unsere Werte einstehen."
Na da bin ich aber mal gespannt. Die "Werte" des Fußballs bei einer WM sind nach meiner Erfahrung in erster Linie Geld und in zweiter Linie Nationalstolz.