Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?42211

Katholische Kirche

Kardinal Müller: Trans-Akzeptanz ein "Verbrechen an Kindern"

In einem Interview mit der queerfeindlichen "Demo für alle" sprach der Kardinal gleichgeschlechtlichen Paaren ihre Ehe, Regenbogenfamilien ihre Familien und trans Personen ihr Geschlecht und ihre Selbstbestimmung ab.


Wenn man einen deutschen Kardinal mal ohne viel Unterbrechungen reden lässt: Entspannt und halb im Sessel liegend philosophierte Müller in dem Interview menschenverachtend vor sich hin (Bild: Youtube-Screenshot)

Mit einer Interview-Reihe bei Youtube meldet sich in diesen Tagen die queerfeindliche Organisation "Demo für alle" zurück, primär, um gegen Reformen im Abstammungsrecht mobil zu machen. "Mitmütter und Mehreltern: Familie im Fadenkreuz" heißt die Reihe der weiter gut in Union und AfD sowie Kirchen hinein vernetzten Aktivistin Hedwig von Beverfoerde. In einer Folge interviewte sie nun Gerhard Ludwig Müller, den früheren Bischof von Regensburg und späteren Präfekten der Kongegration für die Glaubenslehre.

Passend zur aktuellen Stimmungsmache gegen trans Personen und das auch von der "Demo für alle" bekämpfte Selbstbestimmungsgesetz wurde das Interview bei Youtube unter der Überschrift "Transgender ist ein Verbrechen an Kindern!" veröffentlicht, dank der Vernetzung fand es schnelle Verbreitung bei rechten bis rechtsextremen Propaganda-Portalen ("Tichys Einblick", "Junge Freiheit", "PI News") wie auch katholischen Medien ("Tagespost").

Konkret hatte Beverfoerde gegen Ende des Interviews beklagt, Kinder und Jugendliche würden derzeit "vielfach in diesen Transgender-Wahn hineingezogen". Der 74-Jährige antwortete: "Das ist ein großes Verbrechen an der Menschheit und an jungen Kindern." In der Pubertät gebe es eine Orientierungsphase. "Da müssen sie bestärkt werden. Wenn ich als Mann auf die Welt gekommen bin, muss ich gerade durch die Pubertät hindurch gehen und mich dann mental auch mit meinem eigenen Geschlecht identifizieren." Wie in weiteren Passagen verknüpfte der Kardinal beim folgenden Gedankengang dann noch wirr Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung: "Wenn ich Mann bin, bin ich auf eine Frau hin geschaffen. Und wenn ich eine Frau bin, bin ich auf den Mann hin geschaffen."

Kurz zuzor hatte der Kardinal betont, dass ein Mensch als Mann oder Frau geboren werde. In Einzelfällen gebe es körperliche Fehlentwicklungen, so wie Menschen mit einer fehlenden Hand geboren werden könnten auch "Geschlechtsteile nicht genügend ausgebildet sein". "Aber deswegen kann ich doch nicht sagen, es ist genauso normal für einen Menschen, mit einer Hand geboren zu werden oder nicht. Das eine ist ein Mangel, das andere sind natürliche Gegebenheiten. Hoffen wir, dass die Medizin diesen Mangel beheben kann. Aber (…) wenn ich ganz normal als Mann geboren werde, dann komme ich doch nicht auf die Idee, mich jetzt in eine Frau umoperieren zu lassen."

Müller: Ich bin Philosoph, nicht ungebildeter Politiker

Das von Beverfoerde in Rom geführte, 45-minütige Interview gab dem Kardinal viel Gelegenheit, sich in seinen Gedanken zu verlieren, um Theologie ging es dabei fast nie. In deutlicher formulierten Momenten nannte er Leihmutterschaft "Kinderhandel" und "unsittlich", zu Abtreibung betonte er, es "gibt kein Recht auf Mord". Auf die Frage, ob es eine Mit-Mutternschaft oder eine Mehrelternschaft geben könne, antwortete der Bischof: "Jedes Kind hat eine Mutter und einen Vater." Mit den Begriffen zerschneide man den "homogenen Vorgang des Lebens und die Verantwortung, die daraus entsteht". Man sei dabei, aus dem "Menschen ein Produkt zu machen", ein "kapitalistisches Verhalten".

Offenbar auf das Gespür hin, dass der Kardinal möglicherweise nicht wisse, worum es konkrekt ging, sprach Beverfoerde von einem lesbischen Paar ("zwei Frauen, die ja heute in Anführungsstrichen 'heiraten' können") und die bislang fehlende Mit-Mutterschaft. "Das ist ja keine Ehe", so Müller. "Die Politiker haben eigentlich nicht das Recht, in die Natur des Menschen einzugreifen." Das sei ein kapitalisches Denken, ein Etikettenschwindel: "Ein solches Paar ist ja keine Ehe." Sein verstorbener Bruder und er hätten ja auch keine Ehe gehabt, die eine auf Dauer angelegte Verbindung aus Mann und Frau sei. Hier solle "der Blick der Menschen auf die Realität verwischt" werden. Das sei ein "Zeichen der Ideologen", Dinge anders zu benennen, Menschen zu manipulieren und zu verwirren. "Was bei uns in demokratischen Ländern Politiker sich herausnehmen, bis zur EU hin – sie definieren einfach die Wirklichkeit anders. Und hetzen jedem dann die Richter auf den Hals und wollen mit Gewalt das Denken der Leute ändern im Sinne ihrer Ideologie. Aber trotzdem bleibt ein Mann ein Mann." Man könne nicht die Realität verändern durch Veränderung der Begriffe wie im Nationalsozialismus oder Stalinismus.

Der Kardinal war damit lange noch nicht fertig. "Es ist keine Sache der Politiker, die Grundlagen der Erkenntnistheorie und der Philosophie zu formulieren. Unser einer, der liest Arostoteles, die Vorsokratiker oder Kant. Aber es braucht doch niemand aus dem Bundestag, der vielleicht mit abgebrochener Schulbildung es zu einem Mandat geschafft hat, der braucht doch nicht mir, einem Professor der Philosophie und der Theologie, zu sagen, wie Begriffe gebildet werden." Und dann würden noch "Hassparagrafen" formuliert, empörte sich Müller, und Wissenschaftlern werde der Staatsanwalt auf den Hals gehetzt. "Das ist die Unterhöhlung des Rechtsstaates und der Demokratie." Dabei bezog er sich auf den Volksverhetzungs-Prozess gegen den queerfeindlichen Biologen Ulrich Kutschera: Es sei absurd, dass Staatsanwälte und Richter über "naturwissenschaftliche Theorien" entscheiden.

Abwertung von Regenbogenfamilien

Auf die Frage, ob eine Co-Mutterschaft wie behauptet nicht auch Vorteile und Sicherheit für das Kind bringe, sprach der Kardinal von einer "sophistischen Argumentation": "Erst macht man einen schlechten Zustand, dann verbessert man ihn etwas innerhalb dieses schlimmen Vorzeichens." Der Kardinal verglich das mit einem Sklavenhändler, der den Sklaven einen besseren Ort anbiete, anstatt ihn freizulassen. "Wer hat dieses Kind überhaupt in diese Situation gebracht? Und dann spielt man sich noch auf als derjenige, der die Situation des Kindes verbessert. Wenn man das erst als Ware bezeichnet und sich kauft – Ein Kind hat doch seine eigenen Eltern." Es habe das Recht, mit seinem Vater und seiner Mutter aufzuwachsen.

Mit solchen gesetzlichen Neuerungen entferne man sich "vollständig von den christlichen Grundlagen unseres Rechtssystems", kommentierte Beverfoerde. Was werden die Folgen sein? "Die Psychiater werden reicher werden", so der Kardinal. Es sei ja "unnatürlich und gegen die Natur des Menschen, in dieser Art und Weise aufzuwachsen. (…) Die Kinder werden die Opfer sein." Auf Beverfoerdes Frage, ob das auch Auswirkungen auf die "normalen Familien" haben werde, meinte der Kardinal "klar", denn es gehe gar nicht um Minderheiten oder Einzelfälle, sondern darum, "das ganze System aus den Angeln zu heben", das Grundverständnis von Ehe und von Mann und Fau. Nun könne sich jeder "persönlich subjektiv wünschen", ob er Mann oder Frau sein wolle, "67 andere Möglichkeiten, völlig absurd", so Müller. Heute müsse man sich ja fast schämen, wenn man sage, man sei heterosexuell.

Es ist kein Wunder, dass der Kardinal es schon früher ins queer.de-Archiv geschafft hat. So bezeichnete er etwa die "LGBTI-Ideologie" als "atheistisch", verglich LGBTI-Aktivisten mit Nazis oder behauptete, niemand werde "gottgewollt als Homosexueller geboren".



#1 nichtbinärePersonAnonym
  • 03.06.2022, 18:19h
  • Man muss schon ordentlich Chuzpe haben, um ausgerechnet als Vertreter der RKK Andere der "Verbrechen an Kindern" zu bezichtigen.

    Hat er da nicht ein klitzekleines Bisschen vergessen? Z.B. die jahrtausendealte Tradition katholischer Geistlicher, sich selbst an Kindern zu vergehen?

    Ein allzu offensichtliches Ablenkungsmanöver. Und trotzdem werden blind Gläubige ihm das buchstäblich nachbeten.

    Entzieht dieser Organisation Macht und Einfluss:

    www.kirchenaustritt.de/
  • Antworten » | Direktlink »
#2 RebeccaProfil
  • 03.06.2022, 18:19hBerlin
  • Der Bischof ist 74 und viellleicht ist er bald so freundlich, uns durch seinen Gott von ihm zu befreien.

    Und noch ein Grund, warum ich die Geschichte vom Wanderprediger nicht glaube.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 PrideProfil
  • 03.06.2022, 18:24h...
  • Die Zeit dieser Leute ist vorbei, weil die geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung vollumfassend rechtlich kommen muss.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 KopfschüttelAnonym
  • 03.06.2022, 18:35h
  • "Erst macht man einen schlechten Zustand, dann verbessert man ihn etwas innerhalb dieses schlimmen Vorzeichens."

    Und deshalb spricht man diesen Kindern gleich die Existenz ab oder nahm sie vor nicht langer Zeit ledigen Müttern weg, um sie ins Heim zu stecken.
    Ist ja ein toller Einsatz für den vielgepriesenen "Lebensschutz".
  • Antworten » | Direktlink »
#5 KratzbürsteAnonym
  • 03.06.2022, 18:50h
  • Wir sind am dritten Tag des sogenannten Pride Month. Das ZDF gibt trans Feind*innen eine offene Bühne, ohne sie auch nur einmal zu hinterfragen. Die Welt toppt das mit noch mehr trans Feindlichkeit. Und dann haben wir noch das von Steuergeldern finanzierte Fossil.

    Gerade an die cis Menschen unter euch: kämpft für die Rechte von trans Menschen, so wie wir mit euch für die gleichgeschlechtliche Ehe gekämpft haben. Wir brauchen eure Unterstützung mehr denn je, und zwar auch und vor allem offline!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 LorenProfil
  • 03.06.2022, 18:54hGreifswald
  • Nix Neues vom römisch-katholischen Hardliner, für den (Mit)Menschlichkeit offenbar ein Fremdwort ist. Er reiht sich ein in die neueste Welle menschenfeindlicher Hetze, der hierzulande leider viel zu viele gleichgültig begegnen oder den Kopf in den Sand stecken (bis sie womöglich ersticken).
  • Antworten » | Direktlink »
#7 SchonProfil
  • 03.06.2022, 19:01hFürth
  • Ein Verbrechen an den Kindern sind die Missbrauchsverbrechen der christlichen Kirchen, insbesondere der katholischen Kirche. Ein weiteres Verbrechen an den Kindern ist, diese Verbrechen über Dekaden gedeckt zu haben und auch noch heute die Opfer zu Verhöhnen.
    Ihre Sultane stinkt!
  • Antworten » | Direktlink »
#8 StaffelbergblickAnonym
  • 03.06.2022, 19:19h
  • mich hätte es eher verwunder, wenn er was anderes erzählen würde.
    Ich lese gerade das Buch "Sodom" ... und damit liegt der Mann genau richtig auf den Widersprüchlichkeiten innerhalb des Vatikans. Denn heftiger dagegen "gewettert" wird, umso mehr hat der seine eigene "Boygroup". Also nichts neues
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Miguel53deProfil
  • 03.06.2022, 19:40hOttawa
  • Zu mÜller gibt es nur eines zu sagen: Ein durch und durch böser, verkniffener, uneinsichtiger Mann. Schon immer und für immer.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 SchonProfil
  • 03.06.2022, 20:11hFürth
  • Antwort auf #9 von Miguel53de
  • Stimmt schon, aber Hass ist keine anerkannte Religion und auch keine Meinung. Auch wenn es absehbar war ist das Interview nicht in Ordnung. Man intterviewt und hofiert auch keine Radikalnazis, obwohl die den gleichen Mist verbreiten. Philosoph... es gibt unter den Philosophen auch Schlechte. Herr Gauss hat das recht gut erkannt.

    Was die Ewigkeit betrifft... nein! Mit 75 Jahren ist Müller im Berrich von EOL (End of Lifetime). Wenn es einen Gott gibt, wird er mit der Aussage nicht in den Himmel kommen. Wenn er Glück hat, dann gibt es keinen Gott und er bleibt tot.
  • Antworten » | Direktlink »