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Im Juni in der queerfilmnacht

Bloß kein Moffie sein!

Mit epischer Bildsprache zeigt Oliver Hermanus' authentisches Soldatendrama "Moffie", wie Südafrikas Apartheid-Regime neben all seinen rassistischen Gräueltaten auch unzählige weiße junge Schwule zugrunde gerichtet hat. Ein Interview mit dem Regisseur.


Lebensgefährliche Liebe in der südafrikanischen Armee: Nicholas entwickelt Gefühle für seinen Kameraden Dylan

Südafrika 1981, zur Zeit der Apartheid: Wie alle weißen jungen Männer muss auch Nicholas Van der Swart seinen zweijährigen Militärdienst leisten, um das Regime vor der Bedrohung durch den Kommunismus und die "Schwarze Gefahr" zu verteidigen. Dass Nicholas schwul ist, darf niemand wissen, denn wer in der Truppe als "Moffie" erkannt ist, wird brutal schikaniert und gequält. Doch dann verliebt sich Nicholas in seinen Kameraden Dylan…

Mit epischer Bildsprache zeigt Oliver Hermanus' authentisches Soldatendrama "Moffie", wie das Apartheid-Regime neben all seinen rassistischen Gräueltaten auch unzählige weiße junge Männer körperlich und psychisch zugrunde gerichtet hat – durch das staatliche Verlangen, Homosexuelle und alle anderen "Abweichler" aus der südafrikanischen Gesellschaft zu beseitigen.

Im Interview spricht der Regisseur über seinen Film.


Poster zum Film: "Moffie" läuft im Juni 2022 in der queerfilmnacht.

Was inspirierte dich dazu, André-Carl van der Merwes berühmte Erinnerungen zu verfilmen?

Als ich das Buch das erste Mal las, war ich von der Struktur der Geschichte und den Details beeindruckt, mit denen es von diesem Abschnitt unserer Geschichte erzählt. Ich wusste nichts über die Behandlung schwuler Rekruten, über die psychiatrische Behandlung in Ward 22 oder den Schaden, den dieses System so vielen Männern zugefügt hat. Ich spürte deutlich, dass "Moffie" einen Wert hatte, der auf die Kinoleinwand gebracht werden musste.

Welcher Aspekt der Geschichte beeindruckte dich vor allem?

Im Zentrum dieses Films steht ein Wort, "moffie". Jeder schwule Mann in Südafrika kennt dieses Wort und hat eine Beziehung dazu. Es ist eine Waffe, die schon so lange gegen uns benutzt wird. Ich spürte den starken Drang, meine eigene Geschichte mit diesem Wort zu erkunden, und sie wurde schließlich eine Szene im Film. Ich glaube, im Kern meiner Entscheidung, diesen Film zu machen, steht der Wille, dieses Wort "abzurüsten" und zu reformieren.

Fragen der Identität und Sexualität haben heute eine größere Bedeutung als 1981, dem Jahr, in dem die Geschichte spielt, siehst du das auch so?

Vollkommen. Wir leben in einer globalen Kultur und erleben noch immer die Verfolgung der LGBT-Gemeinschaft auf der ganzen Welt. Zur gleichen Zeit wird die Stimme dieser globalen Gemeinschaft lauter gehört als je zuvor. Ein Film wie "Moffie" soll uns daran erinnern, woher wir kommen, was wir ertragen und erlitten haben und weshalb es so wichtig ist, niemals aufzuhören, sich stolz zu Wort zu melden.

Manche meinen, "moffie" habe eine abwertende Bedeutung, andere gebrauchen das Wort als eine Art Kosename. Wie verstehst du es?

Ich verstehe es als eine Waffe und vermeide es, das Wort zu benutzen. Für mich ist es noch immer ein Stigma. Diesen Film zu machen gab mir die Möglichkeit, mit anderen schwulen Männern über ihre Beziehung zu diesem Wort zu reden. Ich glaube, die meisten empfinden dabei noch immer Schmerzen. Ich bin sehr dafür, sich das Wort anzueignen, aber ich hoffe, ihm dadurch, dass ich es als Titel des Films benutze, einen Teil seiner Giftigkeit zu nehmen – wie es schon das Buch getan hat.

Erzähl mir von einigen Aspekten, ein Moffie zu sein, wie sie im Film gezeigt werden.

Der Film fokussiert in erster Linie auf Männlichkeit. Er erkundet, wie weiße südafrikanische Männer seit mehr als hundert Jahren geprägt wurden. Wie das System der Apartheid, die Armee und die konservative Ausrichtung dieses Landes den jungen Männern eine Ideologie von Überlegenheit und Hass eingetrichtert haben. In diesem Kontext ist es ein Verbrechen, ein Problem, ein Fehler, ein Moffie zu sein.

Wie bist du als Filmemacher mit diesen Themen umgegangen?

Mit umfangreichen Recherchen. Für mich persönlich kam es darauf an, am Kern des Themas festzuhalten – dass es ein System von Hass und Aussonderung war und die Zielsetzung bei der Einberufung von Rekruten darin bestand, dieses System zu schützen und zu stärken. Diesen Prozess will ich im Film zeigen, das Publikum soll Zeuge dieser Indoktrination werden und sie selbst spüren.

Was meinst du, warum war es so schwer für junge Rekruten in dieser Periode der südafrikanischen Geschichte, mit ihrem Schwulsein klarzukommen?

Aufgrund der simplen Tatsache, dass es als Verbrechen angesehen wurde und gefährlich war. In dieser Zeit war die Gesellschaft entschlossen, schwule Männer und lesbische Frauen zu einem Leben im Verborgenen zu zwingen.


"Moffie" ist ein Film darüber, wie fast ein Jahrhundert lang südafrikanische Männer gemacht wurden (Bild: Salzgeber)

Glaubst du, dass sich viel geändert hat, selbst angesichts der Unterstützung der Rainbow Nation durch die Verfassung?

In der Armee bin ich mir da nicht so sicher. Doch in der allgemeinen Öffentlichkeit hat sich etwas geändert. Ich glaube, allein die Tatsache, dass ich solch einen Film machen kann, ist ein Beweis dafür.

Schwule im Militär haben auf der ganzen Welt Probleme. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass diese Umgebung eine solche Konfrontation erzeugt?

Ich glaube, das liegt in der Natur des Militärs – es ist ein durch und durch männlicher, heterosexueller Raum, der in hohem Maß von Männern bevölkert ist. Ich glaube, dieser Rahmen schafft die Erwartung und die Annahme, dass alle Männer im Militär heteronormativ sein wollen. Allerdings sehen wir jetzt, dass sich das ändert.

In deinem Film "Skoonheid" erforschst du die Psyche eines jungen Mannes, der das Objekt der Begierde eines älteren Mannes wird. In "Moffie" erkundest du die Sexualität eines schwulen Mannes, der von der Gesellschaft und den Gesetzen der Apartheid ins Gefängnis geworfen wird. Wie hängt das zusammen?

"Skoonheit" handelt von Unterdrückung und Selbsthass, wogegen "Moffie" erzählt, wie es dazu kam – durch Scham und Indoktrination. Die beiden Filme gehen natürlich Hand in Hand, man könnte sogar sagen, dass "Moffie" das Vorspiel ist, aber ich glaube, ihre Botschaften sind sehr unterschiedlich. "Moffie" handelt von der Reise eines schwulen Mannes durch das SADF, doch er beschreibt ebenfalls die Reise einer ganzen Generation weißer Männer, schwul und hetero. Sie alle bekommen seine Aufmerksamkeit.

War es ein schwieriger Weg von den Dreharbeiten zum Film?

Der Weg dauerte vier Jahre! Ich würde sagen, das Haupthindernis war das Casting. Weil die Figuren allesamt um die 18 Jahre alt sind, hatten wir es mit einer schwierigen Altersgruppe zu tun. Wir brauchten über ein Jahr, um die wichtigsten Rollen zu besetzen, und waren begeistert von all den unentdeckten Talenten Südafrikas.

Erzähl mir von den Schauspielern und davon, wie du sie dazu gebracht hast, den Figuren Leben zu verleihen.

Die Darsteller setzen sich aus Oberschülern, ausgebildeten Schauspielern, Laiendarstellern und realen Figuren zusammen. Sie haben viel Zeit mit einem Militärausbilder verbracht, der ihnen die SADF-Grundausbildung vermittelt hat. Sie haben gelernt, mit R1-Gewehren zu schießen, und was militärischer Drill bedeutet. Danach verbrachte ich einige Wochen mit ihnen bei Proben in Cape Town, um ihnen so viel geschichtliches Wissen wie möglich über diese Zeit zu vermitteln.

Welche Wirkung auf das Publikum wünschst du dir für "Moffie"?

Ich hoffe, das Publikum wird eine ganz persönliche Erfahrung machen. Der Film kommt von Herzen und ist emotional. Ohne Frage wird er bei manchen Erinnerungen an ihre eigene Zeit beim Militär wachrufen, aber ich glaube, in erster Linie drückt der Film auf die Tränendrüse. Ein paar Tränen wären nicht schlecht! (lacht)

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Infos zum Film

Moffie. Drama. Südafrika 2019. Regie: Oliver Hermanus. Darsteller*­innen: Kai Luke Brummer, Ryan de Villiers, Matthew Vey. Stefan Vermaak. Hilton Pelser. Laufzeit: 103 Minuten. Sprache: Originalfassung in Englisch und Afrikaans mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Edition Salzgeber. Im Juni 2022 in der queerfilmnacht.
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Moffie
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Queere TV-Tipps
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#1 AtreusEhemaliges Profil
  • 06.06.2022, 14:33h
  • Der Film ist meinem Empfinden nach misslungen, da man viel zu viele Themen versuchte innerhalb von eindreiviertel Stunden zu verhandeln: Suizid, militärischer Drill, Rassismus, Apartheit, Schwulenhass, internalisierte Homophobie, Selbstverleugnung, Generationenkonflikt und on top noch der namibische Befreiungskrieg.

    Weniger ist manchmal mehr, allerdings kenne ich auch die literarische Vorlage von André Carl van der Merwe nicht, nach der ich zwar gesucht habe, aber von der es anscheinend keine deutsche Übersetzung gibt. D.h. man kann dem Regisseur bei adaptiver Gründlichkeit auch keinen Vorwurf machen, wenn er das Original eins zu eins auf die Leinwand gebracht hat. Ich hätte mich jedenfalls gerne noch einmal dem Stoff durch das Buch genähert und hoffe, dass es ein deutscher Verlag auf die Kette bekommt, diesen Erfahrungsbericht zu übersetzen.
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#2 MiralAnonym
  • 07.06.2022, 16:35h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • Das Buch kannst du überall auf Englisch bekommen.
    Würde es dir dringend empfehlen das Buch im Orginal zu lesen, da bei einer Übersetzung immer etwas verloren geht, was insbesondere bei Erfahrungsberichten problematisch ist.

    Da du hier auf "Quere.de" immer den großen Intellektueller gibst, bist du doch bestimmt dazu in der Lage Texte auf englisch zu lesen.
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#3 AtreusEhemaliges Profil
  • 07.06.2022, 18:27h
  • Antwort auf #2 von Miral
  • Wenn jeder, der seine Meinung in drei halbwegs lesbaren und zusammenhängenden Sätzen darstellen kann, gleich zum Intellektuellen wird, können Flaßpöhler, Precht, Guerot und Co ja bald einpacken. Danke (?) für die Blumen.
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