Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?42223

Mehrere Verletzte

CSD Karlsruhe: Regenbogenfahne entrissen und verbrannt

Im Karlsruher Schlosspark wurde am Samstag nach der CSD-Parade eine Person mit Prideflagge angegriffen. Menschen, die zu Hilfe eilten, wurden ebenfalls geschlagen. Gegen die Polizei gibt es schwere Vorwürfe.


Symbolbild: Regenbogenfahne bei einer Pride-Parade (Bild: raphi_rawr / unsplash)

Zu Updates springen: SPD kritisiert Polizei / Weitere queerfeindliche Angriffe / Staatsschutz übernimmt Ermittlungen

Nach der Karlsruher CSD-Parade kam es am Samstagabend im Schlosspark zu einem queerfeindlichen Angriff. Gegen 22.10 Uhr wurde eine Person mit Regenbogenfahne von einer Gruppe umzingelt, beleidigt und geschlagen. Die Flagge wurde ihr dabei entrissen und verbrannt.

Nachdem weitere CSD-Teilnehmer*innen zu Hilfe eilten, wurden diese ebenfalls angegriffen. Laut Polizeibericht gab es "mehrere Leichtverletzte". Personen seien "an Haaren gezogen und zu Boden gebracht worden, wo weiter auf sie eingeschlagen und getreten worden" sei. Ein 27-Jähriger wurde per Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht, andere Personen wurden "vor Ort von Rettungsteams begutachtet".

Die Kriminalpolizei habe die weiteren Ermittlungen übernommen, heißt es in der Polizeimeldung. "Eine Fahndung führte nicht zu der Personengruppe junger Männer und Frauen von südländischer Erscheinung."

Ließ die Polizei die Angreifer*innen einfach laufen?

Laut einer Augenzeugin habe die Polizei die Angreifer*innen – eine Gruppe von 20 bis 25 Personen – "ohne Kontrolle weiterlaufen" lassen. "Die hinzugerufene Polizei reagierte extremst unangemessen auf die Situation", schrieb die freie Journalistin Armilla Brandt auf Twitter zu einem Foto der verbrannten Fahne. "Trotz einer Polizeipräsenz von mindestens 10 Wannen stiegen lediglich 9 Polizist*innen aus und kümmerten sich um die Betroffenen." Zudem sei es zu queerfeindlichen Beleidigungen durch Einsatzkräfte gekommen. Laut Brandt soll die Aussage "Ihr habt noch nicht genug abbekommen" gefallen sein.

Twitter / armillabrandt

Die Pressemitteilung der Polizei wirke angesichts des Ausmaßes des Angriffs und des Verhaltens der Beamt*innen "geradezu lächerlich", kritisierte die Journalistin. Die Opfer hätten u.a. Knalltraumata, Gehirnerschütterungen und Knochenbrüche erlitten.

CSD-Organisator*innen sammeln Hinweise

Der CSD Karlsruhe rief Zeug*innen des Vorfalls auf, sich bei der Polizei zu melden. Wer Fehlverhalten der Polizei beobachtet habe, könne sich direkt an den Verein wenden (am besten per E-Mail an kontakt@csd-ka.de). "Wir sammeln und sichten grade", schrieben die Pride-Organisator*innen auf Twitter. Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) "kümmert sich persönlich".

Twitter / CSD_KA

Die Linke Karlsruhe verurteilte den Angriff und wünschte den Betroffenen gute Besserung. "Genau deswegen braucht es weiterhin die #CSD!", schrieb die Partei auf Twitter. (mize)

Twitter / DieLinke_KA


 Update  15.48h: SPD kritisiert Polizei / Weitere queerfeindliche Angriffe

In einer Pressemitteilung zeigte sich die SPD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg am Montag "schockiert" über die queerfeindliche Gewalt am Rande des CSD Karlsruhe. "Unser Mitgefühl gilt den Opfern dieses Angriffes", erklärte der queerpolitische Sprecher Florian Wahl. "Doch queerfeindliche Übergriffe steigen deutschlandweit, und dem müssen wir uns entschieden entgegenstellen!"

Die erhobenen Vorwürfe gegen Einsatzkräfte der Polizei müsse man "sorgfältig prüfen", sagte Wahl. "Unabhängig davon, ob dies tatsächlich der Fall war, müssen wir unsere Polizistinnen und Polizisten schulen, wie mit Hasskriminalität allgemein und queerfeindlichen Übergriffen im Besonderen umzugehen ist."

Deutliche Kritik übte der SPD-Politiker an der Pressemitteilung der Karlsruher Polizei: "Ein queerfeindlicher Übergriff ist keine einfache Schlägerei, bei der es reicht, die Beteiligten voneinander zu trennen, sondern ein Angriff auf die Existenz des Opfers. Die Landesregierung muss gewährleisten, dass die Polizei queerfeindliche Attacken erkennt, beim Namen nennt und angemessen und sensibel handelt!"

Auch VelsPol, der Verein queerer Beschäftigter in Polizei, Justiz und
Zoll, reagierte auf den Vorfall. "Wir werden uns um die Aufklärung des Sachverhaltes kümmern", versprach der VelsPolSÜD- Vorsitzende Thomas Ulmer. "Seit mehr als zehn Jahren informieren wir Polizeiauszubildende über die Thematik LSBTTIQ und Hasskriminalität. Aus diesem Grund können wir ein solches Verhalten der Einsatzkräfte, sollte sich dies bestätigen, nicht akzeptieren."

Unterdessen wurde bekannt, dass es am Tag des Karlsruher CSD offenbar zu weiteren Fällen queerfeindlicher Gewalt kam. "Es gab mehrere Angriffe über den Tag verteilt an mehreren Orten in Karlsruhe", teilte der CSD Karlsruhe auf Twitter mit. "Es handelt sich wohl um dieselbe Personengruppe von 10-20 Leuten. Der Anführer ist namentlich bekannt."

Twitter / CSD_KA


 Update  7.6., 18h: Staatsschutz übernimmt Ermittlungen und sucht Zeug*innen

Nach der Gewalt im Anschluss an den Karlsruher CSD im "Schlosspark, bei denen zunächst eine Regenbogenflagge angezündet wurde und eine bis zu 30-köpfige Gruppe im Zuge einer folgenden Schlägerei mehrere Personen verletzt haben soll, hat der Staatsschutz der Karlsruher Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen". Das gab die Polizei am Montag bekannt.

Der Mitteilung zufolge konnten bislang keine Tatverdächtigen ermittelt werden. "Unterdessen erreichten das Polizeipräsidium Karlsruhe von verschiedenen Seiten Vorwürfe, man habe bereits vor Ort und in der Folge nicht mit der gebotenen Intensität ermittelt", so die Polizei. Auch dazu werde ermittelt. "Ziel ist, die Abläufe lückenlos aufzuklären und die Fakten festzuhalten." Die Polizei bittet daher Zeug*innen, die Angaben zu den Geschehnissen am Samstag in der Zeit um 22.00 Uhr machen können, sich an den Kriminaldauerdienst Karlsruhe unter der Telefonnummer (0721) 666-5555 zu wenden. Auch um Videoaufnahmen und Fotos zum Geschehen wird gebeten.

Wöchentliche Umfrage

» Vertraust du als Mitglied der queeren Community der Polizei in Deutschland?
    Ergebnis der Umfrage vom 06.06.2022 bis 13.06.2022


#1 SchonProfil
  • 06.06.2022, 06:43hFürth
  • Nach Hasskommentaren, Hassreden, Hasspredigten und einem hirnfreien Urteil des Landesgerichts Bremen ist angewandte Gewalt gegen LGBTIQA+ und gelebter Queerhass die logische Folge. Es hilft nur, dokumentieren, filmen und bei Fehlverhalten der Polizei und aktiver Strafvereitelung im Amt Anzeige zu erstatten und auch die Presse zu informieren.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 nichtbinärePersonAnonym
  • 06.06.2022, 07:04h
  • Bei solchem Polizeiverhalten ist es kein Wunder, dass sich viele queere Menschen nach Übergriffen, Überfällen oder Vergewaltigungen nicht bei der Polizei melden. Weitere Demütigungen à la "Ihr habt noch nicht genug abbekommen" sind darüber hinaus unerträglich und in einem Rechtsstaat nicht hinnehmbar.

    Was mir sauer aufstößt, ist außerdem die Formulierung des CSD Karlsruhe: "Wer meint, Fehlverhalten der Polizei beobachtet zu haben".
    Das klingt so wie "queere Menschen fühlen sich bedroht/diskriminiert". Wenn ich so etwas beobachtet hätte, das dann melden würde und mir dann vorgehalten würde "So so, Sie meinen also, da etwas beobachtet zu haben" käme ich mir reichlich verkohlt vor.

    Insgesamt drängt sich mir die Vermutung auf, dass die Überfallenen (und dann wohl auch die Zeug_innen) ziemlich auf verlorenem Posten stehen bleiben werden. Wie so oft halt.

    "Die Polizei, dein Freund und Helfer"?
    Für queere Menschen ist dieser Spruch oft nur eine Verhöhnung.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Dont give upAnonym
  • 06.06.2022, 07:23h
  • So traurig es ist, ich kann Menschen, die Ziel queerfeindlicher Gewalt wurden nur davon abraten, die Polizei zu kontaktieren. Die Gefahr erneut viktimisiert zu werden ist einfach sehr hoch und ggf. landet man noch selbst vor Gericht.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 LothiAnonym
  • 06.06.2022, 07:58h
  • Antwort auf #2 von nichtbinärePerson
  • Wieder einmal bin ich auf unsere Polizei einfach nur stinksauer. Der Zeugenaufruf ist berechtigt und jeder der etwas mitbekommen hat sollte auf keinen Fall schweigen. Geht nicht alleine zur Polizei um Aussagen zu machen.
    Aus meiner eigenen Erfahrung heraus versuchen die Bullen diese Angelegenheit flach zu halten und gar untern Tisch zu kehren. Ich kenne auch solch Aussagen wie: Wir haben besseres zu tun. Nur habe ich dem Schreibhengst damit gedroht mich an seine Vorgesetzten zu wenden, denn immerhin hatte ich Zeugen des Vorfalls.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 LothiAnonym
  • 06.06.2022, 08:21h
  • Antwort auf #3 von Dont give up
  • Genau das wollen doch die Bullen. Das wir uns verkriechen und nichts unternehmen. Wie ich schon schrieb, geht nicht ohne Zeugen dahin. Notfalls sofort einen Anwalt einschalten.
    Ich habe gerade persönlich mit einer sehr unliebsamen Nachbarin zu tun im Haus. Diese bezichtigt mich der Körperverletzung. Das nun schon zum zweitenmal. 3 Polizisten standen vor meiner Wohnungstür. Zwei Beamten und eine Frau. Die Beamtin war die Wortführerin. Während ich kooperierte u.meine Aussage machte, versuchte die Polizeibeamtin mich der nichtbegangenen Tat zu bezichtigen. Ich sagte ihr das ins Gesicht. Der Gipfel war dann noch, als ich den Beamten erklärt hatte, das es in der Vergangenheit auch mal ein gutes Nachbarschaftliches Verhältnis mit dieser Nachbarin gab, fragt mich allen Ernstes die Beamtin, ob ich ein sexuelles Verhältnis mit der Nachbarin gehabt hätte. Ich lachte daraufhin und antwortete spontan: Nein, denn ich bin Homosexuell. Damit war sofort das Verhör beendend und noch am gleichen Tag setzte ich mich mit meinen Anwalt in Verbindung. Er hat mich schon mal vertreten gegen diese böswillige schwulenhassende Nachbarin. Und zwar erfolgreich.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Maria96Anonym
  • 06.06.2022, 08:27h
  • Der CSD Karlsruhe untersucht diesen Fall nun gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe und wird auch die Polizeiverantwortlichen ausfindig machen wollen.

    Daher finde ich es schade wenn in den Kommentaren steht der CSD würde die Vorwürfe gegen die Polizei nicht ernst nehmen.

    Es wurde mittlerweile auch Vespol angefragt und der Gemeinderat involviert. Ist alles in den Instagram-Stories den CSD zu lesen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 LothiAnonym
  • 06.06.2022, 08:49h
  • Antwort auf #6 von Maria96
  • Liebe Maria96.
    Ich bin nicht auf Instagram unterwegs und halte mich an diesen Artikel auf queer.de
    Finde es aber gut und sehr richtig, das nun alles unternommen wird um dieses skandalöse Verhalten der Polizei zu klären.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 DQ24Anonym
  • 06.06.2022, 09:09h
  • Nach queerfeindlichen Urteilen, Verächtlichmachung durch Parteien und Politikern und Kirchenvertretern, ist für manche Dorfdeppen die logische Konsequenz, queere Menschen anzugreifen und zu verletzen, wobei sie die stillschweigende Unterstützung er Karlsruher Cops haben.
    Wenn Unrecht als Recht gilt, und Opfer als Täter hingestellt werden, und Täter sich als "Opfer" stilisieren, ist es bis zu den Zuständen wie 1933 und dem heutigem Russland nicht mehr weit.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 QueerteeniemamaAnonym
  • 06.06.2022, 09:52h
  • Als Mama eines queeren Teenies macht mir so etwas Angst. Wir waren beim CSD in Karlsruhe und mussten erschüttert feststellen, dass zwei Kinder türkischer Abstammung (10-12 Jahre) von einer Brücke aus ihre Flagge schwenkten, die Feiernden beleidigten.
    Als Angehörige linker Organisationen wundert mich das Verhalten der Polizei in keiner Weise. In den Reihen dieser Staatsdiener MUSS endlich was passieren! Ich weiß, dass es kaum Verfahren bei der Einstellung gibt, die die politische, psychische und empathische Mentalität der Bewerber prüft. Alles wird eingestellt, Hauptsache, der eh schon geringe Nachwuchs ist sicher.
    Ich wünsche den Verletzten gute Besserung und eine bedingungslose Aufklärung!
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Uuo118Anonym
  • 06.06.2022, 10:24h
  • Das ist unglaublich erschreckend. Ich lebe selbst in Karlsruhe und komme jeden Tag mehrmals durch den Schlossgarten...
    Die beschriebene Gewalt ist geradezu beängstigend und die Reaktion der Polizei unprofessionell, diskriminierend und unannehmbar.

    Ein einziger Lichtblick ist die Solidarität, die einige andere CSD-Teilnehmer zeigten, indem sie trotz Gefahr für sich selbst zur Hilfe eilten. Vielen Dank für diesen Mut und diesen nicht ausreichend gewürdigten Akt der Zivilcourage!

    An dieser Stelle kann ich nur noch anmerken, dass die Situation glimpflicher hätte ausgehen können, wenn jeder "Verteidiger" über Pfefferspray oder andere Defensivwaffen verfügt hätte. Gegenwehr hätte die Angreifer sicherlich für einige Sekunden irritiert, in denen man die Flucht hätte ergreifen können. Kommt mir jetzt nicht mit Anti-Gewalt-Heuchlerei - es wäre aus meiner Sicht wünschenswert, dass das Recht auf Notwehr wieder mehr Anklang findet und man von einer rein passiven Opferrolle wegkommt. Die Täter sollen nicht weiter das Gefühl vermittelt bekommen, sie könnten unter voller Wahrung ihres Rechts auf körperliche Unversehrtheit andere Menschen tätlich angreifen, misshandeln und somit menschenunwürdig behandeln. Sie handeln aus einem Gefühl der Überlegenheit, das an seiner nazisstischen Wurzel ausgerissen gehört, indem sie realisieren, dass mit heftiger Gegenwehr zu rechnen ist. Lasst euch euer Recht nicht entreißen!
  • Antworten » | Direktlink »