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Im Juni nicht erreichbar

Mentale Probleme: Michael Roth nimmt sich Auszeit

Auf Anraten seiner Ärztin zieht sich der schwule SPD-Politiker und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses "eine Zeit lang ganz aus dem Verkehr". In den letzten Monaten hätten sich "Versagensängste" breit gemacht.


Michael Roth ist seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages (Bild: Michael Farkas)

Der SPD-Politiker Michael Roth hat seine mentale Erschöpfung öffentlich gemacht. "Ich werde mich auf Anraten meiner Ärztin eine Zeit lang ganz aus dem Verkehr ziehen", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses gegenüber dem Magazin "Spiegel". Die kommenden vier Wochen werde er keine Interviews geben, keine Termine wahrnehmen und nicht erreichbar sein. Auch auf seinen Social-Media-Accounts kündigte der 51-Jährige eine Funkstille bis zum Juli an, um sich zu erholen.

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"Ich hatte das Gefühl, ich hüpfe im Eismeer von Scholle zu Scholle, und sie werden nach und nach kleiner", wird der offen schwule Politiker vom "Spiegel" zitiert. "Ich hatte Versagensängste. Panik vor dem, was kommt. Das kannte ich bis dahin nicht. Da war klar: Ich brauche Hilfe."

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Roth hatte Angst, auf Menschen zu treffen

Bereits im jüngsten Bundestagswahlkampf hatte Roth "teilweise Angst, auf Menschen zu treffen, obwohl ich das normalerweise sehr gern mache und gut kann", sagte er dem Magazin. Termine und Veranstaltungen hätten ihn viel Kraft gekostet. Seinen Wahlkreis in Hessen gewann er zwar mit über 40 Prozent der Stimmen, doch die Probleme hätten sich danach sogar noch verschärft. An ganz einfachen Dingen des Alltags wie Einkaufen oder Kochen sei er plötzlich gescheitert.

Roth habe enge Mitarbeiter*innen und Freund*innen eingeweiht sowie sein Arbeitspensum heruntergeschraubt. Transparenz habe ihm geholfen. Grundsätzlich gehe es ihm mittlerweile besser, dennoch gebe es weiterhin "Tage, da ist es schwierig, aber ich gerate deswegen nicht mehr in Panik." Bereits seit dem Jahreswechsel befinde er sich in ärztlicher Behandlung.

In seiner Auszeit will Roth nach den Ursachen für seine psychische Erschöpfung suchen. Im Politik-Betrieb sieht der 51-Jährige ein großes Problem: "Es ist ein Kick, nach einem manchmal verdammt schwierigen Wahlkampf sein Mandat verteidigt zu haben. Und es gibt einen enormen Reiz, darauf zu schauen, wie oft ich zitiert werde, wie viele Auftritte ich habe, wie viele Follower. Das ist die Währung heute, und es ist schwer, sich davon freizumachen."

Einsatz für LGBTI-Rechte

Michael Roth sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Seit Dezember 2021 ist er Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Zuvor war er acht Jahre lang Staatsminister für Europa unter den SPD-Außenministern Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel und Heiko Maas. Er schied aus dem Posten aus, als die Grünen das Auswärtige Amt übernahmen (queer.de berichtete).

Roth, der seit 2012 verpartnert ist, hatte sich mehrfach international für LGBTI-Rechte eingesetzt, etwa im Kampf gegen Queerfeindlichkeit in Ungarn (queer.de berichtete). Für seine Queerpolitik erhielt er viel Lob. SPDqueer-Chef Oliver Strotzer sagte etwa: "Du hast Dich sehr um die Community verdient gemacht und für Sichtbarkeit gesorgt."

2019 kandierte Roth erfolglos für den SPD-Parteivorsitz (queer.de berichtete). Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr trat er als Spitzenkandidat für die hessische SPD an. Als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, der schon früh vor der Politik Putins warnte, war er in den vergangenen Wochen in zahlreichen Talk-Shows zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu Gast. Im April hatte er zusammen mit Anton Hofreiter (Grüne) und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) die Ukraine besucht. (cw)

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#1 DominikAnonym
  • 07.06.2022, 07:10h
  • Im Grunde genommen sehr respektabel, sich seinen Ängsten zu stellen und so offen damit umzugehen. Wenn er allerdings, abseits irgendwelcher Social-Media-Aktivitäten, auch in seinen politischen Ämtern und Funktionen "das Pensum herunterschrauben" muss und das dann zum Dauerzustand werden sollte, wäre er für solche Aufgaben nicht geeignet. Es ist nicht jeder arbeitende Mensch in der luxuriösen Lage, sich beruflich eine Auszeit nehmen zu können, ohne dass sein Einkommen darunter leiden würde.
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#2 PiakAnonym
#3 johnAnonym
  • 07.06.2022, 08:47h
  • Wie schön, dass unsere überversorgten Spitzenpolitiker das einfach so einrichten können. Als normaler Arbeitnehmer wird halt noch ne Pille eingeworfen und morgen geht's weiter.
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