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Peter und ein bisschen Putin
Ein russischer Zar und der "gefällige Hintern" seines Freundes
Heute vor genau 350 Jahren – am 9. Juni 1672 – wurde die Person geboren, die später als Peter I. in die russische Geschichte einging und von vielen als homosexuell angesehen wurde

Peter I. (1672-1725) auf einem Ölgemälde von Godfrey Kneller (1698)
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9. Juni 2022, 03:39h 11 Min.
Pjotr Alexejewitsch Romanow (1672-1725) gilt heute – unter dem Namen Peter I. bzw. Peter der Große – als einer der bedeutendsten Herrscher Russlands: Als Zar und Großfürst von Russland (1682-1721) und als erster Kaiser des Russischen Reichs (1721-1725) war er der Begründer der russischen Großmacht. Er begründete die Stadt St. Petersburg, die zur russischen Hauptstadt wurde. Einige Jahrzehnte lang war die Stadt als Leningrad (1924-1991) bekannt, heute trägt sie wieder seinen Namen.
Heute ist er auch dafür bekannt, dass er – als Maßnahme der kulturellen Modernisierung – das Tragen von Bärten verbot bzw. die traditionell langen Bärte mit einer Bartsteuer belegte. Er soll homosexuell gewesen sein und hat im Rahmen des Militärstrafrechts – und damit erstmals in der weltlichen Gesetzgebung Russlands – Homosexualität kriminalisiert.
Seine möglichen Liebschaften mit Männern

Mutmaßlicher Liebhaber des Zaren: Alexander Menschikow (unbekannter Künstler des 18. Jahrhunderts)
Um viele Herrscher, die ein enges Verhältnis zu männlichen Günstlingen hatten, rankten sich sowohl bei Zeitgenoss*innen als auch in späterer Anekdotenliteratur Gerüchte über homosexuelle Neigungen. Das gilt besonders wenn die betreffenden Favoriten aus niederen Ständen stammten und durch die persönliche Gunst des Herrschers eine ungewöhnliche Karriere machten. Nur selten gibt es für solche sexuellen Gerüchte wirklich belastbare Quellen, auch bei Zar Peter I. ist der Wahrheitsgehalt dieser Geschichten sehr unsicher. Sie prägen aber oft die Wahrnehmung der betreffenden Herrscher bis heute und sind schon darum von Interesse.
Beispielhaft sei hier der deutschbaltisch-österreichische Journalist Bernhard Stern zitiert ("Geschichte der öffentlichen Sittlichkeit in Russland", 1908, 2. Bd., Kapitel "Bestialität und gleichgeschlechtliche Liebe", S. 556-570, hier S. 562-563): Nach seinen Angaben soll Peter I. "auch dem Verkehr mit Männern nicht abgeneigt" gewesen sein. Nach Stern verdankte der Bäckerjunge und Günstling Alexander Danilowitsch Menschikow seine Karriere als Fürst, Feldherr und Politiker nicht nur seinem Intellekt und seinen Fähigkeiten, sondern auch seinem "gefälligen Hintern". Sein Bett habe Peter I. gerne mit Soldaten geteilt. "Der berühmte [Pawel] Jaguschinskij hat als Bettgenosse des Zaren begonnen. Weitere Bettgenossen sind Tatischoff und Wassili [Pospelew]." "Die Neigung Peters des Großen für gleichgeschlechtliche Liebe geht auf Peter II. über und wird schließlich auch bei Peter III. konstatiert", eine Formulierung, die im Rahmen einer Thronfolge recht merkwürdig anmutet. Es ist auch etwas irritierend, dass Bernhard Stern in einem früheren Werk ("Die Romanows. Intime Episoden aus dem russischen Hofleben", 1893, S. 48-65) in dem Kapitel "Liebschaften Peters des Großen" nur heterosexuelle Liebschaften anführt. Peters I. wohl wichtigster Günstling, der spätere Fürst Menschikow, wird hier nur deshalb angeführt (S. 51), weil er als "Verführer des Zaren" diesen zu "liederlichen Frauenspersonen" gezerrt habe.
In Wikipedia steht, dass zwischen Alexander Menschikow und Peter I. "vielleicht" eine "homoerotische Beziehung" bestanden habe: "Gerüchte darüber gab es am Zarenhof. Die Feiern, Gelage und Ausschweifungen von Peters Jugendzeit erlebten die beiden gemeinsam. Bei dieser Verbundenheit blieb es für 30 Jahre."
Das Verbot von Homosexualität in der russischen Armee
Auch zu der Frage, in welcher Form Peter I. homosexuelle Handlungen zwischen Männern im russischen Militärstrafrecht kriminalisierte, möchte ich auf Bernhard Stern und seine "Geschichte der öffentlichen Sittlichkeit in Russland" (1908, S. 561) verweisen. Danach stellte Peter I. in seinem "Kriegsreglement" im fünften Artikel des dritten Kapitels die sogenannte "unnatürliche Unzucht" unter Strafe: "Unnatürliche Unzucht mit einem Viehe, Unzucht zwischen Männern und Männern und Knabenschändung soll man unbarmherzig mit dem Knut strafen; wird dabei Gewalt angewendet, so laute das Urteil auf lebenslängliche Galeerenstrafe oder Todesstrafe."
In einer Fußnote verweist Stern auf zwei Quellen: zum einen auf sein eigenes schon oben zitiertes Buch "Die Romanows. Intime Episoden aus dem russischen Hofleben" (1893, S. 45-46), wo er ebenfalls das Militärstrafgesetz – allerdings leicht abgewandelt – zitiert: "Unnatürliche Unzucht mit dem Viehe, Unzucht zwischen Männern und Männern und Knabenschändung soll man mit Feuertod richten." Zum anderen verweist er auf den Aufsatz des russischen Juristen Vladimir Nabokoff "Die Homosexualität im Russischen Strafgesetzbuch" (in: Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen, Jg. 5, 1903, S. 1159-1171, hier S. 1160), wo Nabokoff schreibt: "In der weltlichen Gesetzgebung finden wir die ersten Bestimmungen [über Homosexualität] in den Kriegsartikeln Peters des Großen, wo eine grausame Körperstrafe […] für den 'Knabenschänder' festgestellt wird. Wird dabei Gewalt angewendet, so soll das Urteil auf Todesstrafe oder lebenslängliche Galeerenstrafe lauten."
Die Einführung des neuen Militärstrafrechts wird von beiden nicht datiert, das Jahr wird aber anderswo mit 1706 angegeben, u.a. in Wikipedia, wo (ohne Quellenangabe) darauf hingewiesen wird, dass ansonsten "die gleichgeschlechtliche Liebe legal und nach zeitgenössischen Quellen weit verbreitet" geblieben sei. Diesen Hinweis sehe ich als etwas zu komprimiert an. Zumindest im späteren Zarenreich war Homosexualität auch außerhalb des Militärs kriminalisiert. Die Strafbarkeit wurde erst nach der Oktoberrevolution abgeschafft und unter Stalin wieder eingeführt.
Rezeption in der frühen Sexualwissenschaft und Homosexuellenbewegung
Schon der Homosexuellenaktivist Karl Heinrich Ulrichs bezeichnet Peter I. als bisexuell (bzw. als "Uranodioning", in seiner VII. Schrift "Memnon", 2. Teil, 1868, S. 130-131). Der Sexualwissenschaftler Albert Moll ("Berühmte Homosexuelle", 1910, S. 63) erwähnt, dass Peter I. "der Homosexualität verdächtig" sei.
Eine ähnlich abwertende Formulierung verwendet Gustav Jäger ("Ein bisher ungedrucktes Kapitel über Homosexualität aus der 'Entdeckung der Seeleʻ", in: Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen, 2. Jg., 1900, S. 53-125, hier S. 85) im Rahmen einer Auflistung, wenn er schreibt, dass auch Peter I. "angeklagt des Homosexualismus" sei. In einem "Gutachten der königlichen wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen" aus dem Jahr 1869 (Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen, 7. Jg., 1905, S. 1-66, hier S. 43-44, 47) wird betont, dass er den Ruf "ununterdrückbarer homosexualer Neigungen" gehabt habe. Die Gutachter halten es für möglich, dass er ein "raffinementsüchtiger" Heterosexueller gewesen sei, was wohl das zum Ausdruck bringt, was in anderen Publikationen der Zeit – nicht weniger dümmlich – als "Übersättigung" bezeichnet wurde. Wenn Magnus Hirschfeld schreibt, dass unter Peters "vier Freunden" Menschikow der bekannteste sei ("Die Homosexualität des Mannes und des Weibes", 1914, S. 669), ist es offensichtlich, dass er mit der Formulierung "Freunden" hier seine Sexualpartner meint.
In der frühen Homosexuellenbewegung gibt es nur wenige Autoren, die Peter I. erwähnen, meistens nur im Rahmen von Aufzählungen und ohne Quellen zu nennen. Eines ist aber trotzdem deutlich erkennbar: die (legitime) Absicht der frühen Homosexuellenbewegung, den Prominenten Peter I. schwulenpolitisch zu vereinnahmen. Diese "Sucht, das Heer der Konträrsexualen mit illustren Namen zu schmücken", wurde mit Bezug auf Peter I. von dem homophoben Juristen Friedrich Wachenfeld ("Homosexualität und Strafgesetz", 1901, S. 86-87) kritisiert. Typisch für die Homosexuellenbewegung im Umgang mit Peter I. war außerdem, dass kaum erwähnt wurde, dass er auch für ein Gesetz gegen Homosexuelle verantwortlich war, was spätestens seit Nabokovs Aufsatz im "Jahrbuch" bekannt war. Das weitgehende Ausblenden dieses Umstandes lag vermutlich daran, dass die Urheberschaft für ein homophobes Gesetz nicht ins politische Konzept der Vereinnahmung eines prominenten Homosexuellen gepasst hätte.
Der TV-Mehrteiler "Peter der Große" (1986)

Szene aus dem TV-Mehrteiler "Peter der Große": Peter I. (l.) und Alexander Menschikow (r.) kommen sich näher
Das Leben Peters I. wurde mehrfach verfilmt, wobei ich im Folgenden nur auf die aufwändigste Verfilmung eingehen möchte: den TV-Mehrteiler "Peter der Große" (USA 1986, 371 Min.), der mit Schauspielern wie Maximilian Schell (als Peter I.) und Omar Sharif (als Prinz Romodanovsky) hochkarätig besetzt war.
Im Film wird die jahrzehntelange Freundschaft von Peter I. mit Menschikow damit begründet, dass dieser sein Leben rettete (1. Teil, 16:40-16:50 Min.). Als Peter I. seinen Lebensretter auch persönlich kennen lernt (24:50 Min.) und sich bei ihm bedankt, ertönt romantisch klingende Musik (26:10-28:18 Min.). Sie freunden sich an, zwinkern sich gegenseitig zu (34:12 Min.) und kommen sich auch körperlich nah (56:10 Min.). Im weiteren Verlauf geht es auch um den jungen schwedischen König Karl XII., der als femininer Jüngling dargestellt wird (2. Teil, 1:13:35-1:17:50 Min.) und ebenfalls manchmal als homosexuell bezeichnet wird.
Die Rolle Alexander Menschikows, Peters Günstling, wurde mit dem Schauspieler Helmut Griem passend besetzt. Schwule Cineasten kennen Griem vielleicht aus den beiden Visconti-Filmen "Die Verdammten" (1969) bzw. "Ludwig II." (1972) und aus dem Kult-Klassiker "Cabaret" (1972), wo er die bisexuelle Hauptrolle des Maximilian von Heune übernahm. Weniger bekannt ist, dass er in den Münchner Kammerspielen u.a. "Seid nett zu Mr. Sloane" von Joe Orton inszenierte.
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Die zugrundeliegende Biografie "Peter der Große"

Robert K. Massies Biografie "Peter der Große. Sein Leben und seine Zeit"
Diese Verfilmung von 1986 basiert auf der Biografie von Robert K. Massie, deren deutsche Übersetzung "Peter der Große. Sein Leben und seine Zeit" (1982, 784 Seiten) ich herangezogen habe. In dem Kapitel "Menschikow und Katharina" beschreibt Massie den Werdegang des früheren Stalljungen Alexander Menschikow, dessen Lächeln so "rätselhaft wie das der Mona Lisa" gewesen sei. Bei Peter "entfaltete (er) seinen Charme und eine ganze Anzahl weiterer nützlicher Talente". Als sogenannter "Denschtschik" war er, so Massie, sein persönlicher Diener, zu dessen Pflichten es gehörte, ihn Tag und Nacht zu begleiten und "auf dem Boden zu Füßen des königlichen Bettes zu schlafen". Aus Peters Diener sei ein Freund geworden und aus der Freundschaft eine "tiefe Zuneigung" – für 30 Jahre (S. 315-326).
Neben Menschikow habe es noch andere persönliche Diener an Peters Seite gegeben, wie Pawel Jaguschinski (S. 679), der ebenfalls "schnell befördert" worden sei (S. 641). Sein "Lieblingsdenschtschik" sei Wassili Pospelew (S. 693) gewesen. Laut Massie schliefen Peters Diener nicht nur zu seinen Füßen, sondern manchmal benutzte Peter auch "den Bauch seines Denschtschiken als Kopfkissen" und küsste ihn (S. 679). Sein einflussreichster persönlicher Diener blieb jedoch Menschikow, der nach Peters Tod von Sommer 1725 bis September 1727 der "unbestrittene Herrscher Russlands" war, bis er mit seiner Familie verbannt wurde (S. 729-730).
Es ist schade, dass Massie nur einmal deutlich auf Homosexualität eingeht, und zwar in Verbindung mit dem schwedischen König Karl XII., der nach eigener Aussage für die Dauer des Krieges "mit dem Heer verheiratet" gewesen sei. Weil er sich selbst "sexuelle Abenteuer" verboten habe, habe das – so Massie – "den Verdacht aufkommen lassen, der Schwedenkönig sei homosexuell gewesen". Aber, so Massie weiter, muss der schwedische König "deswegen an Männern interessiert gewesen sein? Es gibt dafür keinen Beweis. Während der frühen Kriegsjahre […] schlief ein Page in seinem Zimmer. Aber auch in Peters Zimmer schlief eine Ordonnanz, und zuweilen hielt er ein Schläfchen mit dem Kopf im Schoß dieses jungen Mannes. Das macht wohl weder Peter noch Karl zu einem Homosexuellen" (S. 361-362).
Massies Äußerungen über "Verdacht" und "Beweise" verdeutlichen seine nicht offen ausgesprochenen Vorbehalte gegenüber Schwulen. Ein wertneutraler Umgang mit historischen Fakten sieht anders aus.
Putins Krieg. Geschichte als Waffe

Wladimir Putin und Metropolit Kyrill 2006 in Moskau (Bild: Kreml)
Beim Lesen von Massies Biografie "Peter der Große" wurde mir bewusst, wie Russlands Geschichte von Kriegen und gewalttätigen Angriffen geprägt ist und wie bestimmend sie für die Entwicklung von Großmächten und für deren Opfer waren. Während ich diesen Artikel schreibe, wird der Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine noch in aller Brutalität geführt. Aber kann man diese beiden Epochen überhaupt miteinander vergleichen? Gibt es tatsächlich eine gerade Linie zwischen Peter I. und Wladimir Putin, der seit 2000 (mit Unterbrechung von 2008 bis 2012) Präsident der Russischen Föderation ist?
Die hervorragende ZDF-Doku "Putins Krieg. Geschichte als Waffe" (2022, 8:58-9:58) aus der Reihe "Terra X" zeigt sehr gut, wie Putin in Peter I. ein historisches Vorbild sieht und ihm nacheifert. Unter Peter I. verschwand die ukrainische Selbstständigkeit fast völlig. Putin strebt den russischen Eroberern früherer Tage nach und wünscht sich wie früher eine russische Großmacht – wo es für die Selbstständigkeit der Ukraine keinen Platz gibt. Geschichte wiederholt sich nicht, zeigt aber manchmal spannende Parallelen auf. Diese Doku fasst alles richtig zusammen.
Richtig ist jedoch auch, um die Wiederbelebung alter nationaler Stereotypen zu vermeiden, darauf hinzuweisen, dass auch alle europäischen Großmächte Kriege führten und dass auch die lange Geschichte Russlands nicht nur aus Kriegen und Eroberungen besteht.
Homosexuellenverfolgung vom 16. bis ins 21. Jahrhundert
Was bleibt, ist ein russischer Zar, den ich mit diesem Artikel nicht auf ein Podest heben will, nur weil er vielleicht zufällig ebenfalls homosexuell war. Ich will mit diesem Artikel nur auf das Material mit homosexuellen Bezügen hinweisen, das es zu ihm als wichtiger historischer Person gibt.
Mit historischen Vergleichen bin ich grundsätzlich zurückhaltend, aber man kann nicht leugnen, dass es im Russland von früher und in dem von heute für Homosexuelle keinen Platz zu geben scheint – mag es dazwischen auch etwas "bessere" Zeiten für Homosexuelle gegeben haben. Russland gehört zu den Ländern, in denen die orthodoxe Kirche das öffentliche Bild von Homosexualität prägt und offensiv gegen Homosexuelle auftritt – auch mit markigen Sprüchen wie: "Es darf keinen Triumph des Übels geben!"
Basierend auf diesem Zitat erschien in "unique. Interkulturelles Studentenmagazin für Jena, Weimar & Erfurt" (17. Juli 2012) der Artikel "'Triumph des Übels'? Iwan der Schreckliche, Peter der Große und Tschaikowski – in der Geschichte Russlands war Homosexualität immer präsent". Auch hier werden die Parallelen nicht zu Unrecht gezogen – in der Form, wie Homosexuelle von Russlands Regierung vom 16. bis ins 21. Jahrhundert verfolgt wurden und trotzdem immer präsent blieben.
Und zu dieser Geschichte gehört auch Peter I., der in erster Linie Täter des russischen Zarenreiches war, in dem es auch schon früher weder für die Ukraine noch für Homosexuelle einen Platz zu geben schien.
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Ich wundere mich doch sehr und bin mehr als enttäuscht, dass der von mir sehr geschätzte Autor diese Fakten einfach übergeht und sich nicht mit ihnen auseinandersetzt.
Zum Verständnis, wie Homosexualität in früheren Zeiten gelebt und verstanden wurde, gehört m.E. unbedingt dazu, dass komplizierte Geflecht aus Sexualität, Männerrolle, Familienpolitik, Erotik, Partnerschaft und Freundschaft in dem heute als homosexuell und bisexuell eingestufte Menschen agierten, in seiner Gesamtheit zu betrachten.
Interessant wäre auch, besser zu untersuchen, in welchem Alter historische Persönlichkeiten waren, in welchem ihnen erotische und sexuelle Kontakte nachgesagt wurden.
Wichtig, auch durchaus im Vergleich zu Menschen mit heutigen LGBTIQ* Identitäten scheint mir deshalb auch das Verhältnis von "queeren" historischen Persönlichkeiten zu Frauen zu sein. Gab es solche Beziehungen, waren sie partnerschaftlich-freundschaftlich, solidarisch oder gab es eher eine körperliche oder emotionale Distanz?