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Heimkino

Wuschelkopf liebt Knacki: 45 Jahre "Die Konsequenz"

Der Bayerische Rundfunk blendete sich 1977 empört aus der ARD-Ausstrahlung der schwulen Love-Story von Wolfgang Petersen aus. Nun erlebt der gut gealterte Klassiker eine verdiente Wiederaufführung auf Blu-ray.


Jürgen Prochnow und Ernst Hannawald in "Die Konsequenz" (Bild: EuroVideo)

Der frühe Wolfgang Petersen hatte, wie kein anderer des Neuen Deutschen Kinos, ein gutes Gespür für starke Stoffe der provokanten Art: Da war der freizügige "Tatort: Reifezeugnis" mit Nastassja Kinski. Der schockierende Umwelt-Thriller "Smog" im Doku-Stil. Und eben jene schwule Love-Story "Die Konsequenz", die anno 1977 so unerhört selbstverständlich daherkam, dass sich der Bayerische Rundfunk empört aus dem Programm der ARD ausblendete.

"Es ist doch völlig egal, ob man mit einem Mädchen oder einem Jungen zusammen ist. Hauptsache man liebt sich" – solche Dialoge waren für die Fundamentalist*innen im weißblauen Staatsfernsehen ein unerträglicher Skandal. "Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder" lautete bekanntlich die Stammtischparole des "christlich-sozialen" Parteichefs Franz-Josef Strauß.

Eine autobiografische Geschichte


"Die Konsequenz" ist am 9. Juni 2022 erstmals auf Blu-ray mit digitalem Dolby-Ton erschienen

Im Unterschied zum Botschaftskino eines amateurhaften Rosa von Praunheim oder Lothar Lambert, präsentierte der spätere Erfolgsregisseur Petersen schon damals ein souverän inszeniertes Drama mit plausiblen Figuren, überzeugenden Akteuren sowie visuellem Einfallsreichtum in eindrucksvollem Schwarz-Weiß.

Die autobiografische Story nach Vorlage des gleichnamigen Romans des Schweizer Schriftstellers Alexander Ziegler ist so schlicht wie ergreifend: Jürgen Prochnow gibt den schwulen Schauspieler Martin Kurath, der wegen "Unzucht" für zwei Jahre ins Gefängnis kommt. Bei einer Theateraufführung im Knast verliebt sich Teenager Thomas (Ernst Hannawald), der Sohn des Aufsehers, in den Insassen.

Nach dessen Entlassung zieht das Duo in eine gemeinsame Wohnung. Die Idylle dauert nicht lange, der strenge Vater von Thomas sinnt auf Rache und lässt seinen Sohn in ein Erziehungsheim einweisen. Dort herrschen ein autoritärer Heimleiter und sein sadistischer Betreuer. "Ich bin in der Hölle gelandet", klagt Thomas in einem Brief. Mit einem dramatischen Plan versucht Martin, seinen jungen Lover zu befreien. Die Ereignisse überschlagen sich, woran auch ein einflussreicher Politiker seinen Anteil hat.

"Skandalfilm" als Karrieresprungbrett

Im Rückblick zu seinem 80. Geburtstag im Vorjahr sagte Jürgen Prochnow, dass er auf diesen Film ganz besonders stolz sei (queer.de berichtete). Für ihn zugleich ein wichtiger Karriereschritt, heuert er vier Jahre später doch als Kommandant bei Petersens "Boot"-Fahrt an, was den internationalen Durchbruch brachte.


Szene aus "Die Konsequenz"

Für den damals 17-jährigen Ernst Hannawald, der von der Straße weg für die Rolle entdeckt wurde, begann gleichfalls eine Schauspielkarriere. Der hübsche Jüngling mit wallendem Haar taugte zum "Bravo"-Posterboy, bekam bald seine nächste Hauptrolle in "Die Faust in der Tasche". Doch 1986 warfen Schicksalsschläge ihn aus der Bahn. Mitschuld an einem Verkehrsunfall mit Todesopfern. Drogenabhängigkeit. Schließlich ein Banküberfall, der zur Gefängnisstrafe führte. "Das Leben ist kein Film" betitelt der Schauspieler 2002 seine Autobiografie. Im vorigen Jahr war das Stoff für eine lohnende TV-Dokumentation – ausgerechnet im Bayerischen Rundfunk.

Das eindrucksvolle Frühwerk des späteren Erfolgsproduzenten Bernd Eichinger sowie des erfolgreichen Hollywood-Regisseurs Wolfgang Petersen erscheint nun aufgemöbelt mit Dolby-Digital-Ton fürs Couch-Kino. "Die Konsequenz" (Amazon-Affiliate-Link ) ist ein sehenswerter Klassiker des queeren Kinos – als dieses hierzulande noch gar nicht so hieß!

Am Sonntag, den 10. Juli 2022 findet um 11 Uhr ein Special-Screening von "Die Konsequenz" in Anwesenheit von Hauptdarsteller Jürgen Prochnow in der Berliner Astor Film Lounge (Kurfürstendamm 225) statt.

Infos zum Film

Die Konsequenz. Drama. Deutschland 1977. Regie: Wolfgang Petersen. Darsteller*­innen: Jürgen Prochnow, Ernst Hannawald, Werner Schwuchow. Laufzeit: 96 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Untertitel: Englisch (optional). FSK 12. Verleih: Eurovideo

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-w-

#1 fredinbkkkkAnonym
  • 09.06.2022, 07:18h
  • oh...diesen Film werde ich nie vergessen,
    er hat mich so beruehrt,mir liefen die Traenen ...und ich hatte den Bauch voller Zorn nach dem ich das Kino verlassen habe,kurze Zeit hernach fand ich meinen Lebensmenschen 1977 und dem Schicksal sei Dank....ich hab ihn noch immer an meiner Seite....
    und wir sind heute eine glueckliche Regenbogenfamilie und haben einen
    allerliebsten "Sohnemann "
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#2 MattseAnonym
  • 09.06.2022, 16:43h
  • Ich bin mir nicht sicher inwiefern ein Film, in welchem ein 30-irgendwas-Jähriger Typ eine sexuelle Bezeihung mit einem 15-jährigen (oder 16?) Jungen aufbaut, "gut gealtert" sein soll.
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#3 Miguel53de
  • 09.06.2022, 19:06hOttawa
  • Nicht nur erinnere ich mich gut an den Film. Zuvor hatte ich schon das Buch gelesen. Und dann kam Alexander Ziegler in ein kleines Theater in meiner Heimatstadt und es gab eine hoch interessante Diskussion mit ihm.

    Der Film hatte mich damals sehr beeindruckt. Es war mir nicht aufgefallen, dass sich dort ein 30-jähriger und ein 15-jähriger ineinander verliebt hatten. Zumal ich mich als 14-jähriger selbst in doppelt so alte Typen verguckt hatte.

    Ich würde mir den Film gern noch einmal ansehen.
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