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Texas
Suizidversuch nach angeordneter Verfolgung von trans Kindern
Wie brutal texanische Behörden seit einer transfeindlichen Direktive von Gouverneur Greg Abbott gegen trans Kinder und ihre Eltern vorgehen, zeigt der nun bekannt gewordene Fall des 16-jährigen Antonio Voe.

Ordnete die Verfolgung der Familien von trans Kindern an: Gouverneur Greg Abbott (Bild: Gage Skidmore / wikipedia)
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10. Juni 2022, 11:41h 5 Min.
In Texas hat die republikanische Regierung seit Februar per Direktive dafür gesorgt, dass Jugendämter Familien, in denen transgeschlechtliche Kinder unterstützt werden, wegen Kindesmisshandlung verfolgen (queer.de berichtete). Nachdem ein Gericht die Praxis kurzfristig gestoppt hatte (queer.de berichtete), werden die Untersuchungen gegen Eltern transgeschlechtlicher Kinder und Jugendlicher inzwischen wieder vorangetrieben (queer.de berichtete).
Nun wurde ein Fall bekannt, der klarmacht, welche Bedeutung diese Form staatlicher Verfolgung queerer Menschen konkret im Leben der davon betroffenen Menschen hat. Die Bürger*innenrechtsorganisationen American Civil Liberties Union sowie Lambda Legal reichten im Namen dreier Familien Klage ein. Darin wird auch das Schicksal des 16-jährigen Antonio Voe geschildert.
Vom Krankenhaus denunziert
Die Klageschrift enthält Angaben dazu, wie die Hormontherapie die Stimmung und die Ängstlichkeit des Jungen verbessert habe. Er habe vorwärts, in eine hellere Zukunft, geblickt. In der Lage zu sein, sein wahres Selbst zu zeigen, habe ihm signifikante Erleichterung versprochen.
Voe habe dann jedoch am Tag der von Gouverneur Greg Abbott unterzeichneten Direktive, dem 22. Februar 2022, von der kommenden Verfolgung erfahren und versucht, sich das Leben zu nehmen, heißt es. Weitere Gründe seien die transfeindliche öffentliche Stimmung gewesen, die Voe mitbekommen habe, sowie die Tatsache, dass er in der Schule misgendert, also als Mädchen angesprochen wurde. Ein auch auf Twitter veröffentlichter Auszug aus der Klageschrift enthält zudem Details über den versuchten Suizid.
Der Jugendliche sei daraufhin in ein Krankenhaus und danach in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Doch sechs Tage nach Entlassung des Jungen aus der Klinik hätte schließlich jemand vom Department of Family and Protective Services, was sich in etwa mit deutschen Jugendämtern vergleichen lässt, das Haus der Familie besucht.
Mutter Mirabel habe zunächst vermutet, dass es sich um eine Befragung im Rahmen des Suizidversuches gehandelt habe. Doch auf Nachfrage nach dem Zweck der Aufsuchung der Familie wurde ihr eröffnet, dass sie eine mutmaßliche Kindesmisshandlerin sei, weil sie ihrem Kind gestattet habe, eine Hormontherapie im Rahmen der Transition zu bekommen.
Wie sich herausstellte, haben Mitarbeiter*innen der psychiatrischen Klinik in den medizinischen Unterlagen des Jugendlichen von der verschriebenen Hormontherapie erfahren – und die Familie entsprechend der Direktive von Abbott gegenüber dem Jugendamt als Verdachtsfall stattfindender Kindesmisshandlung denunziert.
Direktive umging Scheitern von Gesetzentwurf
Greg Abbott hatte die Direktive am 22. Februar verabschiedet, nachdem sein Justizminister nur wenige Tage vorher in einem Schreiben eine subjektive Rechtsauffassung zur geltenden Gesetzeslage verfasst hatte.
Der englischsprachige Ausdruck "child abuse", um den es in der Rechtsauffassung und der Direktive geht, wird in den USA als Oberbegriff für Kindesmisshandlungen benutzt. Oft wird er als "Kindesmissbrauch" ins Deutsche übersetzt. Verstanden wird unter "child abuse" jedoch sowohl die physische und psychische als auch die sexuelle Misshandlung von Kindern.
Zu den jetzt in Texas verbotenen medizinischen Maßnahmen gehören die Gabe von Hormonen sowie geschlechtsangleichende Operationen. Extra aufgeführt sind zudem hormonelle Pubertätsblocker, die es transgeschlechtlichen Jugendlichen ermöglichen, nicht die vom Körper ausgelöste Pubertät zu durchlaufen und mehr Zeit zur Evaluierung einer Transition zu bekommen. Der Grund: Diese Maßnahmen würden "mentale oder emotionale Verletzungen" verursachen. Eine weitere Kernbehauptung: Das "fundamentale Recht auf Fortpflanzung" der Jugendlichen und Kinder würde verletzt.
Im vergangenen Jahr war noch versucht worden, die transfeindliche Regelung durch ein eigenes Gesetz einzuführen. Der Entwurf mit der Nummer SB 1646 wurde zunächst vom Senat angenommen, schaffte es im Mai dann jedoch nicht, auch den zuständigen Ausschuss zu überzeugen. Abbott werden auch wegen dieses Vorgehens Ambitionen nachgesagt, für den Posten des republikanischen Präsidentschaftskandidaten bei den nächsten Wahlen kandidieren zu wollen.
Mutter aus Anhörung ebenfalls betroffen
In der nun eingereichten Klage geht es auch um die Rechte einer Mutter, die im damaligen Gesetzgebungsverfahren im Parlament angehört worden war. Amber Briggle, ihr Sohn und ihre Familie sind nun, nachdem das erste Gesetz gescheitert war, ebenfalls von der Verfolgung durch das Jugendamt betroffen. Briggle hatte den Abgeordneten damals erklärt, dass sie entsetzt und erschrocken darüber sei, ihre Lage im Parlament schildern zu müssen.
Sie habe Angst, hatte sie weiterhin erklärt, dass dadurch, dass sie vor dem Parlament spricht, die eigenen Worte gegen sie verwendet würden und dass "mein süßer Sohn, den ich mehr liebe als das Leben an sich, mir weggenommen wird". Wenn das Vorhaben zum Gesetz werde, dann sei das, und nicht die Unterstützung transgeschlechtlicher Kinder und Jugendlicher, Kindesmisshandlung.
Sie verspreche den Senator*innen, hatte Briggle zudem angefügt, dass sie jede*n einzelne*n von ihnen anrufen werde, wenn ein transgeschlechtliches Kind durch einen Suizid sterbe, um sie daran zu erinnern, dass sein Leben hätten gerettet werden können, aber nicht wurde, weil die Senator*innen sich dagegen entschieden hätten.
Sprich mit anderen darüber. Freund*innen oder Verwandte könnten gute Ansprechpartner*innen sein.
Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern lauten: 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
Für trans Personen gibt es in Deutschland ein großes Netzwerk aus Treff-, Unterstützungs- und Beratungsangeboten. So bietet etwa die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität mehrere Beratungsstellen. Weitere lokale Angebote lassen sich oft über Suchmaschinen finden.















Wer das Geld aufbringen kann, wird in die verbliebenen, demokratischen Bundesstaaten der USA flüchten, der Rest wird entweder ein Leben in Entwürdigung, Angst und Selbstverleugnung führen oder Opfer des Euthanasieprogramms sein. Anders, als mit aktiver Sterbehilfe, lassen sich diese Maßnahmen kaum beschreiben.
Texas sollte Mahnung und Anschauungsobjekt für alle sein, die verstehen wollen, was passiert, wenn radikale Kirchennetzwerker wie Evangelikale und Co genügend Einfluss erreicht haben. Ihre europäischen Außenposten existieren bereits.