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Baden-Württemberg

Nach Gewalt gegen Karlsruher CSD: Polizei setzt Ermittlungsgruppe ein

Die bis zu 14-köpfige Ermittlungsgruppe ermittelt weiter zu den Angriffen mit sechs verletzten Personen. Kritik am Einsatz vom Samstag weist die Polizei zurück.


Der Karlsruher CSD fand in diesem Jahr unter dem Motto "Queer ist kein Hobby!" statt (Bild: CSD Karlsruhe / twitter)

  • 10. Juni 2022, 16:12h 6 3 Min.

Im Zusammenhang mit den Angriffen auf CSD-Besucher*innen im Karlsruher Schlosspark, bei denen am Pfingstsamstag eine Regenbogenfahne angezündet und mehrere Personen durch eine Gruppe von Angreifern verletzt wurden, habe der Staatsschutz der Kriminalpolizei Karlsruhe eine zeitweise bis zu 14-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet. Das gab die Polizei am Freitag in einem Update bekannt.

Die Beamtinnen und Beamten seien demnach "unter Hochdruck mit der Aufklärung der Geschehnisse" beschäftigt, im Raum stünden Straftaten der gefährlichen Körperverletzung und der Sachbeschädigung. Bislang seien sechs Personen bekannt, die leichtere Verletzungen in Form von Hämatomen davongetragen hätten. Schwere Verletzungen seien nicht gemeldet worden. Eine verletzte Person sei per Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht worden, habe die Klinik aber ohne Behandlung wenig später verlassen können.

/ CSD_KA

Derweil wies die Polizei am Freitag Kritik von CSD-Besucher*innen und Betroffenen der Gewalt gegen sie zurück. "Vorwürfe gegen die Polizei, sie habe Täter ohne Kontrolle weiterlaufen lassen und Betroffene 'queerfeindlich' beleidigt, lassen sich anhand der bisher festgehaltenen Aussagen von Zeugen und Geschädigten nicht bestätigen", heißt es in der Pressemitteilung vom Freitag. Einsatzkräfte hätten unmittelbar nach den Ereignissen im Zuge der polizeilichen Maßnahmen nahe des Schlossparks eine sechsköpfige Gruppe junger Menschen festgehalten und deren Personalien erhoben. "Ob sich gegen die ganze Gruppierung oder gegen einzelne Personen daraus auch ein Tatverdacht begründen lässt, ist momentan Gegenstand der Ermittlungen."

Eine freie Journalistin hatte hingegen in sozialen Netzwerken berichtet, nur wenige der anwesenden Polizist*innen hätten sich um die Betroffenen gekümmert (s. Vorbericht). Auch sei es zu queerfeindlichen Beleidigungen durch Einsatzkräfte gekommen, etwa zur Aussage "Ihr habt noch nicht genug abbekommen".

Polizei sucht weiter Zeug*innen und Betroffene

In ersten Berichten vom verlängerten Wochenende hatte es geheißen, nach zehn Uhr Abends sei eine Person mit Regenbogenfahne im Schlosspark von einer Gruppe umzingelt, beleidigt und geschlagen worden. Die Flagge wurde ihr dabei entrissen und verbrannt. Auch Personen, die zur Hilfe eilten, seien an den Haaren gezogen, zu Boden geworfen, geschlagen und getreten worden. Später war, etwa in einer Stellungnahme des CSD, von einer Angreifer-Gruppe mit bis zu zehn bis 20, vielleicht auch 30 Personen und mehreren über den Tag begangenen Angriffen wohl aus der selben Gruppe heraus die Rede.

"Bislang konnten weder bei der Fahndung nach der im Raum stehenden Tätergruppe junger Leute südländischer Erscheinung noch anhand der vorliegenden Personenbeschreibungen Tatverdächtige ermittelt werden", hatte die Polizei am Dienstag bekannt gegeben. Zu dem gleichzeitig erfolgten Zeug*innen-Aufruf seien zwei Hinweise eingegangen, hieß es am Freitag. Zeug*innen und mögliche weitere Geschädigte bittet sie um Kontaktaufnahme mit dem Kriminaldauerdienst Karlsruhe unter der Telefonnummer (0721) 666-5555.

Der Vorfall hatte für Entsetzten in der Szene und vielen Reaktionen aus der Politik aus allen Ebenen geführt. Einige der angegriffenen CSD-Besucher*innen haben für diesen Sonntag zu einer Demonstration ab 14.30 Uhr auf dem Schlossplatz aufgerufen. Der CSD Karlsruhe plant eine weitere Kundgebung mit Mahnwache und Redebeiträgen für Mittwoch, den 15. Juni, ab 18 Uhr an einem Ort in der Innenstadt. (cw/dpa)

-w-

#1 Pride
  • 10.06.2022, 18:48h...
  • Was ist mit der Meldung des CSD Karlsruhe, es habe mehrere Angriffe über den ganzen Tag verteilt von wohl von ein und derselben Gruppe gegeben? Es darf dann so nicht mehr sein, dass die Polizei dann auch noch in eigener Sache wegen mutmasslicher Strafvereitelung im Amt ermittelt. Dann ist doch wohl eben dazu zu raten, Beweise auch außerhalb der Staatsgewalt bei Rechtsanwält*innen zu sammeln.
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#2 gastAnonym
  • 10.06.2022, 19:29h
  • "Vorwürfe gegen die Polizei, sie habe Täter ohne Kontrolle weiterlaufen lassen und Betroffene 'queerfeindlich' beleidigt, lassen sich anhand der bisher festgehaltenen Aussagen von Zeugen und Geschädigten nicht bestätigen"

    War klar! Übrigens, bei etwaigen "Vorkommnissen" auf der Wiesn oder auf dem Cann. Wasen, wird die gleiche Verlautbarung fallen - wenn nicht mindestens 100 "glaubwürdige" Zeugen vor Ort waren mit hieb-und stichfesten Aussagen. Was bei dem Alk u. Drogenkonsum dann schwer werden dürfte.
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#3 AtreusEhemaliges Profil
  • 10.06.2022, 19:59h
  • Es ist traurig das sagen zu müssen, aber ich habe im vorliegenden Fall 0,0 Prozent Vertrauen in die Polizei, deren Aussagen ich für hanebüchen halte, stehen sie doch im harten Kontrast zu den Aussagen der Opfer und Organisator*innen, denen ich erfahrungsbasiert mehr Glauben schenke, als meinen "falschen Freunden und Nichthelfern". Auch glaube ich keine Sekunde, dass die Polizei gegen sich selbst ermittelt, also den Vorwürfen über das Fehlverhalten der Kräfte vor Ort >wirklich< nachgeht.

    Es sei an dieser Stelle nochmal an Sven W., den CSD 2016 in Köln und sein Martyrium erinnert und an den beispiellosen Justiz- und Polizeiskandal. Oder sagen wir lieber, es gibt vermutlich Beispiele, die nur nicht bekannt wurden.
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