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Köln
Influencer: Wurde von Bahn-Security schwulenfeindlich beschimpft
Der auch aus "Prince Charming" bekannte David Lovric berichtet, am Kölner Hauptbahnhof sei er in der Nacht zum Donnerstag von einem DB-Mitarbeiter als "Schwuchtel" beschimpft und dann von weiterem Personal ausgelacht worden.

Lovric in dem Instagram-Video, in dem er sein Make-up an dem Abend zeigt, und der Kölner Hauptbahnhof als Ort des berichteten Geschehens (Bild: Screenshot Instagram, Hintergrund Pedelecs / wikipedia)
- 10. Juni 2022, 17:03h 4 Min.
Der Influencer David Lovric hat am Donnerstag bei Instagram schwere Vorwürfe gegen die Bahn erhoben. "Gestern abend verließ ich zu einer späten Uhrzeit, was sowieso schon relativ unangenehm ist, geschminkt mit diesen Make-up-Look [s. Bild] den Kölner Hauptbahnhof", so der Kölner in einem in dem sozialen Netzwerk geposteten Video. "Aus dem Nichts wurde ich dann von fünf Mitarbeitenden der DB-Sicherheit als 'Schwuchtel' bezeichnet und anschließend lautstark ausgelacht. Nach 'nem kurzen Konter wurde trotzdem weitergelacht."
Lovric, der unter anderem durch die zweite Staffel der Dating-Show "Prince Charming" bekannt wurde und auch als Make-up-Artist arbeitet, kritisierte, dass er nun gleichzeitig in sozialen Netzwerken das Logo der Bahn in Regenbogenfarben angezeigt bekomme. "Die Deutsche Bahn setzt sich angeblich für uns ein? Naja, kann ich jetzt nicht so bestätigen. Deshalb stellt sich mir die Frage: Ist die Deutsche Bahn homophob? Ja!"
In einem Interview mit Yahoo schilderte Lovric den Vorfall inzwischen noch näher, der Bericht enthält auch ein kurz nach dem Vorfall von ihm auf der Rückseite des Bahnhofes aufgenommenes Video. Die Bahn betreibe Pinkwashing, wenn sie mit Kampagnen ein "Gefühl von Support und Sicherheit vermittelt", es dann aber zu Vorfällen kommt und es vermutlich an fehlender Weiterbildung mangele, so Lovric in dem Interview.
In den Kommentaren zu dem Video erhielt Lovric viel Unterstützung. Einige nahmen die Bahn zugleich im Allgemeinen teilweise in Schutz und verwiesen etwa auf das Mitarbeiter*innen-Netzwerk railbow. Andere berichteten von ihren Erfahrungen mit Reisen.
Bahn will "inakzeptablen" Vorfall prüfen
Am Freitag meldete sich die Bahn mit einer ersten Stellungnahme zur Wort. "Deine Schilderung macht uns betroffen, so etwas sollte niemand erleben müssen. Das beschriebene Verhalten der DB-Mitarbeitenden klingt völlig inakzeptabel", schrieb der Instagram-Account des Konzerns in die Kommentare zu Lovrics Video. "Wir nehmen den Vorwurf sehr ernst, werden den Fall genau prüfen und selbstverständlich auch eine Stellungnahme der Mitarbeitenden einholen. Unsere Haltung ist klar: Solche Äußerungen werden bei uns nicht geduldet." Kulturelle Vielfalt, Offenheit, Toleranz und Respekt seien Grundwerte der Deutschen Bahn, "Rassismus, Diskriminierung, Mobbing oder sexuelle Belästigung haben bei uns keinen Platz". Man sei ein weltoffenes, internationales und diverses Unternehmen, "stolz auf unsere bunte Belegschaft" und setze bewusst "auf Vielfalt, weil sie unsere Teams besser macht". Auch verstehe man sich bei der Beförderung von Millionen Reisenden pro Tag "als Gastgeber für Menschen jedweder Herkunft, sexueller Orientierung und Religion, jedweden Geschlechts und Alters".
Lovric antwortete darauf, dass er sich leider ziemlich sicher sei, dass der Vorfall von den fünf bis sechs Mitarbeitenden abgestritten werde, und benannte die genaue Zeit des Vorfalls. Zudem wolle er darauf hinweisen, dass dies kein Einzelfall sei: Er habe "etliche Nachrichten über ähnliches Verhalten gegenüber Menschen der LGBTQIA+ Community lesen müssen", von Beleidigungen bis hin zum Verscheuchen mit dem Hinweis, dass "so etwas nicht an öffentliche Plätze wie einen Bahnhof gehört". Daher wünsche er sich wie bereits im Yahoo-Interview erwähnt "das Offenlegen o.ä. von gegebenenfalls internen Weiterbildungen oder ein Gespräch mit einem Diversitybeauftragten – insofern es so was gibt. Falls nicht, wird es dringend Zeit, eine solche Position zu schaffen und genau das Problem an der Wurzel zu behandeln. Möglicherweise auch mit Stichproben der Mitarbeitenden und in Zusammenarbeit mit LGBTQIA+ Aktivist*innen oder Hilfsorganisationen." Solche Probleme müssten proaktiv verhindert werden – "wenn ihr wirklich so offen gegenüber jedem Menschen seid, wie ihr es auch hier wieder betont!"
In dem Yahoo-Interview hatte Lovric die Beobachtung geäußert, dass sich queerfeindliche Vorfälle insbesondere nach den Lockdowns häuften. Zu ihm selbst sagte er: "Mir wurde bereits die Nase gebrochen in homophoben Übergriffen, ich werde regelmäßig im ÖPNV beleidigt und auch ab und zu angespuckt – weswegen ich meist darauf verzichte und auf Uber/Taxi und Co. umsteige." Über entsprechende Gewalt hatte er in den letzten Jahren mehrfach berichtet, 2021 etwa in einem "Express"-Interview. (cw)













