Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?42271

Türkei

Ankara: Polizei geht mit Gewalt, Reizgas und Gummigeschossen gegen Campus-CSD vor

Die Leitung der Technischen Universität des Nahen Ostens ließ den von ihr unerwünschten Pride erneut von der Polizei räumen.


Teile der Demo vor der Auflösung (Bild: Amnesty Turkey / twitter)

Wie beim letzten Campus-CSD 2019 hat die Polizei der türkischen Hauptstadt Ankara am Freitag eine Kundgebung queerer Studierender an der Technischen Universität des Nahen Ostens (METU) mit Gewalt unterdrückt: Mit Krawall-Ausrüstung, Schildern und Schlagstöcken trieb sie die Demo mehrfach auseinander. Einzelne Teilnehmende wurden aus der Menschenmenge gerissen und teils mit roher Gewalt zur Festnahme in Polizeibusse geschleppt. An anderen Orten setzten die Beamten offenbar auch Reizgas und Gummigeschosse ein, um Personen zu vertreiben.

Twitter / ozgur__gelecek | Ein Einsatz von Gummigeschossen
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Zu Beginn des zehnten METU-Pride um 17 Uhr deutscher Zeit hatten noch hunderte Menschen friedlich mit Regenbogen-, Trans- und weiteren queeren Flaggen auf dem Uni-Gelände protestiert. Zur Stunde läuft die Veranstaltung weiter und leisten sich einzelne Menschengruppen – türkische LGTBI sind traditionell sehr resilient – und Polizei ein Katz- und Maus-Spiel. Noch immer verlesen Student*innen an mehreren Stellen des Campus die Forderungen des CSD.

Twitter / unikuir | Eine mutmaßliche Teilnehmerin wurde an den Haaren gezogen

Stand 19.30 Uhr deutscher Zeit sollen knapp über 20 Personen festgenommen worden sein. In der Regel werden sie in der späten Nacht nach einigen Stunden auf der Wache freigelassen. Das weitere Geschehen lässt sich etwa in den Twitter-Kanälen von ÜniKuir, Kaos GL, Amnesty Turkey oder mit dem Hashtag #OnuncuODTÜOnurYürüyüsü verfolgen.

Twitter / lgbtibirligi
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

In den letzten Tagen hatte die Uni-Leitung in einer Email an alle Studierenden betont, dass man den Protest nicht erlauben werde, der dem Ansehen der Universität Schaden zufüge. Letztlich drohte man mit einem Polizeieinsatz. Der letzte Uni-Pride 2019 war ebenfalls untersagt worden, die Polizei setzte Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschosse ein (queer.de berichtete). 19 Studentinnen und Studenten wurden danach wegen Teilnahme an einer nicht genehmigten Demo angeklagt (queer.de berichtete). Zwei Jahre später wurden sie freigesprochen.

Twitter / unikuir | Die mathematische Fakultät der Uni am Freitagabend
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Twitter / ILGAEurope
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

In den letzten Wochen waren bereits ein Campus-Pride an der Istanbuler Bogazici-Universität und eine Pridewochen-Kickoff-Veranstaltung in den Straßen der Metropole von der Polizei mit Festnahmen gewaltsam aufgelöst worden (queer.de berichtete). Die 30. Istanbuler Pride-Woche soll vom 20. bis 26. Juni stattfinden, mit einer großen Demo an jenem Sonntag zum Abschluss. Allgemein wird mit dem erneuten Verbot der Veranstaltung und wie in den letzten Jahren mit Massenfestnahmen gerechnet.

Protest-Unterdrückung und Widerstand ohne Ende

Im Sommer 2021 hatte die türkische Polizei CSD-Demonstrationen in Eskisehir, Ankara und Istanbul niedergeschlagen. In den letzten Jahren waren der CSD in Istanbul samt dem Trans-Pride und teilweise CSDs in anderen Städten immer wieder verboten worden und hatte die Polizei Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse gegen Teilnehmende eingesetzt. In den Jahren vor dem ersten Verbot und der ersten CSD-Niederschlagung 2015 hatten noch zehntausende Menschen an den Pride-Demonstrationen der Metropole teilgenommen. Auch queere Kulturveranstaltungen wurden zuletzt häufiger untersagt.

Im März 2021 war es zudem zu mehrtägigen Protesten und hunderten Festnahmen rund um Student*innen-Proteste in Istanbul gekommen, bei denen auch Regenbogenflaggen und ein Bild der Kaaba mit queeren Flaggen eine Rolle spielten (queer.de berichtete). Die Regierung befeuerte die Lage mit queerfeindlichen Stellungnahmen an, Innenminister Süleyman Soylu sprach etwa von "LGBT-Perversen". (nb)



11 Kommentare

#1 seb1983
  • 10.06.2022, 22:16h
  • Und während man in Israel CSD feiert begibt sich das letzte halbwegs demokratische muslimische Land zurück auf Mohameds Spuren und in die Diktatur. Der Kontrast könnte größer nicht sein.

    Umso wichtiger Erdogans verlängertem Arm in Deutschland, Ditib und türkischem TV, nicht länger tatenlos zuschauen wie sie weiter ihren Hass verbreiten unter jungen Türken in Deutschland!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 LothiAnonym
#3 No_HumanAnonym
#4 No_HumanAnonym
  • 11.06.2022, 09:53h
  • Mein Paps' hat mal etwas davon gefaselt, als ich die Menschenfeindlichkeit kommentierte, dass die türkische Gesellschaft zwar nicht wirklich akzeptiert aber tolerant sei.

    'Tolerant' am Arsch. Und der möchte gerne Urlaub in der Türkei machen. Kann er ruhig allein gehen.

    Sorry Paps, aber ich möchte nicht ERMORDET werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 LothiAnonym
  • 11.06.2022, 10:25h
  • Antwort auf #3 von No_Human
  • Die Grauen Wölfe sind rechts gerichtete Türken.
    Diese haben bereits Einfluss genommen auf Erdogan und seine Partei. Somit agieren diese auch längst in Deutschland. Unter anderem auch im Rockerclub Milieu. Um nur ein Beispiel zu benennen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 LothiAnonym
#7 machwasAnonym
  • 11.06.2022, 13:17h
  • Antwort auf #2 von Lothi
  • Yep, Erdogan hat immer noch zu viel erlaubten Einfluss in Deutschland.
    Deutsche Politiker*innen stellen sich dem nicht wirklich.
    Dabei agiert die Erdogan-Türkei seit vielen Jahren, analog zu Putin, bewusst zersetzend und spalterisch auch in Deutschland.
    So kann weder in Deutschland noch in der Türkei sowas wie Friede entstehen.
    Gesellschaft und Politik sollte aus dem Verhalten, dass zur Stärkung von Autokraten und selbst erklärten Feinden westlichen Lebensstils führt, endlich aussteigen und Konsequenzen ziehen.
    Wir als Land haben die aktuellen Bilder aus der Türkei mit produziert.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 AtreusEhemaliges Profil
  • 11.06.2022, 13:20h
  • Kleiner Hinweis zur Unfähigkeit der aktuellen Bundesregierung in Sachen LGBT*IQ:

    »Homosexualität ist in der Türkei nicht strafbar. An der jährlich stattfindenden Pride Parade in Istanbul nahmen bis 2014 mehrere zehntausend Menschen teil. Seit 2015 ist die Parade von den türkischen Behörden jedoch untersagt worden.
    Es wird auf Vorfälle von Gewalt nicht-staatlicher Seite hingewiesen, bei denen es zu Übergriffen auf LGBTIQ-Personen gekommen ist. Mit z.T. starken Vorurteilen gegenüber dieser Personengruppe in der türkischen Gesellschaft sollte deshalb gerechnet werden.«

    Quelle: Auswärtiges Amt

    Das ist krasse Verharmlosung und Unterschlagung von Fakten, die belegen, dass der Staat Türkei LGBT*IQ kriminalisiert, verfolgt, foltert und einsperrt. Ein zeitnahes Bespiel bietet die gewaltsame Niederschlagung eines Protests von Studierenden im Januar 2021, die in Teilen verhaftet und wegen Volksverhetzung angeklagt wurden! Ihr Vergehen: Das Zeigen queerer Bilder habe die religiösen Gefühle der echten Türk*innen verletzt.

    queeramnesty.ch/tag/turkei/

    echte-vielfalt.de/lebensbereiche/lsbtiq/queere-proteste-gege
    n-staatliche-lsbtiqfeindlichkeit-in-der-tuerkei/


    www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/tuerkeisicherh
    eit/201962
  • Antworten » | Direktlink »
#9 LorenProfil
#10 LothiAnonym