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Türkei
Ankara: Polizei geht mit Gewalt, Reizgas und Gummigeschossen gegen Campus-CSD vor
Die Leitung der Technischen Universität des Nahen Ostens ließ den von ihr unerwünschten Pride erneut von der Polizei räumen.
- 10. Juni 2022, 17:56h 3 Min.
Wie beim letzten Campus-CSD 2019 hat die Polizei der türkischen Hauptstadt Ankara am Freitag eine Kundgebung queerer Studierender an der Technischen Universität des Nahen Ostens (METU) mit Gewalt unterdrückt: Mit Krawall-Ausrüstung, Schildern und Schlagstöcken trieb sie die Demo mehrfach auseinander. Einzelne Teilnehmende wurden aus der Menschenmenge gerissen und teils mit roher Gewalt zur Festnahme in Polizeibusse geschleppt. An anderen Orten setzten die Beamten offenbar auch Reizgas und Gummigeschosse ein, um Personen zu vertreiben.
/ ozgur__gelecek | Ein Einsatz von GummigeschossenPolis ODTÜ'de yan yana gördüü her örenciye plastik mermi ve biber gazyla saldryor. Çok sayda örencinin gözaltna alnd örenildi#OnuncuODTÜOnurYürüyüü pic.twitter.com/Y2aC7kIBkB
Özgür Gelecek (@ozgur__gelecek) June 10, 2022
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Zu Beginn des zehnten METU-Pride um 17 Uhr deutscher Zeit hatten noch hunderte Menschen friedlich mit Regenbogen-, Trans- und weiteren queeren Flaggen auf dem Uni-Gelände protestiert. Zur Stunde läuft die Veranstaltung weiter und leisten sich einzelne Menschengruppen – türkische LGTBI sind traditionell sehr resilient – und Polizei ein Katz- und Maus-Spiel. Noch immer verlesen Student*innen an mehreren Stellen des Campus die Forderungen des CSD.
/ unikuir | Eine mutmaßliche Teilnehmerin wurde an den Haaren gezogentetikleyici içerik:polis iddeti
ÜniKuir (@unikuir) June 10, 2022
Polis ODTÜ Onur Yürüyüü'ne katlanlar yerlerde sürükleyerek gözaltna almaya devam ediyor#OnuncuODTÜOnurYürüyüü pic.twitter.com/Jsq6EUoJx7
Stand 19.30 Uhr deutscher Zeit sollen knapp über 20 Personen festgenommen worden sein. In der Regel werden sie in der späten Nacht nach einigen Stunden auf der Wache freigelassen. Das weitere Geschehen lässt sich etwa in den Twitter-Kanälen von ÜniKuir, Kaos GL, Amnesty Turkey oder mit dem Hashtag #OnuncuODTÜOnurYürüyüsü verfolgen.
/ lgbtibirligiODTÜde Onur Yürüyüüne polis saldrs gerçekleti. Birçok örencinin gözaltna alnd örenildi. #ODTÜ #LGBT #OnuncuODTÜOnurYürüyüü https://t.co/yuanFxFjeJ pic.twitter.com/kQgpgi9uws
Türkiye LGBT Birlii (@lgbtibirligi) June 10, 2022
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In den letzten Tagen hatte die Uni-Leitung in einer Email an alle Studierenden betont, dass man den Protest nicht erlauben werde, der dem Ansehen der Universität Schaden zufüge. Letztlich drohte man mit einem Polizeieinsatz. Der letzte Uni-Pride 2019 war ebenfalls untersagt worden, die Polizei setzte Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschosse ein (queer.de berichtete). 19 Studentinnen und Studenten wurden danach wegen Teilnahme an einer nicht genehmigten Demo angeklagt (queer.de berichtete). Zwei Jahre später wurden sie freigesprochen.
/ unikuir | Die mathematische Fakultät der Uni am FreitagabendAktivistler Matematik Bölümü binasna dev bir gökkua bayra asarak direniten vazgeçmeyeceklerini bir kez daha gösterdi.#OnuncuODTÜOnurYürüyüü pic.twitter.com/bkmFxg2yfd
ÜniKuir (@unikuir) June 10, 2022
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/ ILGAEuropeDespite METU Pride participants winning a court case in which the court stated that Pride is not a crime, this years METU Pride, scheduled for Friday, has just been banned again by the university administration. https://t.co/BXqPjiWx0v
ILGA-Europe (@ILGAEurope) June 9, 2022
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In den letzten Wochen waren bereits ein Campus-Pride an der Istanbuler Bogazici-Universität und eine Pridewochen-Kickoff-Veranstaltung in den Straßen der Metropole von der Polizei mit Festnahmen gewaltsam aufgelöst worden (queer.de berichtete). Die 30. Istanbuler Pride-Woche soll vom 20. bis 26. Juni stattfinden, mit einer großen Demo an jenem Sonntag zum Abschluss. Allgemein wird mit dem erneuten Verbot der Veranstaltung und wie in den letzten Jahren mit Massenfestnahmen gerechnet.
Protest-Unterdrückung und Widerstand ohne Ende
Im Sommer 2021 hatte die türkische Polizei CSD-Demonstrationen in Eskisehir, Ankara und Istanbul niedergeschlagen. In den letzten Jahren waren der CSD in Istanbul samt dem Trans-Pride und teilweise CSDs in anderen Städten immer wieder verboten worden und hatte die Polizei Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse gegen Teilnehmende eingesetzt. In den Jahren vor dem ersten Verbot und der ersten CSD-Niederschlagung 2015 hatten noch zehntausende Menschen an den Pride-Demonstrationen der Metropole teilgenommen. Auch queere Kulturveranstaltungen wurden zuletzt häufiger untersagt.
Im März 2021 war es zudem zu mehrtägigen Protesten und hunderten Festnahmen rund um Student*innen-Proteste in Istanbul gekommen, bei denen auch Regenbogenflaggen und ein Bild der Kaaba mit queeren Flaggen eine Rolle spielten (queer.de berichtete). Die Regierung befeuerte die Lage mit queerfeindlichen Stellungnahmen an, Innenminister Süleyman Soylu sprach etwa von "LGBT-Perversen". (nb)
















Umso wichtiger Erdogans verlängertem Arm in Deutschland, Ditib und türkischem TV, nicht länger tatenlos zuschauen wie sie weiter ihren Hass verbreiten unter jungen Türken in Deutschland!