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Fußball-WM

Bierhoff: Situation für Homosexuelle in Katar "inakzeptabel"

Die Vergabekriterien für die Fußball-WM müssten künftig "eng mit Menschenrechtsfragen verknüpft werden müssen", fordert DFB-Direktor Oliver Bierhoff in einem Interview.


Oliver Bierhoff ist DFB-Direktor Nationalmannschaften und Akademie sowie Geschäftsführer der deutschen Nationalmannschaft (Bild: DFB)

DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat den Umgang mit Lesben und Schwulen im WM-Gastgeberland Katar als "inakzeptabel" kritisiert. "Er entspricht in keinster Weise meiner Überzeugung", sagte Bierhoff in einem Interview der Funke-Mediengruppe (Bezahlartikel). Amnesty International hatte Ende März in einem Bericht darauf hingewiesen, dass Frauen sowie LGBTI "sowohl durch Gesetze als auch im täglichen Leben weiterhin diskriminiert" werden (queer.de berichtete).

Offiziell haben die Regierung des Emirats und der Weltverband FIFA angegeben, dass jeder Mensch bei der WM (21. November bis 18. Dezember) in Katar willkommen sei. "An dem Versprechen, dass wirklich jeder willkommen ist, wird Katar sich messen lassen müssen", sagte Bierhoff. "Ich kann das nur schwer einschätzen, obwohl ich mit sehr vielen Menschen gesprochen habe – sowohl mit Vertretern des Organisationskomitees als auch der FIFA. Auch mit dem deutschen Botschafter und mit Expertinnen und Experten von Menschenrechtsorganisationen."

Bierhoff: Veränderungen müssen vor Vergabe passieren

Grundsätzlich stelle sich beim Fall Katar die Frage: "Welche Vergabekriterien für eine Weltmeisterschaft legt die FIFA eigentlich an? Denn die Vergabe eines Turniers ist doch das schärfste Schwert, um auf die nötigen Veränderungen zu drängen", sagte Bierhoff.

Die Veränderungen müssten aber vor der Vergabe "passieren und nicht erst danach, sonst hat man kein Druckmittel mehr, um sie durchzusetzen", sagte Bierhoff. "Ich habe das schon vor Jahren mal angesprochen, dass es eine große Herausforderung für die großen Verbände wie UEFA, IOC und eben FIFA ist, sich genau über diese Frage der Vergabekriterien Gedanken zu machen." Das Problem betreffe nicht nur den Fußball. "Ich bin der Überzeugung, dass die Vergabekriterien eng mit Menschenrechtsfragen verknüpft werden müssen", sagte Bierhoff.

Bereits Anfang des Monats hatte der DFB-Direktor wegen der Menschenrechtsverletzungen in Katar koordinierte Aktionen "mit der europäischen Fußballfamilie" gefordert. Ein "Wettrennen der guten Aktionen" lehnte er ab queer.de berichtete).

Nach islamischen Recht sogar Todesstrafe möglich

Am Gastgeberland Katar entzündet sich seit längerem Kritik. So steht dort auf Homosexualität eine siebenjährige Gefängnisstrafe, nach islamischem Recht ist sogar die Verhängung der Todesstrafe möglich. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland forderte im vergangenen Herbst einen WM-Boykott (queer.de berichtete). Bierhoff nannte im Januar einen Boykott "für uns keine Option" (queer.de berichtete).

Katars Emir Tamim Bin Hamad Al Thani hatte bei einem Besuch in Berlin vor rund zwei Wochen bekräftigt, dass "alle Gäste willkommen" seien – sie sollten aber "unsere Kultur respektieren" (queer.de berichtete). Kurz zuvor hatten mehrere Journalist*innen in Stichproben herausgefunden, dass mehrere katarische Hotels nicht an Schwule vermieten wollten (queer.de berichtete).

Seit der WM-Vergabe 2010 hatte der Weltfußballverband immer wieder versucht, die Staatshomophobie in Katar herunterzuspielen. Fifa-Präsident Gianni Infantino sagte etwa im März: "Jeder wird sehen, dass jeder hier in Katar willkommen ist, auch wenn wir über LGBTQ+ sprechen" (queer.de berichtete). Regenbogenfahnen seien im Stadion erlaubt, hatten FIFA und die katarischen WM-Organisatoren mehrfach betont. Ein hochrangiger Offizieller sagte im April hingegen, dass man Fans entsprechende Flaggen wegnehmen werde (queer.de berichtete). (cw/dpa)



10 Kommentare

#1 1HornAnonym
  • 11.06.2022, 07:53h
  • ...aber solange die Kohle stimmt, wird man(nschaft) halt doch da hinfliegen und an der WM teilnehmen, Menschenrechtslage hin oder her.
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#2 tchantchesProfil
#3 swimniAnonym
#4 AtreusProfil
  • 11.06.2022, 12:59hSÜW
  • Bierhoff, Januar 2022:

    "Wir glauben an die Kraft des Sports, die Menschen verbindet, Vorurteile abbaut, für Begegnungen und Freundschaften über die Dauer einer Weltmeisterschaft hinaus sorgt. ... Der Sport hat die Kraft, Brücken zu bauen, im Dialog zu bleiben und Veränderungen anzustoßen, das hat er schon oft bewiesen."

    Die Beweisführung blieb er damals schuldig, seine neuerlichen Aussagen lese und verstehe ich als Eingeständnis, dass er zu Jahresbeginn Scheiße erzählt hat. Bleibt nur zu klären, ob er naiv oder unwissend bis zur Schmerzgrenze war oder bewusst versuchte zu täuschen und nun, da Fakten, Druck und die Anklagen aus allen Richtungen unüberschaubar groß werden, zurückrudert und ein paar verlogene Worthülsen über Menschenrechte zur Schadensbegrenzung ausspeit, in einer neuerlichen Verirrung zu Glauben, dass das Image des DFB nicht schon unlängst abgewrackt und noch reparierbar wäre.
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#5 tchantchesProfil
#6 LorenProfil
  • 11.06.2022, 15:28hGreifswald
  • Und immer wieder möchte ich anmerken:

    "Tradierte" menschenfeindliche Haltungen und Handlungen verdienen keinerlei Respekt, sondern Ächtung. Nur, weil etwas zur Kultur eines Landes, einer Region etc. gezählt wird, ist es nicht im besonderen Maße respektabel und schützenswert.
    Mit dem Verweis auf "die Kultur" möchte m.E. man etwas so weit überhöhen, dass es jeglicherer Kritik enthoben wird. Eine strategische Methode im "Kulturkrieg", der man sich m.E. entschieden widersetzen sollte, auch wenn dadurch selbstverständlich kein "Kulturfrieden" erreicht werden kann. Aber es ist mMn sowieso naiv zu glauben, dass man durch appeasement, Relativieren und Wegsehen ein friedliches Miteinander auf diesem Planeten erreichen könnte (oder durch freundlich-verlogene "diplomatische" Stuhlkreise).
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#7 YutoAnonym
  • 11.06.2022, 18:38h
  • Er hat zwar Recht, dass man bei den Auswahlkriterien auch Menschenrechtsfragen beachten sollten, allerdings gibt es dabei ein kleines Problem: Den Herren Präsidenten der FIFA, des IOC (etc. etc.) sind Menschenrechte herzlich egal, wenn das Geld stimmt. Und solange diese bestechlichen Menschen in hohen Positionen sind, werden diese Veranstaltungungen auch weiterhin in China, Katar und anderen Ländern dieser Art stattfinden. Die sind hinter dem Geld her wie ein ausgehungerter Löwe nach einer verwundeten Antilope.
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#8 Gnurfel42Anonym
  • 11.06.2022, 18:46h
  • Die eigentliche Nachricht ist: WTF, Katar ist IMMER NOCH der Austragungsort? Wie armselig. Hatte Katar nicht sowieso schon unter höchst verdächtigen Bedinungen den Zuschlag erhalten? In einer nicht korrupten Organisation wäre Katar schon längst wieder vom Tisch.

    Wie alle so tun, als wäre Katar jetzt beschlossene Sache, und es gäbe NICHTS, um die Entscheidung zu ändern. Bullshit. Man kann sich IMMER umentscheiden, wenn man denn möchte. Und kommt mir nicht mit »Regeln«, Regeln sind auch nur eine menschliche Erfindung. Ich hasse Schreibtischtäter so sehr. Wenn Regeln wichtiger sind als Menschenleben.
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#9 Braveheart1959Anonym
  • 12.06.2022, 10:59h
  • Na toll aber gestern auf Regenbogenbinde und Kniefall verzichtet. Einfach nur nie anecken
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#10 tatortAnonym
  • 13.06.2022, 00:10h
  • Antwort auf #9 von Braveheart1959
  • Gab es da nicht mal von ihm eine empoerte Reaktion auf eine Tatort-Folge, in der es um einen schwulen Fussballer ging, und dieser dann auch sagte, dass es auch Schwule in der Nationalmannschaft gebe?
    Ich erinnere mich da so vage an "einen Angriff auf die 'Familie'", sowie "es waeren boesartige Unterstellungen", dass es Schwule in der Nationalmannschaft gebe.
    Entweder er hat (moeglicherweise nach Hitzelsperger) seine Einstellung geaendert, oder es war tatsaechlich so, wie oben schon vermutet (Kommentar #5)
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