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Fußball-WM
Bierhoff: Situation für Homosexuelle in Katar "inakzeptabel"
Die Vergabekriterien für die Fußball-WM müssten künftig "eng mit Menschenrechtsfragen verknüpft werden müssen", fordert DFB-Direktor Oliver Bierhoff in einem Interview.

Oliver Bierhoff ist DFB-Direktor Nationalmannschaften und Akademie sowie Geschäftsführer der deutschen Nationalmannschaft (Bild: DFB)
- 11. Juni 2022, 04:17h 3 Min.
DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat den Umgang mit Lesben und Schwulen im WM-Gastgeberland Katar als "inakzeptabel" kritisiert. "Er entspricht in keinster Weise meiner Überzeugung", sagte Bierhoff in einem Interview der Funke-Mediengruppe (Bezahlartikel). Amnesty International hatte Ende März in einem Bericht darauf hingewiesen, dass Frauen sowie LGBTI "sowohl durch Gesetze als auch im täglichen Leben weiterhin diskriminiert" werden (queer.de berichtete).
Offiziell haben die Regierung des Emirats und der Weltverband FIFA angegeben, dass jeder Mensch bei der WM (21. November bis 18. Dezember) in Katar willkommen sei. "An dem Versprechen, dass wirklich jeder willkommen ist, wird Katar sich messen lassen müssen", sagte Bierhoff. "Ich kann das nur schwer einschätzen, obwohl ich mit sehr vielen Menschen gesprochen habe – sowohl mit Vertretern des Organisationskomitees als auch der FIFA. Auch mit dem deutschen Botschafter und mit Expertinnen und Experten von Menschenrechtsorganisationen."
Bierhoff: Veränderungen müssen vor Vergabe passieren
Grundsätzlich stelle sich beim Fall Katar die Frage: "Welche Vergabekriterien für eine Weltmeisterschaft legt die FIFA eigentlich an? Denn die Vergabe eines Turniers ist doch das schärfste Schwert, um auf die nötigen Veränderungen zu drängen", sagte Bierhoff.
Die Veränderungen müssten aber vor der Vergabe "passieren und nicht erst danach, sonst hat man kein Druckmittel mehr, um sie durchzusetzen", sagte Bierhoff. "Ich habe das schon vor Jahren mal angesprochen, dass es eine große Herausforderung für die großen Verbände wie UEFA, IOC und eben FIFA ist, sich genau über diese Frage der Vergabekriterien Gedanken zu machen." Das Problem betreffe nicht nur den Fußball. "Ich bin der Überzeugung, dass die Vergabekriterien eng mit Menschenrechtsfragen verknüpft werden müssen", sagte Bierhoff.
Bereits Anfang des Monats hatte der DFB-Direktor wegen der Menschenrechtsverletzungen in Katar koordinierte Aktionen "mit der europäischen Fußballfamilie" gefordert. Ein "Wettrennen der guten Aktionen" lehnte er ab queer.de berichtete).
Nach islamischen Recht sogar Todesstrafe möglich
Am Gastgeberland Katar entzündet sich seit längerem Kritik. So steht dort auf Homosexualität eine siebenjährige Gefängnisstrafe, nach islamischem Recht ist sogar die Verhängung der Todesstrafe möglich. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland forderte im vergangenen Herbst einen WM-Boykott (queer.de berichtete). Bierhoff nannte im Januar einen Boykott "für uns keine Option" (queer.de berichtete).
Katars Emir Tamim Bin Hamad Al Thani hatte bei einem Besuch in Berlin vor rund zwei Wochen bekräftigt, dass "alle Gäste willkommen" seien – sie sollten aber "unsere Kultur respektieren" (queer.de berichtete). Kurz zuvor hatten mehrere Journalist*innen in Stichproben herausgefunden, dass mehrere katarische Hotels nicht an Schwule vermieten wollten (queer.de berichtete).
Seit der WM-Vergabe 2010 hatte der Weltfußballverband immer wieder versucht, die Staatshomophobie in Katar herunterzuspielen. Fifa-Präsident Gianni Infantino sagte etwa im März: "Jeder wird sehen, dass jeder hier in Katar willkommen ist, auch wenn wir über LGBTQ+ sprechen" (queer.de berichtete). Regenbogenfahnen seien im Stadion erlaubt, hatten FIFA und die katarischen WM-Organisatoren mehrfach betont. Ein hochrangiger Offizieller sagte im April hingegen, dass man Fans entsprechende Flaggen wegnehmen werde (queer.de berichtete). (cw/dpa)













