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Heimkino

Zu Fuß durch die USA für den schwulen Sohn

Joe Bells Sohn wird gemobbt, weil er schwul ist. Das bringt den cholerischen Mann dazu, einmal quer durch die USA zu laufen, um auf Mobbing aufmerksam zu machen. Kein besonders neues Thema, doch das Roadmovie "Joe Bell" wühlt dennoch auf.


Nachwuchstalent Reid Miller (li.) spielt den schwulen Teenager Jadin, Hollywood-Star Mark Wahlberg seinen Vater Joe (Bild: Leonine Studios)

Außerdem, sagt Jadin zu seinem Vater Joe, wohne Stefani in New York. Der Teenager läuft mit seinem Vater eine Straße entlang, er muss ihm wieder einmal erklären, warum er lieber dort statt in Oregon leben will. "Stefani, wer ist das?", fragt Joe. "Stefani Joanne Angelina Germanotta", lautet die Antwort, "Lady Gaga!". Ziemlich schief beginnt Jadin, "Born This Way" zu performen, bis Joe einsteigt. Auch er ist textsicher. Vater und Sohn singen die queere Hymne. Was für eine Szene, fast zu schön, um wahr zu sein.

Joe, Mitte 40, ein schroffer Typ, struppiger Bart, geht zu Fuß einmal quer durch die Vereinigten Staaten. Im Gepäck hat er kaum mehr als ein schlechtes Gewissen und den Plan, über Mobbing aufzuklären.

Joe bleibt vulgär und cholerisch


"Joe Bell" ist auf DVD, Blu-ray und digital erschienen

Rückblenden, die parallel zum Fußmarsch montiert sind, zeigen seine Motivation: Sein 15-jähriger Sohn wird an seiner Schule gemobbt. Weil er nicht so ist wie die anderen Jungs, weil er im Cheerleading-Team ist, weil er schwul ist. Es wird immer schlimmer. Jadin will sich wehren, doch die Schulleiterin kann (oder will) kaum etwas tun. Sie schlägt vor, er könne ja die Schule wechseln.

Auf seinem Weg trifft Joe immer wieder Menschen, die von ihm inspiriert werden, die ähnliche Geschichten zu erzählen haben. Besonders die Begegnung mit einem Sheriff, der selbst einen schwulen Sohn hat, zeigt Joes Unsicherheit und Verletzlichkeit besonders eindrücklich. Er teilt sein Vorhaben auf Facebook, häufiger wird er von Fremden erkannt.

Doch er bleibt leicht reizbar, rastet schnell aus, ist vulgär und cholerisch. Das müssen auch seine Frau Lola und sein jüngerer Sohn Joseph merken, als sie ihn besuchen. Überhaupt zählen die Szenen mit Joseph (Maxwell Jenkins) zu den stärksten des Films, doch auch der zweifach Oscar-nominierte Mark Wahlberg als Joe ist eine hervorragende Besetzung.

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte

Das Thema von "Joe Bell" (Amazon-Affiliate-Link ) ist nicht besonders neu, auch viele Filme haben sich damit auseinandergesetzt. Der etwas zu didaktisch daherkommende Ton wäre verzichtbar gewesen. Dass queere Jugendliche gemobbt werden, ist gleichzeitig noch immer traurige Realität. Besonders wird das Roadmovie vor allem deshalb, weil es sich um eine wahre Geschichte handelt: Joe Bell ist wirklich 2013 in der Kleinstadt La Grande losgegangen.

Auch dramaturgisch macht der Film viel richtig, indem er zunächst nicht zu viel verrät und sich die Geschichte langsam aufbauen kann. So wird "Joe Bell" doch ein aufwühlendes und emotionales Drama. Das Drehbuch stammt vom mittlerweile verstorbenen Larry McMurtry und Diana Ossana, die gemeinsam bereits das Buch für "Brokeback Mountain" schrieben und dafür den Oscar gewannen. Country-Musik, mal fröhlich, erhebend oder traurig, zieht sich durch das Drama und gibt ihm einen guten Sound.

Regisseur Reinaldo Marcus Green hat es geschafft, aus einem älteren, auf den ersten Blick zu oft gesehenem Stoff ein berührendes Roadmovie zu schaffen. Ein Drama, das daran erinnert, dass eben nicht alles gut ist, 2013 so wenig wie heute.

Infos zum Film

Joe Bell. Drama. USA 2021. Regie: Reinaldo Marcus Green. Darsteller*­innen: Reid Miller, Gary Sinise, Mark Wahlberg, Connie Britton, Maxwell Jenkins uva. Laufzeit: ca. 90 Minuten. Sprachen: deutsche Synchronfassung, englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Leonine Studios

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Galerie:
Joe Bell
8 Bilder
-w-

#1 rangerAnonym
  • 13.06.2022, 12:30h
  • Ich habe den Film noch nicht gesehen. Aber nach dem, was ich gelesen und an Trailern gesehen habe, hatte ich den Eindruck, dass der Sohn nicht nur gemobbt wurde, sondern sich auch umgebracht hat. Die Szenen von Vater und Sohn auf der Reise geschehen nur in der Vorstellung des Vaters, glaube ich...
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#2 friendlyUnicornAnonym
  • 13.06.2022, 18:17h
  • Antwort auf #1 von ranger
  • (Leider) richtig. Das, und insbesondere, dass der Film auf tatsächlichen Schicksalen beruht, machen ihn für mich -zumindest momentan- nicht schaubar. Ich finde das Thema richtig und wichtig und je mehr Menschen sehen, was für ein kranker Mist damals und heute immer noch abgeht, desto besser. Stimmungstechnisch brauche ich solch einen Schlag in die Magengrube derzeit nicht. Irgendwann, wenn ich es mal wieder verkraften kann, dann wird es allerdings nachgeholt.

    Hier ist der Artikel zu dem echten Fall:

    www.huffpost.com/entry/jadin-bell-gay-oregon-teen-hanging-su
    icide-life-support-_n_2576404
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