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Weltblutspendetag

"Eigentlich müssten heterosexuelle Männer als Risikogruppe definiert werden"

In Deutschland werden die Blutspenden knapp – trotzdem wird schwules Blut noch immer wegen der sexuellen Orientierung der Spender abgelehnt. Der LSVD fordert eine Umkehr – und erhält Zustimmung aus der Ampel.


Der Weltblutspendetag wird stets am 14. Juni begangen – Anlass ist die Geburt des österreichisch-amerikanischen Serologen Karl Landsteiner, des Entdeckers der Blutgruppen, am 14. Juni 1868 (Bild: freepik.com)

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland hat anlässlich des Weltblutspendetags am Dienstag das Ende der Diskriminierung queerer Menschen gefordert. Kritisiert wird, dass schwule Männer und trans Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung bzw. ihrer Geschlechtsidentität noch immer beim Blutspenden in Deutschland anders behandelt werden als Heterosexuelle.

Seit letztem Herbst wurden die Blutspenderegeln für schwule Männer gelockert. Für sie gilt eine verkürzte Sex-Verbotszeit von vier statt zwölf Monaten, auf die nur bei einem seit längerem monogam lebenden Paar verzichtet wird (queer.de berichtete). Für Hetero-Männer hingegen gelten grundsätzlich lockerere Regeln. Trans Personen werden in den aktualisierten Fragebögen ebenso weiter gesondert erwähnt. Die Ampelkoalition hat in ihrem Koalitionsvertrag aber versprochen, Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung auch in diesem Bereich abzuschaffen (queer.de berichtete).

Twitter / BMG_Bund | Das Bundesgesundheitsministerium wirbt für (heterosexuelle) Blutspenden
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"Homo- und bisexuelle Männer dürfen bei der Blutspende nicht länger diskriminiert werden", forderte LSVD-Vorstandsmitglied Alfonso Pantisano. Per se werde schwuler Sexualverkehr als gefährlicher eingestuft als heterosexueller. "Das Risiko einer Infektion bemisst sich jedoch nicht nach dem Geschlecht der Sexualpartner*innen, sondern danach, ob das Sexualverhalten riskant ist", so Pantisano weiter. "HIV-Neuinfektionen bei homo- und bisexuellen Männern gehen seit Jahren deutlich zurück, während die Zahlen bei heterosexuellen Männern kontinuierlich steigen. Wenn man die diskriminierende Logik der gemeinsamen Arbeitsgruppe aus Bundesärztekammer, Robert Koch-Institut, Paul-Ehrlich-Institut und Bundesgesundheitsministerium konsequent weiterdenkt, müssten eigentlich heterosexuelle Männer als Risikogruppe definiert und von der Blutspende zurückgestellt werden."

Unverständlich sei auch, dass die Richtlinie trans Personen "grundlos" als eigene Risikogruppe nenne. "Wir erwarten von der Ampelregierung, dass sie die im Koalitionsvertrag versprochene Abschaffung der Diskriminierung nun zügig umsetzt", sagte der Aktivist.

"Es ist absurd"

Jürgen Lenders, der Sprecher für LSBTI der FDP-Bundestagsfraktion, schloss sich der Forderung nach einer Reform an: "Es ist absurd, dass für queere Menschen nicht dieselben Regeln gelten wir für alle", so der hessische Bundestagsabgeordnete. "Ich kann nicht nachvollziehen, warum zwei Single-Männer, die geschützten Sex haben, ein größeres Risiko darstellen sollen als ein ungeschützter One-Night-Stand zwischen Heterosexuellen." Wie hoch das Infektionsrisiko sei, hänge nicht vom Geschlecht oder der sexuellen Identität ab, "sondern immer vom individuellen Risikoverhalten".
 

Twitter / JurgenLenders
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Eine weitere Neuregelung der Blutspende-Richtlinie halte Lenders daher für "dringend notwendig". Er appellierte an das SPD-geführte Bundesgesundheitsministerium, "zeitnah die entsprechenden Impulse zu setzen und das Gespräch mit der Bundesärztekammer zu suchen, um eine gemeinsame Lösung zu finden". Falls bis zum Jahresende keine Bewegung in die Angelegenheit komme, "sehe ich den Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in der Pflicht, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, 'notfalls auch per Gesetz' eine Lösung herbeizuführen".

Twitter / gruene_rlp | Auch die Grünen setzen sich für ein Ende der Diskriminierung ein
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Deutschland gerät bei dieser Frage immer mehr ins Hintertreffen. Vermehrt sehen Länder bei der Blutspende das tatsächliche Sexualverhalten und nicht die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität der Spender*innen als ausschlaggebend dafür, ob eine Spende zugelassen wird. Zuletzt kündigten Kanada und Österreich entsprechende Reformen an. (dk)



25 Kommentare

#1 SpudiBluAnonym
  • 14.06.2022, 12:29h
  • Eben erst in der ARD mehrere Artikel gelesen, dass Blutspenden knapp werden, die Regale leer sind und auch sonst die große Katastrophe droht.

    www.tagesschau.de/inland/blutspende-mangel-101.html

    Unter der Frage "Wer darf spenden und wie oft?" klärt die ARD dann auf:

    "Spenden darf in Deutschland jeder zwischen 18 und 68 Jahren. Ausnahmen gibt es zum Beispiel im Falle bestimmter Erkrankungen, während einer Schwangerschaft oder nach Reisen in bestimmte Gebiete, in denen die Ansteckungen mit Krankheiten wie etwa Malaria droht. Auch nach einer Corona-Infektion darf erst zwei Wochen nach der Genesung Blut gespendet werden."

    Geschickt vergessen die Tatsache, das auch MSM nachwievor nicht wirklich gewollt sind.

    Absicht oder Zufall, man weiß es nicht.
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#2 AtreusEhemaliges Profil
  • 14.06.2022, 12:55h
  • Ich werde einen Dreck tun, als Zwangsschlachtung herzuhalten, weil die Reserven auf einem dramatischen Tiefststand sind und die Krone des Blutes, heterosexuelle Menschen, keine Lust mehr haben, die Bestände zu füllen und bis zu diesem Tag mehrheitlich ihrerseits einen Dreck dafür getan haben, Diskriminierung in der Blutspende zu beenden. Wer nunmehr 37 Jahre mein Blut willkürlich für unwert befunden hat, darf die nächsten 37 Jahre auch gerne darauf verzichten.
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#3 AtreusEhemaliges Profil
#4 AnonymAnonym
  • 14.06.2022, 14:34h
  • Seit Jahren lese ich immer die selben Forderungen.
    Getan hat sich wenig bis nichts.
    Derweil ist mir das Thema irgendwie garnicht mehr so wichtig - offen gesagt die letzten Jahre haben mich dermaßen entsolidarisiert das ich dieser queerfeindlichen Gesellschafft einfach kein Blut oder Organe mehr spenden möchte.
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#5 LorenProfil
#6 Ith_Anonym
  • 14.06.2022, 17:26h
  • Antwort auf #1 von SpudiBlu
  • Ich glaube, es ist Faulheit. Irgendwer müsste dazu verdonnert werden, in einem unverständlich und trocken geschriebenen 70+-Seiten-Dokument den aktuellen Stand nachzuschlagen, um sicherzugehen. Und weil ein großer Zweck von Medizinersprech darauf abzielt, das Machtgefälle zwischen ärztlichem Personal und Patient*innen zu manifestieren, braucht man derart viele Nerven, um sich durch diese Dutzenden von Seiten zu quälen, dass man nichtmal kaffeekochende Praktikant*innen dazu bekommt. Stattdessen wird lieber zitiert, was irgendeine Person gesagt hat, der damit auch die Verantwortung für das Gesagte überlassen wird, ohne dass man etwas nachlesen bräuchte. Oder das Thema wird komplett weggelassen und es wird darauf hofft, dass es niemandem auffällt.
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#7 ChrissAnonym
  • 14.06.2022, 17:44h
  • Antwort auf #5 von Loren
  • Die Untersuchungen der Spenden bieten keine 100 %ige Sicherheit, weshalb trotz der Tests Risikofaktoren abgefragt werden. So sind z.B. einige Krankheiten erst nach mehreren Monaten per Test im Blut nachweisbar, aber trotzdem vorher schon übertragbar.
    Dass homosexuelle Männer aktuell noch als RIsikogruppe zählen, hängt damit zusammen, dass man ihnen aus historischen Gründen zum einen häufiger wechselnende Partner unterstellt, zum anderen Analverkehr ein deutlich höheres Ansteckungspotential bietet als Vaginalverkehr.

    Eine gezielte Abfrage, mit wie vielen Partnern in den letzten 12 Monaten ungeschützter Verkehr stattgefunden hat, vielleicht noch ob oral, anal und/oder vaginal würde zu einer deutlich besseren Risikoeinschätzung kommen als die bloße Frage nach der sexuellen Orientierung. Und wäre zudem deutlich weniger diskriminierend.

    Es gibt aber Stimmen, die sagen, solche Fragen wären zumutend oder würden nicht wahrheitsgemäß beantwortet.
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#8 StaffelbergblickAnonym
  • 14.06.2022, 18:37h
  • gut ... wir haben eine Einigung ... gespendet wird nicht. Aber im worst case mit massiver Blutung ins Krankenhaus eingeliefert zu werden .... wer hat dann seine Ablehnung jeglicher Bluttransfusionen dabei??? Denn zuletzt könnte es ja noch sein, dass unwissende Mediziner einem Blut ranhängen, womöglich von einem AFDler gespendet????
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#9 maybemeAnonym
  • 14.06.2022, 18:37h
  • Antwort auf #7 von Chriss
  • Ja, wer nicht trans ist, dem kann man solche Fragen halt nicht zumuten, ist doch bekannt. (Sorry, wenn ich hier mit Kritik am TSG kommen, in einem komplett nicht bezogenen Thema, aber die Vorlage mit dem "zumuten" war einfach zu groß)
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#10 LanaAnonym
  • 14.06.2022, 19:01h
  • Antwort auf #3 von Atreus
  • Na dann kann die unsoledarische Gesellschaft ja nur hoffen das du nie in die Verlegenheit auf eine Blutspende/Organspende angewiesen zu sein, die würdest du nämlich dann bekommen.
    Obwohl du dicj meiner Meinung nach durch deine Gehabe hier im Forum aus menschlicher absolut disqualifizierst, auch nur etwas Fürsorge durch die Gesellschaft empfangen zu dürfen.

    Aber deine ekelhaften Kommentare wird man dir im Notfall, zum Glück für dich , ja nicht an der Nasenspitze ablesen können.
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