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Gerichtsentscheid

Verfolgung texanischer trans Kinder erneut gestoppt

Untersuchungen, wonach texanische Eltern ihre transgeschlechtlichen Kinder "misshandeln", wenn sie etwa Hormongaben zustimmen, sind mal wieder gestoppt. Doch ob das so bleibt, steht weiter auf der Kippe.


Dieses Make-up kann in Texas dazu führen, dass das Jugendamt zuhause anklopft (Bild: kylewilliamurban / unsplash)
  • 15. Juni 2022, 07:16h - 4 Min.

Zum zweiten Mal hat ein Gericht in Texas Untersuchungen gegen die Eltern transgeschlechtlicher Kinder vorläufig gestoppt. Die Fälle von drei Familien waren dem Gericht dazu im Rahmen einer Verbandsklage vorgelegt worden.

Seit einer Direktive des republikanischen texanischen Gouverneurs Greg Abbott von Februar diesen Jahres hatte das texanische Department of Family and Protective Services, das sich in etwa mit deutschen Jugendämtern vergleichen lässt, Verfahren gegen die Eltern mehrerer transgeschlechtlicher Kinder eröffnet.

Juristisches Hin und Her

Der Grund: Abbott und sein Justizminister hatten die Definition von Kindesmisshandlung ("child abuse") einfach so geändert, dass geschlechtsaffirmierende medizinische Behandlungen von Jugendlichen von da an als solche zu gelten hatten (queer.de berichtete).

Zuvor hatte eine Fraktion innerhalb der republikanischen Partei versucht, dies per Gesetz durchzusetzen. Nur eine eigene Mehrheit fand der dazu eingereichte Entwurf nicht. Schließlich setzte Abbott, dem Ambitionen auf die republikanische Präsident*innenschaftskandidatur nachgesagt werden, die Änderung per rechtlich nicht bindender Direktive durch – und die Jugendämter folgten. Ob der erneute Stopp Bestand haben wird, ist noch unklar.

In der Vergangenheit hatte schon ein mal ein Gericht die Untersuchungen gestoppt (queer.de berichtete). Ein weiteres Gericht, der oberste Gerichtshof des Staates Texas, hatte den Stopp der Praxis gegenüber den Kläger*innen dann zwar bestätigt, ihn gegenüber allen anderen Familien und Ärzt*innen aber im Prinzip erlaubt (queer.de berichtete).

Die jetzige Verbandsklage wurde von der LGBTI-Organisation PFLAG, Lambda Legal sowie der American Civil Rights Union unterstützt beziehungsweise eingereicht.

Doch auch der neue Gerichtsentscheid stellt kein generelles Verbot der Untersuchungen oder eine Revision der veränderten Definition von Kindesmisshandlung dar. Verboten ist es nur, solche Untersuchungen gegen Mitglieder des Verbands PFLAG durchzuführen. In Texas sollen das gegenwärtig 600 Personen sein. Und: Ob dieses Verbot Bestand haben wird, wird am 21. Juni in einer weiteren Entscheidung bekannt gegeben.

Brian Bond, ausführender Direktor des nationalen PFLAG-Verbands, in dem sich seit Jahrzehnten LGBTI und ihre Familienangehörigen organisieren, sagte zum Erfolg vor Gericht: "Dass texanische Familien vor invasiven, unnötigen und nervenaufreibenden Untersuchungen durch die Jugendämter geschützt sein werden, die einfach nur deswegen durchgeführt werden, weil sie ihren transgeschlechtlichen Kindern helfen, zu wachsen und sie selbst zu sein, ist eine sehr gute Sache." Gleichwohl hätten die Untersuchungen natürlich von Anfang an nie stattfinden sollen, sagte er.

Nach Suizidversuch denunziert

Mit dem Öffentlichwerden der Klage war auch der Fall des 16-jährigen Jungen Antonio Voe bekannt geworden, der in der Klageschrift aufgegriffen worden ist. Voe hatte am Tag von Abbotts Direktive versucht, sich das Leben zu nehmen (queer.de berichtete). Weitere Gründe sollen die allgemeine, transfeindliche gesellschaftliche Stimmung und die Tatsache gewesen sein, dass der Junge in der Schule misgendert wurde.

Als er nach einer Notrettung im Krankenhaus schließlich in eine psychiatrische Abteilung verlegt worden war, stellten Mitarbeiter*innen dort die ärztlich verschriebene Hormontherapie fest. In der Folge suchte ein*e Mitarbeiter*in des Jugendamts die Familie zuhause auf und eröffnete der Mutter, dass sie der Kindesmisshandlung verdächtigt würde. Dadurch erfuhr sie auch, dass die Psychiatriemitarbeiter*innen sie nach der Einlieferung ihres Sohnes denunziert hatten.

Wegen des Vorgehens der republikanisch geführten Bundesstaaten gegen transgeschlechtliche Kinder, Jugendliche, ihre Familien und Ärzt*innen müssen in den USA mehr als 54.000 Kinder und Jugendliche um ihre geschlechtsaffirmierende, medizinische Behandlung bangen. Das ergab eine entsprechende Zählung im März (queer.de berichtete). (jk)

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