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Pressekonferenz in Kopenhagen

WHO: CSDs können trotz Affenpocken stattfinden

Europa sei weiter "Epizentrum" der Affenpocken-Ausbreitung, so die Weltgesundheitsorganisation. Absagen von Massenveranstaltungen seien aber nicht notwendig.


Die Fahne der in Genf ansässigen UN-Organisation WHO (Bild: United States Mission Geneva)

Europa ist nach Einschätzung der Weltgesundheits­organisation (WHO) der Knotenpunkt der gegenwärtigen Affenpocken-Infektionen. "Europa bleibt das Epizentrum dieser sich weiter ausbreitenden Welle", sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Kopenhagen. Aus 25 Ländern der Region seien insgesamt mehr als 1.500 Affenpocken-Fälle gemeldet worden. Dies seien 85 Prozent aller aktuellen Fälle weltweit.

Die WHO-Region Europa besteht aus 53 Ländern. Dazu gehören auch mehre Staaten in Zentralasien.

Die Eindämmung der Übertragung der Affenpocken habe nun oberste Priorität, hieß es von der WHO Europa. "Das Ausmaß dieser Epidemie stellt ein reales Risiko dar", warnte Kluge. Je mehr und länger das Virus zirkuliere, desto stärker setze es sich in Ländern fest, in dem es bislang nicht endemisch ist, also üblicherweise nicht vorkommt.

Die Affenpocken sind seit 1970 bekannt und kommen üblicherweise in Zentral- und Westafrika vor. Von den mehr als 1.600 aktuellen Fällen weltweit sind aber außer Europa auch Länder und Regionen wie Nord- und Südamerika, Australien und der Nahe Osten betroffen.

Überwiegend MSM betroffen

Kluge bestätigte, dass von den Affenpocken derzeit überwiegend Männer betroffen seien, die Sex mit Männern hätten (MSM). Zugleich warnte er vor einer Stigmatisierung von Schwulen und Bisexuellen. Der Affenpocken-Erreger hänge "nicht an sich mit einer speziellen Gruppe" zusammen. Der im Gesundheitswesen häufig verwendete MSM-Begriff beschreibt nicht unbedingt eine sexuelle Übertragung, sondern auch eine engere und zugleich internationale Community.

Der WHO-Europa-Chef warnte vor einer weiteren Zunahme der Infektionen während des Sommers, in dem es "Tourismus, verschiedene Pride-Veranstaltungen, Musik-Festivals und andere Massenveranstaltungen in der Region" gebe. Dabei handele es sich um "wirkungsvolle Gelegenheiten" für das Affenpocken-Virus, um "junge, sexuell aktive und hochmobile Leute" zu befallen.

Verbotsforderung ein Vorwand von queerfeindlichen Kreisen

Die Veranstaltungen müssten aber nicht wegen der Affenpocken abgesagt werden, sagte Kluge. Steve Taylor, der Leiter das paneuropäischen LGBTI-Dachverbandes ILGA-Europe, begrüßte diese Haltung bei der Pressekonferenz. Einige Menschen, die "gegen Gleichberechtigung und Menschenrechte" seien, sähen in den Affenpocken einen Vorwand, die rund 750 geplanten Pride-Veranstaltungen zu verbieten, kritisierte er.

Twitter / WHO_Europe
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Die WHO in Genf hatte am Dienstag mitgeteilt, Ende kommender Woche die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands wegen der Affenpocken zu prüfen. Außerdem denkt sie darüber nach, der Krankheit einen neuen "nicht stigmatisierenden" Namen zu geben.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) seit vergangener Woche für Teile der queeren Community eine Impfung mit einem Pockenimpfstoff (queer.de berichtete). Eine entsprechende Verteilung an Ärzte ist allerdings noch nicht gestartet. Die EU hat sich rund 110.000 solcher Impfdosen gesichert (queer.de berichtete). (AFP/dk)



#1 Pic_Anonym
  • 16.06.2022, 00:02h
  • Mich schockiert, dass eine solche Mitteilung erfolgt. Darin liegt ja bereits die Annahme, dass Personen auf CSD Veranstaltungen potentiell ansteckend(er) sind als auf einem landesüblichen Volksfest. Und umgekehrt kann diese Stellungnahme von LGBTQfeindlicher Position dazu verwendet werden, die Who zu deligitimieren. Beides ganz üble Ideen. Mir wäre es lieber gewesen, hätte man die entsprechenden Befürchtungen einfach als unsinnig abgetan.
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#2 KuliAnonym
  • 16.06.2022, 09:57h
  • Antwort auf #1 von Pic_
  • Ja oder das man das allgemein auf Großveranstaltungen bezieht. Das man sagt, für Absagen von Großveranstaltungen gibt es derzeit keinen Anlass.
    Das man CSDs gesondert hervorhebt, ist schon der Fehler.
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#3 PiakAnonym
  • 16.06.2022, 14:11h
  • Wieso Fehler, betrifft ja tatsächlich auch nur CSD's und vergleichbare Veranstaltungen mit erhöhtem MSM-Aufkommen? Weniger Ideologie und mehr Tatsachen würden manchmal weiterhelfen. Würde sich das Virus auch außerhalb der MSM-Community so verbreiten, wäre die Meldung entsprechend angepasst.
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#4 RelationenAnonym
  • 16.06.2022, 15:38h
  • Antwort auf #3 von Piak
  • Nein. MSM sollen sich, weil die ersten Fälle überwiegend bei uns auftraten, selber mehr beobachten wenn es körperliche Veränderungen, bzw. bestimmte Symptome gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist momentan noch höher dass es Schwule oder Bisexuelle trifft, was nicht bedeutet das Heteros davor immun sind und es bedeutet auch nicht, das jeder Schwuler und Bisexuelle ein höheres Risiko trägt als jeder Hetero.
    Mittlerweile sind übrigens auch Frauen und Kinder betroffen. Selbst wenn das in Deutschland noch nicht der Fall sein sollte, im europäischen Ausland durchaus.
    Es ist halt ein dynamisches Geschehen und wenn es nötig werden sollte große Veranstaltungen abzusagen, wird dies flächendeckend geschehen und nicht nur CSDs. Denn wenn sowas nötig ist, dann zirkuliert es schon arg und dann bringt es nichts nur einseitig zu agieren. Da ist das Technofest und alle Feste auf denen man auch mal enger tanzt, nicht sicherer als ein CSD.
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#5 Why notAnonym
  • 16.06.2022, 16:07h
  • Wirkung der Bericht Erstattung bzw des wording durch RKI, Bild und co.
    Gestern Abend gegenüber in der Kneipe:
    "Die schwulen alle ins KZ"
    "Affenpocken kommt vom affenpoppen"
    "Zuerst HIV dann Corona dann Affenpocken alle schwuchteln einfach ausrotten"
    "Wenn ich sowas sehe das ist einfach kein Mann das machen die Russen schon richtig"
    "Eines muss man den Arabern lassen die handeln schon richtig bei der lgtbtiqabc gaga Seuche"
    "Das war ja schon bei AIDS so das die Schwuletten es eingeschleppt haben"
    "Wenn es jetzt die Kinder trifft bring ich so eine schwule Sau um"
    "Wenn ich so eine schwulen Demo sehe fahr ich mit dem Auto rein, links und rechts fliegen die dann weg, danach nochmal in den Rückwärtsgang "
    ...
    Wirt und einige andere Gäste stimmten zu ein paar gingen wohl deswegen.
    Es wurde viel gelacht.

    Ursache und Folge?

    Anmerkung:
    Nein ich gehe nicht in diese Kneipe sie ist nur nebenan.
    Der Wirt hat selbst Migrationshintergrund aber lachte herzlich mit.
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#6 Martin ChrisAnonym
  • 18.06.2022, 12:33h
  • Wie lieb uns die bürgerliche Gesellschaft doch hat! Sie toleriert unsere Krankheiten und unseren Tod.

    Querdenken ist jetzt offiziell wieder links, da sich derzeit in Europa überwiegend nur wir Männer, die Sex mit Männern haben, mit dem Affenpockenvirus infizieren. Und Menschen in Afrika. Also Menschen, die in der bürgerlichen Gesellschaft ohnehin als minderwertig gelten. Deshalb gilt es nun als "homophob", diese Gruppen vor Infektionen schützen zu wollen, durch Verbote von Massenevents. Damit wir später auch als Sündenböcke verantwortlich gemacht werden können, wenn Karneval verboten werden muss.

    Gestern war Querdenken rechts - heute soll es "links" sein. Weil es ja gar nicht darum geht, nicht zu diskriminieren (Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit nicht anders zu behandeln), sondern nur darum, nicht als diskriminierend wahrgenommen zu werden. Und dafür muss man heute Menschen diskriminieren, um dazu zu gehören. Heterosexuelle und weiße Leben werden geschützt - schwule Leben und schwarze Leben nicht. Wer das unfair findet, gilt als "homophob".

    Während der HIV-Pandemie hat man auch schon repressive "Toleranz" gezeigt und Menschen zu Tode "toleriert, indem man Bareback-Parties erlaubt hat. Auch da sind Schwule tatsächlich diskriminiert worden - denn wenn AIDS damals in Europa das Leben heterosexueller Menschen im gleicher Anzahl gefährdet hätte, wären diese Parties selbstverständlich verboten worden. Aber es sind ja "nur" Leute von uns daran gestorben. Hinter der Fassade bürgerlicher Toleranz verbirgt sich Hass. Und wir wehren uns zu selten dagegen.

    Die Opfer waren damals andere Schwule, Sexarbeiter:innen und andere Menschen, die sich oft aus Armut gar nicht immer mit Kondomen schützen konnten. Auch in Afrika gab es Menschen, die gar keinen Zugang zu Kondomen hatten. Auch deren Leben galten als minderwertig. Wie unsere.

    Man hat repressive, falsche, rechte Toleranz walten lassen gegenüber der sozialdarwinistischen, "natürlichen" Selektion von Schwächeren. Da sieht man eben, dass doch nicht alle Menschen gleichberechtigt sind. Aber die Schwächeren wehren sich oft gar nicht gegen ihre eigene Diskriminierung in einem autoritären Diskursklima.

    Es ist natürlich sehr wichtig, ausgerechnet JETZT den CSD als Massenveranstaltung mit engem Körperkontakt zu tolerieren - denn so wird man später sagen können, die Schwulen hätten das Virus in die Hetero-Welt gebracht. Natürlich wird man uns die Schuld daran geben. Und nicht dieser politischen Inkompetenz. Am besten, erlaubt doch gleich den CSD, um nicht "homophob" zu sein, und verbietet aber später Karneval und andere Massenveranstaltungen. Dann wird man uns Schwulen nämlich ganz sicher die Schuld an der Ausbreitung des Affenpockenvirus geben.

    Es wird doch darauf hinauslaufen, dass jetzt am Anfang der Pandemie der CSD erlaubt wird - und später, wenn sie die Affenpocken weiter ausgebreitet haben, wird Karneval verboten. So wird die Saat für Schwulenhetze schon jetzt gelegt. Natürlich nicht vorsätzlich - aber durch eine Mischung aus Dummheit und dem Wunsch, keine unpopulären Entscheidungen durchsetzen zu müssen. Den Wunsch, nicht von idiotischen Massen kritisiert zu werden, gibt es wohl auch bei der WHO.

    Was denn nun? Ist Pandemiebekämpfung links oder rechts? Oder fällt den Leuten der Widerspruch schon überhaupt nicht mehr auf?
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