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Wut-Post auf Facebook

Hetero Schauspieler sieht sich "kommender, wachsender Diskriminierung ausgeliefert"

Matthias Brenner, bekannt als Rechtsmediziner Dr. Katzmann aus dem Bremer "Tatort", behauptet, ein anonymer Kollege hätte als Hetero eine schwule Rolle im "Polizeianruf 110" nicht bekommen.


Als Rechtsmediziner Dr. Katzmann ist Matthias Brenner seit 2010 festes Mitglied im Bremer "Tatort"-Ensemble. Ebenso lang ist er Intendant des Neuen Theaters in Halle (Bild: Radio Bremen / Michael Ihle)

Über seine Karriere kann Matthias Brenner eigentlich nicht meckern. Seit 2010 ist der 64-jährige Schauspieler Intendant des Neuen Theaters in Halle, ebenso lang spielt er den Rechtsmediziner Dr. Katzmann im "Tatort" aus Bremen, und als Otto war er sogar im Kinofilm "Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse" zu sehen. Dass Brenner ein weißer und cis-männlicher Frauenliebhaber ist, hat auf dem Weg nach oben sicher nicht geschadet. Doch nun wittert er eine große Bedrohung: "Ich sehe mich als HeteroSexueller einer kommenden, wachsenden Diskriminierung ausgeliefert!", empört sich Brenner in einem wütenden Facebook-Post.

Gerade erfahre ich, dass ein Kollege im öffentlich rechtlichem Fernsehen eine Rolle nicht erhält, da er eben diese als...

Posted by Matthias Brenner on Sunday, June 12, 2022
Facebook / Matthias
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Was ist geschehen? Wird Katzmann im "Tatort" durch eine junge lesbische Ärztin ersetzt? Leitet künftig ein nichtbinäres Regietalent das Schauspiel in Halle? Nein, in dem Wut-Post vom 12. Juni geht es überhaupt nicht um Brenner selbst, sondern um einen namentlich nicht genannten Schauspielkollegen. "Gerade erfahre ich, dass ein Kollege im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Rolle nicht erhält, da er eben diese als Nicht-Homosexueller nicht spielen dürfe", schreibt der 64-Jährige. "Es sei denn, er würde sich seiner Agentur gegenüber als homosexuell oder bisexuell deklarieren."

Den Namen des Schauspielers will Brenner auch auf Nachfrage nicht nennen, "da ich die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten in jedem Fall zu wahren für mich verpflichtet bin", wie er in einem Kommentar darlegte.

"Bild" kämpft für Heteros

Der "Casting-Skandal" und die "schweren Vorwürfe" gegen die ARD haben natürlich bereits die "Bild"-Zeitung (Bezahlartikel) auf den Plan gerufen. Der verriet der "Tatort"-Darsteller, dass es sich um eine schwule Rolle im "Polizeiruf 110" handele, die sein anonymer hetero Kollege nicht bekommen habe.

Dem Boulevardblatt stellte er als "Beweis" einen Screenshot einer angeblichen Chatnachricht des abgelehnten Schauspielers zur Verfügung. "Weil ernsthaft die Redakteure die Produzenten gefragt haben, ob ich denn homosexuell sei", schreibt darin der Unbekannte. Die Produzentin habe ihm geraten, künftig einfach zu behaupten, er sei "omnisexuell" und nicht verheiratet, um problemlos eine Rolle, für die er gecastet wurde, auch tatsächlich zu bekommen.


Brenners Screenshot aus dem Chat mit dem angeblichen Kollegen

Ob diese Darstellung stimmt, wissen nur die beteiligten Personen. Die ARD-Pressestelle erklärte gegenüber "Bild", dass sie von einem solchen Vorfall "keine Kenntnis" habe. Grundsätzlich gelte für alle ARD-Sender, "dass die sexuelle Orientierung bei Castings und Besetzungsentscheidungen keine Rolle spielen darf". So war er selbst bei der schwulen Serie "All You Need", wie Regisseur Benjamin Gutsche und Produzentin Nataly Kudiabor letztes Jahr im QUEERKRAM-Podcast erzählten.

Brenner droht Queers mit Liebesentzug

Bei Matthias Bremer sind aufgrund des unbestätigten Vorwurfs jedoch alle Sicherungen geplatzt. In seinem Facebook-Post vergreift er sich heftig im Ton, assoziert Homosexualität mit der Vergewaltigung von Tieren, wittert gar "sexuelle 'Ahnenpässe'" und fordert: "Wehret diesen irrwitzigen Anfängen!"

Der LGBTI-Community droht er außerdem mit Liebesentzug: "Bis jetzt hatte ich zu meinen homosexuell orientierten Spielgefährtinnen und Spielgefährten von Kindesbeinen an keinerlei Probleme", schreibt der Intendant in seinem Facebook-Post. Ihren Kampf gegen Diskriminierung habe er immer unterstützt. Gleichberechtigung heiße jedoch nicht, die Ausgrenzung "anzugleichen", so Brenner. "Stellt den Öffentlich-Rechtlichen die Frage nach Toleranz und Vielfalt! Verweigert sexuelle 'Ahnenpässe', um gesellschaftlich als 'politisch korrekt' und rollentauglich oder eben auch rollenberechtigt zu gelten."

Was Brenner offenbar nicht weiß: Die Forderung, dass homosexuelle Rollen nur von lesbischen und schwulen Schauspieler*innen gespielt werden dürfen, wird in Deutschland – anders als von rechten Medien oft behauptet – von keinem einzigen queeren Verband erhoben. Auch im #ActOut-Manifest der 185 queeren Schauspieler*innen findet sich dazu kein einziges Wort. Ganz im Gegenteil heißt es dort: "Wir sind Schauspieler*innen. Wir müssen nicht sein, was wir spielen. Wir spielen, als wären wir es – das ist unser Beruf."

Anders als Matthias Brenner erfahren queere Kolleg*innen jedoch bis heute reale berufliche Nachteile, wenn sie sich outen. "Bislang wird behauptet, dass, wenn wir gewisse Facetten unserer Identität, nämlich unsere sexuelle sowie Geschlechtsidentität offenlegten, wir mit einem Mal bestimmte Figuren und Beziehungen nicht mehr darstellen könnten", heißt es im #ActOut-Papier. "Als wäre deren Sichtbarkeit unvereinbar mit unserer Fähigkeit, Rollen überzeugend und glaubhaft für das Publikum zu verkörpern."

Bei der Veröffentlichung des Manifests im Februar 2021 im SZ-Magazin blieb Matthias Brenner übrigens stumm. Auch auf seiner Facebook-Seite gab es damals kein einziges Wort der Unterstützung von ihm zu lesen.

-w-

#1 nichtbinärePersonAnonym
  • 16.06.2022, 07:25h
  • Oh ja, die armen Heteros. Sie müssen damit klarkommen, dass sie nicht mehr alleine maßgeblich sind. Kürzlich titelte der Deutschlandfunk Kultur sehr nett: "Männer sind nicht mehr Mittelpunkt der Welt". Nun sind es nicht mal mehr die Hetero-Männer. Dieser herbe Privilegienverlust ist natürlich mindestens mit dem Untergang des Abendlandes vergleichbar.

    Erstens möchte ich dem netten Herrn mal eben locker zurufen: "Stellen Sie sich mal nicht so an, es gibt immerhin Wichtigeres/ Schlimmeres. Außerdem müssen Sie halt eine gewisse Resilienz entwickeln. Schließlich können Sie sich nicht ständig so in den Vordergrund spielen." (Kommt uns das irgendwie bekannt vor?)

    Zweitens, wie abgefahren muss man eigentlich sein, wenn man bei jeder Gelegenheit an Tiervergewaltigungen denkt? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

    Drittens, wie meinen Sie das jetzt mit den Ahnenpässen? Soll das am End' mit den dunkelsten Zeiten deutscher Geschichte zu tun haben? Sie vergleichen ernsthaft die Verfolgung und Ermordung von Millionen von Juden mit der Tatsache, dass mal ein Schauspieler eine Rolle nicht bekommt (was Sie sich vielleicht ohnehin nur ausgedacht haben, um Aufmerksamkeit zu erregen)? Geht's Ihnen noch gut?

    Nun denn, Kommen Sie mal runter. Und wie gesagt: Stellen Sie sich nicht so an. Alles halb so wild. Und was wollen Sie denn eigentlich NOCH? Sie dürfen doch sogar heiraten!

    (Disclaimer: Beitrag könnte an der einen oder anderen Stelle Ironie enthalten.)
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#2 Schon
  • 16.06.2022, 07:43hFürth
  • Wir handhaben anonyme "Texte" bei uns im Wohnhaus so: wir werfen sie weg.
    Wer nicht bereit ist, mit seinen Namen als Ansprechpartner für Rückfragen oder Diskussion bereit zu stehen, braucht keine Zettelchen zu schreiben.

    Mit dem Konstrukt, sich für einen anonymen Kollegen aufzuregen, schafft er die Situation, haltlos austeilen zu können und sich bei Gegenfragen immer wieder hinter seinen anonymen Bekannten verstecken zu können.
    Das ist menschlich lausig und enttäuschend.
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#3 TonikAnonym
  • 16.06.2022, 08:11h
  • Ich finde das Foto zum Artikel sehr gut gewählt!
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