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Serienfinale
Victor entdeckt Dating-Apps und unverbindlichen Sex
In der dritten und letzten Staffel von "Love, Victor" wird die Welt des jungen Protagonisten immer queerer. Alle Kreise schließen sich, und man kann von dieser liebenswürdigen Serie glücklich Abschied nehmen.

Michael Cimino spielt den schwulen Schüler Victor (Bild: Disney+)
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17. Juni 2022, 02:46h 3 Min.
Mit einem kleinen Cliffhanger endete vergangenes Jahr die zweite Staffel von "Love, Victor": Am Ende klingelte der (wie so oft) von großen Emotionen aufgewühlte Victor (Michael Cimino) vor der Tür eines Jungen – und man wusste nicht, ob sein Freund Benji (George Sear) öffnen würde, der eigentlich eine Beziehungspause angesetzt hatte, oder doch Mitschüler Rahim (Anthony Keyvan), gegen dessen unerwarteten Kuss er eigentlich nichts einzuwenden hatte.
Mit der dritten und letzten Staffel, die nun bei Disney+ gestartet ist, klärt sich diese Frage natürlich gleich in den ersten Momenten, doch das heißt nicht, dass damit endlich Ruhe und Klarheit in Victors Gefühlshaushalt einziehen. So viel sei an dieser Stelle verraten: Benji spielt – als erste große Liebe – in Victors Leben weiterhin dauerhaft eine große Rolle, ganz unabhängig vom sich immer wieder ändernden Beziehungsstatus der beiden. Und auch Rahim bleibt eine Präsenz. Doch es gibt tatsächlich noch ein paar mehr schwule Jungs am Stadtrand von Atlanta, und mindestens einen davon lernt unser Highschool-Titelheld sogar durch Vermittlung der eigenen Eltern kennen, die sich dann doch ganz gut eingefunden haben in das Dasein als Straight Allies.
Auch in anderen alten und neuen Beziehungen gilt es größere und kleinere Krisen zu meistern, ob für Victors Schwester Pilar (Isabelle Ferreira), für die die Sache mit Nachbar Felix (Anthony Turpel) doch was Ernstes ist, für Mia (Rachel Hilson) und Andrew (Mason Gooding) oder auch für Lake (Bebe Wood), die – frisch verlassen von Felix – bald realisiert, dass sie in ihrer sexuellen Identität womöglich nicht ganz so gefestigt ist wie gedacht.
Eine zuckrig-süße RomCom-Phantasie

Alle Staffeln von "Love, Victor" können in Deutschland auf Disney+ gestreamt werden
Zu sehen, wie Victors Welt in der dritten Staffel immer queerer wird, ist höchst erfreulich, und viele der schönsten Momente in diesen acht neuen Folgen sind solche, in denen er all die Dinge entdeckt und ausprobiert, die eben auch zu schwulem Alltag dazugehören können – von Dating Apps über unverbindlichen Sex bis hin zur Angst vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Und Rahim bringt als Figur noch ein paar neue Facetten von Queerness mit in die Serie, sei es durch seinen muslimischen Hintergrund oder auch die Tatsache, dass er – der deutlich weniger "straight-passing" ist – ganz anders homophoben Anfeindungen ausgesetzt ist.
Trotz all dem bleibt "Love, Victor" natürlich weiterhin eine eher zuckrig-süße, ziemlich züchtige RomCom-Phantasie, der es nicht allzu sehr um Realismus geht. Dieses Mal fallen die Schwächen ein wenig mehr auf als bislang, die Künstlichkeit der Dialoge etwa oder auch die Überdramatisierung (und dann viel zu schnelle Abwicklung) mancher Konflikte. Und dass viel zu viele der Nebenhandlungsstränge, die mit Victors Erfahrungswelt kaum noch etwas zu tun haben, nicht sonderlich interessant sind, ist natürlich schade.
Am Ende, exakt ein Jahr, nachdem Victor seinen ersten Schultag an der Creekwood High hatte, schließen sich dann alle Kreise, nichts bleibt unaufgelöst und eigentlich auch kein Herz so wirklich gebrochen. So wirklich glaubwürdig ist auch das selbstverständlich nicht. Aber als Fan nimmt man dann doch recht glücklich Abschied von dieser liebenswürdigen Serie und den sympathischen, teilweise viel zu alt wirkenden Schauspieler*innen.
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Das finde ich schade. Ja, das mag eine persönliche Befindlichkeit sein. Aber gerade heutzutage sollten solche Klischees ggf. Überdacht werden.