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US-Abgeordnete
Marjorie Taylor Greene macht trans Menschen für Tamponknappheit verantwortlich
Die Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus macht regelmäßig mit mindestens so gefährlichen wie unterhaltsamen Statements auf sich aufmerksam. Nun widmete sie sich mal wieder der Transphobie.

Die Abgeordnete des Repräsentantenhauses Marjorie Taylor Greene ist wegen besonders kruder Statements berüchtigt (Bild: Gage Skidmore / wikipedia)
- 17. Juni 2022, 06:48h 4 Min.
Auf dem US-amerikanischen Markt herrscht Knappheit: Milchpulver für Babynahrung, Chips für die IT-Industrie, aber auch Tampons passieren die Lieferketten der Wirtschaft momentan nicht im selben Umfang wie gewohnt. Es gibt einfache Erklärungen dafür: Unter anderem die, dass die Materialien, die in Tampons stecken, seit 2 ½ Jahren auf der ganzen Welt auch zu Schutzmasken gegen das Coronavirus verwebt werden. Oder die, dass die herstellenden Konzerne wegen der Omikron-Welle Schwierigkeiten hatten, Krankheitsfälle zu kompensieren.
Doch mit solchen Erklärungen gibt sich die republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus, Marjorie Taylor Greene, nicht zufrieden. Bei einem Auftritt in einem Trump-freundlichen YouTube-Kanal machte sie transgeschlechtliche Menschen dafür verantwortlich, dass Frauen keine Tampons mehr in Supermarktregalen finden.
Krieg gegen Frauen
Das sei Teil eines "Kriegs gegen Frauen", der seit dem Antritt der Regierung von Joe Biden in den USA herrsche. Doch die feministische Vokabel nutzte Greene dabei nicht, um die fortdauernde patriarchale Gewalt gegen Frauen zu skandalisieren, sondern zu etwas anderem: "Du kannst kein Milchpulver für Mütter finden, beim Frauensport gibt es eine komplette Invasion, Männer haben alles übernommen, sie sind jetzt 'Frau des Jahres' in jeder Kategorie, in Frauenkategorien, und die aktuellste Neuigkeit ist, dass es eine Knappheit an Tampons gibt."
Das aber sei wahrscheinlich deshalb der Fall, weil "Männer jetzt Tampons kaufen". Sie sage die Wahrheit, man könne das auch selber überprüfen: "Schlagt es im Internet nach!" forderte sie mit Blick in die Kamera das Publikum auf: "Alles im Internet ist wahr".
Auf Nachfrage des Moderators, ob "beta males" jetzt Menstruationsprodukte kauften, versuchte Greene, ihre Äußerung zu spezifizieren, machte dadurch aber noch unklarer, was sie eigentlich meinte: "Nein. Sie platzieren Tampons auf Männertoiletten!" Wer "Sie" sind, erklärte Greene dabei wie gewohnt nicht. Doch während die erste Äußerung wegen der Aufzählung klang, als seien transgeschlechtliche Frauen gemeint, die Tampons nutzten, obwohl sie nicht menstruieren, scheint es in der zweiten um Männertoiletten zu gehen, in denen Menstruationsprodukte für transgeschlechtliche Männer ausliegen.
/ DavidEdwardsMarjorie Taylor Greene falsely claims the tampon shortage is "probably because men are buying tampons." pic.twitter.com/eJuV6jzLIm
David Edwards (@DavidEdwards) June 13, 2022
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Auf Twitter nachgeliefert
Ihre krude These spann Greene nach dem Auftritt vor Kameras dann noch wie gewohnt auf Twitter weiter. "Hat jemand mal in den Lagerhallen an der Grenze nachgesehen, wo das Pulver für Babymilch vom Boden bis an die Decke aufgestapelt liegt?" schrieb sie da in Anspielung daran, die Regierung würde US-amerikanische Familien beziehungsweise Mütter bei der Versorgung ihrer Kinder im Stich lassen, um die Babys und Kleinkinder von Migrant*innen zu ernähren. Vielleicht, so Greene, könne man dort ja auch die Tampons finden.
Einen Nachrichtenbeitrag zitierend, der über die gestörten Abläufe in den Lieferketten für die Tamponherstellung berichtet, fügte Greene zudem noch die Frage an: "Oder vielleicht in ein paar Männertoiletten? Anscheinend sind sie da ja verfügbar."
/ RepMTGPeople who menstruate cant find tampons.
Rep. Marjorie Taylor Greene (@RepMTG) June 14, 2022
Has anyone checked the warehouses at the border where all the baby formula is stocked floor to ceiling on shelves?
Or maybe some mens restrooms?
Apparently they are available there. https://t.co/q76NhRB1YE
Anfang des Monats erklärte Greene, die für ihre stets besonders abwegigen Verschwörungstheorien bekannt ist und zu einer der lautesten Unterstützer*innen der Wahlbetrugsbehauptungen zulasten des abgewählten Präsidenten Trump gehört, dass es in einigen Generationen keine heterosexuellen US-Amerikaner*innen mehr geben würde. Das läge daran, dass Kinder zu einem queeren Lebensstil "verführt" würden (queer.de berichtete). Dazu nutzte sie auch mit dem Wort "Grooming" eine Anspielung an pädosexuelle Übergriffe auf Kinder.
Doch diese Verführungsthese gegenüber transgeschlechtlichen Menschen ist viel weiter verbreitet als nur bei einigen herausragenden Verschwörungsideolog*innen. Einer kürzlich erhobenen, repräsentativen Befragung zufolge glauben etwa 63 Prozent der Wähler*innen der republikanischen Partei daran, dass es transgeschlechtliche US-Amerikaner*innen darauf abgesehen hätten, eigentlich cisgeschlechtliche Kinder trans zu machen (queer.de berichtete).
Dass Greene transgeschlechtliche Männer und Frauen nicht auseinander halten kann, kann indes kaum verwundern. Im März beschimpfte sie den schwulen Verkehrsminister Pete Buttigieg und dessen Ehemann. Dazu nutzte die Abgeordnete allerdings eine auf Transgeschlechtlichkeit abhebende Formulierung, wonach diese versuchen würden, Zugang zu "Mädchentoiletten" zu erhalten (queer.de berichtete). Und im Februar verwechselte sie bei einer Tirade zur Verfolgung der Putschist*innen vom 6. Januar 2021 vor laufenden Kameras die Geheimpolizei der Nazis, die Gestapo, mit einer spanischen Suppe: Gazpacho (queer.de berichtete). (jk)













