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Ups!
RTL distanziert sich vom "Viva la Diva"-Gewinner
Die erste Folge der queeren Unterhaltungssendung führte zu einiger Kritik. Immerhin: In der Zielgruppe lag RTL mit der Sendung knapp vorne.

Für "Viva la Diva" schlüpften sieben Heteros in Highheels und Korsetts (Bild: RTL)
- 21. Juni 2022, 08:22h 4 Min.
Das neue RTL-Format "Viva la Diva – Wer ist die Queen?" hat gleich in seiner ersten Folge den Kölner Privatsender zu einer Distanzierung genötigt: RTL veröffentlichte nach der Ausstrahlung am Montagabend um 20.15 Uhr in sozialen Netzwerken eine Stellungnahme zu Komiker Faisal Kawusi, der in der Show von der Dragqueen-Jury als Sieger unter sechs Promis ausgewählt wurde. Kawusi hatte sich in "Viva la Diva" wie fünf andere Promis in Fummel geworfen; der 30-Jährige nahm in der Show den Drag-Namen Madame LaStrange an.
"Wir distanzieren uns von den Aussagen, die Faisal Kawusi im April auf Social Media getätigt hat", so RTL. "'Viva la Diva' wurde bereits im März 2022 aufgezeichnet. RTL steht für Vielfalt und Toleranz ein. Gemeinsam mit allen Beteiligten transportieren und feiern wir diese Botschaft im Rahmen der Show. Für Diskriminierung und Respektlosigkeit gibt es keinen Platz, da sind sich alle Beteiligten einig."
Hintergrund für die Distanzierung ist ein "Scherz" Kawusis über K.o.-Tropfen auf Instagram, den er an eine Youtuberin adressiert hatte ("Das nächste Mal werde ich dir die Dosis verstärken, versprochen"). Zunächst verteidigte er seine Aussagen ("Kunst hat keine Grenzen, hat es nie gegeben, wird es auch nie geben"), bevor er zurückruderte und um Entschuldigung bat.
Die Teilnahme Kawusis hatte in sozialen Netzwerken zu einiger Irritation geführt. "Da macht ihr so eine geile Show und dann überreicht Mario Barth Faisal Kawusi den Siegerpreis", empörte sich eine Twitter-Nutzerin. Ein anderer erklärte: "Moral von der Geschichte: Nie zu früh Sendungen aufzeichnen, sonst hast du am Ende ein Problem."
/ hiii_im_sarahDa macht ihr so eine geile Show und dann überreicht Mario Barth Faisal Kawusi den Siegerpreis. Am Ende ist und bleibt es RTL, nü. #VivaLaDiva
Sarah Pluis (@hiii_im_sarah) June 20, 2022
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Bei "Viva la Diva" warfen sich weitere Promis in Schale, deren Identität RTL bis zur Ausstrahlung geheim hielt. Dabei handelte es sich um Schlagerstar Bernhard Brink, "stern TV"-Moderator Steffen Hallaschka, Ballermann-Sänger Micky Krause, Moderator Ingo Mommsen und Fußballstar David Odonkor.
/ RTL_com | David Odonkor mit einem AppellWord. #VivaLaDiva pic.twitter.com/L7W9kzRo6w
RTL (@RTL_com) June 20, 2022
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Außerdem trat am Ende noch Mario Barth im Fummel auf, um als Olympia den Preis zu überreichen. Die Teilnahme des Berliner Komikers, der sich in der Vergangenheit wegen sexistischer Witze und "nebulösem Populismus" (Michael Mittermaier) verteidigen musste, wurde in sozialen Netzwerken angeregt diskutiert und teilweise kritisiert.
/ mariobarthWie hats euch gefallen? #vivaladiva pic.twitter.com/mhnIIbbat8
Mario Barth (@mariobarth) June 20, 2022
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RTL: "Gelungener Auftakt"
Aus Quotensicht war RTL mit der Show zufrieden. "Gelungener Auftakt", teilte der Sender am Dienstagmorgen mit. Die Show sei "der Konkurrenz in der jungen Zielgruppe gestern Abend einen bunten High Heel voraus" gewesen. Tatsächlich war "Viva la Diva" mit 670.000 Zuschauer*innen die drittmeistgesehene Sendung in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Nur die "Tagesschau" und das RTL-Vorläuferprogramm "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" hatten mehr junges Publikum. Der Marktanteil für die Drag-Show betrug bei den Jüngeren 12,0 Prozent – zum Vergleich: der RTL-Markanteil über das gesamte Jahr 2021 lag in dieser Gruppe bei 10,1 Prozent.
"Viva la Diva" gewann die TV-Primetime um 20.15 Uhr in der Zielgruppe gegen die gesamte Konkurrenz – knapp vor "Goodbye Deutschland! Die Auswanderer" auf Vox (650.000 Zuschauer*innen). Danach folgten "Amerikas beste Idee" im Ersten (570.000), "Gut gegen Nordwind" im ZDF (400.000), "Grey's Anatomy – Die jungen Ärzte" auf Pro Sieben (340.000), "111 abgefahrene Verkehrskracher!" auf Sat.1 (290.000) und "Indiana Jones und der Tempel des Todes" auf Kabel 1 (280.000).
Unter allen Zuschauer*innen lag "Viva la Diva" mit 1,94 Millionen Zuschauer*innen am Montag allerdings nur auf dem 20. Platz. Immerhin: Es war die drittbeste RTL-Sendung nach "RTL Aktuell" um 18.45 Uhr und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" um 19.40 Uhr. "Viva la Diva" erreichte einen Marktanteil von 7,9 Prozent (Marktanteil 2021: 7,2 Prozent).
In der Primetime lag die Drag-Show beim Gesamtpublikum auf Platz vier. "Viva la Diva" musste sich hier "Gut gegen Nordwind" im ZDF (3,32 Millionen), "Amerikas beste Idee" im Ersten (2,97 Millionen) und "Inspector Barnaby" auf ZDFneo (2,03 Millionen) geschlagen geben.
"Kurzweilige wie liebevolle Show"
In sozialen Medien und der TV-Kritik bescheinigten viele der Sendung einen hohen Unterhaltungswert. DWDL.de attestierte etwa: "Dass RTL eine ebenso kurzweilige wie liebevolle, mitunter gar für RTL-Verhältnisse progressive Drag-Show in der Primetime auf die Beine stellt, gehört gewiss zu den Fernsehüberraschungen dieses Jahres – Kawusi hin oder her."
Noch ist unklar, ob es weitere Folgen gibt. Die Sendung basiert auf einem niederländischen Konzept mit dem Titel "Make Up Your Mind". Nach einer Erstausstrahlung 2021 erwies sich die Show zwischen Amsterdam und Maastricht als so populär, dass in diesem Jahr fünf weitere Folgen im niederländischen Sender RTL 4 gezeigt wurden. Diese erreichten am Samstagabend im Schnitt eine Million Zuschauer*innen – und das in einem Land, das nur rund ein Fünftel der deutschen Bevölkerung hat. (dk)
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Sich vom einen Dödel zu distanzieren und dem eigenen Hausdödel in der gleichen Show eine Imagepolierung zu verpassen ist auf jeder Ebene eine dämliche Entscheidung gewesen,