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Neue Richtlinie

Schwimm- und Rugbyverbände schließen trans Frauen aus

Erst der Schwimm- und nun der Rugbyverband: Transgeschlechtliche Frauen werden fast vollständig aus dem Wettbewerbsbetrieb ausgegrenzt. Und: Weitere Sportarten könnten folgen.


Um den College-Meister*innenschaftensieg von Lia Thomas gab es heftige Diskussionen (Bild: Screenshot ABC News)

Der Internationale Schwimmverband (FINA) hat entschieden, transgeschlechtlichen Athlet*innen, deren Transition nach dem Beginn ihrer Pubertät stattgefunden hat, von Wettbewerben der Frauen auszuschließen.

Ein außerordentlicher Kongress am Rande der Schwimm-WM in Budapest hatte sich am Sonntag mit der Frage beschäftigt und die neue Regelung per Abstimmung beschlossen. Am Dienstag zog die International Rugby League nach und gab einen ähnlichen Beschluss für den eigenen Sport bekannt.

Strenge Nachweispflichten, dritte Wettkampfkategorie

Parallel zum Ausschluss der Schwimmer*innen, unter den transgeschlechtliche Frauen und nichtbinäre Personen fallen, gab der Schwimmverband bekannt, eine dritte, "offene" Wettbewerbskategorie schaffen zu wollen. In denen sollen dann trans- und intergeschlechtliche Athlet*innen antreten können, die nicht den neuen FINA-Regeln genügen. Fraglich ist, ob ein solcher Wettbewerb jemals zustande kommt. Eine Arbeitsgruppe innerhalb des Verbandes soll die Ausrichtung der Kategorie in den kommenden sechs Monaten erarbeiten.

Transgeschlechtlichen Athlet*innen, die bei Wettkämpfen der Frauen antreten wollen, soll es von nun an auferlegt sein, nachzuweisen, dass sie sich bei der vom körpereigenen Testosteron angestoßenen Pubertät nicht über ein bestimmtes Stadium hinaus entwickelt haben. Der Regelkatalog nennt dabei das sogenannte Tanner-Stadium 2. Das beschreibt das Wachstum erster Haare im Genitalbereich sowie der äußeren Genitalien. Spätestens dann müsste entsprechend der Regeln eine Hormontherapie durchgeführt werden, die das Testosteronniveau des Körpers senkt.

Dadurch stellt das auf das zweite Tanner-Stadium folgende Tanner-Stadium 3 praktisch das lebenslange Ausschlusskriterium an Wettbewerben dar, die nach den neuen Regeln der FINA ausgetragen werden. Und: Unabhängig von den Tanner-Stadien, von denen es fünf gibt, muss die Hormontherapie vor dem zwölften Geburtstag begonnen worden sein. Zudem müssen die Athlet*innen nachweisen, stets unter einem Gehalt von 2,5 nmol Testosteron pro Liter Blut gelegen zu haben. Im Vergleich zu ähnlichen Grenzwertregelungen im Sport ist das sehr niedrig.

Die Teilnahme transweiblicher Athlet*innen und transgeschlechtlicher Frauen bei Schwimmwettkämpfen war zuletzt international in einem von hasserfüllten Äußerungen vergifteten Klima auch auf Ebene von Verbänden und unter Sportwissenschaftler*innen diskutiert worden. Auslöser war der Wettbewerbsstart der US-amerikanischen Schwimmerin Lia Thomas an den College-Meister*innenschaften ihres Landes. Thomas hatte den Wettkampf über 500 Yards im Freistil einige Jahre nach ihrer Transition gewonnen (queer.de berichtete). Aber auch unter Radsportler*innen und Skateboarder*innen hatte es zuletzt solche Kontroversen gegeben.

Auf ihrem Kongress stimmten nach abschließenden Reden von Arbeitsgruppen aus Sportler*innen, Wissenschaftler*innen und Fachkräften für Menschenrechte 71,5 Prozent der stimmberechtigten Teilnehmer*innen für die Verabschiedung der neuen, exkludierenden FINA-Richtlinie.

Doch nicht nur die weitgehende Ausgrenzung transgeschlechtlicher Athlet*innen wurde dadurch reguliert. Auch intergeschlechtliche Sportler*innen müssen sich zukünftig, zumindest beim Schwimmen, wieder diskriminierenden Überprüfungen ihres Geschlechts unterziehen. Insbesondere die Läuferin Caster Semenya hatte wegen solcher Richtlinien immer wieder Eingriffe in ihre sportliche Karriere und internationale Berichterstattung erdulden müssen (queer.de berichtete).

Die ähnlich gelagerte Entscheidung der International Rugby League, die am Dienstag bekannt wurde, stellt indes keine eigene Richtlinie zum Thema dar, sondern ist eine Reaktion auf die vorangegangene FINA-Entscheidung. Man stoppe die Teilnahme der transgeschlechtlichen Athlet*innen bis zur Verabschiedung einer eigenen Richtlinie, an der bereits gearbeitet werde, hieß es. Hierzu seien zudem weitere wissenschaftliche Untersuchungen vonnöten.

Die Generaldirektorin der LGBTI-Menschenrechtsorganisation Equality Australia, Anna Brown, kritisierte die Entscheidung des Schwimmverbandes. Pauschale Ausschlüsse transgeschlechtlicher Frauen davon, gegen andere Frauen anzutreten, riskierten es, gegen internationale Menschenrechtsprinzipien der Nicht-Diskriminierung zu verstoßen. Diese verlangten von solchen Richtlinien, vom Gedanken der Inklusion auszugehen.

Auch die Schwimmerin Maddie Groves wandte sich gegen die Entscheidung. Sie habe insbesondere auf alle geschlechtlich nonkonformen und diversen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen Auswirkungen, die sich gegenwärtig im Schwimmsport befinden, sei diskriminierend und unwissenschaftlich.

Twitter / MaddieGroves_
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IOC gab Kompetenz an Verbände ab

Dass inzwischen die Verbände der einzelnen Sportarten an eigenen Regeln arbeiten, liegt daran, dass das Internationale Olympische Komitee dies im November 2021 durch einen "Regelrahmen zu Fairness, Inklusion und Nicht-Diskriminierung" in ihren Kompetenzbereich gelegt hatte. Begründet wurde das dadurch, dass die Frage beim gegenwärtigen wissenschaftlichen Stand nicht generell für alle Sportarten entschieden werden könne. Auch von eigenen Testosteron-Grenzwerten hatte das IOC dabei Abstand genommen und den Aspekt der Antidiskriminierung und des Rechts auf Wettkampfteilnahme betont (queer.de berichtete).

Die FINA wählte nun eine besonders restriktive Variante, die Frage für den eigenen Sport zu regeln. Die Eröffnung einer eigenen Wettkampfkategorie dürfte dabei als stigmatisierende und diskriminierende Form der Partizipation am Wettkampfbetrieb zurückgewiesen werden. Das hinderte Verbandspräsident Husain Al-Musallam nicht daran, die Regel für ihren vermeintlich inkludierenden Geist zu loben: "Ich möchte nicht, dass Athlet*innen gesagt wird, dass sie nicht an einem Wettkampf auf höchstem Niveau teilnehmen können", sagte er.

Der Präsident des Weltverbands der Leichtathletik, Sebastian Coe, lobte die FINA-Regelung indes. Man sehe einen internationalen Verband, der sein Recht bei der Festlegung von Regeln, Vorschriften und Richtlinien geltend mache, die im besten Interesse seines Sports seien. So solle es auch sein. "Wir haben immer geglaubt, dass die Biologie Gender übertrumpft, und wir werden unsere Vorschriften weiterhin entsprechend überprüfen. Wir werden der Wissenschaft folgen", erklärte er insbesondere in Hinblick auf die Rolle von Testosteron bei der sportlichen Leistung. Man habe zum Thema im Leichtathletik-Verband zudem eine eigene Diskussion für Ende des Jahres angesetzt.

Ein Sprecher des Fußballverbands FIFA gab am Dienstag gegenüber der Deutschen Presseagentur an, dass auch sein Verband an einer Regelung der Teilnahme transgeschlechtlicher Athlet*innen arbeite. (jk/dpa)



60 Kommentare

#1 LarissaProfil
#2 maybemeAnonym
  • 21.06.2022, 13:11h
  • ich frag mich wirklich, was für diese Verbandsheinis schlimmer ist, dass wir trans Menschen gewinnen oder, dass wir verlieren.

    Weil, wenn wir verlieren, und diese transphoben, patriarchalen Männer sehen uns ja nicht als Frauen, dann gewinnen in deren Augen ja Frauen über Männer, was vermutlich noch schlimmer für sie ist, weil es ja (in ihren Augen) belegt, dass Frauen auf einem Niveau sind mit den Männer.
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#3 Kotzt im StrahlAnonym
  • 21.06.2022, 13:13h
  • "Folgen der Wissenschaft"? Ja, man kann sich alles so zurecht lügen wie man will und dann behaupten, die Wissenschaft hätte das gesagt. Es ist einfach Schwachsinn. Sämtliche Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte legen dar, dass es keinen guten Grund gibt, trans Frauen aus dem Frauensport auszuschließen, aber die hören immer nur das, was sie hören wollen.
    Hört auf, euch hinter irgendeiner zusammengedichteten Lüge, die ihr als "Wissenschaft" verkauft, zu verstecken, und sagt uns einfach ins Gesicht, was der wahre Grund für diese Entscheidungen ist. Ihr hasst uns. Ihr findet uns eklig. Ihr habt Angst vor uns und am liebsten wäre es euch, wenn es uns nicht gäbe. Seid einfach ehrlich. Ich würde ihnen ins Gesicht spucken, aber dafür ist mein Speichel zu wertvoll.
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#4 HexeAnonym
  • 21.06.2022, 13:46h
  • Jaja. Eltern in den Knast schicken (Amerika) wenn sie ihre Kinder unterstützen und gleichzeitig fordern das sie als 12 (!!!!) Jährige sich bitte schon hormonell sterilisieren lassen. Hierzulande wird von Frühsexualisierung schwadroniert.

    Ich könnte noch soviel abkotzen, aber wir alle hier wissen worum es wirklich geht. Und wir haben noch tausende Punkte die man aufzählen könnte, warum das alles ungerechter, diskrimminierender Menschenhass ist.

    Aber das Endziel dieser Selbstgerechten ist doch klar:

    Ausschluss auf allen Ebenen. Am besten wäre doch wenn wir uns in ne dunkle Gasse legen und einfach verrecken.

    Scheiss Sport. Scheiss Politik. Scheiss Nazikacke.

    Bildet Banden. Stonewall was a riot.
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#5 Pu244Anonym
  • 21.06.2022, 13:59h
  • Der Frauensport ist halt eben ein Schutzraum, der für Frauen geschaffen wurde, damit sie überhaupt eine Chance haben. Man hätte das ganze auch einfach mit den Männern zusammenlegen können. Dann würden allerdings sämtliche Medaillen, bei denen es auf körperliche Kraft ankäme, ausschließlich an Männer gehen. Bei den olympischen Rekorden wären in den Disziplinen auf den ersten 1000 Plätzen nahezu ausschließlich Männer zu finden (man muß einfach nur die Zeiten/Wurfweiten vergleichen).

    Tatsache ist eben, dass Testosteron eines der stärksten Dopingmittel ist, besonders für Frauen und dass Männer, biologisch bedingt, von ihrer Physiologie im Schnitt deutlich stärker sind, als Frauen.

    Ein heikles Thema , das gelöst werden muß. Die eine Alternative wäre es Testosteron usw. bis zu einem gewissen Niveau freizugeben. Wobei das für alle Sportlerinnen einen indirekten Zwang zur Hormontherapie bedeutet hätte. Man könnte alles so lassen und damit leben, dass Transfrauen bei den Olympischen Spielen ganz groß abstauben Ich persönlich habe nichts dagegen, bin aber auch keine Frau oder gar Sportlerin, die davon betroffen ist. Die dritte Alternative ist das, was man jetzt gemacht.

    Es liegt im Trend, die Wissenschaft verächtlich zu machen, aber es ist leider eine Tatsache, dass sich der jetzt gemachte Vorschlag auf biologische Tatsachen stützt.

    Egal, wie man es macht: es ist immer falsch. Jeder der drei Vorschläge zerstört die Leben von Sportlerinnen.

    Deshalb hätte ich noch einen vierten Vorschlag: einfach Frauen- und Männersport zusammenlegen, dann sind alle Frauen unglücklich, egal ob Trans oder nicht.
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#6 MaybemeProfil
  • 21.06.2022, 14:06hBochum
  • Antwort auf #5 von Pu244
  • Kannst du deine Aussage belegen. Weil bislang ist die Statistik auf unserer Seite. Kein entscheidender Wettkampf wurde bislang von einer trans Frau gewonnen.

    Unsere Medaillenquote bei Olympia liegt bei 0 obwohl wir seit über einem Jahrzehnt teilnehmen dürfen in der Kategorie Frauen.

    Ja, Lia Thomas hat einen Wettkampf gewonnen, auf Universitätsniveau, nicht unbedingt, was man als professionell entscheidend zählen kann. Aber auch hier, sieht man sich ihre Statistik an verliert sie.

    Anekdote dazu, sie ist mal gegen einen trans Mann (der pre-Hormonen war) angetreten und hat verloren.

    Deswegen, ich bitte um Belege, weil die Statistik sagt eben, kein Vorteil (bzw. ein Nachteil, weil bei keinem Vorteil und keinem Nachteil müssten etwa 0,5% aller Medaillen bei Olympia in den Frauenwettkämpfen von trans Frauen gewonnen sein, wie gesagt, es wurde keine einzige bislang erworben - von trans Männern übrigens auch nicht)
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#7 Warum überhauptAnonym
  • 21.06.2022, 14:32h
  • Antwort auf #5 von Pu244
  • Dir ist schon bewusst, dass trans Frauen vor allem nach GaOP im Schnitt weniger Testosteron produzieren als cis Frauen, oder? Cis Frauen produzieren etwa die Hälfte ihres Testosterons in den Eierstöcken, wobei trans Frauen dafür nur die Nebennierenrinde haben. Ich kann es nicht ab, dass Leute wie du, die so dermaßen uninformiert über dieses Thema trotzdem ihre ignorante Meinung preisgeben müssen. Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal nichts sagen, wie wäre es?
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#8 dimaAnonym
  • 21.06.2022, 14:34h
  • Selbstverständlich bin ich für die gleiche Rechte für dir lgbTi*.
    Ist es aber Gleichheit und Gerechtigkeit, wenn eine Frau von ihrer Geburt an körperlich stärker als die Gegenspielerinnen?

    Sind die verschieden gesellschaftlichen Probleme und Missbräuche  angesichts geschlechtlichen  Transitionen ausgeschlossen? Wenn nein, dann müssen wir darüber immer nachdenken.

    Eins ist klar, das ist ein hochsensibles Thema, das einzigartige und komplexe Herausforderungen mit sich bringt.
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#9 So WhatAnonym
  • 21.06.2022, 14:35h
  • Antwort auf #5 von Pu244
  • Wie wäre es mit öffentlicher Geschlechtertrennung per Gesetz?
    "Diese Toilette ist nur für Cis Menschen."
    "Trans* werden in diesem Restaurant nicht bedient!"
    "Führerschein nur für Cis Menschen."
    "Verehrte Fahrgäste bitte beachten sie, die Wagen 1 - 10 sowie 11 und 12 als auch das Bord Bistro sind unseren Cis Fahrgästen vorbehalten, trans* Fahrgäste im Wagen 13 bitte beachten sie das die Toilette wegen Hygiene Problemen derzeit außer Betrieb ist - nächster Halt ist..."

    Das Sport Argument kann man natürlich auch beliebig erweitern - denn was ist mit Schulen, Universität usw.
    Was soll daran denn auch moralisch verwerfliches sein schließlich dringen trans* ja in die Schutzräume der Cis Gesellschaft ein.
    "Also ich finde ja das sind keine richtigen Frauen da schau beim Sport sind die ja nicht vertreten!"
    Da ist es dann wohl nur demokratisch das die Minderheit ausgeschlossen wird alles andere wäre ja eine Meinungsdiktatur und Queerideologie sowie Gendergaga.

    "Papa was hat die Frau da in der Hand?"
    "Das ist keine Frau das ist eine Transe!"
    Oh wait das hab ich jüngst ja wirklich so gehört - ah Mist hatte der Papa wohl nun Recht - irgendwie.

    Wie ich solche Scheinargumente verachte!
    Auf die Statistiken wurde ja bereits hingewiesen - Wissenschaft?! Das wird von den rechten Akteuren doch nur dann anerkannt wenn es ihrem Meinungsbild dient.
    Hauptsache weiter Ausgrenzen!
    Inklusion und Diversität funktioniert ja nicht...
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#10 MaybemeProfil