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"Cop Secret" jetzt im Kino

Endlich ein schwuler Actionfilm!

Wer ist Islands bester Polizist? Zu wem fühlt er sich hingezogen? Und was hat es mit den mysteriösen Überfällen in Reykjavik auf sich? In "Cop Secret" werden nicht nur all diese Fragen beantwortet, sondern auch das praktisch nicht existente Genre des schwulen Action-Films bedient. Ein Fest!


Bússi (Auđunn Blöndal) im Einsatz

Reykjavik wird heimgesucht von einer Serie Raubüberfälle, bei denen aber nichts gestohlen zu werden scheint. Ganz klar ein Fall für den besten Supercop der Stadt: Bússi (Auðunn Blöndal). Er ist der Schnellste, mit der besten Karre, extrem stark und supermännlich. So zumindest scheint es. Denn in der Beziehung mit seiner Freundin läuft nichts mehr und der muskelbepackte pansexuelle Zen-Bulle Hörður (Egill Einarsson) macht Bússi auch irgendwie nervös…

Selbst für die eifrigsten Kinogehenden dürfte eine Frage meist schwer zu beantworten sein: Welches ist der letzte schwule Actionfilm, den du gesehen hast?

Action ist noch immer männlich und hetero

Action ist als Genre tief verwurzelt heterosexuell konnotiert. Das fängt an mit den schnellen Karren und den scharfen Frauen, die beide gleichermaßen nur schmückendes Beiwerk der ausschließlich männlichen Helden sind, und reicht bis zur ostentativen Gewalt, die als rivalisierender Kampf um männlichen Status inszeniert wird. Im Verlauf der letzten über 120 Jahre Filmgeschichte hat Machismo als Prinzip – vor allem in den 1980er Jahren – durchaus auch viele gute Actionfilme hervorgebracht. Doch inzwischen ist das Muster vom männlichsten aller Männer, der sie alle haben kann, dann doch ein wenig angestaubt und ein bisschen weltsichtliche Erweiterung der Perspektive würde dem Mainstream-Kino guttun. Von einigen lobenswerten und weniger lobenswerten Ausnahmen abgesehen, ist aber das Feld hier dünn bestellt.

"Cop Secret" ist alles andere als die Hollywood-Mittelklasse, sondern hat eine Skurrilität nach der anderen aufzubieten. Angefangen bei der Tatsache, dass Debütregisseur Hannes Þór Halldórsson bisher vor allem als Torhüter der isländischen Fußballnationalmannschaft bekannt war; bis eben zum inhaltlichen Spiel mit der toxischen Männlichkeit und den Versatzstücken der Achtziger, die das Kino bis heute heimsuchen.

Mit Humor werden Klischees entlarvt


Poster zum Film: "Cop Secret" startet am 23. Juni 2022 im Kino

Zu einer Zeit, in der schon queere Küsse in mehreren Ländern als Grund für Zensur ausreichen, in denen die Rechte und die Sicherheit queerer Menschen ernstlich bedroht sind, kann ein Film wie "Cop Secret" nur gutgeheißen werden. Mit großem Selbstbewusstsein räumt er auf kopfnussig-männliche Art und Weise mit den verbohrten Klischees des Actionkinos auf und imaginiert Alternativen zu einer heteronormativen Welt.

Im Kern des Genres keimt immer etwas Explosives, etwas Disruptives. Gute Action – wenn sie nicht vom Pathos kompromittiert ist – ist nie konformistisch, sondern aufrührerisch und richtet sich gegen bestehendes Unrecht. In diesem Sinne ist "Cop Secret", der sich mit viel Selbstironie und Trashyness geradezu immun gegen Kritik macht und an erster Stelle darauf aus ist, vor allem den größten Spaß zu bereiten, unbedingt zu empfehlen. So ganz darf man das Geschehen, das sich ebenfalls um schnelle Karren und laute Knarren dreht, natürlich nicht ernstnehmen. Bzw. sollte daran an erster Stelle der unterwandernde Witz wahr- und ernstgenommen werden. "Cop Secret" versteht es auf paradehafte Weise, die Mittel der Komödie einzusetzen, um das (schädliche) Klischee zu entlarven und zu zersetzen.

Vom renommierten britischen Filmmagazin "sight and sound" wurde "Cop Secret" als "Nackte Kanone auf Isländisch" beschrieben. Das ist jedoch etwas übertrieben. Ganz so bahnbrechend komisch ist der Film nicht, das muss festgehalten werden. Die Ironie franst an der einen oder anderen Stelle etwas aus und wirkt eher wie gewollt, doch nicht gekonnt. Vor allem die Figur des Bösewichts überspannt immer wieder den Bogen. Doch das tut der Sache keinen Abbruch.

Der Mainstream ist eine feige Figur: Die prominenteste queere Szene im Actionkino ist wahrscheinlich die zehnsekündige Anspielung in "Skyfall", die ja aber natürlich auch sofort relativiert wurde. Ja, wenn das das Ausmaß von Queerness ist, das zumutbar ist, dann sind hundertmal mehr isländische Trashfilme zu wünschen!

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Infos zum Film

Cop Secret. Actionkomödie. Island 2021. Regie: Hannes Thor Halldórsson. Darsteller*innen: Rúrik Gíslason, Egill Einarsson, Björn Hlynur Haraldsson. Laufzeit: 95 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Verleih. MFA+ Filmdistribution. Kinostart: 23. Juni 2022


#1 Ith_Anonym
  • 23.06.2022, 14:09h
  • Also kein schwuler Actionfilm, siehe Vergleich mit nackter Kanone, sondern im Wesentlichen trashige Komödie mit Actioneinlagen, und vor allem keine Figur, die selbstbewusst im schwulen Leben steht, sondern der bisher hetero lebende Bisexuelle knapp an der Schwelle zum Coming Out, für den es absolut nicht okay-selbstverständlich ist, sich in einen Mann zu verknallen - könnte ja sonst Reibefläche zum hetero-Mainstream erzeugen, und wenn er sein Schwulsein nicht erstmal selbst komisch-lustig findet, fehlen der zuschauenden Hete am Ende noch die Anknüpfungspunkte.

    Wieder mal geht Schwulsein also nur Hetero-relatable und mit der ausdrücklichen Aufforderung, ganz viel lachen zu sollen statt bloß zu dürfen. Natürlich lacht der Schwule aber freiwillig über sich selbst und wir mit ihm mit, statt wir nur über ihn, schließlich sind wir total aufgeklärt ;-)

    Was soll ich sagen. Schade.
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