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Pride Award

Hamburger CSD-Preis für #OutInChurch

#OutinChurch rüttelte die katholische Kirche dieses Jahr richtig durch – und machte Diskriminierung im Namen Gottes zu einem öffentlichen Gesprächsthema.


#OutinChurch gibt es erst seit einem halben Jahr – die Initiative bewirkte aber schon einiges in der deutschen katholischen Kirche
  • 24. Juni 2022, 08:04h 4 2 Min.

Die Initiative #OutInChurch erhält den vom Hamburger CSD vergebenen Pride Award 2022. Das teilte der Hamburg Pride e.V. am Freitag mit. Mit dem Preis werden Personen des öffentlichen Lebens und bundesweite Kampagnen gewürdigt, die Vorbildcharakter für die queere Community und die Gesellschaft in Deutschland haben.

Die Initiative #OutInChurch war am 24. Januar mit einem Manifest an die Öffentlichkeit getreten und forderte eine "Kirche ohne Angst" (queer.de berichtete). Mehr als 100 queere Mitarbeitende der katholischen Kirche sagten an diesem Tag: "Wir identifizieren uns unter anderem als lesbisch, schwul, bi, trans*, inter, queer und non-binär." Am gleichen Tag äußerten sich viele der Beteiligten unter anderem in der Dokumentation "Wie Gott uns schuf", die Das Erste in der Primetime ausstrahlte (queer.de berichtete). Das Medienecho war gewaltig, die begleitende Petition auf change.org unterzeichneten bislang mehr als 120.000 Menschen.

"Die Initiative hat der Öffentlichkeit die unhaltbaren und erschütternden Zustände in der Katholischen Kirche in Bezug auf die Diskriminierung queerer Mitarbeitenden offengelegt, und damit auch all den Menschen eine Stimme gegeben, die tagtäglich Angst, Anfeindungen und psychischem Druck innerhalb der Kirche ausgesetzt sind", erklärten Nicole Schaening und Christoph Kahrmann, die Co-Vorsitzenden von Hamburg Pride. "Von #OutInChurch geht das Signal für einen dringend erforderlichen Veränderungs- und Modernisierungsprozess in der Katholischen Kirche aus – mit dem Potenzial, den Alltag aller Homo-, Bi- und trans Menschen in der Kirche zu verbessern. Wir hoffen sehr, dass dies auch die Katholische Kirche in Gänze erkennt und entsprechend handelt."

#OutInChurch fordert unter anderem Segnungen für queere Paare sowie einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen Handlungs- und Berufsfeldern in der Kirche für queere Mitarbeitende und eine Änderung des Arbeitsrechts. Die kirchliche Lehre zu Geschlechtlichkeit und Sexualität müsse revidiert werden. Der öffentliche Druck, den #OutInChurch auslöste, war groß: Beim Arbeitsrecht ist mittlerweile Bewegung in die Diskussion gekommen (queer.de berichtete). Der Synodale Weg, mit dem die Kirche unter anderem offener gegenüber queeren Menschen werden will, wird aber derzeit von Papst Franziskus torpediert (queer.de berichtete).

Der Pride Award wird am 30. Juli im Rahmen der Pride Night, der offiziellen CSD-Eröffnung, auf Kampnagel überreicht. Stellvertretend für #OutInChurch wird eine kleine Gruppe zusammen mit einem der Initiator*innen, Jens Ehebrecht-Zumsande, den Award entgegennehmen.

Im Jahr 2021 war der Hamburg Pride Award an die WDR-Journalistin Georgine Kellermann gegangen (queer.de berichtete). (pm/dk)

-w-

#1 KosmetikerinAnonym
  • 24.06.2022, 10:37h
  • Wer liturgisch minderwertige "Segnungen" statt gleichberechtigter Trauungen fordert, betreibt lediglich Diskriminierungskosmetik. Diese Initiative hat nichts zum Besseren bewirkt, sondern strebt betoniete Ausgrenzung an. Sie macht sich im Übrigen weiterhin mitschuldig, weil sie diejenigen freiwillig finanziert, die LGBT*IQ in den Tod treiben. Das ist durch und durch amoralisch und unethisch.

    "Wie Gott uns schuf" ... Es gibt keine Götter.
    www.kirchenaustritt.de
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#2 QueerblickAnonym
  • 24.06.2022, 11:57h
  • Antwort auf #1 von Kosmetikerin
  • Hallo Kosmetikerin!
    Mag für dich es keinen G:tt geben, so habe bitte die Toleranz, dass es Menschen gibt, für die es einen Gott* gibt. Die Initiative OuthInChurch hat mir sehr viel Kraft gegeben für mein schwules Leben in der kath. Kirche. So wie man zur Entscheidung kommt, diese Kirche zu verlassen; so gibt es auch diese Überzeugung zu bleiben. Beides gilt es zu respektieren.
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#3 Gnurfel42Anonym
  • 24.06.2022, 19:48h
  • Ich stehe OutInChurch ambivalent gegenüber. Einerseits natürlich positiv, da sichtbar wurde, dass halt auch Katholiken queer sein können. Das war natürlich ein direkter Angriff auf deren Dogmen gewesen, weil es ja öffentlich zeigte, dass die katholische Kirche einfach unrecht hat; dass auch das größte Dogma sich am Ende der queeren Realität stellen muss. DAS sollte man nicht kleinreden.

    Die Sache hat aber trotzdem einen GIGANTISCHEN Haken: Denn andererseits war die Aktion doch an vielen Stellen einfach viel zu halbseiden und nur wenige Leute der Aktion sind dann auch tatsächlich ausgetreten. Die Forderungen der Aktion waren auch insgesamt kaum radikal, denn die Kirche als Institution an sich wurde kaum verurteilt. Und selbst, wenn alle Forderungen erfüllt würden, wäre die Kirche immer noch eine totale Katastrophe. Wenn die Kirche in Punkto Queerness also schon komplett falsch liegt, stellt sich die Frage, wo sie sonst noch überall falsch liegt. :-)

    Gerade der fehlende Kirchenaustritt war meiner Meinung nach der größte Fehler an der Aktion, weil ja alles vom Papst abhängt, und der wird sich von der Aktion kaum beeindrucken lassen. Da kann man noch so viele synodale Wege machen, es nützt gar nichts.
    Und der Papst ist IMMER NOCH ganz offen homophob, d.h. spätestens jetzt sollte man als queere Person oder Ally die kath. Kirche verlassen haben, schon aus Prinzip. Alles andere ergibt überhaupt keinen Sinn.

    Liebe katholischen Queers: Wacht endlich auf aus eurem Tagtraum und stellt euch der Realität, dass die Kirche NICHT euer Freund ist. Mit homophoben und queerphoben Menschen an der Macht kann man nicht verhandeln, genausowenig wie man mit Antisemiten verhandeln kann. Ich habe den Eindruck, die katholischen Queers versuchen verzweifelt, ihren Unterdrückern noch irgendetwas gutes abzugewinnen, aber das ist schon der Denkfehler: Queerfeindlichkeit ist niemals OK, ob mit oder ohne Religion.

    Mein Fazit: Das Coming-Out an sich war gut, die absolut halbgare Kritik an der Kirche (oder teilweise sogar eine Legitimation!) war sehr schlecht.
    Immerhin: Einige der Aktionsteilnehmer sind auch tatsächlich ausgetreten, die waren wegnistens konsequent. Aber das war anscheinend nur die Minderheit.

    Daher finde ich, OutInChurch hat keinen Preis verdient, die Aktion was insgesamt viel zu schwach, zu widersprüchlich und es hätte sich bestimmt ein würdigerer Preisträger gefunden.
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