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Interview

"Ich bin nicht mehr darauf festgelegt, trans Frauen zu spielen"

In "Pose" liebten wir Michaela Jaé Rodriguez als selbstlose Mother Blanca, in der neuen Serie "Reich!" ist sie als toughe Geschäftsfrau Sofia zu sehen. Ein Gespräch über die Chancen von trans Schauspieler*innen und positive Veränderungen im TV.


Michaela Jaé Rodriguez als knallharte Geschäftsfrau Sofia Salinas in "Reich!" (Bild: Apple TV+)

Michaela Jaé Rodriguez, geboren im Januar 1991 in Newark, New Jersey, begann ihre Karriere mit einer Rolle im Musical "Rent" am Off-Broadway. Nach kleinen Serien-Auftritten in "Nurse Jackie" oder "Luke Cage" gelang ihr der Durchbruch mit einer Hauptrolle in der Serie "Pose". Drei Staffeln lang spielte sie darin die HIV-positive trans Frau Blanca Evangelista und wurde für diese Rolle unter anderem für den Emmy nominiert und mit dem Golden Globe ausgezeichnet.

Inzwischen arbeitet Rodriguez auch an ihrer Karriere als Sängerin – gerade erst trat sie bei der Pride-Parade in Los Angeles auf, demnächst erscheint ihre erste EP. Anlässlich ihrer neuen Rolle in der Comedy-Serie "Reich!", die ab 24. Juni 2022 bei AppleTV+ zu sehen ist (Originaltitel: "Loot"), führten wir mit ihr ein Videotelefonat.

Ms. Rodriguez, "Reich!" ist Ihre erste echte Comedy-Rolle. Was hat Sie daran gereizt?

Mit Mother Blanca in "Pose" habe ich ja lange Zeit eine Rolle gespielt, in der es wirklich alles andere als heiter zuging. Und ich bin auch wirklich ein Drama-Girl, ich liebe düstere Geschichten und wahrhaftige Darstellungen davon, wie viel Kampf und Schmerz das Leben für einen Menschen bereithalten kann. Gleichzeitig kann ich nicht leugnen, dass die dauerhafte Beschäftigung mit solchen Themen auch belastend sein kann und manchmal schwer auf uns Schauspieler*innen liegt. Deswegen war ich nach dem Ende von "Pose" gezielt auf der Suche nach einem Projekt mit gänzlich anderem Tonfall und anderer Energie. Die sehr strenge und hartnäckige Geschäftsfrau Sophia, die ich nun in "Reich!" spiele, war genau das. Und sie ist als Typ nicht nur komplett anders als Blanca, sondern auch sehr weit weg von mir selbst. Das war natürlich spannend.

Nun ist Ihre Figur in der Serie die einzige, die eigentlich nicht per se lustig ist. Aber zwischen lauter erfahrenen Komiker*innen wie Maya Rudolph war es vermutlich nicht leicht, keine Miene zu verziehen, oder?

Es war wahnsinnig schwer. Am Anfang war ich auch wirklich wahnsinnig nervös bei der Aussicht, mit all diesen Comedy-Gurus vor der Kamera zu stehen, die alle perfektes Timing haben und jeden aus dem Stehgreif zum Lachen bringen können. Umso erfreuter war ich, wie leicht sie mir es gemacht, mich zugehörig zu fühlen. Die Herausforderung, still und leise in mich hineinzukichern und mir nichts anmerken zu lassen, blieb aber natürlich trotzdem.

War es für Sie etwas Besonderes, dass es bei Sophia nicht darum geht, dass oder ob sie trans ist?

Ich habe in der Vergangenheit auch schon etliche cis Frauen gespielt, so ist es nicht. Aber diese Rolle hier hat natürlich eine ganz andere Dimension; das ist echter Mainstream. Und tatsächlich habe ich mich sehr gefreut, dass mein Transsein für diese Figur keine Rolle spielte. Sophia ist eine hart arbeitende Frau, die ihre Karriere fest im Blick hat und sich in ihrer Führungsposition an der Spitze einer Stiftung immer wieder beweisen muss. So wie wir Frauen das ja tatsächlich immer wieder müssen. Ob sie nun trans ist oder nicht, das ist dabei vollkommen unwichtig.

Nehmen solche Rollen zu? Sehen Sie eine Entwicklung zum Positiven, was die Chancen für trans Schauspieler*innen angeht?

Oh ja. Ich bekomme inzwischen viel mehr Möglichkeiten als früher. Die Vielfalt wird mehr und das Schubladendenken weniger. Als trans Frau bin ich nicht mehr zwingend darauf festgelegt, trans Frauen zu spielen. Die Türen haben angefangen, sich für Mädels wie mich zu öffnen; die Situation ist wirklich nicht mit der vor zehn Jahren vergleichen.


Michaela Jaé Rodriguez mit Nat Faxon, Ron Funches und Joel Kim Booster in "Reich!" (Bild: Apple TV+)

"Pose" hat dazu natürlich wesentlich beigetragen, auch für Ihre ganz persönliche Situation. Vermissen Sie die Serie?

Natürlich, vor allem meine "Pose"-Familie. Viele von denen kannte ich ja schon vor der Serie, und wir sind auch alle immer noch in Kontakt. Mir fehlt die Arbeit an der Serie, mir fehlt Blanca. Und "Pose" war für viele von uns auch ein Weg, unsere eigenen Traumata weiter zu verarbeiten und zu heilen. Aber ich bin auch nicht unzufrieden damit, wie unsere Geschichte nach drei Staffeln zu Ende ging. Und freue mich sehr, dass es nun neue Aufgaben gibt, denen ich mich stellen kann. Auch das gehört ja zum Heilungsprozess.

Sie haben in der Vergangenheit berichtet, dass Sie bei der Rolle in "Pose" das Gefühl hatten, dies könnte womöglich Ihre einzige echte Chance im Showgeschäft sein. Wann wurde Ihnen klar, dass dem nicht so ist? Dass "Pose" tatsächlich etwas verändert und weitere Möglichkeiten eröffnet?

Ehrlich gesagt wurde es mir so richtig erst bewusst, als ich die Rolle in "Reich!" in der Tasche hatte. Bis dahin hielt ich es immer noch für möglich, dass die Türen für mich doch verschlossen bleiben. Oder zumindest, dass ich auf trans Rollen und die LGBTQIA-Nische festgelegt werde. Dass dem nicht so war, erstaunt in gewisser Hinsicht immer noch.

Sie waren immerhin bereits als erste trans Frau für den Emmy nominiert und wurden mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Half das nicht gegen Zweifel?

Solche Ehrungen sind natürlich das Sahnehäubchen auf allem, was in den letzten Jahren passiert ist. Aber man bekommt deswegen nicht automatisch neue Rollen. Und sie machen mich auch nicht zu einem anderen Menschen. Trotzdem will ich die Dinge natürlich nicht klein reden. Allein für den Emmy nominiert zu sein, war eine unglaubliche Erfahrung. Weil es gezeigt hat, dass auch Menschen wie ich gesehen und wahrgenommen werden. Und dass wir solche Dinge erreichen können, selbst wenn es vor uns noch niemandem gelungen ist.

Apropos Sichtbarkeit: Durch Ihre bloße Präsenz sind Sie inzwischen zu einem Vorbild für andere geworden. Fühlten Sie sich in dieser Rolle automatisch wohl?

Tatsächlich war das für mich eigentlich ein Kinderspiel. Anderen Menschen zu zeigen, dass unsere Gesellschaft mehr zu bieten hat als das, was ich in meiner Jugend in Film und Fernsehen zu sehen bekam, war mir schon ein Anliegen lange bevor ich Erfolg hatte. Ich bin gerne der lebende Beweis dafür, dass man anders sein und trotzdem seine Ziele erreichen kann. Dass es eben nicht nur eine konventionelle Art von Vorbild gibt. Ist doch toll, wenn ich die Menschen nicht nur mit meiner Arbeit inspiriere, sondern auch damit, wer ich bin. Und zwar vielleicht nicht nur meine Babys in der LGBTQIA-Community, sondern auch darüber hinaus.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Serie
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-w-

#1 Christian1111Anonym
  • 24.06.2022, 20:14h
  • Hallo, wo kann ich pose jetzt sehen, auf netflix ist die Serie ja verschwunden
  • Direktlink »
#2 passwortlosesUnicornAnonym
#3 ya no estoy aquiAnonym