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Neu auf Netflix

"Pride" auf Polnisch: Dragqueen unterstützt streikende Bergleute

In der Feel-Good-Serie "Queen Sylwester kehrt zurück" reist ein alternder Drag-Star zum ersten Mal nach vielen Jahren von seinem Pariser Exil in seine polnische Heimatstadt – und schlüpft auch dort in den Fummel.


Dragqueen Loretta mischt Polen auf (Bild: Netflix)

Schon die erste Szene ist purer Drag: Auf silbrig-glitzernden Hochhackigen tritt Loretta in einem Pariser Nachtclub auf und schmettert in buntestem Outfit "Comment te dire adieu". Loretta, das ist ein alternder und erfolgreicher Pariser Schneider namens Sylwester Borg (Andrzej Seweryn, der auch schon in der polnischen Thrillerserie "Im Sumpf 1997" mitspielte). Das Geschäft brummt, so dass seine Angestellten ihn dazu drängen, eine ganze Ladenkette daraus zu machen. Doch Sylwester will nicht, er überlegt, sich ein Haus im Süden zu kaufen, hadert jedoch mit der Idee eines Alterssitzes an der Côte d'Azur.

Sylwester will auf Rente – doch eines Tages kommt ein Brief aus Polen, dem Land, aus dem er vor vielen Jahren emigrierte. Seine Enkelin schreibt, sie sei die Tochter seiner Tochter Viola. Aber nicht nur das: Sie bittet ihn, nach Polen zu kommen und ihrer Mutter eine Niere zu spenden.


Sylwester ist ein erfolgreicher Schneider in Paris (Bild: Netflix)

"Ich kenne diese Frau nicht", sagt Sylwester kühl, was seinen besten Freund empört. Doch es kommt, wie es kommen muss: Sylwester legt in Paris seinen letzten Auftritt als Loretta hin und fährt in die kleine polnische Bergbau-Stadt, in der seine Tochter und seine Enkelin leben. Mit seinem gut geschnittenen Anzug wirkt Sylwester "wie ein Adliger", wie seine Enkelin sagt.

Kein herzlicher Empfang für den tot geglaubten Vater

Die erste Begegnung mit Viola verläuft äußerst unangenehm, denn sie wusste nichts vom bevorstehenden Besuch des tot geglaubten Vaters. "Mit einem Strauß in der einen Hand, in der anderen eine Niere – was hast du erwartet, dass ich dir um den Hals falle?", sagt die Tochter vorwurfsvoll.

Und natürlich kommt es, ziemlich erwartbar, nicht nur zur Versöhnung, sondern auch dazu, dass die Dragqueen Loretta einen Auftritt in der polnischen Stadt hinlegt – und das sogar auch als Unterstützung streikender Bergleute. In diesen Momenten erinnert die Serie stark an den Film "Pride" von 2014, in dem es um den britischen Bergarbeiterstreik von 1984 geht – und bei dem queere Aktivist*innen Seite an Seite mit den Bergleuten protestierten.

Unterhaltung mit wenig Tiefgang


Poster zu Serie: Die vier Folgen von "Queen Sylwester kehrt zurück" können seit 23. Juni 2022 auf Netflix gestreamt werden

Ansonsten bleibt "Queen Sylwester kehrt zurück" (geschrieben wurde die Serie von Arni Asgeirsson) leider ziemlich flach. Oft läuft süßliche Musik im Hintergrund, und auch die Figuren und Dialoge bleiben meist recht eindimensional. Polens Homophobie, die auch politisch gefördert wird, bleibt im Hintergrund und wird nur am Rand thematisiert. Das ist schade, hätte es doch Möglichkeiten gegeben, das in die Handlung einzustricken.

Wer sich für Polens komplizierte Geschichte im Bezug auf LGBTI-Rechte interessiert, sollte sich lieber "Operation Hyazinth" anschauen – ein Film, der eine groß angelegte Überwachungsaktion im Polen der 1980er Jahre schildert. Doch das ist natürlich recht düster, und nicht zu vergleichen mit der Feel-Good-Serie "Queen Sylwester kehrt zurück". Spaß kann man mit der Serie dennoch haben, nur sollte man nicht allzu viel Tiefgang erwarten.

Ein kleiner Fun Fact ist, dass die Serie am polnischen Vatertag bei Netflix herauskam. Eine kleine Provokation, die wohl aber bis auf weiteres nichts an der in der polnischen Gesellschaft weit verbreiteten Homophobie ändern wird.

Direktlink | Englischer Trailer zur Mini-Serie
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#1 Elios23Anonym
  • 26.06.2022, 19:20h
  • Ich bin für jeden queeren Film dankbar, in dem es nicht um AIDS, Homophobie und Coming-Out geht.
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#2 HmmmAnonym
  • 26.06.2022, 20:04h
  • Gerade die erste Folge gesehen:

    Sympathisch unaufgeregt, toller Cast, tolle Chemie zwischen dem Hauptdarsteller und seiner Filmenkelin, gefällt soweit echt gut.
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#3 cujoAnonym
  • 29.06.2022, 21:38h
  • Och Leute, warum sollte es denn nicht auch mal "Feel Good" sein? Irgendwo gehört das zum Thema Drag doch auch dazu.

    Der Tiefgang kommt doch alleine durch die Thematik, die sich jeder selbst ausmalen kann was es bedeutet "anders" zu sein in der polnischen Gesellschaft. Ich finde schon, dass die Serie, das in gewisserweise auch gut rüber bringt.

    Ich finde es verstörend, dass jedes Mal, wenn Queerness mit einem Lebensgefühl dargestellt wird, wo es nicht in erster Linie darum geht wie schwer "wir" es haben von "wenig Tiefgang" gesprochen wird.

    Gerade die Befremdung in der Familie wird thematisiert und die "Power of Love"!

    Lasst uns doch auch mal träumen von einer besseren EINFACHEREN Welt, verdammt! Wie schwer es wirklich ist, wissen wir alle zu genüge!

    PS: Diese Serie hat viel zu wenig Aufmerksamkeit! Tolle, authentische Schauspieler, schönes Schauspiel, humoristische Spitzen gegen die Gesellschaft. Ich mochte es!
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