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Affenpocken

Mehr Fälle, Berliner Impfkampagne stockt

Eigentlich sollten bereits Mitte Juni Impfungen gegen das Affenpockenvirus verfügbar sein. Doch in Berlin steckt die Impfkampagne noch immer in der Vorbereitung. Unterdessen sind die Fallzahlen weiter gestiegen.


Die Berliner Gesundheitssenatorin informierte am Dienstag über den aktuellen Stand bei den Affenpocken (Bild: Screenshot YouTube)
  • 29. Juni 2022, 07:22h 21 5 Min.

Die Affenpocken verbreiten sich in Deutschland weiter. Das Robert-Koch-Institut meldete am Mittwoch, dass inzwischen 874 Fälle der Infektionskrankheit aus allen 16 Bundesländern gemeldet worden seien. Vergangenen Freitag lag dieser Wert noch bei 676.

Die meisten Fälle werden gegenwärtig in Berlin registriert. Am Montag waren es allein 557 infizierte Personen. Damit befinden sich 67 Prozent der deutschen Fälle in der Hauptstadt. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hatte Berlin darum vergangene Woche den "Affenpocken-Hotspot Deutschlands" genannt. Zudem waren mit Stand vom vergangenen Freitag 30 dieser Fälle hospitalisiert gewesen, wie die Gesundheitsverwaltung bekannt gegeben hatte.

Doch obwohl Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Verfügbarkeit des Impfstoffs in Deutschland zum 15. Juni versprochen hatte, ist die Impfkampagne in Berlin noch immer nicht gestartet.

Virus nicht harmlos


Aktuelles Flugblatt der Deutschen Aids-Hilfe zu MPX

Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Gesundheitssenatorin Ulrike Gote möchten möglichst bald mit der Kampagne beginnen. Am Dienstag äußerte sich Gote dazu auch in der Landespressekonferenz.

Man habe den Eindruck, so Gote, dass man "schon wochenlang damit beschäftigt" sei. Tatsächlich habe man jedoch erst vor zwei Wochen vom Bundesgesundheitsminister die Nachricht bekommen, dass man einen Impfstoff einsetzen könne. Man sei darum tatsächlich erst seitdem dabei, die Impfungen mit dem zur Verfügung stehenden Mittel vorzubereiten. Das klang wie eine Spitze gegen Karl Lauterbach, der eigentlich angekündigt hatte, dass die Impfmittel Mitte Juni bereits zur Verfügung stehen sollten.


Die Zahl der MPX-Infektionen in Deutschland scheint exponentiell zu steigen (Bild: Our World in Data)

Gote warnte erneut vor dem Eindruck, dass es sich bei dem auch MPX genannten Virus um eine harmlose Krankheit handele. Es sei in Wahrheit eine sehr schmerzhafte Erkrankung und "keineswegs eine, die man mal so eben in Kauf nehmen kann". Zudem könnten schwere Verläufe auch durch Sekundärinfektionen zustande kommen. Man sollte daher alles tun, Menschen, die dem Risiko einer Infektion ausgesetzt sind, zu schützen.

Bisher verbreite sich die Krankheit in Berlin nach wie vor ausschließlich unter Männern, die Sex mit Männern haben. Gote betonte allerdings, dass die Übertragung nicht ausschließlich beim Sex erfolge. Alle Bevölkerungsgruppen könnten betroffen sein. Man nehme zur Kenntnis, dass sich das Virus gegenwärtig in einer Risikogruppe aufhalte, sagte sie. Die ersten Impfangebote würden daher in diese Richtung kommuniziert.

Um das Ausbruchsgeschehen einzudämmen, werde man die Aufklärung in der Community sowie die Kontaktnachverfolgung weitertreiben. Zudem seien Isolation und Quarantäne für Infizierte beziehungsweise ihre Kontaktpersonen über 21 Tage anzuordnen. Die Impfung stelle bei diesen Bemühungen einen wichtigen Baustein dar.

Berlin orientiert sich nun doch an STIKO-Empfehlung

Die Gesundheitsverwaltung stellte unterdessen Informationen zu den einzusetzenden Impfstoffen bereit. In einem ersten Schritt stehe dazu der Impfstoff Jynneos der Firma Bavarian Nordic zur Verfügung, der sogenanntes "Modifiziertes Vaccinia Virus Ankara" enthält. Bundesweit gäbe es davon 40.000 Dosen. Berlin habe davon rund 8.000 Stück erhalten.

Ab der zweiten Julihälfte soll dann der Impfstoff Imvanex der Firma Bavarian Nordic, der ebenfalls Modifiziertes Vaccinia Virus Ankara enthält, in einer Stückzahl von 200.000 geliefert werden. Hier soll Berlin laut Gote am Dienstag in der Pressekonferenz 80.000 Stück bekommen. Der Wirkstoff der beiden Mittel ist aber identisch.

Berlin werde sich an der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur Impfung (queer.de berichtete) orientieren. Die sieht vor, dass Personen ab 18 Jahren zur Postexpositionsprophylaxe (PEP), also nach einem engen Kontakt mit einer infizierten Person, die Impfung erhalten sollen. Das geschieht im besten Fall so früh wie möglich und in einem Zeitraum von 14 Tagen nach dem Kontakt.

Außerdem sollten sogenannte Indikationsimpfungen bei Menschen verabreicht werden, die ein erhöhtes Infektionsrisiko aufwiesen. Geplant sei, die Impfungen in den Berliner HIV-Schwerpunktpraxen, der Charité und der Klinik für Infektiologie des St. Joseph-Krankenhauses in Berlin-Tempelhof anzubieten.

/ Aidshilfe_de | Die Deutsche Aids-Hilfe fordert – nicht nur in Berlin – ein gezieltes und umfassendes Impfangebot an die Community
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Damit ändert Berlin auch den zunächst mitgeteilten Kurs bei der Impfkampagne. Vor zwei Wochen hatten die Berliner Gesundheitsämter noch wissen lassen, dass man zu präventiven Impfungen keinen Anlass sehe.

Wird gegen die Affenpocken geimpft, geschieht dies in der Regel zwei Mal in einem Abstand von 28 Tagen. Nur bei Menschen, die bereits eine Pockenimpfung aus der Zeit haben, in der sie noch weit verbreitet verabreicht worden war, reicht eine einmalige Impfung.

Ist der Impfstoff nur eingeschränkt verfügbar, empfiehlt die STIKO, zunächst prioritär den exponierten Kontaktpersonen eine Postexpositionsprophylaxe anzubieten. Darüber hinaus sollten sowohl bei der PEP als auch bei der Indikationsimpfung Personen mit einer erhöhten Gefahr für einen schweren Verlauf, etwa Personen mit Immundefizienz, bevorzugt geimpft werden.

Gote kündigte zudem an, dass man abhängig von der Auslastung der geschaffenen Angebote und der Impfnachfrage auch versuchen werde, die Zielgruppe mit punktuellen Impfaktionen zu erreichen. Als Beispiel nannte sie Angebote vor Clubs. Zudem sei durch die Charité eine Begleitstudie zur Beurteilung der Wirksamkeit der Impfstoffe geplant. Nur die Finanzierung der Studie sei bisher noch nicht geklärt.

Gote dankte den Einrichtungen, die ansonsten zu HIV arbeiten, dafür, dass sie von sich aus bei der Aufklärung zu den Affenpocken aktiv geworden sind. Diese Arbeit werde man nun gemeinsam weiter intensivieren. Hierzu nannte die Gesundheitssenatorin Banner, die man auf Websites vom Berliner CSD, der Siegessäule, dem Lesbisch-schwulen Straßenfest sowie verschiedener Clubs, Bars und Saunen schalten wolle. Diese sollen bei einem Klick zu einem inhaltlich mit der Schwulenberatung Berlin abgestimmten Aufklärungsangebot führen.

Ebenfalls vor zwei Wochen wurde bekannt, dass Expert*innen der Weltgesundheitsorganisation daran arbeiten, einen neuen Namen für das Virus zu finden. Der Grund ist, dass der falsche Assoziationen auslösende Name Affenpocken zur Stigmatisierung Betroffener beitrage (queer.de berichtete). (jk)

-w-

#1 TraumkonstellationAnonym
  • 29.06.2022, 09:28h
  • This is what happens, Larry. This is what happens when an ueberforderter Gesundheitsminister and ze Berliner Senat Dinge am Planen dran sind. This is what happens, Larry!

    Mehr als schrachen* kann mensch da nicht
    (* schreien und lachen gleichzeitig)
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#2 InkompetenzAnonym
  • 29.06.2022, 10:02h
  • Bekommt die Berliner Politik eigentlich auch mal was hin?
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#3 NevermindAnonym
  • 29.06.2022, 10:11h
  • Antwort auf #1 von Traumkonstellation
  • Was hätte man mehr tun können oder was hätte anders gemacht werden sollen, damit du nicht schreist und lachst? Der Impfstoff steht seit Mitte Juni zur Verfügung, wie Lauterbach richtig angekündigt hat. Dass es einige Tage oder Wochen dauert, bis er tatsächlich verimpft werden kann, ist nicht zu vermeiden und müsste jedem klar sein. Wer sich jetzt ansteckt, trägt dafür auch selbst Verantwortung. Man könnte für ein paar Wochen auf anonymen Sex verzichten, bis man geimpft ist. Das ist eigentlich sehr einfach. Jedenfalls sollte man dann nicht über Hrn. Lauterbach oder Frau Gote meckern.
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