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Ratgeber und Autobiografie

Der einzige buddhistische Mönch, der High Heels trägt

Kodo Nishimura, geboren 1989, ist in einem Kloster in Tokio ebenso zuhause wie auf den Laufstegen dieser Welt. Jetzt hat der Mönch und Make-up-Artist seine Lebensgeschichte aufgeschrieben.


Kodo Nishimura, geboren 1989, ist japanischer buddhistischer Mönch und Make-Up Artist, der in den USA und in Japan aktiv ist (Bild: Munemasa Takahashi)

Kodo Nishimura schminkt internationale Models für Modeschauen und läuft auch selbst über die Laufstege. Er ist LGBTIQIA*-Aktivist, kann sich aber mit keinem der Buchstaben identifizieren, sondern bezeichnet sich als "gender-gifted". Auch das "Q" für queer bedeutet für ihn eher "questioning" – gemeint ist das ständige Erkunden der eigenen Gedanken, Empfindungen, Intentionen und des Verhaltens.

Gleichzeitig ist Kodo buddhistischer Mönch der Jodo Shu, der japanischen "Schule des Reinen Landes" – und wahrscheinlich weltweit der einzige buddhistische Mönch, der High Heels trägt. In seinem Buch beschreibt er seinen Lebensweg und wie er Buddhismus und Beauty nutzt, um Menschen zu helfen.

Die Schönheit des Herzens entdecken


"Der Mönch in High Heels" ist am 1. Juli 2022 bei Knaur Balance erschienen

Der erste Teil von "Der Mönch in High Heels" (Amazon-Affiliate-Link ) besteht aus seiner Lebensgeschichte. Kodo Nishimura wuchs in Japan auf in einer Gesellschaft, in der ein hoher Anpassungsdruck an traditionelle Geschlechterrollen existiert. Sein Vater war Mönch in einem Tempel, und so kam er auch mit dem Buddhismus in Berührung. Er merkte aber schnell, dass er nicht in die Schubladen passte, die die Gesellschaft vorsahen. Erst mit Mitte 20 traf er in den Vereinigten Staaten die LGBTIQIA*-Community und gewann das Selbstbewusstsein, seinen Weg zu gehen.

Aber auch der war schwierig: Kodo stellte fest, dass seine Gestalt, seine Augen, seine Nase usw. nicht den typischen, westlich geprägten Schönheitsidealen entsprach. Ein Schlüsselmoment für ihn war, als die Japanerin Riyo Mori den "Miss Universe"-Titel gewann und ihn inspirierte, selbst mit Make-up und Maskara zu experimentieren. Er lernte, wie sehr Schminken und Mode einen Menschen verwandeln können. Er schminkte auch Freundinnen und stellte fest, dass sie dadurch dauerhaft Selbstbewusstsein gewannen.

Er beschloss, Make-up-Artist zu werden, und lernte auch, wie er damit anderen Menschen helfen konnte. Ihm wurde bewusst, wie unterschiedlich Schönheitsideale sein können und wie eng diesbezüglich die Grenzen der einzelnen Kultur sein können. Am wichtigsten ist für ihn die Schönheit des Herzens und die Fähigkeit, diese in anderen zu entdecken – und dies ist die erste Verbindung zu buddhistischen Lehren.

Unsere große Gleichheit ist, dass wir alle verschieden sind


Im Zojoji Tempel am Fuße des Tokyo Tower machte
Kodo Nishimura seine Ausbildung zum Mönch (Bild: unsplash)

Dem Buddhismus war er zuerst skeptisch eingestellt, aber er beschloss, ihn dennoch zu studieren und absolvierte auch die Mönchausbildung. Er traf einen Lehrer, der ihn motivierte, auch hier seinen eigenen, authentischen Weg zu gehen, anstatt krampfhaft zu versuchen, sich Identitäten und Rollen anzupassen. In den Lehren der Jodo Shu fand er Vieles, das ihm dabei half. Diese buddhistische Richtung gilt als sehr inklusiv – ethische Werte, Nicht-Diskriminierung und Hilfe stehen im Zentrum. Diese buddhistische Richtung ist in Deutschland eher unbekannt, aber es gibt auch hier Menschen, die sie praktizieren, und es gründet sich gerade eine queere Sangha.

Kodo Nishimuras Sichtweise ist, dass individuelle und allgemeine Befreiung keinen Widerspruch darstellen, sondern sich ergänzen. Unsere große Gleichheit ist, dass wir alle verschieden sind. Der Mönch in High Heels will queeren Menschen Mut machen, sich selbst zu akzeptieren und sich auf das Abenteuer einzulassen, den eigenen, einzigartigen Weg zu gehen. Und er hat den Mut, buddhistische Schriften so zu interpretieren, dass sie ihm und anderen Menschen, die nicht in das Korsett von Normen passen, helfen.

Für die Akzeptanz von Vielfalt beruft sich Kodo etwa auf einen Satz aus dem Amida-Sutra, einer Schrift, die in der Jodo Shu im Mittelpunkt steht. Dort wird ein Teich voller Lotusblumen beschrieben: "Die blauen entsenden blaue Strahlen, die goldenen goldene, die roten rote und die weißen weiße."

Infos zum Buch

Kodo Nishimura: Der Mönch in High Heels. Du darfst sein, wer du bist. Übersetzt von Judith Elze. 240 Seiten. Knaur Balance. München 2022. Gebundene Ausgabe: 18 € (ISBN 978-3-426-67622-6). E-Book: 14,99 €

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#1 SerenityAnonym
  • 01.07.2022, 22:26h
  • Heute bin ich 56. Mit 21 habe ich in einem buddhistischen Kloster gelebt - für 1 Jahr. Dort gab es auch Gewalt. Als jemand der in Deutschland geboren wurde, kenne ich Gewalt aus dem eigenen Elternhaus, und um so weniger hätte ich sie dort, im buddhistischen Kloster, erwartet. Ich freue mich auf dieses Buch und bin ein wenig neidisch, da ich, als Buddhist und Trans*Mensch, mich immer noch nicht traue, dass zu leben, was ich bin. Mit 50 erkannte ich mein Anders Sein. Meine Angst ist es, wenn ich nach Russland, den USA, dem Krieg in der Ukraine, ja , der Welt schaue und der allgemeinen Unsicherheiten, was Demokratien betrifft (es werden immer weniger) dass das, was Leben wirklich bedeutet, immer kleiner wird. Danke den Menschen die aufstehen, Danke Queer.de, Danke allen...Danke für dieses Buch.
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