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Pride-Festival
CSD Köln: Reker verurteilt Queerfeindlichkeit und Gewalt
Von Köln solle an diesem Wochenende die Botschaft von Akzeptanz und Wertschätzung ausgehen, erklärte die parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker zur Eröffnung des Cologne Pride 2022.

Henriette Reker ist seit 2015 Oberbürgermeisterin von Köln (Bild: Stadt Köln)
- 1. Juli 2022, 14:45h 2 Min.
Zum Start des CSD-Wochenendes in Köln hat Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) Gewalt und Anfeindungen gegen Homosexuelle scharf verurteilt. "Ob Oslo oder Istanbul: Homo- und Transfeindlichkeit sind nicht hinnehmbar – niemals und nirgendwo", sagte Reker laut Redemanuskript am Freitag. Von Köln solle an diesem Wochenende die Botschaft von Akzeptanz und Wertschätzung ausgehen. "Wir setzen mit einer der größten Pride-Veranstaltungen Europas auf Vielfalt als Stärke und Chance für unsere Gesellschaft."
In Oslo hatte am vergangenen Wochenende ein Angreifer rund um eine beliebte queere Bar Schüsse abgefeuert. Zwei Menschen starben, 21 wurden verletzt (queer.de berichtete). In Istanbul waren bei der Pride-Parade am vergangenen Sonntag zahlreiche Menschen festgenommen worden, die für LGBTI-Rechte demonstriert hatten (queer.de berichtete).
Reker fordert Zivilcourage
"Immer dann, wenn Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Geschlechtsidentität, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder aufgrund einer körperlichen oder geistigen Behinderung diskriminiert werden – immer dann ist unsere Zivilcourage und eine starke, aufrechte Haltung gefragt", sagte Reker.
In Köln begann am Freitag ein dreitägiges Straßenfest zum CSD unter dem Motto "Für Menschenrechte. Viele. Gemeinsam. Stark". Auf drei Bühnen in der Altstadt gibt es Musik und politische Diskussionen. Höhepunkt des Wochenendes ist die CSD-Demonstration am Sonntag, zu der mindestens 800.000 Menschen erwartet werden. (cw/dpa)















Die fordert unser Bundes-Frank-Walter auch immer, wenn es wegen Versäumnissen der Politik Gewaltopfer und -tote zu beklagen gibt. Dann ist Politik immer ganz schnell dabei: "konnte niemand ahnen" (äh, doch - konnte man. Und zwar *jahrelang*, weil die Zeichen und die Worte lange genug auch in der vielbeschworenen "Mitte der Gesellschaft" Anklang und Verbreitung fanden). Oder: "Wir dürfen als Gesellschaft nicht zulassen, dass Hass und Gewalt das Leben bla bla bla" (Fun fact: Tun sie aber. Und zwar schon *jahrelang*, weil die Zeichen und die Worte, ok, siehe oben).
Und dann natürlich der Schwenk vom gerade erwähnten "wir" zum "ihr" (in Form von: "Ist zwar eigentlich unsere Aufgabe, aber macht ihr das mal, liebe Bürger:innen, bei uns reicht's doch, wenn wir einmal im Jahr die Regenbogenfahne hissen, warme Worte in die Kameras sprechen"): "Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes müssen... Zivilcourage... Hass ausgrenzen... so eine Tat nicht nochmal wiederholt."
Fun fact: Ausgrenzen von Hass und Hetze ist gar nicht mal so leicht, wenn diese beispielsweise durch Gerichte gedeckt werden oder bei Polizeien, nun, sagen wir, vielleicht nicht die höchste aller Prioritäten haben oder wenn die Politik statt endlich mal in Sachen Queerfeindlichkeit richtig agierte, man wahlweise mit "würden wir ja gern, haben aber gerade so viel anderes und wichtigeres zu tun" (das Spielchen funktioniert aber auch abseits von unseren "unwichtigen" Rechten und zu vernachlässigendem Schutz auch bei anderen Themen wie dem Klimawandel) oder "ja, natürlich sind es keine vollumfänglichen Menschenrechte, die ihr habt, aber hey: besser als gar nichts" abgespeist.
Natürlich hat auch die Gesellschaft, haben wir eine Mitwirkungspflicht. Aber verdammt, liebe Politik, nicht *ausschließlich* wir, denn unsere Möglichkeiten, die legalen, sind begrenzt. Ihr, die ihr aber auch unsere Vertreter:innen seid, die ihr auch für uns Gesetze erlasst, in unserem Sinne regieren sollt und euch zumindest auf weisungsbefugte Urteile oder Menschenrechtschartas stützen solltet, ihr hättet die Möglichkeit das einzubringen. Kommunal. Auf Landesebene. Oder im Bund.
Vielleicht probiert ihr das auch mal, statt immer nur von "Zivilcourage" zu erzählen. Die, nebenbei, auch sehr enge rechtliche Grenzen hat, was insbesondere in Sachen Notwehr nicht selten zum Problem für das/die Opfer und Helfende werden kann.