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Podcast

Kommt mit den Affenpocken das Comeback des Kondoms?

Im neuen QUEERKRAM-Podcast spricht Johannes Kram mit dem Infektiologen Hartmut Stocker und DAH-Sprecher Holger Wicht über den MPX-Ausbruch in der schwulen Community, die Ansteckungsgefahr beim CSD und notwendige Präventionsmaßnahmen.

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In Köln werden an diesem Wochenende wieder Hunderttausende zum CSD erwartet. Manche Menschen bleiben allerdings auch zuhause. Denn Corona ist nicht einfach verschwunden, der Anschlag in Oslo hat neue Ängste geweckt, und dann gibt's ja nun auch noch die Affenpocken. Über 1.000 Fälle meldete das RKI am 1. Juli aus allen 16 Bundesländern, bei den Infizierten handelt es sich fast ausnahmslos um schwule Männer. Pride-Veranstaltungen seien "wirkungsvolle Gelegenheiten" für das MPX-Virus, um "junge, sexuell aktive und hochmobile Leute" zu befallen, warnt selbst die WHO.

Wie sicher ist der CSD? Das ist nur eine von vielen Fragen, die Johannes Kram den Gästen seines neuen QUEERKRAM-Podcasts stellt. Mit Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am Berliner St. Joseph Krankenhaus, und Holger Wicht, Pressesprecher der Deutschen Aidshilfe, spricht er eine Stunde lang über den weltweiten MPX-Ausbruch, neue medizinische Erkenntnisse, die Balance zwischen Stigmatisierungsgefahr und gezielter Ansprache der sexpositiven schwulen Szene und wie der noch knappe Impfstoff am besten verteilt werden sollte.

Affenpocken als wortwörtliche "pain in the ass"

Ein "zufälliger Startpunkt" (Wicht) und "reines Zufallsgeschehen" (Stocker) sei es, so betonen beide Podcastgäste, dass sich die Infektionen aktuell überwiegend unter homo- und bisexuellen Männern mit wechselnden Sexpartnern verbreiten. "Wenn das Virus erstmal in einer Gruppe drin ist, dann geht es rund", erklärt der DAH-Pressesprecher.

Anderthalb Monate nach dem Auftreten der ersten Fälle hat der Chefarzt neue, wichtige Erkenntnisse. Zum einen komme es immer wieder zu sogenannten Superinfektionen mit anderen Krankheitserregern, zum anderen habe er Patienten mit äußerst schmerzhaften Analentzündungen. Gerade an der Eintrittsstelle des Virus in den Körper beobachte er besonders heftige Pocken-Reaktionen mit späterer Vernarbung. Bei einer Infektion etwa am Mund werde "das nicht wieder hübsch".


Hartmut Stocker (l.), Johannes Kram (m.) und Holger Wicht (r.) vor dem Tonstudio

Für manche Betroffene seien die Affenpocken eine wortwörtliche "pain in the ass", bestätigt Holger Wicht. Bedeutet das ein Comeback des Kondoms? "Das Kondom reduziert das Risiko an bestimmten Stellen, aber es ist keine Garantie, dass man sich nicht infiziert", stellt der Pressesprecher klar. "Kondome schützen deine besten Teile", wird Hartmut Stocker deutlicher. Beide setzen auf Aufklärung und wollen, dass Menschen ihre eigenen Risikoabwägungen und Entscheidungen treffen. Wicht etwa, so erzählt er im Podcast, verzichtet selbst aktuell auf Saunabesuche.

Gegen Schließung von Darkrooms

Von der kompletten Schließung schwuler Dampfbäder oder Darkrooms, wie auch teilweise aus der Community gefordert wird, halten die beiden Experten überhaupt nichts. Schneller Sex lasse sich nicht verbieten, schon gar nicht im Zeitalter von Grindr, warnt der DAH-Sprecher und verweist auf die Erfahrungen aus der Aidskrise. Der Affenpocken-Ausbruch ließe sich mit solchen Maßnahmen auch gar nicht mehr stoppen, ergänzt der Chefarzt.

Auch beim Pride-Wochenende an diesem Wochenende in Köln setzen die beiden schwulen Podcastgäste auf persönliche Risikoabwegung. "Lasst euch nicht den Spaß verderben. CSDs sind nicht infektiös. Es kommt darauf an, was man tut", sagt Wicht.

Aber kann man denn nun jemand mit nacktem Oberkörper auf der Parade noch unbedenklich umarmen? Auch darüber diskutieren der DAH-Pressesprecher und der Chefarzt, die sich in vielen, aber nicht allen Punkten einig sind, und sich vor allem mit klaren Verhaltensregeln schwertun.

Im Podcast, das sei hier verraten, sind viele Zwischentöne zu hören, es geht um zahlreiche weitere Aspekte im Umgang mit MPX, darunter Scham, Ausgrenzung und Ärzte mit Vorurteilen, aber auch um die nicht gerade wenigen offenen Fragen. Ein absolut informatives und hilfreiches Gespräch, um die MPX-Lage selbst besser einschätzen und eigene Abwägungen treffen zu können!

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Warum sich Schauspieler outen sollten
Folge 2 mit Anastasia Biefang:
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Folge 3 mit Ralf König:
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Wie viel kreatives Potenzial steckt in der Corona-Krise?
Folge 4 mit Georg Uecker:
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Folge 6 mit Ines Pohl:
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Folge 7 mit Patrick Lindner:
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"Dass mein Leben auch zählt, müssen mir Weiße nicht sagen"
Folge 9 mit Annie Heger:
"Ich werde als Christin von der LGBT-Community mehr angefeindet als andersrum"
Folge 10 mit Aminata Touré und Tessa Ganserer:
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Folge 35 mit Julia Shaw:
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16 Kommentare

#1 gastAnonym
  • 02.07.2022, 13:04h
  • Wundert mich dass man, schon alleine um Syph u. Tripper "aus´m Weg zu gehen, kein Präservativ nutzt.
    Sich auf Truvada als Rundumschutz verlassen ist ja bodenlos leichtsinnig.
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#2 qwertzuiopüAnonym
  • 02.07.2022, 14:25h
  • um es mal klar zu sagen, ich hab absolut keinen bock auf affenpocken. das hat zu corona gerade noch gefehlt. man hat echt das gefühl, am besten baut man sich irgendwo im wald eine höhle und bleibt da 20 jahre.
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#3 sickoboAnonym
#4 Lucas3898Anonym
  • 02.07.2022, 15:08h
  • Wobei Affenpocken im Gegensatz zu HIV nicht nur über Blut und Sperma übertragen werden.
    Sondern auch über Hautkontakt.

    Da wäre also wo ein Taucheranzug das passende.
    Manche stehen ja sogar auf Rubber/Neopren. ;)
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#5 aux_Anonym
#6 aux_Anonym
  • 02.07.2022, 16:14h
  • Antwort auf #4 von Lucas3898
  • Das RKI schließt eine Infektion nach durchgemachten Pocken über Sperma ausdrücklich nicht aus und rät zu Kondomen über acht Wochen post Infektion:

    "Nach einer Erkrankung sollten Sie nach Abheilen aller Aus­ schläge und Abfallen des Schorfs acht Wochen lang beim Sex ein Kondom benutzen, da das Virus auch noch eine Zeitlang in der Samenflüssigkeit vorhanden sein könnte."

    www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Affenpocken/Affenpocken-Flyer.
    pdf?__blob=publicationFile


    "... zum anderen habe er Patienten mit äußerst schmerzhaften Analentzündungen. Gerade an der Eintrittsstelle des Virus in den Körper beobachte er besonders heftige Pocken-Reaktionen mit späterer Vernarbung."

    Wichtige Beobachtung.

    Darf man bei "mild" immer mitdenken... Entstellung post Fellatio? Eine unter der Bedingung von Corona sicherere Praktik, theoretisch, oder läßt hier jemand im Park die Maske auf...

    Richtig übel wäre eine Pocke auf der Hornhaut, auch die ist möglich, aber mit obiger Bemerkung vielleicht weniger wahrscheinlich - es sei denn man leckt sich die Augen. Soll ja alles schon vorgekommen sein bei diesen sogenannten... *check notes*... Queers.
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#7 StaffelbergblickAnonym
  • 02.07.2022, 17:09h
  • oh neue Erkenntnisse nach diesem Podcast. Pockennarben sind bekannt ... aber mit dem jetzigen "Sahnehäubchen" ... im worst case Pockennarben am Pimmel oder gar am Schließmuskel. Narben ein hartes nicht dehnbares Gewebe .... mir reicht schon meine altersversteifende Wirbelsäule ....
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#8 gastAnonym
#9 Paula RoydAnonym
  • 02.07.2022, 23:08h
  • "Das Comeback des Kondoms"?! Da merkt man doch wieder, dass man einer anderen Generation (?) oder vermutlich noch mehr einer anderen Mentalität angehört... Die Schlagzeile suggeriert, dass das Kondom mittlerweile als Verhütungsmittel vollkommen abgeschrieben sei, weil alle nur noch Pillen einwerfen.

    Newsflash: Es gibt immer noch jede Menge Leute, die Kondome verwenden, weil sie sich nicht nur vor HIV schützen wollen und weil sie es auch irgendwie ungeil finden, prophylaktische Medikamente zu essen, wenn sich die gleiche und sogar erweiterte Schutzwirkung auch mit einem Gummi über dem Schwanz erreichen...
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#10 PiakAnonym
  • 03.07.2022, 10:00h
  • Antwort auf #9 von Paula Royd
  • Nein, das ist bloß die Berlin-Blase. Das kann man doch an den Zahlen gut erkennen. Es gibt lauf hier veröffentlichtem Artikel nur ungefähr 20.000 Prep-Nutzer in Deutschland insgesamt und die sind wohl auch noch besonders auf Zentren, d.h. vor allem Berlin konzentriert. Also in der selbsternannten Affenpocken-Hauptstadt (was auch immer so ein Begriff soll). Das ist eben ein harter Kern, in dessen Bereich sich dieses Virus jetzt so explosionsartig ausgebreitet hat. Und aus Perspektive solcher Blasen macht eine Frage nach Comeback des Kondoms dann auch tatsächlich Sinn, während sie für alle anderen weitgehend unverständlich bleibt.
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