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Luise Amtsberg
Menschenrechtsbeauftragte vor WM: Bei Katar "am Ball bleiben"
Luise Amtsberg sieht positive Entwicklungen in Katar, die aber weitergeführt werden müssten. Nicht alle sind überzeugt, dass die WM zu Fortschritten etwa bei LGBTI-Rechten führt.

Luise Amtsberg ist 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit dem Januar Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt. (Bild: Deutscher Bundestag / Simone M. Neumann)
- 5. Juli 2022, 09:52h - 3 Min.
Trotz der anhaltenden Kritik an Gastgeber Katar sieht die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung die Fußball-WM auch als Chance für Verbesserungen der Menschenrechtslage. "Der Blick der Weltöffentlichkeit liegt auf solchen Veranstaltungen", sagte Luise Amtsberg am Dienstag bei RTL/ntv. Laut der Grünen-Politikerin habe die wichtige Aufmerksamkeit für massive Menschenrechtsverletzungen "bereits zu Verbesserungen auf gesetzlicher Ebene in Katar geführt".
Die praktische Umsetzung der Veränderungen in dem Emirat sei aber noch nicht ausreichend. "Es kann passieren, dass man Verbesserungen erreicht, aber man muss am Ball bleiben", sagte Amtsberg.
Die Menschenrechtsbeauftragte sieht auch die deutsche Politik in der Pflicht, auf weitere Verbesserungen in Katar zu drängen. Das Emirat sei auch über die WM hinaus von der weltpolitischen Bühne nicht mehr wegzudenken.
Sportausschuss: Sachverständige uneins über Wirkung der WM
Bereits am Montag hatte der Sportausschuss des Deutschen Bundestages einer öffentlichen Anhörung zur Fußball-Weltmeisterschaft Katar teilweise gesellschaftliche Fortschritte bescheinigt. "Wir müssen die Chance nutzen, um über die WM hinauszublicken", sagte Sebastian Sons vom Zentrum für angewandte Forschung in Partnerschaft mit dem Orient am Montag in Berlin. Allerdings würden die "Veränderungen nicht zu einer Demokratisierung führen, aber zu einer Liberalisierung".
Aus Sicht von Katja Müller-Fahlbusch von Amnesty International gab es bereits 2021 einen großen Mangel an der Umsetzung der Reformen: "Wir sehen Fortschritte, aber auch Stagnation. Für das Gros der Arbeitnehmer hat sich die Situation nicht großartig verbessert."
Beschorner: Großveranstaltungen stabilisieren Unrechtsregime
Einen ganz anderen Effekt der Vergabe von Großveranstaltungen an Regime sieht Thomas Beschorner, Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen. "Demokratisierungen und Liberalisierungen durch sportliche Großveranstaltungen finden de facto nicht statt und dienen nicht selten zur Stabilisierung und weltweiten Geltung von Unrechtsregimen", sagte Beschorner, "im Sport sollten wir uns von der 'Wandel durch Handel'-Story verabschieden."
Katar wird immer wieder wegen systematischen Menschenrechtsverstößen und Ausbeutung von Migrant*innen kritisiert. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück und führt Reformen zu Gunsten der ausländischen Arbeiter*innen an. Auch die Diskriminierung von queeren Menschen stand zuletzt vermehrt in der Kritik. In Katar ist Homosexualität gesetzlich verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft, muslimische Homosexuellen werden sogar mit der Todesstrafe bedroht.
Nach den Worten von Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani werden bei der WM zwar alle Gäste willkommen geheißen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung – sie müssten aber "unsere Kultur respektieren" (queer.de berichtete).
Laut einer aktuellen Umfrage spricht sich fast die Hälfte der Deutschen für einen WM-Boykott aus (queer.de berichtete). (dpa/dk)













